Sammlerportraits
Erika und Jürgen Schmidt

Erika und Jürgen Schmidt

Porträt eines Sammlerpaares

Erika Gabriel wurde am 7. August 1937 in Ostpreußen geboren und wuchs zunächst im Landkreis Tilsit auf. Nach der Flucht fand die Familie bei Verwandten im holsteinischen Büchen (Kreis Herzogtum Lauenburg) eine neue Heimat. Nach der Banklehre und einigen Jahren Praxis wechselte sie zur Braunschweigischen Landessparkasse (heute Teil der Norddeutschen Landesbank). Sie hatte in Braunschweig Verwandte und fühlte sich in der Okerstadt sehr wohl.

Dies hing wohl auch damit zusammen, dass sie dort Jürgen Schmidt (geboren am 16. Mai 1940) kennenlernte, dessen Eltern in Braunschweig eine Bäckerei betrieben. Jürgen Schmidt war gelernter Industriekaufmann und bekam 1967 ein Angebot der Firma Sartorius in Göttingen. Das Paar zog nach Göttingen, und Jürgen Schmidt machte bei Sartorius Karriere. Er arbeitete zunächst im Vertrieb und gelangte in guten persönlichen Kontakt mit dem Eigentümer Horst Sartorius, der ihn beruflich stark förderte. Als besondere berufliche Station baute Jürgen Schmidt Ende der 1970er Jahre und Anfang der 1980er Jahre über einen Zeitraum von sieben Jahren die Sartorius-Niederlassung in San Francisco auf.

Bevor das Ehepaar Schmidt nach Kalifornien umzog, hatte es in Bovenden bei Göttingen ein großzügiges Haus gebaut, denn die Rückkehr nach Göttingen war fest eingeplant. Während der Zeit in San Francisco hatten sie das Haus vermietet. Als die Niederlassung in San Francisco gut funktionierte, wurde Jürgen Schmidt 1986 nach Göttingen zurückberufen und zum Mitglied der Geschäftsführung ernannt. Im Jahr 1990 wurde er zum Vertriebsvorstand befördert. Diese Position war mit einer intensiven (Fern-) Reisetätigkeit verbunden, die dem kräftig gebauten Jürgen Schmidt firmenintern den Spitznamen „Jumbo-Schmidt“ eintrug.

Bereits seit seiner Jugend war Jürgen Schmidt von Fernschach begeistert, bei dem sich die Spieler ihre nächsten Züge per Postkarte oder Brief mitteilten, und wurde vom Weltschachverband als internationaler Großmeister geehrt. Dieses Hobby musste jedoch durch die hohe Arbeitsbelastung in den Hintergrund treten. Jürgen Schmidt konzentrierte sich nun in seiner Freizeit, die das Ehepaar gerne im Ferienhaus in Jávea an der spanischen Costa Blanca verbrachte, auf seine weitere große Leidenschaft, seine Münzsammlung, die er gemeinsam mit seiner Frau pflegte und erweiterte. Es gab in der Sammlungsgeschichte eine Zäsur, als Erika und Jürgen Schmidt ihre Sammlung antiker Münzen im Jahr 2001 in den USA von Victor England und Erich McFadden versteigern ließen. Nur wenige Jahre später – nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben – begann das Sammlerpaar am Jahresanfang 2005 eine neue, nun hier präsentierte Sammlung. Diese neue Sammlung war nicht so stark fokussiert wie die erste, sondern es sollte bewusst eine Querschnittssammlung vom Beginn der Münzprägung bis in die heutige Zeit in hervorragenden Qualitäten entstehen. Parallel zur Sammlung verfasste Jürgen Schmidt einen ausführlichen Erläuterungstext mit zahlreichen historischen und numismatischen Hintergrundinformationen. Hier notierte er alles, was er selbst über seine einzelnen Münzen als interessant und wissenswert empfand. So formulierten Erika und Jürgen Schmidt das Konzept der gemeinsamen Sammlung:

„Die Freude und das Interesse an Münzen ist schon in den 60er Jahren durch meine Frau geweckt worden, denn sie schenkte mir zum Geburtstag grundsätzlich auch eine 5 DM Gedenkmünze. Auch bei dieser Sammlung setzt sie entscheidende Impulse, denn ich stimme den Kauf meistens auch mit ihr ab. Ein Dank an dieser Stelle ist angebracht. Einige Erläuterungen sind sicherlich als Vorspann dieser Sammlung hilfreich. Erika und Jürgen Schmidt Erika und Jürgen Schmidt Porträt eines Sammlerpaares Los 222 Los 239 Los 398 Los 419 Die Münzsammlung steht unter dem Leitmotiv „Streifzug durch die Welt der Numismatik.“ Dieser Satz bedarf aber unbedingt weiterer Erläuterungen, denn es kommt mir sehr darauf an, unsere Ziele und Überlegungen präzise zu beschreiben. Das Stichwort „Welt der Numismatik“ ist einzuschränken, da ich mich auf die Antike, Rom und Byzanz, das Mittelalter, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, die Taler- und Dukatenprägungen sowie auf das deutsche Kaiserreich, die Weimarer Republik und die Neuzeit, Deutschland, nach 1945 konzentrieren werde. Die Münzprägungen in Asien, China, Südamerika, den USA und anderen Teilen der Welt lasse ich außer Acht. Vielleicht noch ein sehr interessanter Punkt. Nachdem wir unsere Sammlung römischer und byzantinischer Gepräge im Jahre 2001 verkauft haben, konzentrieren wir uns nun auf diese Sammlung, die wir zum Jahreswechsel 2004 zu 2005 begonnen haben. Festzuhalten ist die Tatsache, dass gegenüber dem Jahre 2001 die Preise der Münzen in erstklassiger Erhaltung enorm gestiegen sind; bei den heute zu Null tendierenden Zinsen auf Spareinlagen ist die Umschichtung der Anlagen auf Sachwerte eine gute Alternative. Vermutlich ist die Umstellung von DM auf EURO auch ein Grund. Es lohnt sich sicherlich einmal ein Fazit zu ziehen, ob das Konzept eines weitgefächerten Sammelgebietes – vom Beginn der Münzprägung bis in die heutige Zeit – sinnvoll ist. Ergänzend dazu die folgende Bemerkung: ich greife die Gepräge heraus, die mir besonders gut gefallen oder diejenigen deren geschichtlicher Hintergrund von besonderem Interesse für mich ist. Es gibt also keinen Zwang mehr ein Sammelgebiet unbedingt zu komplettieren. Hat sich diese Vorgehensweise nun bewährt? Die Praxis hält Schwierigkeiten bereit, deren Komplexität ich nicht annähernd bedacht hatte. Schwerpunktproblem ist der Einsatz der finanziellen Mittel, die uns nur in begrenztem Umfang zur Verfügung stehen. Dieser Herausforderung ist nicht so einfach zu begegnen. Welche Münzen soll ich nun ersteigern, wenn von den Auktionshäusern die ganze Bandbreite von Geprägen in hervorragender Erhaltung angeboten wird. Prioritäten zu setzen ist schwierig! Die von mir heute praktizierte Vorgehensweise sieht so aus, dass ich die Münzen des Heiligen Römischen Reiches etwas bevorzuge, da ich sie entgegen meines Eingangsstatements doch einigermaßen komplettieren möchte. Ansonsten identifiziere ich in den Auktionskatalogen der Händler jene Münzen, die mir im Moment besonders hübsch und attraktiv erscheinen. Es liegt also keine Systematik vor, sondern das Schönheitsempfinden gibt beim Kauf den Ausschlag. Anschließend stimme ich mit meinem Händler den Preis ab, zu dem wir in das Bietergefecht auf den Auktionen gehen wollen. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung kann ich diese Vorgehensweise nur empfehlen. Bietet man ohne Hilfe kann es durchaus geschehen, dass in der Euphorie ein bestimmtes Stück, das man schon lange sucht, zu hoch bezahlt wird. Der Händler bietet nur in dem gemeinsam gesteckten Rahmen.“

Erika und Jürgen Schmidt ließen sich gerne beraten, es seien hier die Numismatiker Victor England aus Lancaster (Pennsylvania), Paul Hill (London), Rüdiger Kaiser (Frankfurt am Main) und Klaus Netzer (Göttingen) erwähnt. Auch von der Firma Künker und dem Unterzeichner dieses Vorwortes holte das Ehepaar Schmidt regelmäßig Rat ein und zählte bis 2023 zu den geschätzten Stammgästen auf unseren Auktionen in Osnabrück. Jürgen Schmidt verlor am 1. Februar 2024 den Kampf gegen eine jahrelange Krankheit und Erika Schmidt folgte ihrem Gatten am 20. Januar 2025. Wir bedanken uns bei der Familie, die Sammlung über eine Künker-Auktion wieder neuen Liebhabern zugänglich zu machen, so wie es dem Wunsch der beiden Sammler entsprach. Alle Objekte der Sammlung Schmidt sind als solche gekennzeichnet.

MACEDONIA KÖNIGREICH. Alexander III., 336-323 v. Chr. AV-Stater, 280/275 v. Chr., Lampsakos;
THESSALIA LARISSA. AR-Drachme, 356/342 v. Chr.;
PERSIA Achämeniden. AV-Dareike, 485/420 v. Chr.;
BACTRIA Diodotos I., um 250 v. Chr. AV-attischer Stater mit Titel Antiochos II., Balkh;
SICILIA LEONTINOI. AR-Tetradrachme, 425/415 v. Chr.;
PAMPHYLIA ASPENDOS. AR-Stater, 400/380 v. Chr.;

Frühjahrs-Auktion 438

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