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Gustav Vasa, 1521-1560. 1/2 Gyllen 1523, Stockholm, Ahlström 35 ("Unik", dieses Exemplar).

EUROPÄISCHE MÜNZEN UND MEDAILLEN
SCHWEDEN, KÖNIGREICH

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Losnummer 115




Schätzpreis: 30.000,00 €
Zuschlag: 55.000,00 €


Gustav Vasa, 1521-1560.
1/2 Gyllen 1523, Stockholm, 12,93 g. GVBERNATE - G - SWEDEN · R ·- Ê. Der geharnischte König steht v. v. in der Rechten erhobenes Schwert//MONE - NOVA - STOC - H 1523, Münzmeisterzeichen Blatt. Gekröntes Wappen: Drei Kronen (Tre kronor), in der Mitte S. Ahlström 35 ("Unik", dieses Exemplar).

Von allergrößter Seltenheit. Unikum. Sehr attraktives Exemplar mit feiner Patina, vorzüglich

Exemplar der Slg. der Freiherren Bonde, Ericsberg, Teil 5, Auktion Nordlind, Stockholm 2009, Nr. 104.

Als der junge Adelige Gustav Eriksson aus dem Geschlecht Vasa im Frühsommer 1523 in Strängnäs zum König von Schweden gewählt wurde, ahnte wohl niemand seinen Erfolg voraus, besonders nicht die Lübecker Gesandten, die ihn eifrig unterstützt hatten. Gustav, der endgültig die von den Dänen dominierte Union mit Dänemark-Norwegen sprengte, erwies sich als wahre Herrschernatur, als guter Organisator und begnadeter Ökonom. Besonders der wirtschaftliche Fortschritt erwies sich als sehr schwierig, aber allmählich wurde Schweden ein solventes Land und Gustav selbst zu einem der reichsten Monarchen Europas.

Der Halvgyllen 1523 wurde 1874 erstmals publiziert und beschrieben von Bror Emil Hildebrand im ersten Teil seines Werks über die schwedisch-königlichen Medaillen. Sein Sohn Hans Hildebrand behandelte die Münze ausführlicher in seiner Arbeit über die schwedische Mittelaltermünzen, die 1887 erschien. Er bestimmte das Nominal als Halvgyllen, basierend auf der Annahme, dass acht Gyllen auf eine Mark Silber entfielen und somit auf den Gyllen ca. 26 g Silber.

Später wurde die Münze u. a. beschrieben von Thore Gustaf Appelgren in seinem 1933 erschienen Korpus über die Münzen Gustav Vasas. Das blattförmige Ornament am Ende der Rückseitenumschrift der Münze deutete er als Zeichen des Münzmeisters Anders Hansson. Eine ähnliche Prägung - auch diese ein Unikat - von 1523 wurde in Uppsala geprägt, ist aber im Namen des Heiligen Königs Sankt Erik ausgegeben (Ahlström 5). Diese wiegt 28,71 g und dürfte damit als Gyllen zu bezeichnen sein. Appelgren nahm an, dass diese Münzen während des Einzugs des frisch gewählten Königs Gustav nach Stockholm am Mittsommertag 1523 ausgeteilt wurden.
Auch wenn der Halvgyllen der Sammlung Bonde nicht vor 1874 in keiner gedruckten Publikation zu finden ist, kann man dessen Vorkommen noch erheblich früher zurückverfolgen. In einem durchschossenem Exemplar der 1787 herausgegebenen Münzbeschreibung von Carl Reinhard Berch, das im Königlichen Münzkabinett aufbewahrt wird, finden sich zahlreiche Anmerkungen in der Handschrift des bedeutenden Sammlers Daniel Georg Nescher (1753-1827). Einen ähnlichen Beleg gibt es auch in der Handschriftensammlung der Königlichen Bibliothek. Beide sollten die Grundlage für ein Korpuswerk der schwedischen Münzen bilden, sind aber gleichzeitig Kataloge von Neschers Sammlung. Unter Nr. 36 hat Nescher unseren Halvgyllen ausführlich beschrieben. Er schließt die Beschreibung mit dem Kommentar ab: „Dick-penning, wiegt 15/16 lod. Höchstselten und scheint in keiner anderen Sammlung vorhanden zu sein. Recht hübsch und gut erhalten." Leider vermerkt Nescher nicht, seine Erwerbsquelle dieser Münze. Er hatte 1796 zu sammeln begonnen und nach seinen eigenen Aufzeichnungen dabei zum Ausbau der eigenen zahlreiche andere Münzsammlungen komplett oder größere Partien solcher Kollektionen erworben. Eine andere wichtige Quelle waren Goldschmiede, die er auf seinen zahlreichen Reise durch das ganze Land regelmäßig besuchte. Angesichts der drohenden russischen Invasion verkaufte er im Mai 1808 seine Münzsammlung. Die Unikate kamen nach Schloss Eriksberg in die Sammlung Bonde.

Die Entstehungsgeschichte der Münze ist rätselhaft. Appelgren's Annahme, daß sie zu Gustavs Einzug nach Stockholm geprägt worden ist, hält einer näheren Prüfung kaum stand. Es ist plausibler, einen Zusammenhang des Stückes mit dem Herrentreffen in Strängnäs Anfang Juni desselben Jahres zu vermuten. Mit Unterstützung der anwesenden Repräsentanten Lübecks wurde Gustav am 6. Juni 1523 zum König gewählt. Wohl als Gegenleistung wurden vier Tage später die Handelsprivilegien Lübecks bestätigt. Bereits vor dem Treffen hatten die Gesandten Lübecks die Kapitulation der deutsch-dänischen Garnison verhandelt. Am 17.06. fiel die Stadt in die Hände Gustavs. Als die Teilnehmer des Treffens nach Strängnäs eingeladen worden waren, hatte man die Königswahl als Grund dafür nicht erwähnt. Die Ursache lag in den diplomatischen Verhandlungen um die Privilegien Lübecks. Gustav versuchte möglichst wenige Zugeständnisse zu machen, aber die Repräsentanten der norddeutschen Stadt wollten ohne Gegenleistung die Thronkandidatur nicht unterstützen.
In der Vorderseiteninschrift unseres Halvgyllens wird Gustav als Reichsvorsteher (Gubernator) Schwedens tituliert, ein Titel, den er bereits im August 1521 angenommen hatte. Dadurch ist die Prägung der Münze auf jeden Fall vor dem Monatswechsel Mai/Juni 1523 geprägt worden. In der Unsicherheit über die bevorstehende Königswahl lässt sich der Titel des Reichsvorstehers auf dieser Münze erklären. Ungewöhnlich ist auch die Münzstättenangabe auf der Rückseite. Stockholm öffnete seine Tore erst am 17. Juni für die siegreichen Truppen Gustavs. Eine Anzahl Öre-Münzen von 1523 trägt jedoch ebenfalls den Titel des Reichsvorstehers. Wir haben es also mit einer relativ umfassenden Münzprägung mit der Münzstättenangabe Stockholm zu tun, die vor der Kapitulation der Stadt zustande gekommen war. Aus Propagandagründen hat man vermutlich den Namen der Hauptstadt angegeben, obwohl die Prägung wahrscheinlich in der Nähe der Feldlager bei Brunkeberg oder Södermalm stattgefunden hat. Möglicherweise ist bei der Frage des Prägeorts auch Svartsjö einzubeziehen, das in Gustavs Besitz war und wo er mit den lübischen Gesandten in Strängnäs verhandelt hatte. Dort wurde schließlich auch später, in den Jahren 1541-1550, geprägt (Übersetzung der Anmerkung aus dem o. g. Auktionskatalog von Nordlind).