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Die Goldene Hochzeit des Milibauern

Die Goldene Hochzeit des Milibauern

"Bayernhochzeit", so nennen Sammler das 3 Mark Stück, das anlässlich der Goldenen Hochzeit des Königs von Bayern 1918 geprägt wurde. Es zeigt das Porträt Ludwig III. und seiner Gemahlin Marie Therese von Österreich-Este. Wir erzählen, warum diese Goldene Hochzeit zum Fiasko wurde.

von Ursula Kampmann

Am 23. September 2026 versteigern wir im Rahmen unser Herbst-Auktion 446 die Sammlung eines Physikers von hochkarätigen und bestens erhaltenen Münzen des Deutschen Kaiserreichs mit vielen Raritäten. Eines der Stücke, das in dieser Partie angeboten wird ist die so genannte "Bayernhochzeit".

Bayernhochzeit

Spezialsammler wissen, dass mit dieser Bezeichnung keine tatsächliche Hochzeit gemeint ist, sondern ein 3 Mark-Stück, das auf der Vorderseite die Porträts des bayerischen Königspaares zeigt. Ludwig III. und seine Gemahlin Marie Therese von Österreich-Este feierten ihre Goldene Hochzeit am 20. Februar 1918.

Eine Goldene Hochzeit war in der Vergangenheit selten. Nur wenige Ehepaare erlebten sie. Meist verhinderten das die niedrige Lebenserwartung und die hohe Sterblichkeit Gebärender. Ludwig III. wies in seiner Dankesrede ausdrücklich darauf hin, dass in all den Jahren der Wittelsbacher Herrschaft über Bayern - und deren Beginn datiert immerhin ins Jahr 1180 zurück - es außer ihm nur einem einzigen vergönnt war, eine Goldene Hochzeit zu feiern.

Da die Fortschritte der Medizin des 19. Jahrhunderts die Lebenserwartung deutlich steigerten, wurden Goldene Hochzeiten häufiger. Im Deutschen Kaiserreich waren es immerhin drei Herrscherpaare, die auf dieses Ereignis Münzen prägen ließen. Denn so ein Ehejubiläum war alles andere als privat. Es war ein Fest für den ganzen Staat, ein Gradmesser der Loyalität, die das gesamte Land der Herrscherdynastie entgegenbrachte.

Goldene und Silberne Hochzeiten im Münzbild

Am 10. November 1872 begingen der sächsische König Johann und Amalie Auguste, geborene Prinzessin von Bayern, unter großer Beteiligung der Bevölkerung auf Schloss Pillnitz ihre Goldene Hochzeit. Aus diesem Anlass erfolgte eine umfangreiche Emission von Gedenkmünzen - nicht als 3 oder 5 Mark Stücke, sondern als sächsische Vereinsdoppeltaler. Noch war das legal. Das Gesetz vom 4. Dezember 1871 regelte lediglich den Umlauf von Goldmünzen. Das Gesetz hinsichtlich Silbermünzen und Kleingeld wurde erst am 9. Juli 1873 erlassen. So wurde die Gedenkmünze auf die Goldene Hochzeit des sächsischen Herrscherpaares gleichzeitig zur letzten Talerprägung auf Reichsboden. Die Silbermünzen sind relativ häufig. Von den nur 86 Goldabschlägen, die für die hochrangigen Gäste der Zeremonie angefertigt wurden, wechselte der des Kaisers Wilhelm I. für 32.000 Euro in Auktion 442 den Besitzer.

Dann feierten am 20. September 1906 Großherzog Friedrich I. von Baden und Großherzogin Luise ihre Goldene Hochzeit mit Gottesdienst, öffentlicher Huldigung und einem beeindruckenden Bankett - und natürlich mit einer umfangreichen Münzemission: 350.000 2 Mark-Stücke und 60.000 5 Mark-Stücke wurden geprägt.

Auch eine Silberne Hochzeit war eine Gedenkmünze wert wie die des württembergischen Herrscherpaares am 8. April 1911. Insgesamt 500.000 Münzen wurden auf die Silberne Hochzeit von König Wilhelm II. und Königin Charlotte von Schaumburg-Lippe geprägt.

Anhalt hatte nur einen Bruchteil der Einwohner von Württemberg. Deshalb sind die 200.000 3 Mark Stücke und die 30.000 5 Mark Stücke, die Friedrich II. von Anhalt anlässlich seiner Silbernen Hochzeit mit Marie von Baden ausgeben ließ, eine gewaltige Zahl. Sie feierten ihr Fest am 2. Juli 1914 in Dessau mit einem großen Dankgottesdienst, einer Huldigung durch die Bevölkerung und vielen hochrangigen Delegationen. Doch die Stimmung war gedrückt: Nur vier Tage vorher war der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajewo ermordet worden. Und damit änderte sich alles...

Die Welt, in der Ludwig III. und Marie Therese von Österreich-Este zu feiern versuchten, war eine völlig andere geworden.

Jugendbild des späteren Königs Ludwigs III. von Bayern, wohl um 1868

Eine Liebesehe

Und dabei gab es so gute Voraussetzungen für eine wirklich publikumswirksame Feier. Schließlich hatte die Ehe zwischen dem 23-jährigen Ludwig und der 19-jährigen Marie Therese alle Zutaten, die von der Boulevardpresse heute noch geschätzt werden, wie wir aus der Morgenausgabe der Münchner Neuesten Nachrichten vom 19. Februar 1918 erfahren: "Es war eine Neigungsheirat, bei der nur das Herz gesprochen hatte, denn niemand konnte damals daran denken, dass Prinz Ludwig als Anwärter auf den bayerischen Königsthron einmal in Betracht käme. Politik und Staatswille schwiegen also bei dieser Verbindung. Es war vielmehr so gekommen: Jahrs zuvor an Pfingsten hatte Prinz Ludwig bei der Trauerfeier in Wien für die verunglückte Erzherzogin Mathilde den König Ludwig II. von Bayern vertreten. Bei dieser Gelegenheit sah der junge Prinz seine künftige Braut und Gemahlin zum ersten Mal, und so tief war der Eindruck auf sein Gemüt, dass die Werbung auf dem Fuße folgte, und schon am 22. Oktober 1867 die Verlobung ... gefeiert wurde."

Marie Therese von Österreich-Este (links) mit der tödlich verunglückten Jugendfreundin Mathilde (rechts). Fotographie aus dem Jahr 1867

Das stimmt so tatsächlich. Als ältester Sohn des fünften Kindes von König Ludwig I. war Ludwigs Aussicht auf den Thron gering. Gelegentlich setzte man ihn für Aufgaben ein, die so unwichtig (und unerfreulich) waren, dass sich niemand sonst darum kümmern mochte. Dazu gehörte die Beerdigung der 18-jähringen Mathilde, die ihren frühen Tod wahrscheinlich einer Zigarette, einem leicht entflammbaren Kleid und einem strengen Vater verdankte, vor dem sie ihr Rauchen hatte verbergen wollen. Der Feuertod der jungen Frau war wahrlich kein schöner Anlass für einen Besuch in Wien. Doch bei der Beerdigung traf Ludwig III. Marie Therese. Es war Liebe auf den ersten Blick. Der Rest ist Geschichte.

Der “Millibauer”

Als Ludwig seine Marie Therese heiratete, saß sein Cousin Ludwig II. gerade einmal vier Jahre auf dem Thron. Noch rechnete man mit vielen Thronfolgern. Unser Ludwig suchte sich also eine Beschäftigung. Das Militär mochte er nicht. Als 21-jähriger Oberleutnant war er 1866 bei Helmstadt schwer verwundet worden. Davon hatte er für den Rest seines Lebens genug. So kaufte er 1875 Schloss Leutstetten und machte daraus ein landwirtschaftliches Mustergut, das ihm wegen seiner 158 Milchkühe den Spitznamen "Millibauer", Milchbauer, eintrug. Anders als sein prunkliebender Cousin war Ludwig volksnah, hatte ein soziales Gewissen und reiste durch ganz Bayern, um den Bauern zu erklären, wie sie mittels hygienischer Maßnahmen die Milcherträge enorm steigern konnten. Als Ludwig nach dem Tod seines Vaters Luitpold am 5. November 1913 den Thron bestieg, hätte er eigentlich gute Voraussetzungen gehabt, um zu einem beliebten Herrscher zu werden.

Ludwig III. und Kaiser Wilhelm II. begehen die Jahrhundertfeier der Befreiungshalle in Kelheim.

Landesvater unter preußischer Kriegswirtschaft

Doch dann kam jener unselige Erste Weltkrieg, der im bayerischen Volk auf so wenig Gegenliebe stieß. Denn die preußische Regierung war brillant, wenn es darum ging, die Kosten der Kriegsführung auf das gesamte Reich umzuwälzen, während es vor allem preußische Unternehmer waren, die an der Waffenfabrikation verdienten. Das wurde von den bayerischen Politikern durchaus erkannt. Ende August 1918 sprach der bayerische Kriegsminister davon, dass bei gleicher finanzieller Leistung relativ wenig Geld in die bayerische Wirtschaft zurückgeflossen sei, so dass die Verarmung Bayerns voranschreite. Kronprinz Rupprecht klagte in einem Brief vom 19. Juli 1917: "Der Segen der Kriegsmilliarden, die unter anderem durch die häufig ausgeschriebenen und auch in Bayern gut gezeichneten Kriegsanleihen zusammengekommen waren, ist im deutschen Vaterland sehr ungleich niedergegangen. Der Norden wurde reicher. Der Süden ärmer." Und die Bevölkerung? Die stöhnte unter der Rationierung und den staatlichen Abgabequoten auf landwirtschaftliche Erzeugnisse. Bezahlbare Lebensmittel gab es nur auf Bezugsscheine. Die reichten nicht aus, um satt zu werden. Wer mehr kaufen wollte, musste auf dem Schwarzmarkt Wucherpreise zahlen. Die Städter schimpften auf die bäuerliche Habgier. Die Bauern klagten über die preußischen Schikanen. Keine Männer - 70% der wehrfähigen Männer war im Feld; keine Pferde - die hatte die Armee requiriert; kein Benzin für landwirtschaftliche Geräte - das brauchte das Heer und die kriegsrelevante Industrie; kein Dünger - Nitrat ging in die Munitionsfabriken, Salpeter ließ die britische Handelssperre nicht mehr durch. Und dazu noch schlechtes Wetter! Wie, bitte, sollte man die notwendigen Mengen produzieren? Und was tat der König dagegen? In erster Linie nichts. Zwar ging seine Milch an gemeinnützige Institutionen, aber für eine wirklich intelligente Politik, die bayerische Interessen gegen die preußische Zentralregierung hätte durchsetzen können, fehlte ihm die diplomatische Erfahrung und die Fähigkeit, sich den Umständen nicht nur anzupassen, sondern Chancen zu nutzen.

Am Abgrund

Man konnte zusehen, wie es schlimmer wurde. Der Winter 1916/7 ist als der Steckrübenwinter in die Geschichte eingegangen. Damals kamen auch in der Stadt die eigentlich für das Vieh vorgesehenen "Dodschn" auf den Tisch. Im nächsten Winter wäre man um die "Dodschn" froh gewesen. Es gab kaum noch etwas. In Landshut zum Beispiel - Kapitale des fruchtbaren Niederbayern - erhielt der Erwachsene theoretisch noch 160 g Mehl pro Tag und 167 g Fleisch pro Woche - wenn es überhaupt verfügbar war. 1917 betrug die tägliche Kalorienzufuhr unter 1.000 Kalorien pro Person und Tag. Und es wurde schlimmer!

Das führte am 28. Januar 1918 in Bayern zum ersten Streik. Ihm folgten viele weitere. Am 31. Januar demonstrierten bereits 8.000 Personen auf der Münchner Theresienwiese gegen den Krieg.

Und gleichzeitig sammelten Regierungsvertreter eifrig Geld bei der Bevölkerung ein, um es dem Herrscher mit großer Geste als Geschenk seiner Bürger zur Goldenen Hochzeit zu überreichen! Man kann sich vielleicht vorstellen, was diejenigen, die nichts zu essen hatten, dazu gesagt haben mögen.

Fotographie von Ludwig III. und Marie Therese. Undatiert.

Das Fest

Ludwig III. plante persönlich das Fest seiner Goldenen Hochzeit - und wollte wirklich der Situation Rechnung tragen. Allzu gut gelungen ist es ihm nicht. Fünf Tage dauerten die Feierlichkeiten, zu denen hohe Gäste aus dem In- und Ausland anreisten und natürlich fürstlich bewirtet wurden. Ludwigs Gästen wurden sicher keine "Dodschn" vorgesetzt. Der erste Höhepunkt war die Landeshuldigung durch die bayerischen Würdenträger im Herkulessaal der Münchner Residenz. Wegen des Krieges beschränkte man sich auf "nur" 160 Teilnehmer. Die Morgenausgabe der "Münchner Neuesten Nachrichten vom 19. Februar 1918 beschreibt das Geschehen detailliert: "Nachdem der König und die Königin vor den Thronsesseln sich aufgestellt hatten, wurden sie von den Prinzessinnen, die ihren Platz zur Rechten des Thrones hatten, mit tiefer Verbeugung begrüßt. Zur Linken standen die Prinzen, zunächst dem König Kronprinz Rupprecht mit dem Marschallstab. Der König hatte große Generalsuniform mit dem Bande des Hubertusordens angelegt, die Königin trug ein blass lila Kleid mit Silberspitzen, Hermelinkragen, dazu Perlenketten und hatte als einzige Auszeichnung das König-Ludwigskreuz angelegt." Dann wurden Reden gehalten und Ludwig III. verkündete feierlich, wie er die Millionen auszugeben wünsche, die ihm das bayerische Volk zur Goldenen Hochzeit geschenkt hatte: "Die reichen Gaben aber, mit denen Wir heute in so hohem Maße erfreut wurden, nehmen Wir gerne und mit Dank entgegen. Es ist Unser Wunsch, dass die Uns dargebrachten Landesspenden nicht untergehen im Wechsel der Zeit, sondern dass sie erhalten bleiben zum dauernden Gedächtnisse, dass die Wohlfahrt Unseres Volkes Unser höchstes Glück hinieden ist. Sie sollen dazu dienen, Wunden, die der Krieg geschlagen, zu heilen, die Volkskraft zu stärken und die Lebenshaltung der Tapfersten der Tapferen zu erleichtern. Wir haben darum beschlossen, mit der Uns dargebrachten Landesspende im Betrage von fünf Millionen Mark eine Stiftung zu errichten zur Fürsorge für Säuglinge, Kleinkinder und kinderreiche Familien. Ein weiterer Betrag von drei Millionen Mark soll den Inhabern der goldenen und silbernen Militärverdienst-Medaille einen Ehrensold sichern. Wir wollen weiter zur Erinnerung an die Feier Unserer goldenen Hochzeit noch aus Unserem eigenen Vermögen mit einem Kapitale von 500,000 Mark eine Stiftung errichten, um würdigen und bedürftigen Landeskindern, vorzugsweise Kriegsteilnehmern, den Eintritt in den Ehestand und die Begründung eines Hausstandes zu erleichtern. Getreu den Überlieferungen Unseres Hauses, dass die Pflege und Förderung der Kunst stets zu seinen schönsten Vorrechten gezählt hat, haben Wir aber auch den Wunsch, am Tage Unserer goldenen Hochzeit dem künstlerischen Schaffen Münchens in besonderer Weise die Fürsorge zuzuwenden. Wir haben Uns daher entschlossen, als Grundstock zur Errichtung eines vornehmen Ausstellungsgebäudes für Kunst- und Kunstgewerbe auf dem Gelände des Alten Botanischen Gartens an der Elisenstraße den Betrag von einer Million zweihunderttausend Mark aus dem Uns zur Verfügung stehenden Stiftungsmitteln zu überweisen."

Das Denkmal der Goldenen Hochzeit Ludwigs III. ist an keinem öffentlichen Ort untergebracht, sondern in der Münchner Residenz. Foto: KW.

Besuch des Kaisers

Am folgenden Tag traf Kaiser Wilhelm II. um 11 Uhr am Münchner Hauptbahnhof ein. Er wurde von König Ludwig, Kronprinz Rupprecht, Prinz Leopold und allen anderen männlichen Mitgliedern des Hauses Wittelsbach am Gleis empfangen, ehe er im Automobil zur Residenz weiterfuhr. Es war kein festlicher Umzug. Die Truppen bildeten entlang der gesamten Strecke Spalier, so dass die Münchner, die ihre Hälse reckten, um den Kaiser zu sehen, in der 2. Reihe standen. Die königstreuen Münchner Neueste Nachrichten schrieben, dass die Bürger Tücher geschwenkt hätten und in Hochrufe ausgebrochen seien. 

Ob das stimmt? Ludwig III. ging jedenfalls bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr auf den Straßen seiner Stadt spazieren, sondern nur noch im Nymphenburger Park. So vermied er es, Anfeindungen ausgesetzt zu sein. Auf jeden Fall berichteten die Neuesten Münchner Nachrichten, dass das Automobil so schnell gefahren sei, dass viele den Kaiser nicht hätten sehen können. Vielleicht hatte man Angst vor einem Attentat?

Jedenfalls reiste der Kaiser schon nach einem guten Essen wieder ab. An der so genannten Volkshuldigung auf dem Max-Joseph-Platz nahm er nicht teil. Die soll "musterhaft" verlaufen sein, wenn wir den Münchner Neuesten Nachrichten glauben.

Die Schüler, die von Montag bis Mittwoch schulfrei hatten, dürften sich auf jeden Fall über Kaisers Geburtstag gefreut haben! Am eigentlichen Festtag, dem 20. Februar 1918 endeten die Feierlichkeiten mit einem großen Gottesdienst.

Vielleicht fuhr das Automobil deshalb an diesem 19. Februar so schnell, so dass viele den Kaiser gar nicht sehen konnten, wie die Morgenausgabe der Münchner Neuesten Nachrichten vom 20. Februar 1918 festhält. Während im Dom Erzbischof Michael von Faulhaber die Messe zelebrierte, waren Protestanten, Altkatholiken, Juden und Mitglieder der griechisch-orthodoxen Kirche eingeladen, in ihren eigenen Gotteshäusern an einem Festgottesdienst teilzunehmen. Sie alle sollen zu Ehren des Königs das Te Deum gesungen haben, während sämtliche Glocken Münchens läuteten.

Ein festliches Bankett und eine Opernaufführung schlossen die Feier ab.

Wie mag dieses Fest auf die Bevölkerung gewirkt haben?

Unsere Quelle, die königstreu gesinnten Münchner Neuesten Nachrichten, schrieben über die herzliche Anteilnahme des bayerischen Volkes an diesem Fest ihres Königshaus: "Der König mit dem Volke arbeitend in der Bebauung der Scholle zu Hause und als Präger manches kräftigen Wortes der Zuversicht in der Heimat und bei den Truppen im Feld, die Söhne an der Front, die Königin mit ihren Töchtern in der Krankenpflege und im Wohltun, so war es Wittelsbacher Art seit Jahrhunderten und so ist es heute noch. Daher die herzliche Anteilnahme des Volkes am heutigen Jubelfest seines Königspaares, bei dem die laute Freude, die dem bayerischen Volke eignet, nur durch den Ernst der Zeit zurückgedämmt werden kann, um desto stärker das andere Gepräge anzunehmen, das am besten bezeichnet werden kann mit den Worten: Liebe um Liebe, Treue um Treue!"

Aber war die Freude wirklich so groß? Als im Juli 1918 die Festivitäten zu 700 Jahren Straubing vorbereitet wurden, will man zwei einfache Frauen folgenden Diskurs führen gehört haben: "Jetzt kommt der König zu uns - den braucha ma a no - der soll mit seine Trudeln daheim bleibn - Der soll nur kema - mir habens scho ausgemacht - mit de fauln Kartoffeln wird er empfanga." Der König verzichtete übrigens auf eine Teilnahme.

Gedenkmünzen für den engsten Kreis

Vielleicht war es also gut, dass nur so wenige Gedenkmünzen anlässlich dieser Goldenen Hochzeit geprägt wurden. Nur 100 Stück genehmigte der Bundesrat am 19. Dezember 1917 wegen der herrschenden Silberknappheit. Sie standen komplett zur Verfügung von König Ludwig III., wobei die mündliche Überlieferung davon spricht, dass 30 weitere Münzen für Sammler unautorisiert geprägt wurden.

Beisetzungszeremonie für das bayerische Königspaar von 1921.

Flucht und Ende

Am 7. November 1918 kündigte Kurt Eisner von der USPD an, es werde in den kommenden zwei Tagen zum Aufstand kommen. Als noch am gleichen Abend die Münchner Kasernen gestürmt wurden, entschloss sich Ludwig III. zur Flucht. Mit seiner zu diesem Zeitpunkt bereits schwer kranken Frau brachte er sich im Chiemgau in Sicherheit, um am nächsten Tag über die österreichische Grenze nach Salzburg zu entkommen. Erst nach dem Ende der Räterepublik kehrte er nach Bayern zurück, wo er für diejenigen, die von der Weimarer Republik genauso enttäuscht waren wie vom Deutschen Kaiserreich, zum Symbol bayerischer Selbstständigkeit wurde: Ein Repräsentant der längst vergangenen "guten, alten Zeit".

Seinem Sarg folgten am 5. November 1921 über 100.000 Menschen.

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