Unsere Herbst-Auktionen 427-429 umfassen drei Kataloge mit insgesamt 2.132 Losnummern und einer Gesamtschätzung von 5,5 Mio. Euro: Katalog 427 enthält Goldmünzen und -medaillen aus aller Welt mit einer Spezialsammlung Osmanisches Reich / Türkei und kommt am Dienstag, 7. Oktober 2025 in Osnabrück zum Ausruf. Von Mittwoch, 8. Oktober bis Donnerstagnachmittag, 9. Oktober, widmet sich der Auktionskatalog 428 den Münzen und Medaillen aus aller Welt mit einer Spezialsammlung Malta. Auf beide Kataloge ist der erste Teil der Sammlung eines Berliner Numisnautikers verteilt.
Am Donnerstagnachmittag, 9. Oktober 2025 steht Osnabrück ganz im Zeichen der VOC (Vereinigte Ostindische Kompanie). Denn versteigert wird die Sammlung Hendrik Verschoor von Münzen der niederländischen Überseegebiete. Interessieren auch Sie sich für die niederländische Numismatik? Dann sollten Sie unbedingt eine persönliche Teilnahme planen.
Der zweite Teil der Herbst-Auktionen besteht aus zwei eLive Premium Auctions, deren Inhalt in Osnabrück während der Saal-Auktionen besichtigt werden kann. Am 20. Oktober 2025 kommt in Katalog 430 der 4. Teil der Sammlung Lodewijk S. Beuth mit Papiergeld der Niederlande auf den Markt. Es handelt sich um eine der wichtigsten Versteigerungen, die je auf diesem Gebiet durchgeführt wurde. Am 21. und 22. Oktober 2025 wird die Sammlung Gerhard Lambert von Münzen und Medaillen aus Salzburg versteigert. Wir werden über beide Auktionen in einem eigenen Auktionsvorbericht berichten.
Interessieren Sie sich für islamische Münzen, dann sollten Sie sich den 7. Oktober 2025 vormerken. Denn im Rahmen von Auktion 427 wird eine kleine, aber feine Sammlung osmanischer und türkischer Goldmünzen angeboten. 66 Lose, beginnend mit Selim I. (Sultan zwischen 1512 und 1520) endend mit dem Jahr 1975 der Türkischen Republik, erwarten den Kenner. Er findet in diesem attraktiven Ensemble eine Vielzahl historisch interessanter Stücke, sowie große Seltenheiten und Luxusprägungen.
Eingebettet ist diese Spezialsammlung in den allgemeinen Katalog der Goldmünzen und -medaillen aus aller Welt. Darin präsentieren wir eine große Auswahl interessanter Lose, darunter etliche höchst seltene Stücke, zum Teil in bester Erhaltung und / oder von größter historisch-numismatischer Bedeutung.
Dazu gehört zum Beispiel ein zweieinhalbfacher Dukat von Gotthard Kettler. Der letzte Landmeister des Deutschen Ordens in Livland wurde bekannt, weil er sich, gezwungen durch einen russischen Angriffskrieg, unter den Schutz Polens stellte, zum protestantischen Glauben konvertierte, und aus einem Teil des ehemaligen Ordensgebietes ein eigenes Herzogtum gründete. Auf der Münze, die vermutlich in Riga entstand, trägt er noch seinen alten Titel Magister Livoniae, mit dem sich die Landmeister des Deutschen Ordens in Livland bezeichneten.
Können Sie sich für die gotischen Goldmünzen des Spätmittelalters begeistern? Dann haben Sie in Auktion 427 eine gute Auswahl von flandrischen, aquitanischen, französischen, aber auch englischen Prägungen. Bemerkenswert ist ein Londoner Sovereign von Elizabeth I., dessen Prägung zwar bereits in die frühe Neuzeit zu datieren ist, der aber mit seinem horror vacui stilistisch im Spätmittelalter wurzelt.
Hervorgehoben seien außerdem zwei äußerst seltene Dukaten der österreichischen Standesherrschaften Lobkowitz und Sprinzenstein. Wie wohlhabend so ein Standesherr sein konnte, zeigt die Tatsache, dass Lobkowitz 1676 einen Betrag von 190.000(sic!) Gulden zur Finanzierung des Kriegs gegen Frankreich an die kaiserliche Kriegskasse spendete. Auch Graf Johann Ehrenreich von Sprinzenstein war ein Fachmann in Sachen Geld und vor allem in Sachen Münzwesen. Er amtete als Obersterblandmünzmeister in Ober- und Niederösterreich. Übrigens können Sie die Stempel zum Dukat von 1717 heute noch im Linzer Schlossmuseum bestaunen, wo sie sich seit 1979 als Dauerleihgabe befinden.
Selbstverständlich finden auch die Sammler der altdeutschen Territorien eine Fülle von spektakulären Goldmünzen in Auktion 427. Zu ihnen gehört zum Beispiel der vierfache Dukat, den die bayerischen Landstände dem Kurfürsten Ferdinand Maria anlässlich der Geburt seines Sohnes Ludwig Amadeus Victor am 6. April 1665 überreichten. In einer bayerischen Geschichte werden Sie den Namen des kleinen Prinzen kaum finden. Er starb nämlich bereits wenige Monate danach. Das war im 17. Jahrhundert nicht ungewöhnlich. Henriette Adelaide, Gemahlin von Kurfürst Ferdinand Maria verlor vier ihrer acht Kinder im Kleinkindalter.
Ein Highlight der Brandenburgisch-Preußischen Münzprägung ist der Portugalöser zu 10 Dukaten, den Joachim II. in Nachahmung der schweren portugiesischen Goldmünzen 1570 in Berlin herstellen ließ. Beachten Sie den Titel, der auf der Vorderseite zu sehen ist. Er bezeichnet Joachim II. als „Dux Prussie“, als Herzog von Preußen. Eigentlich hatte die fränkische Linie der Hohenzollern diesen Titel inne. Doch Joachim setzte eine erbliche Mitbelehnung durch, was die preußische Geschichte nachhaltig beeinflusste.
Ebenfalls bemerkenswert ist ein braunschweigisches 10 Dukaten-Stück von 1706 mit Porträt und Wappen Anton Ulrichs von Braunschweig-Wolfenbüttel. es zeigt direkt über dem Wappen das Motto des Fürsten CONSTANTER (= beständig). Etwas ganz Besonderes ist der Dukat der Stadt Emden aus dem Jahr 1694. Er gibt nämlich auf der Rückseite an, in welchem Gewicht er hergestellt wurde. Dass die Münze das Gewicht eines ungarischen Dukaten hat, erstaunt erst einmal. Schließlich befand sich das Land erst seit 1687 wieder unter der Kontrolle der Habsburger, und die Osmanen hatten diese Unabhängigkeit noch nicht einmal anerkannt. Doch die Münzstätte von Kremnitz war unter Habsburger Kontrolle. Dort prägten sie Dukaten, die – weil Kremnitz nicht Teil des Reiches war – von der Reichsmünzordnung abweichen durften. Kremnitzer Dukaten hatten einen etwas schlechteren Feingehalt. Emden befand sich nun aber auf Reichsgebiet. Wollte es einen Dukaten mit schlechterem Feingehalt prägen, musste es dies deutlich sichtbar vermerken.
Mit 125.000 Euro geschätzt ist ein 12-facher Dukat des Reform-Bischofs Wilhelm Anton von der Asseburg, den dieser anlässlich seiner Wahl zum Bischof von Paderborn am 25. Januar 1763 prägen ließ. Die äußerst seltene Münze – es handelt sich wohl um das einzige Exemplar in Privatbesitz und gehörte einst dem Fürstenhaus von Metternich – wurde mit den Stempeln zum Konventionstaler geprägt.
Am 8. und 9. Oktober 2025 findet die Auktion 428 statt. Sie enthält unter anderem eine Spezialsammlung Malta mit über 40 Losen. Das zeitliche Spektrum reicht vom Hochmittelalter bis zum Ende des Ordensstaates mit der Französischen Revolution. Die angebotenen Münzen und Medaillen zeigen nicht nur Porträts der Großmeister des Johanniterordens. Immer wieder begegnet uns der Schutzheilige des Ritterordens, der hl. Johannes bzw. sein Kopf, der zumeist abgeschlagen auf einer Platte liegt. Solche Darstellungen kennen wir auch aus der Plastik. Viele Ordenskirchen verfügten über eine dreidimensionale Erinnerung an die von Salome verursachte Enthauptung, von denen uns heute noch einige erhalten sind.
Natürlich gibt es auch in Auktion 428 eine reiche Auswahl an Raritäten von Münzen aus aller Welt, von denen wir an dieser Stelle nur einige beispielhaft nennen.
Die reiche Auswahl findet sich auf bei den Staaten Altdeutschlands. Besonders erwähnt sei an dieser Stelle nur ein Bremer Doppeltaler des Georg von Braunschweig-Wolfenbüttel aus dem Jahr 1562. Bischof Georg war und blieb während der Auseinandersetzungen um die Reformation katholisch; es gelang ihm aber nicht, seine Bistümer dauerhaft der katholischen Kirche zu erhalten. Protestantische Geschichtsschreiber haben bei ihm deshalb eine reformatorische Gesinnung erkennen wollen.
Georg war der vierte Sohn Heinrichs I. von Braunschweig-Wolfenbüttel und für die kirchliche Karriere vorbestimmt. Nachdem er 1527 daran scheiterte, das Erzbistum Riga zu übernehmen, positionierte ihn die Familie als Propst in Hildesheim, als Dompropst in Köln und Bremen, als Kanonikus in St. Gereon und in Straßburg. All diese Ämter boten nicht nur ein reichliches Einkommen, sondern theoretisch auch die Option, in ein noch höheres Kirchenamt aufzusteigen. Dass er dann 1554 zum Bischof von Minden gewählt wurde, kam eher überraschend. Für dieses Amt war eigentlich sein Neffe Julius vorgesehen. Doch der stieg überraschend zum Erbprinzen auf und schlug dem Mindener Domkapitel seinen Onkel als Ersatz vor. Vier Jahre später wurde Georg zusätzlich zum Erzbischof von Bremen und Verden gewählt, auch das als Nachfolger eines Familienmitglieds, nämlich seines hoch verschuldeten älteren Bruders Christoph. Der Titel, den der bei der Amtsanhäufung so erfolgreiche Kirchenfürst auf seinem Doppeltaler führt, listet all diese Ämter auf: Erzbischof von Bremen, bestätigter [Bischof] von Minden und Verden, Herzog von Braunschweig. Letzteres bedeutet selbstverständlich nicht, dass Georg als Herzog in Braunschweig amtierte. Er war lediglich berechtigt, diesen Titel zu führen.
Seit einigen Jahrzehnten kennt man den Begriff der Numisnautik. Er wurde vom deutschen Numismatiker Wolf Müller-Reichau eingeführt, als er mit einigen Mitstreitern die Zeitschrift Flaschenpost als Informationsblatt der Arbeitsgemeinschaft Numismatik ins Leben rief. Nicht erst seitdem sind Schiffsdarstellungen ein international beliebtes Sammelgebiet, aber durch die Flaschenpost wurde die Aufmerksamkeit vieler Sammler darauf gelenkt, welche Fragen mit Hilfe der Münzen zur Geschichte der Nautik beantwortet werden können. Wir freuen uns, die Sammlung eines Berliner Numisnautikers anzubieten, deren erster Teil auf die beiden Auktionskatalog 427 und 428 verteilt ist. Ein zweiter Teil wird in einer der kommenden eLive Auktionen versteigert.
Wie nicht anders gewohnt, enthalten auch die Herbst-Auktionen 2025 eine interessante Partie von Münzen des Deutschen Kaiserreichs. Hier einige der Highlights daraus.
In einem eigenen Katalog wird der zweite Teil der Sammlung Verschoor präsentiert. Er enthält die Münzen der niederländischen Überseegebiete, steht also ganz im Zeichen der VOC, der Niederländischen Ostindien-Kompanie. Ihr Logo aus den drei bekannten Buchstaben ist auf vielen Prägungen zu sehen. Andere Silbermünzen, die in den Niederlanden für den Fernhandel entstanden, zeigen den so genannten Silbernen Reiter. Er war so bekannt, dass er auf indischen Münzen, die für den Zahlungsverkehr in Batavia kursfähig gemacht werden sollten, als Gegenstempel diente.
Von größter Seltenheit ist ein 1/4 Gulden aus Utrecht, der 1900 für Niederländisch-Indien produziert wurde. Nur fünf Stück wurden von diesem Typ geprägt Wer zur Auktion anreist, kann bei der Gelegenheit gleich das Material von Auktion 430 besichtigen, bei der der 4. Teil der Sammlung Lodewijk S. Beuth mit niederländischen Banknoten angeboten wird. Diese bedeutende Auktion wird am 20. Oktober als eLive Premium Auction durchgeführt.
Auktion 428
Münzen und Medaillen aus Mittelalter und Neuzeit,