Der Numismatiker Alois Wenninger wurde am 20. November 1949 in Straubing in Niederbayern geboren. Der Vater Alois Wenninger arbeitete als städtischer Beamter, die Mutter Maria Wenninger kümmerte sich um die Familie. Neben dem Sohn Alois mussten noch sechs jüngere Geschwister versorgt und erzogen werden.
Alois Wenninger besuchte ab 1956 die Volksschule in Plattling und ab 1958 die Schule in Passau, wohin die Familie umgezogen war. 1960 wurde der begabte Schüler in das Gymnasium Leopoldinum aufgenommen, wo er 1969 das Abitur ablegte. Noch im selben Jahr immatrikulierte Wenninger sich an der neu gegründeten Universität Regensburg in der philosophischen Fakultät für die Fächer Deutsch und Geschichte. Bereits in dieser Zeit war sein Interesse an der Antike geweckt und er nahm im Rahmen des Studiums an archäologischen Ausgrabungen teil. Im Frühjahr 1973 legte er sein Staatsexamen für das Realschullehramt ab.
Für die Numismatik ist es ein Glücksfall, dass der langjährige Direktor der Staatlichen Münzsammlung München, Professor Bernhard Overbeck, die wirkliche Begabung Wenningers früh erkannte und ihm zum 1. Juli 1973 eine Anstellung als numismatischer Sachbearbeiter in der renommierten Münzenhandlung Egon Beckenbauer vermittelte. Das Geschäft lag in der Münchener Maximilianstraße 31, in der unmittelbaren Nähe des Hotels “Vier Jahreszeiten“. Bis zum Verkauf seiner Firma an das Bankhaus H. Aufhäuser beschäftigte Egon Beckenbauer den vielseitigen jungen Numismatiker. Aus dem hervorragenden Zeugnis des Arbeitgebers vom 31. Januar 1985 ist dessen Wertschätzung leicht zu entnehmen: „… Schon bei Eintritt in meine Firma brachte er ein gediegenes Wissen für sein Sachgebiet mit. … Seine Ehrlichkeit, für die ich meine Hand ins Feuer lege, und seine unverwüstliche Fröhlichkeit machten ihn zu einem Genossen, den man immer gerne um sich haben möchte.“
Zusammenfassend kann man das Urteil seines Chefs wohl so auf den Punkt bringen: Wenninger brachte alle Voraussetzungen für eine glänzende Karriere mit: Ehrlichkeit, Fleiß und ein umfangreiches Wissen in seinem Fachgebiet. So war es nur folgerichtig, dass das Bankhaus H. Aufhäuser Wenninger übernahm, wo er ab 1985 in der Löwengrube unter der Leitung des Numismatikers Otto Kozinowski als Leiter des Bereichs „Antike Münzen“ arbeitete. Ab 1989 war Alois Wenninger auch als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger tätig, wozu ihn die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern bestellt hatte.
Nach dem frühen, plötzlichen Tod von Otto Kozinowski wurde Wenninger 1994 Leiter der Numismatischen Abteilung des Bankhauses Aufhäuser (ab 1998 Hauck & Aufhäuser Privatbankiers KG aA). Im Rahmen dieser Tätigkeit war er auch für die Herausgabe der Auktionskataloge des Bankhauses verantwortlich. Besonders am Herzen lagen ihm dabei stets die antiken Münzen, deren Bearbeitung er selbst übernahm. Eines der Highlights in seiner Karriere erlebte Wenninger im Frühjahr 1991, als er im Rahmen der Auflösung einer Sammlung eine Münze des römischen Kaisers Proculus entdeckte, dessen Existenz als Kaiser des Jahres 280 n.Chr. bis dahin angezweifelt worden war. Heute ist diese wichtige Münze, die Proculus in einer gallischen Münzstätte prägen ließ, eine der vielen Raritäten im Bestand der Staatlichen Münzsammlung München, die die einzigartige römische Münze bei einer Auktion des Bankhauses Aufhäuser ersteigern konnte.
Am 1. Februar 2010 konnte Alois Wenninger sein 25-jähriges Dienstjubiläum bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers begehen. Die Bank trennte sich aufgrund einer strategischen Neuausrichtung zum 30. August 2011 von der Numismatischen Abteilung, welche in denselben Geschäftsräumen fortbesteht – als neu gegründete Firma Künker Numismatik AG. Diesen Übergang begleitete Alois Wenninger freundschaftlich.
Er blieb auch in der neuen Firma ein begehrter Ansprechpartner für das Gebiet Antike und ist mit dem Leiter der Künker Numismatik AG, Dr. Hubert Ruß, sowie auch mit der Familie Künker und den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Hauses Künker in Osnabrück freundschaftlich verbunden.
Der berufliche Erfolg von Alois Wenninger ist außergewöhnlich. Seine wissenschaftliche Neugier, sein enormes Fachwissen, sein Fleiß und seine absolute Integrität waren wohl ideale Voraussetzungen für diese eindrucksvolle numismatische Karriere. Dazu beigetragen hat ganz bestimmt auch seine Frau Elisabeth, geb. Eichinger, mit der er seit 1973 verheiratet ist.
In den langen Jahren seiner numismatischen Tätigkeit hat Alois Wenninger zweimal eine private numismatische Bibliothek aufgebaut. Die erste wurde gegen Ende seiner aktiven Berufstätigkeit verkauft. Anschließend hat Wenninger erneut damit begonnen, das in den Büchern konzentrierte Wissen für sich selbst fachkundig zusammenzutragen.
Wir danken unserem Freund Alois Wenninger, dass er uns damit beauftragt hat, seine Bibliothek in den numismatischen Kreislauf zurückzuführen. Der Wunsch, diese umfangreiche Bibliothek nun abzugeben, ergab sich nicht zuletzt durch seinen angegriffenen Gesundheitszustand.
Wir wünschen Alois Wenninger und seiner Frau Elisabeth alles Gute für die Zukunft.
Osnabrück, im September 2023
Fritz Rudolf Künker