Sammlerportraits
Kommerzialrat Dr. Herbert Wenzel

Kommerzialrat Dr. Herbert Wenzel (1904-1985)

Porträt eines österreichischen Münzsammlers

Herbert Wenzel wurde am 28. September 1904 in Linz als Sohn des Ingenieurs Viktor Wenzel, Maschinenkommissar der K. K. Staatsbahndirektion in Linz und der Eugenie, geb. Hlauzal geboren. Bereits 1907 zog die Familie nach Wien, wohin der Vater in das K. K.-Eisenbahn-Ministerium versetzt worden war. Nach dem Abschluss des Gymnasiums mit der Matura 1923 erfolgte das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien mitsamt Promotion (1928). Nach einigen Jahren als Postkommissär wurde Dr. Herbert Wenzel 1934 in das Handelsministerium berufen. Im selben Jahr heiratete er Helene Wornitzer. Seine präzise und erfolgreiche Arbeit im Ministerium wurde 1937 mit dem Österreichischen Goldenen Verdienstzeichen gewürdigt. Aufgrund der politischen Verhältnisse in Österreich und der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde Dr. Wenzel 1938 seines Dienstes enthoben. Nach Militärdienst im Zweiten Weltkrieg und Kriegsgefangenschaft wurde er bereits 1945 als Staatsdiener reaktiviert und im Bundesministerium für Verkehr eingesetzt, im Jahr 1949 wurde er zum Ministerialrat ernannt. 

Der Höhepunkt seiner Laufbahn war die Leitung der Radio-Austria A. G., dem staatlichen österreichischen Fernmeldebetrieb, dessen Generaldirektor Dr. Herbert Wenzel von 1951 bis zu seiner Pensionierung 1970 war. Zu den schwierigen Anfängen berichtete Dr. Wenzel Anfang der 1980er Jahre in einer Chronik: „Sie können sich vorstellen, daß die Nachkriegszeit nicht leicht war. Ich habe oft nächtelang nicht schlafen können, weil ich nicht gewußt habe, wie ich die Gehälter zahlen werde. Technisch war es auch nicht besser. Die Antennen waren zertrümmert und die Apparate waren uralt, sowohl in der Empfangsstation am Laaerberg als auch auf der Sendestation in Deutsch-Altenburg.“ 

Es gelang dem Generaldirektor Dr. Wenzel sowohl die Sanierung des Betriebes als auch der Rückkauf von Firmenanteilen aus englischem Besitz, so dass sich 1955 das vollständige Aktienkapital im Eigentum der Republik Österreich befand. Für seine Verdienste für die Radio-Austria A. G. und seinen Beitrag zum Wiederaufbau Österreichs wurde Dr. Herbert Wenzel 1963 das Große Silberne Ehrenzeichen der Republik Österreich verliehen. 

Bereits Anfang der 1920er Jahre begann Dr. Wenzel mit dem Sammeln von Münzen und Medaillen und baute in rund 60 Jahren eine der bedeutendsten Münzsammlungen in Österreich auf. 1937 wurde er Mitglied der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft, deren Präsident er mehr als ein Vierteljahrhundert, von 1959 bis zu seinem Tod am 20. Juli 1985, war. Dr. Wenzel teilte gerne sein profundes Wissen und die bei seiner umfassenden Sammeltätigkeit gewonnenen Erkenntnisse und publizierte rund 50 Artikel zur Numismatik und Geldgeschichte, insbesondere zu seiner Heimat Österreich. Dafür ehrte die Österreichische Numismatische Gesellschaft ihren Präsidenten 1970 mit der Eckhel-Ehrenmedaille und 1974 mit der Zueignung des 89. Bandes der Numismatischen Zeitschrift. 

Nach seiner Pensionierung konnte Dr. Herbert Wenzel sich noch intensiver seinen numismatischen Interessen widmen. Darüber hinaus absolvierte der von der Geschichte begeisterte Jurist auch noch ein weiteres Studium der Theologie mit besonderem Fokus auf orientalische Riten und Sprachen, das er mit Auszeichnung abschloss. Nach längeren Aufenthalten auf dem Berg Athos erhielt er 1974 die Diakonatsweihe und wirkte jahrelang als Diakon der griechischorthodoxen Kirche in Wien. 

Wir bedanken uns bei der Familie für das Vertrauen, die außergewöhnliche Sammlung habsburgischer Prägungen eines verdienten österreichischen Numismatikers über mehrere Künker-Auktionen wieder anderen numismatischen Enthusiasten zugänglich zu machen. Ihnen, liebe Kundinnen und Kunden, wünschen wir viel Freude beim Studium des Kataloges und viel Erfolg beim Bieten. 

Osnabrück, im November 2025 
Dr. Andreas Kaiser

RÖMISCH-DEUTSCHES REICH Rudolf II., 1576-1612. Reichstaler 1580 HS, Kaschau.
RÖMISCH-DEUTSCHES REICH Karl VI., 1711-1740. Goldmedaille zu 20 Dukaten 1716,
RÖMISCH-DEUTSCHES REICH Leopold II., 1790-1792. Konv.-Taler 1790 A, Wien,
RÖMISCH-DEUTSCHES REICH Maria Theresia, 1740-1780. Konv.-Taler 1769 IC-SK, Wien.
RÖMISCH-DEUTSCHES REICH Leopold I., 1657-1705. Doppelter Reichstaler 1683, St. Veit.
KAISERREICH ÖSTERREICH Franz Joseph I., 1848-1916. Doppelgulden 1887, Wien,
RÖMISCH-DEUTSCHES REICH Ferdinand III., 1625-1637-1657. 3 Dukaten 1657 GH, Breslau.
RÖMISCH-DEUTSCHES REICH Ferdinand II., 1592-1618-1637. 10 Dukaten 1622 (Jahreszahl im Stempel aus 1621 geändert), Wien.
RÖMISCH-DEUTSCHES REICH Ferdinand III., 1625-1637-1657. 5 Dukaten 1644, Wien.

Berlin Auktion 437

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28. Januar 2026 in Berlin

Bildunterschrift: Herrschaftsgebiet der Habsburgermonarchie in Europa bei der Abdankung Karls V. im Jahr 1555. A. W. Ward u. a. (Hgg.), The Cambridge Modern History Atlas, London 1912, gemeinfrei.

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