Historische Persönlichkeiten
Friedrich III. Deutscher Kaiser und König von Preußen

Friedrich III. Deutscher Kaiser und König von Preußen (1831-1888)

Michael Autengruber

Friedrich Wilhelm Nikolaus Karl Prinz von Preußen, wurde am 18. Oktober 1831 im Neuen Palais in Potsdam als einziger Sohn von Prinz Wilhelm (1797– 1888), dem späteren König und Kaiser Wilhelm I.), und dessen Frau Augusta, einer Prinzessin von Sachsen-Weimar-Eisenach (1811–1890), geboren. Da sein Onkel König Friedrich Wilhelm IV. kinderlos blieb, rückte Friedrich Wilhelm ab 1840 an zweiter Stelle in der preußischen Thronfolge nach.

Zu Friedrichs ersten Erzieherinnen gehörte neben anderen Marie Sophie von Clausewitz (1779–1836), Witwe des Militärtheoretikers Carl von Clausewitz (1780–1836). Ab 1836 setzte der förmliche Schulunterricht ein. Von 1838 bis 1844 war der schweizerische reformierte Theologe Frédéric Godet (1812–1900) sein Zivilerzieher. Ihm folgte (bis 1850) der Historiker Professor Ernst Curtius (1814–1896), dessen Einfluss eine eher liberale und geistig offene Prägung bewirkte. Religiös wurde er umfassend im Sinne der unierten preußischen Kirche, mit einer gewissen reformierten Ausrichtung unterwiesen. Darüber hinaus erhielt er eine umfangreiche Ausbildung in Deutsch, Französisch, Englisch, Latein und Griechisch, in Literatur, allgemeiner und preußischer Geschichte, Altertumskunde und Philosophie, in Staatsrecht, Verwaltungslehre und Nationalökonomie, in Mathematik, Physik und Geographie, in Zeichnen, Musik, Tischlerei, Buchdruckerei und in der Buchbinderkunst.

Bildunterschrift
Anton Werner: Kronprinz Friedrich (III.) Wilhelm von Preußen, in Bareno, Gemälde 1887.

1843 erfolgte seine Ernennung zum Leutnant im 1. Garderegiment zu Fuß. Für seine militärische Ausbildung war von 1838 bis 1849 Generalmajor Karl von Unruh (1786–1852) als sein Militärgouverneur tätig. Ihm folgte Oberstleutnant Friedrich Leopold Fischer (1798–1857) nach. Unter ihnen wurde Friedrich sowohl in den theoretischen wie auch praktischen militärischen Fächern unterwiesen. Nachdem er am 3. Mai 1849 den aktiven Militärdienst in seinem Regiment aufgenommen hatte, wurde er noch im gleichen Jahr zum Premierleutnant befördert.

Am 18. Oktober 1849 für großjährig erklärt, nahm er ein Jahr später an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn das Studium der Rechtswissenschaften auf und hörte auch Geschichte und Politik, sowie Vorlesungen über das politische System in Großbritannien.

Nach Abschluss seiner Ausbildung (1852) setzte Friedrich seine militärische Laufbahn fort. Eine zentrale Rolle spielte sein persönlicher Adjutant, Oberst Helmuth Freiherr von Moltke (1800–1891) als militärischer Mentor.

1851 begegnete Friedrich auf der Londoner Weltausstellung erstmals der elfjährigen Victoria, Princess Royal (1840–1901). Trotz des Altersunterschiedes entwickelte sich rasch ein enger Kontakt, gefördert durch gemeinsame liberale Interessen und den Einfluss ihres Vaters, Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819–1861). Der Aufenthalt in England prägte den Prinzen nachhaltig; ein regelmäßiger Briefwechsel folgte. 1856 wurde die Verlobung der beiden gefeiert, die von liberalen Kreisen, besonders von ihrem Vater Albert, begrüßt, jedoch von konservativen Kreisen strikt abgelehnt wurde. Am 25. Januar 1858 heirateten Friedrich und Victoria in der Kapelle des St. James’s Palace in London, wodurch eine politisch wie persönlich bedeutsame Verbindung zwischen dem preußischen und dem britischen Königshaus begründet wurde. Das Paar hatte neben Thronfolger Wilhelm, dem späteren Kaiser Wilhelm II. (1859–1941), noch weitere drei Söhne, die Prinzen Heinrich (1862–1929), Sigismund (1864–1866) und Waldemar (1868–1879) sowie vier Töchter. Nach der ältesten Tochter Prinzessin Charlotte (1860–1919), folgten Viktoria (1866–1929), Sophie (1870–1932) und Margarethe (1872–1954).

Mit der Thronbesteigung seines Vaters am 2. Januar 1861 wurde Friedrich preußischer Kronprinz. 1863 äußerte er sich in der sogenannten Danziger Rede öffentlich distanziert gegenüber der Pressepolitik des preußischen Ministerpräsidenten und späteren Reichskanzlers Otto von Bismarcks (1815–1898), zugleich jedoch loyal gegenüber seinem Vater, dem König. Die Rede führte international zu Zustimmung, in Preußen jedoch zu scharfer Kritik. Anschließend rechtfertigte er sein Verhalten schriftlich, verpflichtete sich jedoch künftig zu politischer Zurückhaltung.

Nach dem preußischen Einmarsch in Holstein am 9. Juni 1866 eskalierte der Konflikt zwischen Preußen und Österreich zum Deutschen Krieg, nachdem der Bundestag die Mobilisierung des Bundesheeres beschlossen hatte. Wilhelm I. reagierte mit dem Einmarsch in mehrere deutsche Staaten. Der Generalstabschef Helmuth von Moltke ließ die preußische Armee in getrennten Verbänden nach Böhmen vorgehen. In der Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866 spielte die von Friedrich geführte 2. Armee eine entscheidende Rolle gegen die österreichischen Truppen.

Der Frieden von Prag am 23. August 1866 besiegelte die Auflösung des Deutschen Bundes und leitete mit der Gründung des Norddeutschen Bundes mit Datum vom 16. April 1867 die weitere staatliche Einigung unter preußischer Führung ein.

Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 kommandierte Friedrich als Kronprinz die 3. Armee. Nach frühen Siegen sowie der Mitwirkung bei Sedan und der Belagerung von Paris galt er in Deutschland als Kriegsheld, wurde am 28. Oktober 1870 zum Generalfeldmarschall befördert, und nahm am 18. Januar 1871 an der Kaiserproklamation in Versailles teil.

Als deutscher Kronprinz blieb seine politische Rolle im Kaiserreich jedoch verfassungsrechtlich unklar und faktisch begrenzt. Unter der Dominanz Bismarcks und der langen Regierungszeit Wilhelms I. blieb er politisch weitgehend marginalisiert. Zeitgenössisch wurde er zugleich zum Symbol liberaler Hofkreise, die sich gegen Bismarcks Politik positionierten. Parallel trat er öffentlich gegen den Antisemitismus auf, etwa durch Besuche jüdischer Einrichtungen und entsprechende Stellungnahmen. In den 1880er Jahren unternahm Friedrich mehrere diplomatische Reisen durch Europa und etablierte sich damit als repräsentative, aber politisch nur eingeschränkt wirksame Figur des Kaiserreichs.

Ab Anfang 1887 entwickelte Friedrich, ein starker Raucher, zunehmende Heiserkeit. Nach ersten lokalen Befunden am Kehlkopf bestand der Verdacht auf ein Karzinom, während der Konsiliarius Morell Mackenzie (1837–1892) die Diagnose zunächst relativierte. Die Befunde blieben über Monate umstritten; auch Rudolf Virchow (1821–1902) sah keine eindeutigen Hinweise auf Krebs. Der Patient ließ sich schließlich in England und später in Sanremo behandeln. Es kam jedoch zu keiner nachhaltigen Besserung. Nach einer akuten Verschlechterung im Februar 1888 wurde eine Tracheotomie (Luftröhrenschnitt) durchgeführt, die die Atmung sicherte, jedoch zur vollständigen Stimmlosigkeit führte.

Nach dem Tod seines Vaters Wilhelm I. am 9. März 1888 wurde er nach Berlin zurückberufen, und traf dort am 11. März ein. Als preußischer König und Deutscher Kaiser nahm er den Namen Friedrich III. an. Aufgrund des fortgeschrittenen Kehlkopfkrebses war er bereits zu diesem Zeitpunkt sprachunfähig.

Seine kurze Regierungszeit war durch gesundheitlich bedingte relative Handlungsunfähigkeit und starke politische Einschränkungen geprägt. Verfassungsreformerische Absichten blieben daher weitgehend unrealisiert. Außenpolitische Konflikte führten zu Spannungen mit Reichskanzler Otto von Bismarck, der seine politische Position behauptete. Wesentliche Entscheidungen seiner kurzen Herrschaft betrafen Personal- und Amnestiefragen, darunter die Entlassung konservativer Innenpolitiker sowie begrenzte Liberalisierungsmaßnahmen. Nach nur 99 Tagen Regentschaft verstarb Friedrich III. am 15. Juni 1888 um 11:00 Uhr vormittags im Neuen Palais in Potsdam. Zunächst in der Sakristei der Friedenskirche in Potsdam beigesetzt, wurde er später in die Gruft des am 18. Oktober 1890 eingeweihten Kaiser-Friedrich-Mauseoleums neben der Friedenskirche überführt.

Friedrich III. wurde nach 1871 als liberale Hoffnung des Kaiserreichs gedeutet, insbesondere als verpasste Reformchance (Kaiser-Friedrich-Legende). Tatsächlich blieb seine politische Gestaltungsmacht aufgrund der kurzen Regierungszeit und schweren Krankheit stark eingeschränkt. Bereits als Kronprinz vertrat er eine gemäßigt konstitutionelle Haltung ohne programmatische Reformpolitik; seine wenigen öffentlichen liberalen Äußerungen waren jedoch situativ und nicht systematisch.

Kulturell engagierte er sich gemeinsam mit seiner Gemahlin Victoria für Wissenschaft und Kunst, was sich etwa in der späteren Benennung des Kaiser-Friedrich-Museums (des heutigen Bode-Museums) widerspiegelte.

Literatur:

  • Freund, Michael: Das Drama der 99 Tage.Krankheit und Tod Friedrichs III. Köln und Berlin 1966.
  • Herre, Franz: Kaiser Friedrich III. Deutschlands liberale Hoffnung. Eine Biographie. Stuttgart 1987.
  • Herre, Franz: Kaiserin Friedrich – Victoria, eine Engländerin in Deutschland. Stuttgart 2006.
  • Müller, Frank Lorenz: Der 99-Tage-Kaiser. Friedrich III. von Preußen – Prinz, Monarch, Mythos. München 2013.
  •  Neumann, Hans-Joachim: Friedrich III. – Der 99-Tage-Kaiser. Berlin 2006.
  • Richter, Werner: Friedrich III. Leben und Tragik des zweiten Hohenzollern-Kaisers. 2. Auflage. München 1981.
  •  Verschiedene Seiten von de.wikipedia, en.wikipedia und fr.wikipedia

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