Als Kind einer Familie von Vertriebenen aus dem Sudetenland wurde Wolfgang Hans Kümpfel im Jahre 1952 im thüringischen Gotha geboren. Dr. Kümpfel wuchs in behüteten Verhältnissen auf. Die von den Eltern ermöglichte Fokussierung auf schulische Aufgaben zahlte er ihnen mit Ehrgeiz und sehr guten Schulnoten zurück. Er lernte an der Erweiterten Oberschule Arnoldi in Gotha, schließlich studierte er Chemie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und schloss mit seinem Diplom im Jahr 1975 ab. Anschließend promovierte er mit summa cum laude zum Dr. rer. nat. im Jahr 1981. Dr. Kümpfel arbeitete in den 1980iger Jahren in der Forschung als stellv. Abteilungsleiter des VEB Jenapharm bei der Entwicklung neuer medizinischer Pflaster und wechselte 1991 in den Pharmaaußendienst. Gotha blieb trotz intensiver Reisetätigkeit der Lebensmittelpunkt und der Schwerpunkt für sein numismatisches Handeln. Zunächst weckte der Großvater mit Erzählungen aus der Heimat Sammelinteresse, wonach Gespartes, vor dem 1. Weltkrieg war dies noch die Goldwährung, im Besteckkasten aufbewahrt wurde. Der Sammler erwarb erste Silbermünzen und 1981 eine 10 Mark Goldmünze aus Preußen. Es war ein unkoordiniertes Kaufen und Abgeben. Nach dem Umzug von Jena nach Gotha im Jahr 1983 besuchte er erste Auktionen in Leipzig und Meiningen, erwarb das Buch von Dr. Steguweit über die Münzstätte Gotha, und die ernestinische Residenzstadt wurde so mehr und mehr zum Schwerpunkt seiner Sammlerleidenschaft.
Gereift durch Kontakte mit Medailleuren der Zeit aus dem Thüringischen, wie z.B. Helmut König aus Zella-Mehlis, Paul Schack oder Horst Walther, eingebunden in Sammlerkreise, sowie durch Beziehungen mit dem in ganz Deutschland berühmten Gothaer Münzkabinett, entwickelte er mit viel Eifer und Akribie sein Hobby. Spannend dabei sind für ihn besonders die geschichtlichen Aspekte, die teilweise bis in das Heute hereinreichen.
Dies soll hier an einigen Beispielen belegt werden: Einer der besten Stempelschneider im Barock war der in Gotha lebende Christian Wermuth. Sein Motiv einer Medaille mit Sonne und Mond (Los 4515) griffen die Maler in den Räumlichkeiten des Westflügels von Schloss Friedenstein auf. Sie zeigten hier das kleine Licht des Mondes (ein Bezug auf Herzog Emil August) an der Decke des Zimmers eng verbunden mit der Sonne (als Bezug zu dem gottgleichen Napoleon Bonaparte, den er grenzenlos verehrte).
Ebenfalls von Wermuth stammt eine Barockmedaille von 1697 auf die Einweihung der St. Trinitatiskirche auf Schloss Friedenstein als Draufsicht mit einem Obelisken in der Mitte des Schlosshofes von Stadtseite her. Zuerst nahm man an, dieser wurde aus Symmetriegründen in die Medaille eingefügt. Mittlerweile ist bekannt, dass es ihn wirklich gab, allerdings musste er nach gut einem Jahr wegen Baufälligkeit abgerissen werden. (Los 4517). Für den Sammler ein Beleg dafür, dass solche Kleinodien dokumentarische Qualität besaßen und so zu Recht nicht in der Kunstkammer, sondern als Zeitdokumente in der Bibliothek aufbewahrt wurden. Für die Aufbewahrung „seiner Schätze“ baute Friedrich II. von Sachsen Gotha-Altenburg in die Bibliothek 1713 ein Münzkabinett ein. Das historische Münzkabinett gilt heute als eine einzigartige Barockeinrichtung.
Für Dr. Kümpfel ist ein Highlight seiner Spezialsammlung ein Dukat von 1831 (Los 4540), geprägt unter Ernst dem I. von Sachsen Coburg und Gotha. Dies ist der erste Dukat des durch Neuaufteilung entstandenen Herzogtums im Todesjahr von Luise, der Mutter von Albert, Prinzgemahl von Viktoria von England, nach der später das viktorianische Zeitalter benannt werden sollte. Nachdem Gotha im letzten Jahr 1250 Jahre alt wurde, ist für den Sammler Dr. Kümpfel der Zeitpunkt gekommen die Sammlung zu veräußern. Das Sammeln von Münzen und Medaillen, der numismatische Austausch bereitete ihm stets große Freude und er freut sich nun zu sehen, dass seine Preziosen von anderen Münzliebhabern weiter gesammelt werden.
So ganz „Schluss“ mit Gotha soll dann aber doch noch nicht sein. Denn Dr. Wolfgang Kümpfel sieht sich nicht nur als Sammler sondern auch, in seinem „neuen Beruf“ als Botschafter für die Geschichte Gothas. Bei Führungen durch Schloss und Altstadt gibt Herr Dr. Wolfgang Kümpfel sein Wissen und seine Leidenschaft über Gothaer Geschichte und Münzprägung an die jetzige und die jüngere Generation, an Gothaer oder Touristen weiter.