Vom kurfürstlichen Münzkabinett bis zum Königlichen Museum
Von den älteren Beständen des kurfürstlich-brandenburgischen Hauses haben sich nur wenige Informationen erhalten. Zwar ist das Vorhandensein eines Münzkabinetts aus der Zeit Kurfürst Georg Wilhelms, des Vaters des Großen Kurfürsten, nachweisbar, doch lässt sich heute kaum rekonstruieren, wie die Sammlung aufgebaut war.
Die verheerenden Auswirkungen, die der Dreißigjährige Krieg über Kurbrandenburg brachte, ließen auch diese Bestände völlig untergehen. Deshalb muss Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der Große Kurfürst, als der eigentliche Begründer des Medaillenkabinetts der Brandenburgisch-Preußischen Kunstkammer gelten.1 Am Ende seines Lebens hatte er eine fast 20.000 Objekte umfassende Kollektion aus Gemmen, Fibeln, Münzen und Medaillen zusammengetragen. Sie befand sich im Apothekenflügel des Berliner Schlosses.
Bildunterschrift: Lorenz Beger: Das Raritätenkabinett im Apothekenflügel des Berliner Schlosses, Stich 1696.
Zwar erweiterte Kurfürst Friedrich III., ab 1701 König Friedrich I. in Preußen, die Sammlungen durch Zukäufe und Dotationen weiter, doch stand für ihn zugleich die Neupräsentation der ererbten Sammlung im Vordergrund. Der umfassende Umbau des Berliner Schlosses zu einer prächtigen barocken Residenz sah auch die Einrichtung einer Kunstkammer vor. Diese wurde im dritten Obergeschoss auf der Lustgartenseite des Schlosses eingerichtet.2
Da die Sammlung einen Schwerpunkt bei antiken Stücken hatte, war es nur folgerichtig, auch die zeitgenössischen Objekte in den drei Räumen des Antiken- und Medaillenkabinetts zu präsentieren.3 In diesem Kontext befanden sich die vier künstlerisch außerordentlich bedeutenden Sammlungsmöbel des Hoftischlers und Lackkünstlers Gérard Dagly aus dem Jahr 1695.
Die Regentschaft Friedrich Wilhelms I. brachte auch hier Veränderung. Um die Löcher im Staatshaushalt zu schließen, entschied sich der König, ca. 300 Goldmedaillen einschmelzen zu lassen.4
Auch der Nachfolger des Soldatenkönigs, König Friedrich II. entwickelte zunächst kein Interesse an diesem Sammelgebiet.
Er ließ den Bestand ungeachtet seines Interesses an römischen und griechischen Antiken zunächst unbeachtet.5 Während des Siebenjährigen Krieges wurde das Kabinett in die wichtigste Festung des Reichs, nach Magdeburg, ausgelagert.
1768/69 ließ er im Park von Sanssouci nach den Plänen Carl von Gontards den sogenannten Antikentempel errichten. Hier ließ der König die von ihm angekauften Skulpturen, Büsten und Reliefs der Sammlung des Kardinals Polignac präsentieren. In einem boisierten Seitenkabinett ließ er in aufwendigen, bronzebeschlagenen Zedernholzschränken 13.000 Stücke der von ihm erworbenen Sammlungen des Baron Stosch (Gemmen) und des Barons Pfau (Münzen) sowie einem Teil der ererbten antiken Münzen präsentieren (Abb. 3). Die neueren Bestände des Münzkabinetts blieben in Berlin.
Friedrich Wilhelm II. erbte die Sammlungen der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach-Bayreuth, die 1791 nach Berlin überführt wurden.
Bereits 1798 ließ der neue König, Friedrich Wilhelm III., die Sammlung seines Großonkels nach Berlin zurücküberführen.
1805 wurde der Prediger Jean Henry Aufseher und Bibliothekar des Kunstkabinetts. Ein von ihm vorgelegter Plan sah nicht nur die Reorganisation der königlichen Sammlungen vor, sondern auch die Errichtung eines großen Museumsgebäudes.6
Bildunterschrift: Unbekannter Künstler: Münzschrank König Friedrichs II. aus dem Antikentempel im Park von Sanssouci, Zeder, Messing, 1769.
Dieser Plan konnte auf Grund des Kriegs gegen Frankreich, der Entführung eines großen Teils der königlichen Sammlungen durch Dominique-Vivant Denon nach Paris,7 realistischerweise erst nach dem Frieden von Paris und dem Wiener Kongress in Angriff genommen werden. Erst 1830 wurde das Museum am Lustgarten der Öffentlichkeit übergeben. Auch das Münzkabinett wurde bei dieser Gelegenheit aus seinem angestammten Platz im Berliner Schloss in das Museum überführt, wo es im Souterrain des Gebäudes untergebracht wurde. Zunächst fanden auch die vier Münzschränke aus dem Antikentempel Friedrichs II. hier eine neue Heimstätte, wurden jedoch später durch Mahagonischränke nach Entwürfen Karl Friedrich Schinkels ersetzt.8
Die Königlichen Sammlungen unterstanden von nun an der Verwaltung des Staates, verblieben jedoch als Leihgabe im Eigentum des Königshauses.9
Diese wichtige Zäsur stellte jedoch nicht das Ende der königlichen Sammeltätigkeit dar. In den verschiedenen Wohnungen Friedrich Wilhelms III. gehörten Medaillen, Münzen und Plaketten zu den Objekten, die für ihn den Charakter von Erinnerungsgegenständen besaßen und daher zum Kontext seines Wohnumfelds gehörten. So befand sich eine ganze Reihe dieser Objekte in seiner Wohnung im Neuen Flügel des Charlottenburger Schlosses. In der Bibliothek, dem Gelben und Blauen Zimmer, befanden sich numismatische Gegenstände mit Bezügen zum Tod seiner Frau, der Königin Luise, den Befreiungskriegen und der Restauration der Bourbonenmonarchie in Frankreich.10 Auch in der Wohnung des Königs in Schloss Potsdam befanden sich zahlreiche Gegenstände dieser Art auf Tischen, in Kommoden und Schränken.11 Auf Grund des privaten Memorial- oder Erinnerungscharakters wurden sie nach seinem Tod auch nicht von den Alltagsgegenständen in den Wohnräumen des Königs separiert oder gesondert aufbewahrt. Erst 1888 wurde die Charlottenburger Wohnung Friedrich Wilhelms beräumt, die Räume im Potsdamer Schloss folgten 1895 und 1898. Diese Medaillen und Münzen wurden schließlich an das Hohenzollernmuseum abgegeben und mit dessen Sammlungen vereint.
Die Medaillensammlungen Friedrich Wilhelms IV. und Wilhelms I.
Die beiden ältesten Söhne Friedrich Wilhelms III., die ihm später als Regenten nachfolgen sollten, interessierten sich bereits seit ihrer Jugend für die Numismatik.12 Die in mehreren Exemplaren vorhandene Medaille anlässlich des zehnten Geburtstags Kronprinz Friedrich Wilhelms (IV.) war wohl zunächst zum Ausreichen an Mitglieder des Hofs, der Familie und an Freunde gedacht.
Der Thronfolger hatte eine ausgesprochen künstlerische Ader und nahm nach seiner Thronbesteigung 1840 auch Einfluss auf die Gestaltung „seiner“ Münzen und Medaillen. Nach dem Tod von Henri Francois Brandt verpflichtete er Christoph Carl Pfeuffer als ersten Medailleur der Berliner Münze. Unter Pfeuffers Ägide entstanden über 20 Jahre künstlerisch bedeutende Werke der Numismatik. Zu seinen Hauptwerken zählten die sogenannten Reformationsmedaillen von 1839 (Los 131) und zahlreiche Darstellungen mit Porträts Friedrich Wilhelms IV. Deren hohes Maß an Individualität wurde von Kunstkritikern und -historikern sehr gelobt.13
Zur Sammlung des Königs zählten neben antiken gelaufenen Münzen, Ereignisdarstellungen aus seinem Leben und vor allem russische Medaillen und Münzen. Das künstlerische Engagement des Königs spiegelt beispielsweise die von Utkin geschaffene Medaille auf die Errichtung der Alexandersäule des St. Petersburger Palastplatzes wider. Sie entstand zwischen 1830 und 1834 nach Ideen Friedrich Wilhelms, zu Ehren des 1825 verstorbenen Kaiser Alexanders I. (Los 290).14
Nach seiner Hochzeit mit Prinzessin Elisabeth Ludowika von Bayern bezog das Paar nach 1823 die Wohnung König Friedrichs II. im ersten Obergeschoss des Berliner Schlosses.15 Das Herzstück dieser von Karl Friedrich Schinkel 1824/25-1840 entworfenen und umgestalteten Wohnung sollte die aus der Spätgotik stammende Erasmuskapelle sein. In dem von einem aufwendigen Schlingenrippengewölbe verzierten Raum wurde zwischen 1824-1825 eine Vorhalle sowie ein Wohn- und Arbeitszimmer integriert (Abb. 4). In diesem räumlichen Ensemble ließ der König einen großen Teil seiner Sammlung aufbewahren, darunter Druckgrafiken, Aquarelle, Pläne und Karten. Da der Platz bald nicht mehr ausreichte, mussten benachbarte Räume herangezogen werden. In großen Sammlungsschränken und tischhohen Repositorien, die Schinkel entworfen hatte, wurden archäologische Artefakte, darunter Gemmen, Kleinkunst, Varia, Eisen- und Bronzeguss, aber auch die Münz- und Medaillensammlung des Königs verwahrt. Der außerordentlich gebildete und belesene Monarch nutzte den Raum als Bühne, um sich hier in diesem mittelalterlich anmutenden Ambiente von Franz Krüger porträtieren zu lassen (Abb. 5). Damit offenbaren sich nicht nur die künstlerischen und intellektuellen Interessen des Monarchen, sondern auch seine Geisteshaltung.
Ein von Schinkel entworfener, heute noch erhaltener Mappenschrank aus diesem Kontext lässt vermuten, wie die für die Aufbewahrung von Medaillen vorgesehenen Möbel ausgesehen haben dürften (Abb. 6). Nach dem Tod des Königs 1861 und dem Tod seiner Frau zwölf Jahre später, wurden die Sammlungen zunächst vor Ort belassen, gelangten dann aber nach 1877 in das neu gegründete Hohenzollernmuseum nach Schloss Monbijou.
Nach der Abgabe der Medaillensammlung der Berliner Kunstkammer an das Königliche Museum, war die von Kaiser Wilhelm I. angelegte private Kollektion sicher die bedeutendste, die ein Mitglied des Hauses Hohenzollern im Verlauf des 19. Jahrhunderts angelegt hat. Sicher bildeten auch hier Ereignisse und Begebenheiten aus dem eigenen Leben den Schwerpunkt, unter denen die von Friedrich Wilhelm Kullrich geschaffenen Generalitätsmedaillen von 186616 und 187117 als Hauptstücke herausragen (Los 191). Auch die berühmte „Kosmosmedaille“ zählt zu den Spitzenstücken dieser Sammlung (Los 154). Die wirkliche Kennerschaft Wilhelms für die Materie lässt sich jedoch an der Gruppe brandenburgischer Goldtaler, der „Fridericiana“-Serie, russischen Münzen und Medaillen sowie bayerischen und pfälzischen Goldtalern ablesen.
Die Sammlung war auf zwei Wohnorte Wilhelms I., Schloss Koblenz und seine Berliner Residenz, das Kaiserliche Palais in der Straße Unter den Linden konzentriert. Aus Koblenz gelangten ca. 200 Objekte erst kurz vor dem Ende des ersten Weltkriegs in das Hohenzollernmuseum. Im Palais befanden sich die ca. 1.500 Stücke in der Bibliothek, einem einfenstrigen Raum, der am Opernplatz lag (Abb. 7). Neben den Büchern hatte hier die Grafiksammlung und eine umfangreiche Kartensammlung des Kaisers ihren Platz.
Im benachbarten Arbeitszimmer des Kaisers, in dem er mehrmals wöchentlich Otto von Bismarck empfing (Abb. 8), befanden sich weitere über einhundert Medaillen und Münzen, die offen auf Tischen, Kommoden, Etuis und in Vitrinen lagen (Abb. 9).18 Die Darstellungen hatten offenbar einen hohen Erinnerungswert für den Monarchen (Abb. 10), denn es handelte sich ausschließlich um Porträts von Verwandten und Freunden, Ereignissen, wie dem Tod der von ihm so verehrten Mutter oder die Waffengänge, an denen er in seiner langen Offizierslaufbahn teilgenommen hatte. Die eigene Krönung in Königsberg 1861, war ihm durch eine goldene Medaille, die zu diesem Anlass geprägt wurde, ständig präsent (Los 186).19
Auf Betreiben seines Sohnes Kronprinz Friedrich Wilhelms, wurde 1877 im Schloss Monbijou, einem Anfang des 18. Jahrhunderts errichteten Sommerschloss, das u. a. von der Mutter Friedrichs II. bewohnt wurde, ein dynastisches Museum zu Ehren des Hauses Hohenzollern eingerichtet (Abb. 11). Jedem Herrscher, mit Ausnahmen auch deren Frauen, wurden ein oder mehrere Räume gewidmet. Die hier präsentierte brandenburgisch-preußische Hof- und Kulturgeschichte rundete das Konzept der stetig wachsenden Königlichen Museen im Herzen der neuen Reichshauptstadt ab.
Der Kaiser überwies noch zu seinen Lebzeiten eine ganze Reihe von Erinnerungsmedaillen an das Museum.
Nach dem Tod Wilhelms I. wurde die Sammlung aus dem Palais in den Tresor des Berliner Schlosses verbracht, später aber an das Hohenzollernmuseum abgegeben. Zusammen mit den Nachlässen seines Bruders und Vaters bildete der Bestand den numismatischen Schwerpunkt des Museums. Die Museumsleitung erwarb gelegentlich Objekte durch Ankäufe und Schenkungen, doch blieb die Anzahl dieser Gruppe bis 1918 eher bescheiden.
Die Sammlungen Kaiser Friedrichs III. und Kaiser Wilhelms II.
1871 wurde Kronprinz Friedrich (III.) Wilhelm von seinem Vater, Wilhelm I. zum Protektor der Königlichen Museen ernannt. Er und vor allem seine Frau Victoria hielten nicht nur engen Kontakt zu den Direktoren der Museen, sondern nahmen in der Folgezeit Beziehungen zu führenden privaten Kunstsammlern auf, darunter Ferdinand Robert-Tornow, dessen Sammlung die Kronprinzessin 1875 erbte. Unter den zahlreichen Objekten aus dem Bereich der angewandten Kunst befanden sich auch Medaillen aus dem 16.-18. Jahrhundert. Dass sich das Kronprinzenpaar für die Medaillenkunst interessierte, belegt sein Einfluss auf die von Gustav Eberlein gestaltete Gendenkmedaille anlässlich seiner Silberhochzeit 1883.20 Am Ende dieses Prozesses stehen die von Walter Uhlmann 1888 gestalteten Makromedaillen auf den Kaiser und seine Frau Victoria, welche die künstlerische Leitung übernommen hatte.21
Über die numismatische Sammlung des späteren 99-Tage-Kaiser Friedrichs III. wissen wir nur wenig. Die gezielten Schenkungen durch „Seine Kaiserliche Hoheit, den Kronprinzen“ an das Hohenzollernmuseum lassen zunächst einmal auf kein spezifisches Sammelinteresse schließen. In den Hauptbüchern des Museums werden jedoch einige Überweisungen aus der „Medaillensammlung“ des Kaisers erwähnt, was auf entsprechend größeren Kontext hinweist.
In den Sammlungen des vormaligen Königshauses auf der Burg Hohenzollern hat sich ein Münz- und Medaillenschrank aus dem Inventar des Berliner Kronprinzenpalais, der Stadtresidenz Friedrichs III. als Kronprinz erhalten (Abb. 12 und 13). Er stammt aus Raum 255,22 einem „kleinen Vorsaal im reichsten und schönsten Renaissance-Styl“, der unmittelbar vor dem Arbeitszimmer des Kronprinzen, im östlichen Seitenflügel des Gebäudes lag (Abb. 14). Das stilistisch dem Stil der Neorenaissance zuzuordnende Möbel aus geschnitztem Ebenholz besitzt in seinem Inneren 22 Reposituren, die an der Front ausklappbar sind und in denen sich jeweils eine Lade für Medaillen und Münzen befand. Das verschlungene „FR“ auf der von Greifen gehaltenen Mittelkartusche steht für „Fridericus Rex“ und verweist auf die Könige Friedrich I. oder Friedrich den Großen. Sollte sich aus dieser Tatsache ableiten lassen, dass ab dem Großen Kurfürsten jedem Regenten der Dynastie bis zu Wilhelm I. ein entsprechender Schrank gewidmet war, könnten mindestens acht Möbelstücke dieses Typus existiert haben. Ob die Sammlung des Kaisers in den Besitz seiner Frau, der Kaiserin Friedrich gelangte, lässt sich derzeit nicht nachvollziehen.23
Vor allem nach der Silbernen Hochzeit 1906, dem 25jährigen Regierungsjubiläum 1913 und während des ersten Weltkriegs gelangten umfangreiche Serien und Einzelstücke als Überweisungen des Kaisers in die Sammlungen beider Kabinette.
In Schloss Monbijou wurden die neuen Erwerbungen vor allem in den Wilhelm II. und seiner Frau Auguste Viktoria gewidmeten Räumen 1-3 präsentiert.
Daneben besaß der Kaiser eine kleine private, zahlenmäßig nicht sehr umfangreiche Sammlung an Medaillen, die vor allem familiengeschichtliche Ereignisse abbildeten. Sie gelangten in der Regel als Weihnachtsgeschenke von Familienmitgliedern und Freunden in den Besitz Wilhelms II. und wurden in von Julius Zwiener angefertigten Vitrinenschränken und -tischen im Empfangszimmer der Kaiserlichen Wohnung im Berliner Schloss ausgestellt (Abb. 15).25 Eine Besonderheit bildete sicher die Art und Weise der Präsentation der Medaillen. Die betreffenden Objekte wurden mit Montierungen versehen, die aus einer Rahmung und einem Sockel bestanden, um aus ihnen Vitrinenobjekte zu kreieren. Auch die in den Boden von Bechern, Schalen und Etuis eingelassen Medaillen und Münzen wurden so einer neuen Nutzung zugeführt (Abb. 16).
Einmal abgesehen von der wichtigen politischen Patronage des Münzkabinetts, die zur Bedeutung der Berliner Museen beitragen sollten und dem Erwerb künstlerisch bedeutender Einzelstücke im Bereich der Medaillenkunst, die während der Regierungszeit des Kaisers entstanden sind oder erworben wurden, lässt sich eine besondere Leidenschaft Wilhelms II. für die Numismatik nicht belegen. Die kaiserliche Unterstützung des vom Oberhofmarschallamt betreuten Museums in Schloss Monbijou sollte als gegeben angenommen werden. Sein Direktor Paul Seidel machte es sich zur Aufgabe, den Bestand in den sogenannten „Hohenzollern-Jahrbüchern“ teilweise zu publizieren und aufzuarbeiten.26
Dennoch ließ sich der Kaiser noch in seinem Doorner Exil regelmäßig über die Entwicklung und Zustand seiner Sammlungen im Hohenzollernmuseum unterrichten.27 Nach 1926 wurde die Medaillensammlung zusammen mit der Ordenssammlung und Teilen des preußischen Kronschatzes in Raum 7, einem Raum auf der Spreeseite des Schlosses präsentiert.
Schloss Monbijou zwischen 1918 und 1945
Die ab 1926 unter staatliche Verwaltung gestellten Sammlungen dienten dem Zweck, das Museum Schloss Monbijou in „seiner Eigenart“ zu erhalten und beließen den bis 1918 angewachsenen Bestand im Privateigentum des vormaligen Königshauses.28 Zwar schränkte der Vertrag das Besitzrecht des Hauses Hohenzollern an den Objekten etwas ein, jedoch konnte das Museum nicht eigenständig agieren, wie z. B. bei geplanten Ausstellungen oder etwaigen Verkäufen. Hierbei konnte der vormalige Kaiser nach wie vor sein Veto geltend machen.
Nach 1933 versuchte das NS-Regime mehrfach die Sammlungen des Museums gänzlich in staatliche Obhut zu überführen, ja sogar das Schloss an einem anderen Ort wiederaufzubauen, weil es den Plänen Hitlers für ein neues Museumsquartier im Weg stand.29
Nach den schweren Bombardements ab der Jahresmitte 1943, die vor allem Berlin trafen, wurden die seit 1940 vorbereiteten Bergungen von Museumsgut in verstärktem Maße durchgeführt. Die Medaillen wurden in Kisten verpackt und in die als bombensicher geltenden Keller des Berliner Schlosses überführt. Dort befanden sie sich noch bei Kriegsende 1945. Die schweren Luftangriffe Ende 1943 ließen auch Schloss Monbijou in Schutt und Asche versinken. Das Ende des Museums war damit besiegelt.
Fußnoten
Siehe dazu: Ausst. Kat. Die Brandenburgisch-Preußische Kunstkammer, S. 19ff., Berlin 1981; Elke Bannicke und Christian Stoess: Die Anfänge im kurfürstlichen Schloss, 16. Jahrhundert bis 1830, S. 15ff., in: Bernd Weisser (Hrsg.): Münzkabinett. Menschen, Münzen, Medaillen, Berlin 2020 und Eva Dolezel: Der Traum vom Museum. Die Kunstkammer im Berliner Schloss um 1800 – eine museumsgeschichtliche Verortung,S. 69ff., Berlin 2019
Ebd.
Raum 985-987 (im dritten Obergeschoss des Berliner Schlosses, zwischen dem Rittersaal und der Kapelle gelegen.
Bannicke/Stoess 2020, S. 20ff.
Ausst. Kat. Friedrich II. und die Kunst. Ausstellung zum 200. Todestag, S. 74ff., Potsdam 1986
Ebd., S. 26
Denon war Generaldirektor des Musée Napléon und trug im Auftrag der französischen Regierung in ganz Europa erbeutete Kunstsammlungen zusammen, um im Louvreeine Universalmuseum einzurichten.
Ebd., S. 30
Im Zuge der Vermögensauseinandersetzung wurden die Leihgaben des vormaligen Königshauses an die Berliner Museen gegen eine Entschädigungszahlung als sogenannte „Hohenzollernstiftung“ an den Staat abgetreten.
SPSG, Historische Inventare, Nr. 266: Inventarium des Königlichen Schlosses zu Charlottenburg und der dazu gehörenden Gebäude. Neuer Flügel, Erstes Stockwerk,M3. 309-345, Vol. IV, 1835, fol. 28-64
SPSG, Historische Inventare, Nr. 486: Inventarium des Königlichen Stadt=Schlosses zu Potsdam, Vol. III, welches das 3te Stockwerk incl. des Belvederes auf dem Brauhausberge enthält. No. 230 bis incl. 317., fol. 87-120; Das entsprechende Inventar des Königlichen Palais erwähnt nur in wenigen Fällen Gegenstände numismatischen Charakters.
In den handschriftlichen Katalogen der Jugendbibliothek Friedrich Wilhelms IV. fanden mehrere numismatische Werke, vor allem in Bezug auf die Antike, aber auch der Renaissance Erwähnung (Staatsbibliothek Berlin, Bestand libri pictorati).
Siehe hierzu den Onlineartikel von Dietmar Kreutzer: Preußens Romantiker. Die Münzen Friedrich Wilhelms IV., 2020
HM 664 (MKB 186)
Dazu siehe ausführlich, Jörg Meiner: Wohnen mit Geschichte. Die Appartements Friedrich Wilhelms IV. von Preußen in historischen Residenzen der Hohenzollern, S. 57-72, Berlin 2009
HM 229 (MKB 1495)
HM 230 (MKB 1496)
GStA PK, BPH Rep. 113, Nr. 2441, fol. 139c-h und 140(Inventar des Alten oder Kaiserliche Palais)
HM 1113 (MKB 1529)
Julius Menadier: Schaumünzen der Hohenzollernherrscher,S. 159, in: Hohenzollern-Jahrbuch Nr. 5, Berlin 1901
Ebd.; Die beiden Exemplare aus dem Hohenzollernmuseum(HM 9296 (MKB 1963) und 9297 (MKB 1962)) befinden sich in der Schatzkammer auf der Burg Hohenzollern.
Der Schrank gelangte 1974 aus dem Nachlass der vormaligen Oberhofmeisterin der Kronprinzessin Cecilie, Freifrau Rose von Tiele-Winckler zurück auf die Burg Hohenzollern. Zahlreiche Möbelstücke aus der Erbauungsphase, Zeit Kronprinz Friedrich (III.) Wilhelms und Kronprinzessin Victorias gehörten auch nach 1905 zum Inventar des Palais, als es von Kronprinz Wilhelm und seiner Frau Cecilie, einer Herzogin zu Mecklenburg bezogen wurde. Das Inventar des Palais wurde nach 1918 vollständig an das vormalige Kronprinzenpaar abgegeben.
Das Inventar des Palais gelangte per Erbfolge in den Besitz der älteren, nachgeborenen Kinder des Kaiserpaares, darunter Prinz Heinrich, Prinzessin Viktoria zu Schaumburg-Lippe und Kronprinzessin Sophie von Griechenland. Bekannt sind gegenwärtig nur Teilinventare des Palais.
Vergleiche Wolfgang Steguweit und Bernd Kluge: Suum Quique. Medaillenkunst und Münzprägung in Brandenburg-Preußen,S. 208, in: Das Kabinett, Schriftenreihe des Münzkabinetts, Band 10, Berlin 2008
Raum 668 (erstes Obergeschoss, am Schlossplatz). Die Sammlung befindet sich heute im Exilsitz des Kaisers in Haus Doorn/Niederland und im Eigentum des Hauses Hohenzollern, auf der Burg Hohenzollern.
Siehe u. a. Julius Menadier: Schaumünzen der Hohenzollern-Herrscher in Brandenburg-Preußen, S. 143 ff., in: Paul Seidel (Hrsg.): Hohenzollern-Jahrbuch Bd. 5, Berlin 1901
Brief des Generalbevollmächtigten Wilhelm von Dommes vom 28. Dezember 1934 an Wilhelms II. über die Anzahl der Stücke der Medaillensammlung, die sich im Hohenzollernmuseum befanden, in: HABHZ A.I. No. 67 Acta betr. das Hohenzollern Museum im Schlosse Monbijou, fol. 163v. (1920-1941)
VAV von 1926 § 5. Der sogenannte Auseinandersetzungsvertrag zwischen Staat und Krone, regelte die Besitzverhältnisse beider Parteien.
Thomas Kemper: Schloss Monbijou. Von der Königlichen Residenz zum Hohenzollern-Museum, S. 138ff. Berlin 2005