Das eLive Premium Format ist eine von unserem Unternehmen speziell entwickelte Form der Auktion, die Vorteile der Saalauktion mit denen der Internet-Auktion verbindet. Es gibt zu diesen Auktionen einen gedruckten Katalog, in dem die Sammlung präsentiert wird. Aber sie wird nicht im Saal, sondern ausschließlich im Internet durchgeführt. Damit eignet sie sich besonders für interessante Spezialsammlungen mit einer hohen Zahl an Losen, deren Durchschnittsschätzung im dreistelligen Bereich liegt.
Ein ausgezeichnetes Beispiel für so eine eLive Premium Auction war unsere Auktion 426 mit einer reichen Auswahl vor allem an altdeutschen und Habsburger Münzen und Medaillen. Sie enthielt zusätzlich eine interessante Spezialsammlung von Sedisvakanzprägungen. Das Ergebnisse der 900 Lose addierte sich auf rund das Doppelte der Schätzung, so dass die Sammlung den beeindruckenden Preis von einer halben Million Euro brachte. Wir stellen Ihnen einige besondere Ergebnisse vor. Sie alle zeigen, dass es heutzutage keine Saalauktion mehr braucht, um hohe Ergebnisse zu erzielen.
Die Top Five aus Auktion 426
Zum teuersten Stück der Auktion wurde ein außergewöhnlich gut erhaltener halber Reichstaler von Kaiser Matthias, geprägt 1619 in Kuttenberg. Er stieg wegen seiner perfekten Erhaltung von seiner bescheidenen Schätzung in Höhe von 1.000 Euro auf mehr als das 10-fache, nämlich 10.500 Euro.
Mit 6.250 Euro mehr als das Doppelte seiner Schätzung brachte ein doppelter Reichstaler von Ernst dem Frommen, der 1650 in Gotha ausgegeben wurde. Diese Münze war Teil eines Festes, das der sächsische Herzog am 11. und 12. August 1650 in Gotha erstmals abhalten ließ. Mit einem feierlichen Gottesdienst wollte Ernst dafür danken, dass der Westfälische Friede endlich den viel zu lange schon dauernden Krieg beendet hatte. Wie damals üblich, wurden Münzen als Andenken verteilt. So überliefert uns ein Historiker des 18. Jahrhunderts, dass sich die Schuljugend mit einem prächtigen Umzug an den Festivitäten beteiligte und jeder Schüler dafür zur Erinnerung an seine Teilnahme eine heute als Friedensgroschen bekannte Münze erhielt. Der Stadtrat und die führenden Bürger wurden genauso wie alle hochrangigen Gäste mit wesentlich höheren, motivgleichen Nominalen beschenkt. Zu ihnen gehörte sicher der doppelte Reichstaler, der bei Künker in außergewöhnlich guter Erhaltung angeboten wurde.
Aus Braunschweig stammt der so genannte Luftpumpen- oder Zwietrachtstaler, eine Medaille im Talergewicht die 1702 in Goslar oder Zellerfeld geprägt wurde. Sie zeugt von dem großen wissenschaftlichen Interesse, das zur Zeit der Aufklärung die Fürstenhöfe beherrschte. Abgebildet sind die berühmten metallenen Halbkugelschalen des Otto von Guericke, die Pferde nicht auseinanderreißen konnten, solange der Unterdruck sie zusammen hielt. Das physikalische Experiment diente als Symbol der Einigkeit unter den Brüdern Rudolf August und Anton Ulrich, Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel. Ihre Harmonie wird durch eine bis heute unterschiedlich gedeutete Hand aufgelöst, indem sie das Ventil öffnet und den Unterdruck beseitigt. Wer hinter dieser Münze steht und zu welchem Zweck sie hergestellt wurde, werden wir wohl nie sicher wissen. Die Geschichte ist aber so schön, dass das vorzügliche Stück von seiner Schätzung mit 1.500 Euro auf 5.750 Euro stieg.
Beenden wir den Blick auf die teuersten Lose der Auktion mit zwei attraktiven Schaustücken, die etwa gleichzeitig entstanden und beide denselben Endpreis in Höhe von 5.500 Euro brachten. Beginnen wir mit einer Medaille der Stadt Danzig, die der Hoffnung auf den Westfälischen Frieden gewidmet ist und mit 1.000 Euro geschätzt war. Das wesentlich höhere Ergebnis ist nicht überraschend. Schließlich schuf der Stempelschneider Sebastian Dadler ein kleines Wunderwerk, dessen künstlerische Bedeutung erst durch die herausragende Erhaltung zur vollen Geltung kommt. Man kann sich in all den Details und Anspielungen, die in die Darstellung eingearbeitet sind, förmlich verlieren.
Der zweite Schautaler stammt aus Münster und diente als Geschenk des Erzbischofs Ferdinand von Bayern, das er anlässlich der jeweils zum Neujahrsfest stattfindenden rituellen Gabentauschs an seine Mitarbeiter, Verbündeten und Verwandten verteilte. Darauf weist die Darstellung von Christi Beschneidung hin, die am 1. Januar gefeiert wird also eben an dem Tag, an dem üblicherweise die Geschenke getauscht wurden.
Unter den altdeutschen Münzen war ein umfassende Sammlung von Sedisvakanzprägungen verteilt. Sie enthielt etliche spektakuläre Stücke mit großartigen Darstellungen. Unter einer Sedisvakanz versteht man nicht nur die Zeit, die es nach dem Tod des Papstes braucht, bis ein neuer sein Amt angetreten hat. Sedisvakanz heißt grundsätzlich jede Zeit, in der ein Kirchenamt unbesetzt ist. Auch in den deutschen Bistümern gab es genaue Bestimmungen, wem in dieser Periode die Verwaltung der Diözese, deren Einkünfte und das Prägerecht zustand. Und oft wurde eben dieses Prägerecht genutzt, um eine Münze oder Medaille herzustellen.
Den höchsten Zuschlag unter den Sedisvakanzprägungen erzielte ein Konventionstaler von 1781 aus dem Bistum Eichstätt, der in Nürnberg geprägt den gesamten Dombezirk wiedergibt. Wir sehen nicht nur den Eichstätter Dom, sondern auch den großen Brunnen mit der Mariensäule, den Kreuzgang und die Kanonikerhöfe. Dort wohnten diejenigen, denen das Recht zustand, den neuen Bischof von Eichstätt zu wählen. 3.600 Euro brachte dieser prächtige Schautaler, immerhin das 9-fache seiner Schätzung.
Mit 3.100 Euro nur ein bisschen weniger erzielte ein doppelter Eichstätter Konventionstaler des Jahres 1790 mit prachtvoller Patina. Er zeigt auf der Vorderseite den leeren Stuhl, also die bildliche Umsetzung des aus dem Lateinischen kommenden Begriffs Sedisvakanz. Rechts davon befinden sich die Insignien der geistlichen, links der weltlichen Macht. Auf der Rückseite ist in der Art eines Stammbaums eine Eiche abgebildet, an deren Ästen die Namen aller Mitglieder des Domkapitels hängen.
Nur sehr selten wurden Sedisvakanzprägungen in Gold ausgegeben. Eine der Ausnahmen wurde unter Nummer 3297 versteigert. Der Salzburger Dukat von 1772 kletterte von seiner Schätzung mit 1.500 Euro auf 2.300 Euro. Es zeigt auf der einen Seite den Schutzpatron des Bistums, den heiligen Rupert mit seinem Salzfass, auf der anderen Seite das Wappen des Salzburger Domkapitels mit passender Umschrift.