Vorwort
Diese Broschüre stellt eine der bedeutendsten Sammlungen jüdischer Münzen vor. Sie wurde von dem Münchener Sammler Josef Samel und seiner Schwester Angela Arluk (geb. Samel), die 2005 und 2015 verstorben sind, in Jahrzehnten zusammengetragen.
Diese Münzsammlung deckt die Geschichte des jüdischen Volkes von der Eroberung Judäas durch die Perser im 6. Jhdt. v. Chr. bis in unsere Zeit ab; ihr Schwerpunkt liegt auf den jüdischen Geldstücken der Antike.
Man mag einerseits ein wenig melancholisch sein, wenn Stücke einer solchen Sammlung in zahlreiche neue Hände kommen und dabei in viele Teile der Welt zerstreut werden, doch macht unser Auktionskatalog diese Kollektion zu einer gut dokumentierten historischen Sammlung und ehrt diejenigen, die sie zusammengetragen haben, mit einem würdigen Denkmal. Auf der anderen Seite ist ein derartiges Auktionsgeschehen unbedingt nötig, um das Sammeln im Fluss zu halten und Münzliebhabern wie auch Museen die Chance zu bieten, ihnen fehlende Stücke erwerben zu können. Ohne diese Verfügbarkeit von Sammlerstücken käme das Interesse an Münzen bald zu einem Ende. Bei diesem kontinuierlichen Prozess von Zusammentragen und Auflösen von Sammlungen spielen Aktionshäuser wie das unsere eine wichtige Rolle. Sie sorgen dafür, dass ein guter und vertrauensvoller Kontakt zwischen Käufer und Verkäufer zustandekommt und alle Transaktionen rechtlich einwandfrei ablaufen. Seit dem ausgehenden 7. Jhdt. v. Chr. spiegeln Münzen die Geschichte der Menschheit; sie schaff en Nähe und Empathie zu historischen Ereignissen, zu Ländern, wo sie stattfanden, und zu den Menschen, die den Gang der Geschichte gestalteten oder auch unter ihm litten. Sie konfrontieren uns mit vielen Facetten menschlichen Lebens und Handelns, lassen Fragen über historische Ereignisse und Prozesse aufkommen, und zwingen uns, nachdenklich zu werden und Standpunkte zu beziehen.
Wenn Cicero die Geschichte als magistra vitae, d.h. als Lehrerin unseres Lebens, bezeichnet hat, so kann die haptische Präsenz von Münzen diese Rolle oft mit mehr Intensität ausfüllen als es viele andere historische Zeugnisse vermögen. Eine Auktion rückt solche Münzen immer wieder in den Focus und damit auch die Menschen, die mit diesen Geldstücken zu tun hatten. Gerade in einer Zeit, wo selbst die letzten Ausläufer der Epoche des Historismus ein Ende finden und wo der Geschichtsunterricht selbst in unseren Gymnasien nur noch als erbärmlich bezeichnet werden kann, wird das Agieren eines Hauses, wie es das unsere ist, immer wichtiger.
Besonders mit dieser Auktion rücken wir die Geschichte eines Volkes in den Blickpunkt, das entscheidende Beiträge zur Kultur unseres Landes wie auch ganz Europas und der Welt geleistet hat. Früher wurde in unseren Gymnasien nicht nur Latein und Altgriechisch gelehrt, sondern auch Hebräisch. Damit wurde gedankliche und menschliche Nähe zu den Kulturen geschaffen, die die Säulen der unseren bilden. Der verstorbene Direktor der Staatlichen Münzsammlung München, Professor Dr. Bernhardt Overbeck, hatte die Bedeutung dieser Sammlung unter solchen Aspekten schon früh erkannt und 1993/1994 große Teile dieser Kollektion in einer Ausstellung in München vorgestellt. Sein Bemühen wurde damit honoriert, dass der damalige Botschaft des Staates Israel, Avi Primor, zu der Eröffnung der Ausstellung nach München kam.
Indem wir nun in vielen Medien auf diese Sammlung aufmerksam und sie mit diesem Katalog auch greifbar und rezipierbar machen, ho_ en wir einen Beitrag dazu zu leisten, sich wieder mehr und intensiver mit jüdischer Kultur und Geschichte zu befassen. Unbildung und Unwissenheit, besonders aber Geschichtsvergessenheit, zeitigen nur allzu leicht undifferenziertes Denken und die Bereitschaft, sich auf irrwitzige Parolen und Aggressionen einzulassen. Nutzen wir den Umgang mit Zeitzeugen, wie es Münzen nun einmal sind, dazu, zu einer gebildeten wie auch humanen Gesellschaft zu finden.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Jens-Ulrich Thormann, Dane Kuhrt, Inja MacClure, Helge Lewandowsky und Anne Falckenthal für die Unterstützung bei der Erstellung dieses Kataloges.
Ein besonderer Dank geht an den Verlag J.C.B. Mohr für die Erlaubnis zur Verwendung der in diesem Katalog dargestellten Landkarten.
Osnabrück und München im Dezember 2019
Ulrich Künker, Geschäftsführender Gesellschafter
Professor Dr. Johannes Nollé, Wissenschaftlicher Berater
Diese Broschüre stellt eine der bedeutendsten Sammlungen jüdischer Münzen vor. Sie wurde von dem Münchener Sammler Josef Samel und seiner Schwester Angela Arluk (geb. Samel), die 2005 und 2015 verstorben sind, in Jahrzehnten zusammengetragen.
Diese Münzsammlung deckt die Geschichte des jüdischen Volkes von der Eroberung Judäas durch die Perser im 6. Jhdt. v. Chr. bis in unsere Zeit ab; ihr Schwerpunkt liegt auf den jüdischen Geldstücken der Antike.