Er absolvierte 1946 das Notabitur. Nach einem Praktikum in einer Maschinenfabrik begann er in München ein Studium zum Bauingenieur und half beim Wiederaufbau der Hörsäle der Technischen Universität München mit. Während des Zweiten Weltkriegs waren die Einrichtungen auf dem Stammgebäude der TU in der Maxvorstadt zu 90 Prozent zerstört worden.
Seit 1948 ging Hermann Wohnlich an der TU München dem Maschinenbaustudium nach. Die Warnung, die er erhielt, dass angeblich keine Ingenieure gebraucht würden, stellte sich als absoluter Irrtum heraus. Schon 1953 fand der frisch gebackene Diplomingenieur in der mittelhessischen Firma W. u. J. Moufang AG und Maria Soell Papierverarbeitungs-GmbH in Oberschmitten seinen Arbeitsplatz. Die Traditionsfirma hat sich in der Nachkriegszeit mit Nischenprodukten und Spezialpapieren (z. B. für Bonbons und Butter) zu einem bedeutenden Branchenführer entwickelt.
Hermann Wohnlich fand an seinem neuen Wohnort auch seine große Liebe, Anneliese Wenzel aus Schotten im Vogelsberg. Das Paar heiratete 1955, im selben Jahr wurde Sohn Stefan und im Jahr 1958 Sohn Martin geboren. Auch beruflich war dem jungen Mann Glück und Erfolg beschieden – er wurde Betriebsleiter der aus seiner Firma ausgegründeten Druckerei für Spezialpapier in Oberschmitten und Eichelsdorf (heute Stadtteile von Nidda).
Hermann Wohnlich wurde schon als Dreizehnjähriger vom numismatischen Virus infiziert, als er 1941 von seinen Eltern einen schönen Taler des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges geschenkt bekam. Auch wenn weitere Stücke hinzukamen, sollte es bis 1970 dauern, dass er mit dem systematischen Aufbau seiner Sammlung begann. Er hatte im Gießener Anzeiger von einer dort stattfindenden Münzauktion gelesen. Es handelte sich dabei um die erste Auktion der Gießener Münzhandlung, die von den Studenten Dieter Gorny und Hans-Joachim Schramm gegründet worden war. Hermann Wohnlich besuchte die Auktion im benachbarten Gießen am 16. November 1970 persönlich mit seiner Frau Anneliese und erwarb einen Goldgulden des Tiroler Erzherzogs Sigismund des Münzreichen (Los 19). Nun war das numismatische Interesse geweckt, und er entschloss sich für den Aufbau einer Sammlung der Münzen von Tirol, die meistens in der Münzstätte in Hall geprägt wurden. Bereits 1971 trat er der Tiroler Numismatischen Gesellschaft kurz nach ihrer Gründung bei. Hermann Wohnlich nahm zunächst selbst an zahlreichen Auktionen teil. Als er einmal eine Fälschung erwarb und sich ein Konflikt mit seinem Lieferanten entwickelte, konnte Fritz Rudolf Künker als damaliger Vorsitzender des Verbandes der deutschen Münzenhändler vermitteln, und Hermann Wohnlich erhielt seinen Kaufpreis zurück. In der Folge entwickelte sich ein enges Vertrauensverhältnis und eine Freundschaft zwischen beiden Herren. Hermann Wohnlich wurde ein treuer Kunde der Firma Künker, über die er nun auch seine Erwerbungen auf anderen Auktionen abwickelte. Nachdem Hermann Wohnlich im Jahr 1985 im Alter von 57 das aktive Erwerbsleben beendet hatte, zog er mit seiner Gattin in seine Heimat Oberaudorf im Inntal und verbrachte in dieser herrlichen Gegend seinen Ruhestand bis zu seinem Tod.
Er begann 1986 an der Universität Innsbruck das Studium der Geschichte und Kunstgeschichte. Bei diesem Studium halfen ihm seine durch die Numismatik gewonnenen Kenntnisse, und die Verbindung von beiden erzeugte bei ihm eine doppelte Freude.
Hermann Wohnlich und seine Gattin zählten auch zu den regelmäßigen Teilnehmern an den hervorragend organisierten Treffen der Tiroler Numismatischen Gesellschaft (TNG) in Hall und waren bestens bekannt mit führenden Tiroler Numismatikern wie Prof. Heinz Tursky (1941-2023), dem langjährigen Präsidenten der TNG, oder dem legendären Sammler Dr. Ernst von Ferrari-Kellerhof (1921-2009).
Auch der Unterzeichner dieses Vorwortes erinnert sich gerne an gute und vertrauensvolle Gespräche auf den Tagungen der TNG in Hall.
Wir bedanken uns bei der Familie Wohnlich dafür, uns die Sammlung von Dipl.-Ing. Hermann Wohnlich anzuvertrauen und über eine Künker-Auktion wieder neuen Interessenten zugänglich zu machen, so wie es auch seinem eigenen Willen entsprach.
Osnabrück, im April 2025
Dr. Andreas Kaiser
Auktion 423
Die Sammlung Dipl.-Ing. Hermann Wohnlich
Vorbericht
An drei Tagen werden wir zahlreiche Sammlungen auflösen, u. a. die bedeutende Sammlung Tirol, die Hermann Wohnlich zusammengetragen hat. Weitere Stichpunkte sind: Münster, Passau, Fugger und Gold.
Künker@YouTube
- Highlights 423
- Schaupfennige aus Hall
- Die schönsten Stempel von Ulrich Ursentaler
- Der Weg zum ersten Taler