Sammelgebiete
Europäische Münzen und Medaillen
 Nach dem Lesen dieses Artikels weißt du:

  • Wie sich das Münzgeld in der europäischen Neuzeit verbreitet.
  • Welche Münzbilder Europa prägten.
  • Wie sich Münzen von Medaillen abgrenzen.
1.
Europäische Münzen der Neuzeit

Die numismatische Neuzeit beginnt in Europa um das Jahr 1500 in den habsburgischen Landen mit der Entstehung des Talers. Erzherzog Sigismund der Münzreiche (1439-1490) nahm erstmals 1486 die Prägung des Tiroler Guldengroschens auf. Mit dieser Großsilbermünze im Wert eines rheinischen Goldguldens lieferte er die Vorlage für den erfolgreichsten europäischen Münztyp der nächsten 400 Jahre. Den Namen zu diesem Erfolgsmodell lieferten die Grafen von Schlick mit ihrem Silberbergwerk Joachimstal, von dem sich die Bezeichnung „Taler“ ableitet. 

Der Taler verbreitete sich in den folgenden Jahrhunderten in ganz Europa und darüber hinaus. Er wurde zur wichtigsten europäischen silbernen Handelsmünze des 16.-19. Jahrhunderts. Da der Taler jedoch in zahllosen Territorien hergestellt wurde, gaben die jeweiligen Landesherren ihren Silbermünzen eine individuelle Prägung. Somit wurde der beliebte europäische Taler auch unter verschiedenen Namen geprägt: in Skandinavien als Rigsdaler, in Italien als Tallero, in Spanien als Peso, in Frankreich als Ecu, in England als Crown und sogar in den USA als Dollar.

Da die neuzeitliche Münzprägung der europäischen Handelsmünze in der Gesamtheit ihrer Typen- und Bildervielfalt nahezu unüberschaubar ist, kann an dieser Stelle nur auf einige Besonderheiten hingewiesen werden. Selbst in einem vergleichsweise kleinen Land wie der Schweiz waren in der Mitte des 19. Jahrhunderts mehr als 800 Münzvarianten im Umlauf, da es eine Vielzahl von Prägeherren gab. Auch in deutschen Staaten existierten bis zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs mehrere Münzsysteme. Erst mit der Einführung der Mark im Jahr 1871 war es in Deutschland möglich – unabhängig vom Landesteil – mit einer einheitlichen Währung zu bezahlen.

2.
Europäische Münzen: Vielfältige Münzbilder und Währungen

Ob als Taler, Peso, Scudo oder Crown – die gewaltigen Mengen an gefördertem Edelmetall ermöglichten es den Münzherren großflächige und vielfältige Motive auf Geld zu verewigen und in Umlauf zu bringen. In den Münzbildern europäischer Münzen finden wir die Porträts nahezu aller berühmten Persönlichkeiten Europas: die „jungfräuliche Königin“ Elizabeth I. (1558-1603), den „Lordprotektor“ Oliver Cromwell (1656-1658), den „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. (1643-1715), den „Kaiser der Franzosen“ Napoléon Bonaparte (1804-1814/1815), Gustav II. Adolf (1611-1632), der „Löwe aus dem Norden“ oder auch Johann III. Sobieski (1674-1696), den „Retter Wiens“ – Sie alle haben ihre Spuren in der Münz- und Medaillenprägung hinterlassen und sind Teil der Geschichte von Europa. Neben der hellenistisch-römischen Tradition Herrscherportraits abzubilden, zeigten die neuzeitlichen europäischen Münzen ebenso neuartige Gestaltungen aus Politik, Religion und Denkweisen. Ab dem 17. Jahrhundert kamen Städteansichten als neues Motiv hinzu.

Anhand der Münzbilder lässt sich aber nicht nur die bewegende Münzgeschichte Europas nachvollziehen. Bisweilen beeinflussten Form und Botschaften der Münzen die historischen Entwicklungen der jeweiligen Zeit sogar mit. So prägte Spanien vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert Münzen von rohem Stempelschnitt auf teilweise eckigen Schrötlingen aus dem Silber der Bergwerke Mexikos und Perus. Im Volksmund wurden diese Prägungen „Schiffsgeld“ genannt, weil man annahm, sie seien während der Überfahrt aus den Kolonien entstanden. Während der Französischen Revolution wurde 1795 erstmals in einem europäischen Land ein auf dem Dezimalsystem beruhendes Münzwesen mit dem Franc als Standardsilberprägung eingeführt.

3.
Europäische Münzen und Medaillen: Der feine Unterschied

Neben den originalen historischen Münzen der unterschiedlichen Epochen sind europäische Gedenk- und Sonderprägungen heute begehrte Sammlerstücke. Im Gegensatz zu den Münzen, die als offizielles gesetzliches Zahlungsmittel in Europa galten, werden Sonderprägungen und Gedenkmünzen zu den Medaillen gezählt. 

Münzen wurden und werden im Auftrag vom Staat hergestellt, welcher das Vorrecht für die Ausgabe hat. Sie werden in staatlichen Münzprägeanstalten hergestellt und tragen üblicherweise einen aufgeprägten Nennwert. Auf modernen Münzen findet man häufig drei Prägungen: den Wert bzw. das Nominal und die Währungseinheit, das Land oder die Staatengemeinschaft sowie das Prägejahr. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, die lediglich den Kopf des Herrschers, das Monogramm des Münzherren oder nur das Nominal zeigten. Europäische Münzen vergangener Epochen und Währungen aufgelöster Staaten haben zwar ihre Gültigkeit als Zahlungsmittel verloren, jedoch als Zeitzeugen der bewegten Geschichte Europas an Sammlerwert dazugewonnen.

Im Gegensatz zu den Münzen, die für den Zahlungsverkehr geprägt werden, dürfen Medaillen im Auftrag von Privatunternehmen hergestellt werden. Sie besitzen keinen Nennwert und wurden in der Neuzeit als Gedenkprägung anlässlich von Jahres-, Geburts- und Todestagen wichtiger Persönlichkeiten oder bedeutender historischer Ereignisse angefertigt. Gedenkmünzen zahlreicher europäischer Länder wie Frankreich, Österreich oder der Schweiz wurden zu besonderen Anlässen und teils sogar aus massivem Silber oder feinstem Gold geprägt. Bis heute werden zu speziellen Themengebieten Sonderprägungen oder komplette Münzensätze herausgegeben. Seltene europäische Medaillen sind bei Münzsammlern nicht nur aufgrund ihres materiellen Wertes begehrt, sie besitzen durch die Verbindung zu einem besonderen Thema oder historischen Moment einen hohen emotionalen Wert.

4.
Zwitterformen von Münzen und Medaillen

Neben den klassischen Münzformen und zahlreichen Sonderprägungen in Europa existieren außerdem Zwitterformen: So entstanden im 17./18. Jahrhundert in Schweden mangels Silber großformatige Kupferplatten von mehreren Kilo Gewicht als Zahlungsmittel. In England entstanden aus Kleingeldmangel zum gleichen Zeitpunkt zahlreiche Privatmünzprägungen (Tokens) mit einer Vielzahl attraktiver Motive. Eine interessante Zwitterform von Münze und Medaille sind auch die Schraubmedaillen oder Schraubtaler – hohlgeprägte Medaillendosen mit eingelegten Bildserien aus koloriertem Papier. 

Außerdem bilden auch die zahlreichen Nachprägungen gängiger Münzsorten ein beliebtes Sammelgebiet für europäische Münzen: Beispielsweise wurde der niederländische Löwentaler (Leeuwendaaler) im 17. Jahrhundert von zahlreichen Münzständen in Deutschland, Dänemark und Italien nachgeahmt. Auch die umfangreichen militärischen Unternehmungen der Neuzeit haben eine Fülle an Not- und Belagerungsgeld z. B. in Form von quadratischen Klippen (von schwed. klippe = „mit der Schere schneiden“) hinterlassen.

5.
Einführungsliteratur

Erlebe die spannende Historie des europäischen Kontinents durch seine vielfältigen Münz- und Medaillenbilder und erfahre mehr über das umfangreiche Sammelgebiet der europäischen Münze: 

  • Davenport, J. S.: European Crowns 1484-1600, Frankfurt a. M. 1977. 
  • Davenport, J. S.: European Crowns 1600-1700, Galesburg 1974. 
  • Davenport, J. S.: European Crowns 1700-1800, London 1964. 
  • Davenport, J. S.: European Crowns since 1800, London 1964. 
  • Krause Publications (Krause/Mishler), Standard Catalog of World Coins (1601-Date), 5 volumes, Iola 2012 (annually updated edition). Friedberg, A. L. / Friedberg, I. S.: Gold Coins of the World. From ancient times to the present, 8th edition, Clifton 2009. 
  • Schön, G. / Kahnt, H.: Weltmünzkatalog 19. Jahrhundert (1801-1900), 16th edition, Regenstauf 2013 (annually updated edition). 

Die aufgeführten Kataloge vermitteln lediglich einen Überblick zum Sammelgebiet der europäischen Münzen. Zu den einzelnen Ländern und Regionen existiert eine Vielzahl an Spezialkatalogen für interessierte Sammler.

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