Friedrich wurde am 11. Juli 1657 im Königsberger Schloss als dritter Sohn Kurfürst Friedrich Wilhelms von Brandenburg und dessen erster Frau Luise Henriette von Oranien-Nassau (1627–1667), geboren. Friedrich wurde am 29. Juli 1657 nach calvinistisch-reformierten Ritus getauft, erzogen und konfirmiert.
Aufgrund seiner schwachen Konstitution galt sein Überleben in einer Zeit hoher Säuglingssterblichkeit als unsicher. Ein Unfall im ersten Lebensjahr führte zudem zu einer dauerhaften Schulterdeformation.
Gleichwohl entwickelte er sich zu einem körperlich leicht beeinträchtigten, ansonsten gesunden Erwachsenen. Von 1662 bis 1676 stand seine Erziehung unter der Leitung von Otto Freiherrn von Schwerins (1616–1679), seit 1658 erster Minister von Brandenburg; auf Wunsch der Mutter lebte Friedrich zeitweise auf dessen Landgut Altlandsberg östlich von Berlin zur gesundheitlichen Stärkung. 1664 wurde Eberhard Christoph Balthasar Freiherr von Danckelman (1643–1722) sein Hauslehrer. Friedrichs Unterricht umfasste Religion – hier wohl vor allem das regelmäßige Studium der Bibel und des Katechismus – Geschichte und Geographie sowie die Sprachen Französisch, Polnisch und Latein.
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Antoine Pesne: König Friedrich I. in Preußen auf dem Silberthron, Gemälde 1712.
Bereits in früher Kindheit zeigte sich seine ausgeprägte Neigung zu Repräsentation und höfischem Prunk, die sich unter anderem darin manifestierte, dass er noch als nachrangiger Prinz im Alter von zehn Jahren im Jahr 1667 den Ordre de la Générosité stiftete, aus dem im Jahr 1740 der Orden pour le mérite hervorging.
Im gleichen Jahr, am 8. Juni 1667, verstarb seine Mutter an Tuberkulose. Ein Jahr später heiratete sein Vater erneut, jedoch blieb Friedrichs Verhältnis zu seiner Stiefmutter stets distanziert.
Militärisch wurde Friedrich 1670 nominell zum Rittmeister ernannt, ohne jedoch tatsächlich ein Kommando auszuüben, was vermutlich mit seiner körperlichen Einschränkung zusammenhing. 1673 verlobte er sich heimlich mit der gerade 12-jährigen reformierten Prinzessin Elisabeth Henriette von Hessen-Kassel (1661–1683). Zwischen beiden, die sich seit früher Kindheit kannten, bestand eine ehrliche Zuneigung. Die Verbindung gilt als vergleichsweise ungewöhnlich, da sie nicht primär dynastisch motiviert war.
Nach dem Tod seines älteren Bruders Karl Emil (geboren 1655) am 7. Dezember 1674 wurde Friedrich Kurprinz und gewann als Thronfolger an politischem Gewicht. Er begleitete seinen Vater im Nordischen Krieg (1675–1679) und erkrankte dabei schwer. Nach seiner Genesung heiratete er am 13. August 1679 Elisabeth Henriette von Hessen-Kassel, die jedoch 1683 an den Pocken starb.
Bereits am 28. November 1684 heiratete Friedrich wieder, die fünfzehnjährige Prinzessin Sophie Charlotte zu Braunschweig-Lüneburg (1668–1705). Aus dieser Ehe ging am 14. August 1688 Kurprinz Friedrich Wilhelm, der spätere König Friedrich Wilhelm I. hervor.
Das Paar lebte überwiegend im Schloss Köpenick, auch um den von Intrigen geprägten Berliner Hof zu meiden, an dem insbesondere die Erbansprüche der Söhne aus zweiter Ehe seines Vaters Spannungen hervorriefen. Diese Konflikte belasteten das Verhältnis zum Kurfürsten erheblich, vor allem aufgrund von dessen publik gewordenen Plänen zur Teilung des Landes und Durchbrechung der Primogenitur.
1686 schloss Friedrich unter dem Druck der unsicheren Erbfolge ohne Wissen seines Vaters einen Vertrag mit Österreich, den er später für ungültig erklärte. Nach weiteren familiären Spannungen und einer vorübergehenden Entfernung vom Hof kehrte er 1687 nach Berlin zurück und wurde in den Geheimen Rat aufgenommen, wobei das gegenseitige Misstrauen bestehen blieb.
Nach dem Tod des Großen Kurfürsten am 9. Mai 1688 übernahm Friedrich III. die Regierung. Trotz testamentarisch vorgesehener Landesteilung setzte er sich bis 1692 durch und bewahrte die Einheit Brandenburg-Preußens. Die Regierung überließ er zunächst weitgehend seinem neu ernannten Ersten Minister von Danckelman, seinem ehemaligen Hauslehrer.
Außenpolitisch schloss sich Friedrich der antifranzösischen Koalition an und beteiligte sich am Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697). Zugleich verfolgte er seit ca. 1696 das Ziel der Königswürde zur Steigerung von Rang und innerer Integration seines Staates, stieß jedoch zunächst auf Widerstand.
1697 ließ er Danckelman entmachten. Allerdings verlagerte sich Macht unter dem neuen Ersten Minister Freiherrn Johann Kasimir Kolbe von Wartenberg (1643–1712) auf einen engeren Beraterkreis, wodurch der Geheime Rat deutlich an Einfluss verlor.
Erst die veränderte militärische Lage nach dem Tod König Karls II. von Spanien (1661–1700, reg. seit 1665) ermöglichte den politischen Durchbruch: Kaiser Leopold I. (1640–1705, Kaiser seit 1658) erkannte Friedrich gegen finanzielle und militärische Zuwendungen als König in Preußen an, wobei die Krönung außerhalb des Heiligen Römischen Reichs erfolgen musste.
Der Kurfürst begab sich im Dezember 1700 mit einem großen Gefolge nach Königsberg. Dort stiftete er am Vortag der Krönung den Hohen Orden vom Schwarzen Adler und krönte sich am 18. Januar 1701 selbst zum König, womit er demonstrativ seine Souveränität hervorhob. Die Königswürde und der neue Titel des brandenburgischen Kurfürsten, der dieser de fakto König in seinem souveränen Herzogtum Preußen, blieb zunächst im Reich und im Ausland sehr umstritten.
Mit der Krönung wandelten sich die brandenburgischen in königlich-preußische Institutionen; langfristig setzte sich Preußen als Staatsbezeichnung durch. Territorial gewann Friedrich durch Erbschaften und Erwerbungen hinzu. 1707 wurde er Fürst von Neuenburg in der heutigen Schweiz, was 1713 auch international anerkannt wurde.
Der Tod seiner zweiten Frau 1705 traf ihn schwer. Seine dritte Ehe mit der dreiundzwanzigjährigen Sophie Luise, einer Herzogin zu Mecklenburg und Prinzessin von Mecklenburg-Schwerin (1685–1735), die am 28. November 1708 in Berlin geschlossen wurde, blieb politisch motiviert und verlief konfliktreich, da diese eine strenge Lutheranerin war, die nach ihrer Auffassung mit dem calvinistischen König eine Ehe in Sünde führte. Innenpolitisch initiierte Friedrich unter anderem ein Einwanderungsprogramm zur Wiederbesiedlung Ostpreußens nach der Pest von 1709.
Die Regierung wurde zeitweise von einem engen Beraterkreis, dem sog. Drei-Grafen-Kabinett dominiert, dessen Korruption 1710 aufgedeckt wurde. Friedrich reagierte mit personellen Konsequenzen und Verwaltungsreformen, die die Entscheidungsprozesse stärker an fachliche Prüfung banden und zur Stabilisierung der Staatsfinanzen beitrugen.
Die Kräfte des Königs nahmen nach 1712 merklich ab. Seit seiner Jugend litt er an Angina pectoris, jetzt kamen starker Husten und Asthma dazu. Nach einem Vorfall mit der geistig nicht mehr zurechnungsfähigen Königin, begann er zu fiebern und erholte sich nicht mehr. Er starb am 25. Februar 1713 im Berliner Schloss.
Friedrich I. stand lange im Schatten seines Vaters und seines Enkels Friedrich II., dessen kritisches Urteil – er sei ein eitler und verschwenderischer Herrscher gewesen – die Forschung bis ins 20. Jahrhundert prägte. Auch die ältere Geschichtsschreibung bewertete seine Politik überwiegend negativ und legte dabei häufig anachronistische Maßstäbe an. Erst nach 1945 setzte eine differenziertere Neubewertung ein, die stärker seine Leistungen für die staatliche Kontinuität, die Konsolidierung von Verwaltung und Verfassung und seine Verdienste um die Hebung von Wissenschaften, Architektur und Künste hervorhob. Zusammen mit seiner Frau und Gottfried Wilhelm Leibnitz gründete er 1696 die Akademien der Wissenschaften und Künste, beides bedeutende Berliner Institutionen.
Bibliography
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- Various pages from de.wikipedia, en.wikipedia, and fr.wikipedia.