Sammlerportraits
Dr. Björn-Gunnar Haustein

Porträt eines Münzsammlers

Wie bei vielen Sammlern war es auch bei Björn-Gunnar Haustein so, dass er schon als Kind Briefmarken sammelte. Das Interesse an Münzen wurde erst geweckt, als ein Freund ihm im Jahre 1969 das berühmte 3-Mark-Stück von 1913 schenkte, das der letzte sächsische König Friedrich August III. zur Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig prägen lassen hatte. 

Vom 16. bis 19. Oktober 1813 hatten die alliierten Truppen von Russland, Preußen, Österreich und Schweden den Truppen Frankreichs und seiner Verbündeten unter Kaiser Napoleon Bonaparte eine entscheidende Niederlage zugefügt, die zum Zusammenbruch der französischen Vorherrschaft in Europa führen sollte. 

Münzen erzählen Geschichte, und so entdeckte Dr. Haustein sein Sammelgebiet, die Münzen und Medaillen von Sachsen.

Als Björn-Gunnar Haustein am 5. August 1940 in Dresden als dritter Sohn des Kürschnermeisters Friedrich Haustein geboren wurde, ahnte noch niemand, welch schreckliche Auswirkungen der von den Nationalsozialisten entfesselte 2. Weltkrieg auch für die Stadt Dresden haben würde. Die Bombardierung Dresdens vom 13. bis 15. Februar 1945, ausgeführt durch drei alliierte Angriffswellen war einer der verheerendsten Angriffe auf eine deutsche Stadt im 2. Weltkrieg und sollte die Moral der Zivilbevölkerung brechen. 

Auch die Familie Haustein in der Räcknitzstraße 1 in der Nähe der Prager Straße wurde am 13. Februar total ausgebombt und musste fünf Jahre lang als Flüchtlinge auf einem Bauernhof in Niederbobritzsch bei Freiberg/Sachsen leben. 1950 kehrte die Familie nach Dresden zurück, wo Björn-Gunnar 1958 auf der Internatsschule des Dresdner Kreuzchores ein altsprachliches Abitur ablegte. Er studierte an der TH/TU Dresden an der Fakultät Elektrotechnik und schloss sein Studium 1964 als Diplom-Ingenieur am Institut für Technische Akustik ab. Nach einer Zeit als Assistent promovierte er 1968 zum Dr.-Ing. und arbeitete bis 1973 an seinem Institut als Oberassistent. Ab 1973 arbeitete Dr. Haustein als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem zentralen Forschungsinstitut der DDR.

Nach der Wende arbeitete Dr. Haustein bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2004 für das schalltechnische Ingenieurbüro Müller-BBM im Zweigbüro in Dresden-Langebrück, der Hauptsitz war in Planegg bei München. An Ruhestand mochte der agile Wissenschaftler aber noch nicht denken. So nahm er noch als Akustiker eine sehr interessante Aufgabe in Moskau an und arbeitete weitere 10 Jahre beim Projekt „Sanierung und Rekonstruktion des Bolschoi Theaters“. Mit 75 Jahren ging er dann wirklich in den Ruhestand.

Für die Weiterentwicklung seiner numismatischen Kenntnisse war der Kontakt zum langjährigen Direktor des Münzkabinetts Dresden, Dr. Paul Arnold, von großer Bedeutung. So fand er zur Fachgruppe Numismatik im Kulturbund der DDR, dessen Vorsitzender er 1973 wurde.

Nach der Wende organisierte der ausgezeichnete Kenner sächsischer Geschichte und der Münzprägungen der Wettiner die Neugründung des „Numismatischen Vereins zu Dresden“, dessen Tradition auf das Jahr 1873 zurückreicht. Nach 33 Jahren trat er 2006 vom Vorsitz des Vereins zurück.

Dr. Haustein und ich, wir lernten uns besser kennen und sehr schätzen, als wir unter dem Vorsitz des langjährigen Direktors der Staatlichen Münzsammlung München, Professor Bernhard Overbeck, Mitglieder der Jury für die Vergabe des Eligius-Preises waren. Dieses Gremium tagt einmal pro Jahr und zeichnet mit dem von der Deutschen Numismatischen Gesellschaft (DNG) gestifteten Eligius-Preis verdiente Numismatiker für ihr Lebenswerk aus. Dr. Haustein gehörte der Jury von 1996 bis 2013 an.

Nach jahrzehntelanger Sammeltätigkeit hat Herr Dr. Haustein sich nun entschlossen, die Schätze seiner Sammlung über das Auktionshaus Künker wieder in den numismatischen Kreislauf zurückzuführen. Das Ergebnis seines Sammelns von Medaillen des Numismatischen Vereins zu Dresden seit 1873, ist in zwei Publikationen veröffentlicht worden, in den Dresdner Numismatischen Heften Nr. 8 aus 2013 und Nr. 11 aus dem Jahre 2021.

Die in diesem Katalog des Hauses Künker publizierte Sammlung Dr. Haustein soll auch spätere Generationen an einen sehr interessierten Sammler erinnern, dessen liebenswerte Persönlichkeit ich durch viele Gespräche näher kennenlernen durfte und dadurch die deutschdeutsche Zeit der Teilung unserer Nation von einer anderen Perspektive aus zu betrachten gelernt habe.

Osnabrück, im Januar 2025 

Fritz Rudolf Künker

eLive Auction 86

Coins and Medals from Ancient, Medieval and Modern Times et al. the special collection of Dr. Björn-Gunnar Haustein as well as other special collections Byzantium, Bavarian thalers, Hesse, Oldenburg


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