Sammlerportraits
Münzsammlung Gerhard Lambert

Geschichte der Münzsammlung Gerhard Lambert

Eine Familiensammlung über drei Generationen

Der Gründer der Münzsammlung Lambert war mein Großvater namens Jakob Lambert

Er wurde am 8.5.1870 in Alzey in Rheinhessen geboren als ältestes von vier Kindern des Domenicus Emil Lambert und seiner Ehegattin. Nach dem Abitur widmete er sich dem Pharmazie- und Chemiestudium. Leider verstarben die Eltern von Jakob Lambert bei einem Kutschenunfall 1879 und die vier Kinder verblieben bei dem Vormund (Onkel) Dr. Otto Lambert, Wundarzt, und bei Valentin Drommelshausen, damals Bürgermeister. 

Das Vermögen, das die Eltern von Jakob hinterließen, war beträchtlich, es bestand aus mehreren Weinbergen, Wäldern, div. Grundbesitzungen sowie mehreren Häusern. Es wurde weitgehend aufgeteilt und zerfiel allmählich. 

Jacob Lambert nahm seinen Erbteil und schaute sich in der Welt um.

Er ließ sich in Kapstadt nieder und genoss ein feudales Leben. Er kaufte vier Häuser in Kapstadt, um später als Rentner von den Mietverträgen gut leben zu können. Leider kam es anders, er bekam Malaria, die damals unheilbar war und deren Folgen nur mit Morphium gelindert werden konnten. Da das Klima in Europa angenehmer war, zog er 1908 nach München um. Er heiratete eine Hebamme mit Namen Elisabeth. 

Der zweite Sohn, Hugo Lambert, wurde Förster und zog sich 1926 auf sein Waldschlösschen im tschechischen Grenzgebiet (Kaiserhammer und Asch) zurück. 

Der dritte Sohn, Emil Lambert, wurde Kaufmann und blieb in Rheinhessen. 

Die Tochter, Anna Lambert, nahm ihren Erbteil und ging in die USA. Sie heiratete dort und bekam eine Tochter. Leider traf in der Gegend West Palm Beach, in Florida am 17.9.1928 ein Hurrikan mit 238 km/h auf die Küste, es gab viele Tote, unter anderen die Familie von Anna Lambert, die alle zu Tode kamen (Tochter, Gatte und Anna). Ihr Vermögen wurde im Rahmen des Zweiten Weltkriegs als Feindstaatenbesitz von den USA eingezogen.

Jakob Lambert begann mit seinem Bruder Hugo die Familiensammlung Lambert mit dem Sparen und Sammeln von deutschen Reichsmünzen. Es war wirtschaftlich eine sehr schlechte Zeit, durch die Weltwirtschaftskrise gingen das Geld und die Ersparnisse zur Neige. Die Erkrankung von Jakob Lambert schritt fort und wurde immer schlechter und kostenintensiver. Am 11. April 1911 wurde in München der Sohn Hans Benno geboren. Jakob Lambert hatte – neben anderen gesundheitlichen Mitteln – eine sehr wirkungsvolle Salbe zur Linderung von Gicht und Rheuma erfunden: Bennol. Aus Freude über deren Erfolg nannte er seinen erstgeborenen Sohn „Benno“, genannt Johann.

Da kein wesentliches Vermögen mehr zur Verfügung stand, war leider ein Studium für den Sohn Hans Benno (Johann) nicht möglich. Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise waren auch in München voll spürbar.

Hans Benno trat als Orthopädietechnikerlehrling in die Klinikwerkstätte für Orthopädie in München ein. Nach der Gesellenprüfung in München wurde er als Techniker dem berühmten Geheimrat Prof. Dr. Ferdinand Sauerbruch unterstellt. Auf Grund der Weltwirtschaftskrise nach dem 1. Weltkrieg war auch in München die Arbeitslage sehr schwierig und es herrschte verbreitet Armut in Deutschland. 

Hans Benno verzog 1930 nach Salzburg, wo er bei der Firma Sperl eine leitende Stelle angeboten bekam. Er lernte seine Frau Christine aus Neumarkt am Wallersee kennen, das Paar heiratete 1933. In dieser Zeit übernahm Hans Benno die Münzensammlung seines Vaters, die im Wesentlichen aus mitgebrachten afrikanischen Münzen sowie alten Reichsmark bestand, und baute diese weiter aus. 

Der Großvater Jakob Lambert verstarb am 17.3.1937 in München, seine Frau Elisabeth verstarb am 10.8.1963 ebenfalls in München. 

Die Münzsammlung verblieb aus Sicherheitsgründen in München und wurde erst später nach Salzburg übersiedelt. 1935 wurde dem Ehepaar Lambert die Tochter Edith und am 30.1.1944 ich, der Sohn Gerhard in Salzburg als zweites Kind geboren. Leider wurden wir Ende 1944 in Salzburg durch US-Fliegerbomben total ausgebombt, und unser komplettes Vermögen wurde somit neuerlich vernichtet. Unsere Geldbestände, Aktien, Sparbücher etc. fielen der Währungsreform zum Opfer und wurden auf diese Weise wieder zunichte gemacht. Zum Glück war die Münzsammlung zu dieser Zeit bei der Oma in München ausgelagert. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Hans Benno nur mehr Ausländer (Deutscher), und so durfte er sich in Österreich nicht mehr aufhalten, geschweige denn arbeiten. Seine Familie – alle in Salzburg geboren und gelebt – wurden zu Staatenlosen erklärt und entsprechend behandelt. Dies ging bis 1950, als auch mein Vater wieder nach Salzburg einreisen durfte. 1952 erhielten wir alle die österreichische Staatsbürgerschaft zurück. Im gleichen Jahr eröffnete mein Vater in Salzburg, Getreidegasse 2, im 1. Stock seine eigene Orthopädiewerkstatt. 1954 folgte in der Bergstr. 8 unser erstes Ladengeschäft. In diesem Haus, nachweislich 1429 erbaut, aber immer auf den modernsten Standard nachgerüstet, befindet sich heute noch unsere Geschäftszentrale mit der Verwaltung aller unserer Zweigstellen. Das Haus steht unter Denkmalschutz, auch weil der ehemalige Hilfskapellmeister des Salzburger Landestheaters und berühmte Komponist Hugo Wolf, 1881 in diesem Haus wohnte.

Reklametext für Bennol – Gicht- und Rheumasalbe
Titelblatt des handgeschriebenen Testaments von Jakob Lambert

Johann und Christine Lambert waren sehr tüchtige Geschäftsleute und haben mit viel Fleiß und Arbeit die kleine Firma in die Höhe gebracht. Mein Vater war damals schon von der Schönheit der Salzburger Münzen begeistert. Immer wenn er ein paar Schillinge beisammen hatte, ging er in die Bristolpassage in Salzburg zum alten Münzhändler Hans Grünwald und kaufte dort Salzburger Münzen, die er in seiner Sammlung einverleibte. Dazu kam, dass sein alter Bergkamerad Bachmeier ein fanatischer Salzburgsammler war (beruflich war er Fotograf in der Drogerie Mann in Salzburg, am Alten Markt), der sich jeden Schilling buchstäblich vom Mund absparte und das Ersparte sofort in Salzburger Münzen umsetzte. Immer wieder, wenn er Dubletten hatte, bot er meinem Vater oder mir diese zum Kauf an. Leider konnten wir nie nein sagen. Er war ein Sammler, der extrem sparsam lebte, einfach gekleidet war, und gelebt hat, um möglichst viele Münzen kaufen zu können. 

Sein Hobby beherrschte sein Leben. So wurde Bachmaier sozusagen zum Mitgründer und Spiritus Rector unserer Familiensammlung Salzburger Münzen.

1980 kam mein Vater ins Landeskrankenhaus, wo er nach neun Monaten als Siebzigjähriger an einen Krebsleiden viel zu früh verstarb. Vor dem Tode übergab er mir seine Salzburg-Sammlung und bat mich, diese weiterzupflegen und zu betreuen und auszubauen. Dem Wunsche meines Vaters entsprechend habe ich meine eigene kleine Salzburg-Sammlung in seine Sammlung eingebracht und wesentlich erweitert. Mein langjähriger Freund war Günther Schweighofer, den ich als begeisterten Fan der Salzburger Austria – Fußballabteilung schon jahrelang gekannt hatte. Außerdem war Günther eine fast unermessliche Quelle Salzburger Münzraritäten, und ich war sicher einer seiner treuesten Kunden. 

Ich habe auch bei den Auktionen Lanz, Rauch in Wien und Wiener Dorotheum ständig geboten, und so konnte ich die Sammlung wesentlich erweitern. Auch Gerhard Halbedel und Peter Macho waren ständig bemüht, mir Raritäten zuzuführen. Sänn in München war ebenso eine unerschöpfliche Quelle. Seit dem Jahr 2018 bin ich Mitglied der Salzburger Münzfreunde, und durch die Zusammenarbeit mit Mag. Ulli Höllhuber, Mag. Peter Macho, Leo Gutenbrunner, Mag. Erker und anderen habe ich mein numismatisches Wissen ständig erweitert. Es war auch der Beginn meiner Salzburg- Sammlung in Gold. Ich habe einen Teilkauf der Sammlung von Günther Schweighofer getätigt. Es folgte 2020 der Ankauf der Salzburger Wahrzeichensammlung von Dr. Zöttl und der Ankauf von vielen weiteren Salzburger Raritäten. Auch von Manfred Olding aus Osnabrück habe ich eine Teilsammlung Salzburg gekauft. 

2021 habe ich mich entschlossen, meine Sammlung Römisch-Deutsches Reich, insgesamt 3854 Stück, der Münzhandlung Zöttl zu Versteigerung zu übergeben. Ich konnte bei den Versteigerungen von Zöttl im Tausch und Kauf, bei den Zöttl Auktionen 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16 und 17 einige Salzburger Raritäten erwerben. Zumeist wurden diese im Tausch gegengerechnet. Es folgte der Ankauf und Tausch der Sammlung der Salzburger Kontermarken von Dr. Zöttl, sowie besondere Raritäten mit Salzburger Gegenstempeln im Tausch bzw. Kauf von Ing. Leopold Guttenbrunner aus Linz. Somit freue ich mich die vorliegende Sammlung präsentieren zu können.

Beruflich war ich auch sehr engagiert, ich habe im Jahre 1967 das Sanitätshaus Lambert in der Bergstr. 8 in Salzburg als Geschäftsführer übernommen und dieses zur Lambert-Sanitätshauskette mit verschiedenen Zweigstellen, Orthopädie- Werkstätten und Rehastellen ausgebaut: Sanitätshaus in Salzburg in der Ignaz- Harrer-Str. 44b; eine Orthopädie und Reha-Abteilung in Salzburg, Ignaz-Rieder- Kai 21; eine Orthopädie-Schuhmacherei in Salzburg, Itzlinger Hauptstr. 18; einem Sanitätsgeschäft am Eingang zur Paracelsus-Universität in Salzburg und weitere Filialen in Wals, 2x in Hallein, in Mattighofen, in Abtenau, in St. Johann im Pongau, in Tamsweg, in Saalfelden und Schärding. Es folgte ein Sanitätshaus in Ried und in Mondsee sowie der Ankauf der Firma Medisan in Kufstein. Heute beschäftigen wir ca. 200 Mitarbeiter.

In Anerkennung meiner beruflichen Leistungen und Tätigkeiten für die Salzburger Wirtschaft wurde ich vom österreichischen Bundeskanzler 2005 mit dem Berufstitel Kommerzialrat ausgezeichnet. 

1988 habe ich eine Zweitfirma in Graz gegründet, die Firma Ortho Aktiv, die heute mit ihren 12 steirischen Sanitätsgeschäften ebenfalls 160 Mitarbeiter beschäftigt. Diese Firma habe ich an meinen Sohn Udo abgetreten, der diese Geschäfte als Mehrheitseigentümer nun selbständig führt. 

Ich war natürlich sehr geschmeichelt, dass mein Ruf als bedeutender Salzburg-Sammler bis nach Osnabrück gedrungen ist und mich der Geschäftsführer Dr. Andreas Kaiser in Salzburg besuchte, um mich auf die in Kürze stattfindende Auktion von der Salzburg-Münzsammlung von Dr. Franz Schedel aufmerksam zu machen und mich zu dieser Versteigerung einzuladen. 

Ich glaubte immer, dass meine Salzburg-Sammlung schon recht fortgeschritten war, aber die Fülle der Sammlung Schedel und die Menge der darin enthaltenen Raritäten hat mich fast sprachlos gemacht. Ich denke, jeder Sammler kann verstehen, dass ich der Versteigerung der Schedel Sammlung am 25.03.2023 mit ziemlicher Ungeduld entgegen fieberte. Ich war bei dieser Auktion sehr erfolgreich und konnte 192 Lose erwerben und war begeistert über diese Spitzenstücke, die meine Sammlung wesentlich erweitert hat. 

Da ich nun 80 Jahre alt geworden bin, habe ich meine Kinder gefragt, ob sie diese Sammlung in der vierten Generation weiterführen wollen. Leider haben meine Kinder nicht meine Sammelleidenschaft geerbt, und so habe ich mich entschlossen die Sammlung im Rahmen einer Münzauktion bei Künker wieder in den Münzumlauf zu bringen und hoffe, dass die neuen Besitzer mit den Objekten dieser „Dreigenerationen-Sammlung“ viel Freude haben. Ich hoffe auf ein reges Interesse und grüße herzlich alle Interessenten.

Salzburg, Juli 2025
Gerhard Lambert

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