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Orden des Alten Adels oder der Vier Römischen Kaiser. 2. Modell, Kommandeurskreuz, 66,0 x 41,3 mm, wohl französische Anfertigung zwischen 1815 und 1825, Ausführung mit Schutzengel auf der linken Seite, Gold emailliert, 16,1 g, Emaille-

DEUTSCHE ORDEN UND EHRENZEICHEN
LIMBURG-STYRUM, HERRSCHAFT LIMBURG-STYRUM UND GRÄFLICHES HAUS ZU LIMBURG-STYRUM

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Losnummer 2071




Schätzpreis: 500,00 €
Zuschlag: 500,00 € (unter Vorbehalt)


Orden des Alten Adels oder der Vier Römischen Kaiser. 2. Modell, Kommandeurskreuz, 66,0 x 41,3 mm, wohl französische Anfertigung zwischen 1815 und 1825, Ausführung mit Schutzengel auf der linken Seite, Gold emailliert, 16,1 g, Emaille-Malerei, min. nahezu unsichtbare Emaille-Reparaturen, min. Haarrisse und Ausbrüche in den Kreuzspitzen, ohne Bandring und ohne Halsband. NI 1465, OEK16 1089/1.


RRR II-III

Exemplar aus unserer 44. eLive-Auction am 6. April 2017, Kat.-Nr. 2054.

Philipp Ferdinand von Limburg-Styrum, regierender Graf von Styrum (1734-1794) war eine schillernde Persönlichkeit. Styrum verschuldete er derart, daß es unter Reichsverwaltung gestellt wurde, und auch das reiche Erbe seiner Mutter Hohenlohe verprasste er. In seiner Not gründete er 1768 zwei Orden mit sehr hohen Eintrittspreisen, den "Ritterorden vom Alten Adel oder der Vier Römischen Kaiser� (Statuten Wilhermsdorf 6.12.1786) für Personen mit Ahnenprobe (1. Modell) und den Orden von "St.Philipp vom Löwen von Holstein� (Statuten Wilhermsdorf 1.1.1770) für sonstige (katholische) Personen. Die Orden hatten je drei Klassen, die aber in unzählige Unterklassen unterteilt waren. Mitgliederlisten beider Orden wurden 1784 in Avignon gedruckt. Selbst als regierender Graf war er zu Ordensgründungen nicht berechtigt, aber er beanspruchte auch den Titel eines Fürsten von Holstein, der ihm vom Wiener Hof jedoch versagt wurde. Auch sein Anspruch, von den vier römischen Kaisern aus dem Hause Luxemburg abzustammen, war - jedenfalls im Mannesstamm - nicht gerechtfertigt. Zu allem Unglück fiel er in die Fänge einer Hochstaplerin, der sogenannten Prinzessin Elisabeth Tarakanow. Als sie nach Italien weiterreiste, bestritt sie ihren Lebensunterhalt dort mit einem mitgebrachten Vorrat Limburgscher Orden. Außerdem gab sie sich als Tochter und Erbin der Kaiserin Elisabeth aus, was ihr lebenslange Festungshaft eintrug. Der Ordensgründer selber zog nach Paris, wo er versuchte, ein Regiment aufzustellen, um dieses einem Potentaten zu verkaufen. Seine Offiziere bezahlte er mit seinen Orden, die diese weiterverleihen konnten. Schließlich starb er 1794 in Armut bei seinem Vetter in Bartenstein. Sein Bruder und Erbe hat den Orden nicht weitergeführt. Auf den Bildern sind Graf Philipp Ferdinand von Limburg-Styrum mit seinem Orden der Vier Kaiser und die sog. Prinzessin Tarakanow zu sehen.

Paris unter Ludwig XVIII. war ein ideales Pflaster für zweifelhafte Orden. So wurden auch die beiden Limburgschen Orden von 13 ehemaligen Mitgliedern wiedererweckt (2. Modell). Neue Mitglieder waren willkommen, und für nur 20 Francs konnte man ein Diplom erwerben. Generalverwalter war ein Fran�ois Le Prieur, Vicomte de Roquemont; und man suchte einen Souverän als Großmeister. Der König von Württemberg lehnte ab. Schließlich scheint das Amt vom ehemals regierenden Graf Christian von Leiningen-Westerburg, der dasselbe auch bei dem dubiosen St.Joachims-Orden bekleidete, übernommen worden zu sein. Die Verleihung des 2. Modells kam zu einem abrupten Ende am 16.4.1824, als eine französische Ordonnanz die Verwendung aller nicht offiziellen Orden unter schwere Strafe stellte.