Aber zurück zur Eisenbahnlinie von Yambol nach Burgas. Anlässlich ihrer Fertigstellung stiftete das bulgarische Finanzministerium mit Ukas Nr. 76 vom 14. Mai 1890 (veröffentlicht im Staats-Anzeiger [Държавен вестник] Nr. 110 vom 25. Mai 1890) die Medaille „Für die Errichtung der Eisenbahnlinie von Yambol nach Burgas“ [Медал „За Построяване Железопътната Линия Ямбол – Бургас“].
Sie existiert in drei Größen: mit Durchmesser 90 mm, nicht tragbar, in Gold; mit Durchmesser 50 mm, nicht tragbar, in Bronze vergoldet, in Silber und in Bronze; und mit Durchmesser 30 mm, tragbar, in Silber und in Bronze. Die Entwürfe stammten von Joseph Christian Christlbauer (1827–1897); die Stempel schnitt Johann Schwerdtner in Wien, wo auch die Prägung erfolgte.
Laut Pavlov (in PA S. 248) und Petrov (in PE5 S. 176 f.) wurde zunächst nur eine einzige Medaille mit 90 (de facto 89,6) mm Durchmesser wohl in 986/000 Gold zu 110 Dukaten, mit einem Gesamtgewicht von 383,2 g geprägt und in einem bordeauxfarbenen oktogonalen Samtetui an Fürst Ferdinand I. vergeben. Sie zeigt auf dem Avers das nach rechts gewandte Portrait von Fürst Ferdinand von Bulgarien, mit der Umschrift ФЕРДИНАНД IИЙ КНЯЗЬ НА БЪЛГАРЯ [Ferdinand I. Fürst von Bulgarien], unterhalb des Halsabschnittes die Stempelschneider-Signatur „J.SCHWERDTNER“, und auf dem Revers eine Dampflokomotive beim Überqueren einer Brücke wohl über den Fluss Tundscha [Тунджа] bei Yambol, mit der Umschrift ЯМБОЛЪ – БУРГАСЪ 14 МАЙ 1890 [Yambol – Burgas 14. Мai 1890 ]. Die Gestaltung der Dampflokomotive hatte wohl den Typ zum Vorbild, von dem heute mit der Nr. 148 ein Exemplar im Bulgarischen Eisenbahnmuseum in Russe [Русе] im Norden Bulgariens ausgestellt ist.
Nach dem Tod von Ferdinand I. am 10. September 1948 gelangte die Medaille auf dem Erbwege an seine jüngste Tochter Nadejda Prinzessin von Bulgarien (30. Januar 1899 – 15. Februar 1958), die mit Albrecht Eugen Herzog von Württemberg (8. Januar 1895 – 24. Juni 1954) verheiratet war; und nach ihrem Tod an deren Erben.
Eine im Durchmesser identische zweite Große Goldmedaille wurde laut Pavlov (in PA S. 248) und Petrov (in PE5 S. 176 f.) auf Wunsch von Fürst Ferdinand seiner Mutter Clementine übergeben, dass ihre finanzielle Unterstützung all dies erst ermöglicht hatte. Diese gilt jedoch als verschollen.
Wir sind stolz darauf, diese große Rarität in unserer Auktion 395 anbieten zu können, die vom persönlichen Engagement und der Begeisterung, mit der Ferdinand I. sich für die Erschließung seines Landes mittels der Eisenbahn einsetzte, zeugt.