Historische Persönlichkeiten
Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der „Große Kurfürst“
Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der „Große Kurfürst“ (1620/1640-1688)
Michael Autengruber

Friedrich Wilhelm wurde als brandenburgischer Kurprinz am 6. Februar 1620 im Schloss zu Berlin-Cölln geboren. Er war der einzige überlebende Sohn Kurfürst Georg Wilhelms von Brandenburg und seiner Frau Elisabeth Charlotte von der Pfalz. 

Friedrich Wilhelm wurde in die Anfangsphase des Dreißigjährigen Krieges hineingeboren, der auch Brandenburg zunehmend belastete. Er hielt sich zunächst zeitweise im Jagdschloss Letzlingen auf und lebte von 1627 bis 1634 unter der Aufsicht seines Hofmeisters Johann Friedrich von Calcum genannt Leuchtmar († nach 1640) in der Festung Küstrin in der Neumark (heute Kostrzyn nad Odrą, Polen), meist getrennt von seinen Eltern. 

Er wurde nach dem reformierten Glaubensbekenntnis erzogen, im Katechismus unterrichtet und konfirmiert; das regelmäßige Bibelstudium bildete einen zentralen Bestandteil seiner Ausbildung. Ergänzend dazu erhielt er Sprachunterricht sowie körperliche Erziehung, unter anderem durch die Teilnahme an Jagden.


Bildunterschrift 
Govert Flinck: Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg, Gemälde 1652.

Angesichts der Kriegsverwüstungen in Brandenburg, wurde er 1634 zum Studium in die Niederlande geschickt. Dort lebte er am Hof des Statthalters Friedrich Heinrich von Oranien (1584–1647, ab 1625 Statthalter der Vereinigten Niederlande), eines Bruders seiner Großmutter Kurfürstin Luise Juliane von der Pfalz, besuchte Lehrveranstaltungen in Leiden und erhielt Privatunterricht. Die Eindrücke dieses etwa vierjährigen Aufenthalts – insbesondere das hochentwickelte Staats- und Wirtschaftsleben – prägten ihn nachhaltig und wirkten als Vorbild für seine spätere Politik. Während seiner ausgedehnten Reisen gewann er auch Einblicke in den Schiffbau. 

1638 wurde er auf Befehl seines Vaters nach Berlin zurückgerufen, wo er ein vom Krieg zerstörtes Land vorfand, das faktisch unter schwedischer Kontrolle stand. 

Nach dem Tod seines Vaters am 1. Dezember 1640 übernahm Friedrich Wilhelm im Alter von 20 Jahren unter äußerst schwierigen politischen Bedingungen die Herrschaft über ein weit verstreutes und vom Dreißigjährigen Krieg schwer verwüstetes Territorium. Große Teile Brandenburgs, Kleves und der Grafschaft Mark standen unter fremder Besatzung, während das Herzogtum Preußen als polnisches Lehen ein unsicherer Besitz blieb. Zugleich waren Verwaltung und Finanzen zerrüttet, und die Regierung lag faktisch in den Händen des einflussreichen ersten Ministers Adam Graf von Schwarzenberg (1583–1641). 

Das Schloss in Berlin-Cölln war beim Regierungsantritt Friedrich Wilhelms unbewohnbar, weshalb er in den ersten Jahren seiner Regentschaft auf der Schwanenburg in Kleve residierte, das an der Grenze zu den Niederlanden lag und wohin sich der junge Kurfürst auch außenpolitisch orientierte. Minister Schwarzenberg wurde entmachtet und verstarb 1641 kurz nach seiner Verhaftung. Durch einen Waffenstillstand mit Schweden sowie die Belehnung mit Preußen gewann er politischen Handlungsspielraum wieder und kehrte 1643 nach Berlin zurück. 

1646 heiratete er die 19-jährige Luise Henriette von Oranien (1627–1667), älteste Tochter des Statthalters Friedrich Heinrich. Mit ihr gelangten zahlreiche niederländische Fachkräfte nach Brandenburg, die den wirtschaftlichen Wiederaufbau förderten. Im Westfälischen Frieden von 1648 musste er Vorpommern an Schweden abtreten und sich mit anderen Territorien als Ausgleich abfinden, was zugleich die begrenzte Machtstellung Brandenburgs im europäischen Kontext verdeutlichte. 

Zur Konsolidierung seiner Herrschaft betrieb Friedrich Wilhelm den Aufbau eines stehenden Heeres, dessen Finanzierung 1653 durch Steuerbewilligungen der Stände gesichert wurde. Im Gegenzug bestätigte er deren Privilegien, was insbesondere für die bäuerliche Bevölkerung mit einer Verschärfung der sozialen Belastungen verbunden war. 

Mit dem Ausbruch des Zweiten Nordischen Krieges 1655 geriet das Herzogtum Preußen durch den schwedischen Einmarsch in Polen in eine akute Bedrohungslage. Friedrich Wilhelm konnte eine Neutralität nicht aufrechterhalten und musste im Vertrag von Königsberg am 16. Januar 1656 Preußen als Lehen von Schweden nehmen. 

Nach einem vorübergehenden Bündnis mit Schweden, das auch gemeinsame militärische Erfolge einschloss, erkannte König Karl X. Gustav (1622–1660, reg. seit 1654) im Vertrag von Labiau vom 20. November 1656 die Souveränität Friedrich Wilhelms über Preußen an. Bereits 1657 wechselte der Kurfürst wieder die Seiten und ließ sich im Vertrag von Wehlau vom 19. September 1657 von Polen-Litauen die volle Souveränität bestätigen. Diese wurde im Friedensvertrag von Oliva vom 3. Mai 1660 endgültig anerkannt und bildete eine entscheidende Voraussetzung für den späteren Aufstieg Preußens. 

Friedrich Wilhelm bemühte sich, die ständischen Privilegien mit den Anforderungen eines zentralisierten Staates, insbesondere in Finanz- und Militärfragen, in Einklang zu bringen. Während sich die Stände in der Mark vergleichsweise kooperativ verhielten, kam es in Kleve und vor allem in Preußen zu erheblichen Widerständen, die ab 1656 im Königsberger Aufstand gipfelten. Erst 1663 gelang es dem Kurfürsten, seine Autorität durchzusetzen. Führende Oppositionsvertreter wurden daraufhin ausgeschaltet. 

Das Berliner Religionsgespräch (1662/63) zwischen lutherischen und reformierten Theologen blieb erfolglos. Mit dem Toleranzedikt von 1664 untersagte Friedrich Wilhelm konfessionelle Polemik und versuchte, religiöse Spannungen einzudämmen. 

Ein Jahr nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1668 in zweiter Ehe Dorothea Sophie, verwitwete Herzogin von Braunschweig-Lüneburg, geb. Prinzessin zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg (1636–1689), mit der er mehrere Kinder hatte. 

Durch die Einführung indirekter Steuern wurde der Aufbau eines stehenden Heeres ermöglicht. Zugleich förderte der Kurfürst Wirtschaft und Infrastruktur sowie gezielte Zuwanderung, unter anderem jüdischer Familien und später der Hugenotten, wodurch er die Grundlagen einer wirtschaftlich dynamischen und vergleichsweise toleranten Politik schuf. 

Mit dem Angriff des französischen Königs Ludwig XIV. (1638–1715, reg. seit 1643) auf die Niederlande 1672 trat Friedrich Wilhelm entsprechend seinen Bündnisverpflichtungen in den Holländischen Krieg ein, schloss jedoch am 16. Juni 1673 angesichts der militärischen Lage den Separatfrieden von Vossem mit Frankreich. Nach der Reichskriegserklärung 1674 beteiligte er sich erneut am Kampf gegen Frankreich, musste sich jedoch wegen des schwedischen Einfalls in Brandenburg zurückziehen. 

Am 25. Juni 1675 errang er in der Schlacht bei Fehrbellin einen entscheidenden Sieg über die Schweden, der ihm den Beinamen Großer Kurfürst eintrug. In der Folge konnte er vorübergehend Schwedisch-Pommern besetzen und die Schweden aus Preußen vertreiben. 

Im Frieden von Saint-Germain vom 29. Juni 1679 musste er diese Gewinne jedoch weitgehend wieder abtreten, da ihm die Unterstützung seiner Verbündeten fehlte. Enttäuscht näherte er sich daraufhin Frankreich an und sagte Ludwig XIV. im Geheimvertrag von Saint-Germainen-Laye vom 25. Oktober 1679 seine Unterstützung zu, vor allem bei der Wahl zum nächsten Römischen Kaiser. 

1680/81 ließ Friedrich Wilhelm einen Kaperkrieg gegen spanische Schiffe führen, um ausstehende Subsidien einzutreiben. Nach der Aufhebung des Edikts von Nantes am 18. Oktober 1685 schloss er sich den Generalstaaten und dem Kaiser an, entsandte ein Hilfskorps gegen die Osmanen und förderte mit dem Potsdamer Edikt vom 27. Oktober 1685 die Ansiedlung geflüchteter französischer Hugenotten, was insbesondere deutliche wirtschaftliche Impulse auslöste. 

Im Anschluss verfolgte er – in Anlehnung an niederländische Vorbilder – eine auf Seehandel und Kolonialerwerb gerichtete Politik. Mit der Gründung einer kurbrandenburgischen Marine (1684) und der Brandenburgisch-Afrikanischen Compagnie (BAC) beteiligte sich Brandenburg am atlantischen Handelssystem, einschließlich des transatlantischen Sklavenhandels. Angesichts begrenzter Ressourcen blieb dieses Engagement jedoch insgesamt von geringer Dauer und Wirkung. 

Am 29. April 1688 starb der Große Kurfürst im Alter von 68 Jahren in Schloss Potsdam. Seine letzte Ruhestätte fand er in der Gruft unter dem Berliner Dom in der Dominikanerklosterkirche, in einem pompösen Zinnsarkophag nach Entwürfen des Hofbildhauers Michael Döbel. 

Außenpolitisch legte Friedrich Wilhelm mit dem Westfälischen Frieden (1648) und der im Frieden von Oliva (1660) erreichten Souveränität über Preußen wesentliche Grundlagen für den späteren Aufstieg Brandenburg-Preußens. Innenpolitisch setzte er umfassende Reformen durch, insbesondere den Aufbau eines stehenden Heeres, während seine Versuche einer eigenständigen See- und Kolonialpolitik nur begrenzten Erfolg hatten. Als calvinistischer Herrscher verfolgte er eine vergleichsweise tolerante Religionspolitik. Die Aufnahme zahlreicher Hugenotten förderte nachhaltig die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Landes.

Literatur: 

  • Arndt, Johannes: Der Große Kurfürst, ein Herrscher des Absolutismus? Über die Möglichkeiten und Grenzen monokratischer Herrschaft im 17. Jahrhundert. In: Asch, Ronald G., Duchhardt, Heinz (Hrsg.): Der Absolutismus – ein Mythos? Strukturwandel monarchischer Herrschaft in West- und Mitteleuropa (ca. 1550–1700). Köln u. a. 1996, S. 249–273.
  • Bahl, Peter: Der Hof der Großen Kurfürsten. Studien zur höheren Amtsträgerschaft Brandenburg-Preußens (= Veröffentlichungen aus den Archiven Preussischer Kulturbesitz, Beiheft 8). Köln 2001. 
  • Bentzien, Hans: Unterm Roten und Schwarzen Adler. Berlin 1992. 
  • Beuys, Barbara: Der große Kurfürst. Der Mann, der Preußen schuf. Reinbek bei Hamburg 1979, S. 63 und 76. 
  • Giersberg, Hans-Joachim, Meckel, Claudia und Bartoschek, Gerd. (Redaktion): Der Große Kurfürst. Sammler, Bauherr, Mäzen. Kurfürst Friedrich Wilhelm 1620–1688. (Katalog zur Ausstellung) Neues Palais in Sanssouci, 10. Juli bis 9. Oktober 1988. Potsdam 1988. 
  • Gloger, Bruno: Friedrich Wilhelm – Kurfürst von Brandenburg. Biographie. Berlin 1985. Hüttl, Ludwig: Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der Große Kurfürst 1620–1688. Eine politische Biographie. München 1981. 
  • Luh, Jürgen: Der Große Kurfürst: Friedrich Wilhelm von Brandenburg – Sein Leben neu betrachtet. München 2020. 
  • Neumann, Hans-Joachim: Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst. Der Sieger von Fehrbellin. Berlin 1995, S. 38. 
  • Opgenoorth, Ernst: Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst von Brandenburg. Band 1: Eine politische Biographie 1620–1660. Band 2: Eine politische Biographie 1660–1680. Göttingen/Zürich 1971/1978. 
  • Verschiedene Seiten von de.wikipedia, en.wikipedia, fr.wikipedia., pl.wikipedia und sv.wikipedia.
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