Sammelgebiete
Münzen und Medaillen der Niederlande

Münzen und Medaillen der Niederlande

Wir sind stolz darauf, dass wir in den letzten Jahren drei der umfangreichsten und bedeutendsten Sammlungen mit Münzen, Medaillen und Papiergeld der Niederlande versteigern durfte. Es handelt sich um die Sammlungen Beuth, Verschoor und Genaert. Wer die Kataloge all dieser Sammlungen besitzt, braucht kaum noch zusätzliche Literatur, weil er damit den größten Teil der niederländischen Numismatik abdeckt. Außerdem findet der Interessierte in ihnen ausführliche historisch-numismatische Einleitungen zu den einzelnen Gebieten. Was man als Sammler über niederländische Münzen wissen sollte, kann man aus verschiedenen Katalogen zu vergangenen Auktionen erfahren.

1.
Warum sind die Münzen und Medaillen der Niederlande so interessant?

Das Sammeln von Münzen und Medaillen der Niederlande hat eine lange Tradition. Dafür gibt es mit der Reformation einen historischen Grund. Während die Katholiken am liebsten ins katholische Italien reisten, bevorzugten protestantische und calvinistische Adlige für ihre Kavalierstour die Niederlande. Dort knüpften sie Kontakte zu einflussreichen Adligen und Großkaufleuten, lernten von ihnen vieles über Aktien und Fernhandel und - last but not least - erwarben wertvolle Objekte für die eigenen Sammlung. Die Niederlande hatten schon früh einen hoch entwickelten Kunsthandel, der auch Münzen und Medaillen anbot. Bevorzugt kaufte der adlige Nachwuchs die numismatischen Reliquien des niederländischen Befreiungskampfes. Deshalb liegen heute so viele Notmünzen, die während des 80-jährigen Krieges entstanden, in öffentlichen Sammlungen. 

Die Niederländer waren Meister der Propaganda. Sie entwickelten ihre Münzbilder aus antiken Vorbildern und popularisierten damit viele Symbole, die wir noch heute mit Freiheit verbinden. Deshalb werden niederländische Münzen und Medaillen nie langweilig, wenn man sie im Detail betrachtet! 

Dass die Münzserien, die in den Niederlanden entstanden, so kontinuierlich herausgegeben wurden und gleichzeitig so vielfältig sind, liegt an dem großen Handelsimperium, das niederländische Unternehmen bewirtschafteten. Wir kennen Münzen nicht nur aus dem Mutterland, sondern auch aus den vielen Handelsstationen, die die VOC damals betrieb. Oder sollten wir besser von Kolonien sprechen? Erst heute wird nach und nach aufgearbeitet, wie skrupellos die Vertreter der ersten Aktiengesellschaft der Welt Menschen und Natur ausbeuteten. 

Sie sehen, wer sich mit niederländischer Numismatik beschäftigt, kommt weder an Religions-, noch an Wirtschaftsgeschichte vorbei. Aber gerade das macht das Gebiet so aufregend.

2.
Nach welchen Kriterien werden die Münzen der Niederlande gesammelt und geordnet?

Die Niederlande sind, wie viele andere Staaten, aus verschiedenen Teilen zusammengewachsen. Wenn man "Niederlande" sammelt, kann man sich also entweder für ein Spezialgebiet entscheiden oder die Münzen aller Teilgebiete sammeln. Wenn Sie sich für letzteres entscheiden, dann werden Sie irgendwann vor der Frage stehen, wie sie diese anordnen wollen. Strikt chronologisch und damit die Serien auseinanderreißen? Oder lieber doch so, wie es sich in Münzkabinetten eingebürgert hat? Dort trennt man die verschiedenen Teilgebiete sorgfältig voneinander. 

Wir stellen Ihnen in diesem Kapitel die verschiedenen Teilgebiete und eine mögliche Ordnung vor.

3.
Die niederländische Republik

Schon die Tatsache, dass wir nicht von dem Niederland, sondern den Niederlanden sprechen, gibt einen Hinweis darauf, dass mit den Niederlanden zu Beginn keine Nation, sondern ein Staatenbund gemeint war. Darin schlossen sich verschiedene Entitäten zusammen, um den Spaniern die Herrschaft zu entreißen. Jede Republik behielt unabhängig ihr Prägerecht, auch wenn die wichtigsten Nominale in den gesamten Niederlanden kursieren konnten und dafür standardisiert wurden. Die numismatische Ordnung der Münzprägung spiegelt diese Entstehung, denn noch heute werden die Münzen nicht gesamthaft chronologisch, sondern nach den herausgebenden Provinzen geordnet. 

Die sieben Provinzen sind:

  • Holland und West-Friesland
  • Zeeland
  • Utrecht
  • Friesland
  • Groningen
  • Overijssel
  • Gelderland

Kompliziert wird die Angelegenheit, weil nicht nur die Provinzen, sondern auch einzelne Städte und Adelshäuser ein Münzrecht besaßen oder für lokale Zwecke Marken herausgaben. Wer sich noch mehr spezialisieren möchte, kann eine der Städte wählen, die zum Teil selbst umfangreiche Prägereihen herausgegeben haben. Eine vollständige Liste all der verschiedenen Entitäten zu geben, würde zu weit führen. 

Wir listen ohne Anspruch auf Vollständigkeit einige der häufigeren oder bekannteren Städte auf.

  • Amsterdam (Holland)
  • Deventer (Overijssel)
  • Kampen (Overijssel)
  • Nijmegen (Gelderland)
  • Vianen (Holland)
  • Zutphen (Gelderland)
  • Zwolle (Oberijssel)
4.
Die südlichen Niederlande

Wenn von den Münzen der südlichen Niederlande gesprochen wird, meint man die katholischen Gebiete, die heute in etwa Belgien und den niederländischen Provinzen Limburg und Nord-Brabant entsprechen. Auch sie werden gerne als eigenes Sammelgebiet getrennt gesammelt. 

Wir nennen - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - die wichtigsten Gebiete:

  • Brabant (Herzogtum)
  • Flandern (Grafschaft)
  • Hennegau (Grafschaft)
  • Loon (Grafschaft)
  • Lüttich (Bistum)
  • Namur (Grafschaft)
  • Tournai (Herrschaft)
5.
Niederländische Notmünzen

Niederländische Notmünzen gehören zum Spannendsten, was man sammeln kann. Denn ihre Prägung ist immer mit einem Kampf auf Leben und Tod verbunden. Notmünzen wurden in belagerten Städten herausgegeben, um einen halbwegs normalen Warentausch zu gewährleisten. Da jeder Söldner für seine eigene Nahrung verantwortlich war, war er auf seinen regelmäßigen Sold angewiesen. War nicht genug Silber für die Bezahlung der Söldner vorhanden, versuchte eine Stadt durch die Ausgabe von Notmünzen Plünderungen der Zivilbevölkerung zu verhindern.

Da die Niederländer großen Wert darauf legten, ihre militärischen und menschlichen Leistungen ihren Glaubensgenossen in ganz Europa mitzuteilen, haben wir umfangreiche historische Nachrichten zu jeder einzelnen Belagerung, in der Notmünzen geprägt wurden.

Niederländische Notmünzen wurden bereits seit dem 17. Jahrhundert gesammelt. Ihre Prägewerkzeuge bewahrten die Stadtväter als Reliquien der eigenen Geschichte im Rathaus auf. Damit ließ man bereits kurz nach dem Ende einer Belagerung Belagerungsmünzen nachprägen, um einer breiten, Münzen sammelnden Elite die authentischen Zeugnisse des niederländischen Heldenmuts zugänglich zu machen. Das hat für heutige Sammler den Vorteil, dass viele niederländische Notmünzen in größerer Zahl vorkommen und deshalb für einen vernünftigen Preis zu haben sind. Auch wenn die seltenen Stücke fünfstellige Beträge kosten können, bleiben die meisten Notmünzen im dreistelligen und unteren vierstelligen Bereich.

Das Phänomen der Notmünzen ist natürlich nicht auf die Niederlande beschränkt. Überall, wo kriegerische Ereignisse eine geregelte Münzprägung verunmöglichten, entstanden solche Prägungen. Aber die Vielfalt an Notmünzen, die während des 80-jährigen Krieges geprägt wurde, übertrifft alles, was wir aus anderen Ländern kennen.

6.
Niederländische Medaillen

Auch Medaillen - oder wie die Niederländer sagen "Historienpennige" - wurden in den verschiedenen Republiken im großen Mengen geprägt. Sie sind von hohem Interesse, denn die Intellektuellen Antwerpens, Leidens und Löwens taten ihr Bestes, um innovative und emotional bewegende Bilder zu finden. Dass heute noch der Brutus-Denar mit dem Freiheitshut die teuerste antike Münze der Welt ist, geht auf die Niederländer zurück, die dieses Motiv für sich entdeckten, neu interpretierten und auf ihren Medaillen den Kampf der römischen Adligen gegen Caesar mit ihrem Kampf gegen Spanien gleichsetzten. So hatte die Medailleurskunst in den Niederlanden also bereits eine weit zurückreichende Tradition, als im so genannten Goldenen Zeitalter die Medaillenherstellung ihre Blüte erlebte. Das Können niederländischer Stempelschneider ist immer wieder beeindruckend. Und so gehören niederländische Medaillen zum Schönsten, was man sammeln kann! Sie werden übrigens zumeist nicht nach ihrem Herkunftsort eingeordnet, der häufig sowieso schwer zu eruieren ist, sondern als eigenes Sammelgebiet behandelt oder nach Thema geordnet.

7.
Die Vereinigten Niederlande

Erst die Franzosen zwangen die Niederlande, ihre lokalen Identitäten zu überwinden und zu einer Nation zusammenzuwachsen. Mit der Batavischen Republik beginnt die Geschichte der modernen Niederlande. Wer es lieber einfach mag, dem sei dieses strikt chronologisch aufgebaute Teilgebiet der niederländischen Numismatik ans Herz gelegt. Ein weiterer Vorteil für den Einsteiger ist, dass alle Münzen mit der Maschine geprägt wurden und so relativ verlässlich von Grading Instituten bewertet werden können. So braucht es sehr wenig Fachkenntnis, um mit diesem Bereich zu beginnen.

Er wird unterteilt in:

  • Batavische Republik (1795-1806): Damit werden die Münzen des kurzlebigen französischen Satellitenstaats bezeichnet. Innerhalb der Batavischen Republik wird weiterhin nach den Provinzen untergliedert.
  • Das Königreich Holland (1806-1810): Diese Periode umfasst die Herrschaft von Ludwig Napoleon.
  • Die Niederlande unter französischer Herrschaft (1810-1814): In diesen vier Jahren waren die Niederlande in das Napoleonische Kaiserreich integriert.
  • Das Königreich der Niederlande (seit 1815): Seit 1815 beherrschen Mitglieder des Hauses Oranje-Nassau in kontinuierlicher Folge die Niederlande.
10.
Numismatisches Fachwissen zum Thema Niederlande
11.
Künker @ Youtube
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