- Wie Währungen und Motive orientalischer Münzen entstanden sind.
- Was die islamisch-orientalische Münzprägung besonders macht.
- Welche Sammelgebiete zum orientalischen Münzwesen zählen.
Die arabische Münzgeschichte beginnt mit der Nachahmung byzantinischer und sasanidischer Typen, da die Eroberer der zuvor von Byzanz beherrschten Gebiete bis zur Zeit Mohammeds noch keine eigene Münzprägung kannten. Neben der teilweise recht freien Interpretation ihrer Vorbilder, wurde auf den Prägungen der arabischen Münzen auch der herrschende Kalif dargestellt. Um 696/698 ordnete der Umayyaden-Kalif Abd al-Malik (685-705) das orientalische Münzwesen neu.
Unter den Umayyaden wurde als Standardgoldmünze anstelle des Solidus der Dinar (abgeleitet vom lat. denarius) mit einem Normgewicht von 4,25 g eingeführt. Als Silbermünze löste der 2,86 g schwere Dirham (abgeleitet von der griechischen Drachme) die sasanidische Drachme ab. Als orientalische Kleinmünze wurde für den lokalen Geldverkehr der Fils (abgeleitet vom lat. Follis) geprägt. In zahlreichen Transkriptionen taucht diese weit verbreitete arabische Kupfermünze auch unter den Namen fals, fuls, fulus oder falus auf. In der modernen arabischen Sprache wird „fils“ oft als Synonym für Geld und der Plural „fulūs“, speziell für Münzen oder Kleingeld verwendet.
Da im Islam die bildliche Darstellung von Menschen und Tieren verboten ist, zeigen die orientalischen Münzen seit den Umayyaden in der Regel nur Schriftinformationen. Ab 786/787 wurde auf den Silbermünzen zwar das Motiv des Kalifen abgebildet, dennoch waren – im Gegensatz zur europäischen Münzprägung – Herrscherportraits eher unüblich. Orientalische Münzbilder zeigen dagegen häufig eine genau festgelegten Abfolge von Koransprüchen, zusammen mit der Angabe von Prägeort und Prägejahr.
Das Prägejahr wird in der islamischen Zeitrechnung nach dem Jahr der Hidschra (AH = 16. Juli 622), also der Flucht des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina, angegeben. Aufgrund der islamischen Zählung nach Mondjahren mit 336 Tagen lässt sich das entsprechende christliche Jahr am besten nach der Formel (AH - 3,03%) + 622 = AD berechnen. Wegen ihrer reichhaltigen Textinhalte sind die Münzbilder des Islams ein hervorragendes Datierungsmittel für archäologische Zusammenhänge. Zudem sind die historischen orientalischen Münzen oft die einzige Informationsquelle, die Auskunft über die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Hintergründe der jeweiligen Herrschaftsgebiete gibt. Das macht Münzsammlungen der Islamischen Numismatik zu bedeutenden Zeugnissen der Geschichte.
Mit der Ausdifferenzierung des arabischen Reiches im 9./10. Jahrhundert in eigene Herrscherdynastien ergibt sich eine Vielzahl möglicher Sammelgebiete: vom Mittelalter bis in die Neuzeit, von Europa über Nordafrika bis nach Asien. Man denke in diesem Zusammenhang nur einmal an die orientalischen Münzen des Hafsiden-Reiches in Tunesien (1229-1574), des Kalifats von Córdoba (929-1031), des Osmanischen Reiches (von ca. 1299-1923), sowie der Mongolen, Seldschuken und Zengiden.
Zu den orientalischen Münzen gehören außerdem die Prägungen des bedeutenden Kushan-Reiches in Zentralasien und Nordindien vom 1.-3. Jahrhundert n. Chr. Die Nachfolger der Indo-Griechen und Indo-Skythen entfalteten u. a. eine umfangreiche Goldprägung, die noch heute vom Wohlstand der Herrscher zeugt. Spätestens seit König Vima Kadphises (um 90-100) ist das vereinheitlichte orientalische Münzbild der Kushan-Gepräge leicht zu erkennen: Auf der Vorderseite ist der stehende Herrscher neben einem rauchenden Altar dargestellt, während sich auf der Rückseite das Bild einer in der Regel iranischen Gottheit befindet. Neben den Goldprägungen (Stater) gibt es noch Bronze- und Kupfermünzen (Aes und Drachmen) für den alltäglichen Zahlungsverkehr.
Als wertvolle historische Zeitzeugen stehen islamische Münzen für weitaus mehr als nur für klassische Sammlermünzen – Sie dienen als politische Urkunden vergangener Dynastien. Große Sammlungen islamischer Münzen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit findet man in Museen und Münzkabinetts auf der ganzen Welt. Noch heute faszinieren Numismatiker die Inschriften islamischer Münzen, welche die historischen Machtverhältnisse teilweise sogar genauer wiedergeben, als zeitgenössische Chronisten berichten können. Auch wenn die fremde Schrift der orientalischen Münzen auf Einsteiger zunächst abschreckend wirken mag: Aufgrund des hohen Organisationsgrades der orientalischen Münzprägung und der oftmals gut bebilderten Literatur lassen sich mit etwas Übung schnell Sammelerfolge erzielen.