Vor- und Nachberichte
Sommer-Auktionen 423-425: Nachbericht
Nachbericht unserer Sommer-Auktionen 423-425 vom 3.-5. Juli 2025

Auf insgesamt 7,8 Mio. Euro addieren sich die Zuschläge unserer Auktionen 423 bis 425, in denen wir zahlreiche Sammlungen aufgelöst haben. Tirol, Münster, Fugger und Gold brachten eindrucksvolle Ergebnisse. Wir stellen Ihnen einige davon vor.

Unsere Sommer-Auktionen 423 bis 425 enthielten einige spektakuläre Spezialsammlungen, so zum Beispiel im Katalog 423 die Sammlung Hermann Wohnlich von Münzen und Medaillen aus Tirol, die das Doppelte ihrer Schätzung einspielte. Es folgte in Katalog 424 der dritte Teil der Sammlung eines deutschen Fabrikanten und Geschichtsfreundes mit hochkarätigen Prägungen aus Münster, Osnabrück und Passau, dazu einige Stücke der Fugger und der Landgrafschaft Leuchtenberg. Hier kletterte das Ergebnis auf 75% über der Schätzung. Die Auktion 425 mit dem allgemeinen Teil enthielt u. a. die Familiensammlung Mohr mit historischen Goldmünzen. Insgesamt realisierten die drei Auktionen 7,8 Mio. Euro, ein Ergebnis, das rund 50% über der ursprünglichen Schätzung lag.

1.
Münzen, Medaillen und Schaupfennige aus Tirol

Beginnen wir mit Auktion 423, in der eine äußerst eindrucksvolle Sammlung Tirol auf den Markt kam, darunter viele frühe Schaupfennige der Renaissance und Goldmultiple. Vergleichbares war seit vielen Jahren nicht auf dem Markt. Die Ikonen der frühen Talerprägung - oder sprechen wir lieber numismatisch korrekt von Guldinerprägung - sieht man nur selten so geballt in dieser Qualität. Trotzdem entwickelten sich nicht die Silbermünzen zu den teuersten Stücken der Auktion, sondern die Goldmünzen.

Eine wahrscheinlich unike goldene Schaumünze zu 2 Dukaten ist dafür ein gutes Beispiel. Sie zeigt sowohl auf der Vorder- wie auch auf der Rückseite ein Porträt von Friedrich III. und wurde mit einem Zuschlag von 55.000 Euro zur teuersten Münze von Auktion 423. Diese Münze ist ein sehr frühes Beispiel für die numismatischen Geschenke, die spätere Herrscher anlässlich der aufwändigen Beisetzungszeremonien für ihre Vorgänger regelmäßig verteilen sollten. Kaiser Maximilian nutzte dieses Medium bereits früh, um den Ruhm seiner Dynastie zu feiern. Allerdings mag sich so mancher Kenner der habsburgischen Numismatik fragen, wie das auf der Prägung so detailliert angegebene Datum zum Begräbnis von Friedrich III. passt. Schließlich starb der nicht 1513, sondern bereits am 19. August 1493. Wir wissen, dass er noch im gleichen Jahr erst am 28. August provisorisch, dann in einer mehrtägigen Feier ab dem 5. Dezember feierlich im Stephansdom beerdigt wurde. Welchen Aufwand man dabei betrieb - unter anderem brannten insgesamt 583 Kerzen, damals eine unglaubliche Menge -, ließ Maximilian in zwei frühen Druckschriften von 1493 in lateinischer und deutscher Sprache verewigen. Dass trotzdem am 12. November 1513 eine weitere Bestattung notwendig war, liegt daran, dass Friedrichs von ihm selbst beauftragtes Grabmal erst in diesem Jahr fertig wurde. Es gilt heute als größtes Kaisergrab nördlich der Alpen. Mediale Aufmerksamkeit erhielt es 2013, als es von einem interdisziplinären Forscherteam untersucht wurde und bislang unbekannte Details des kaiserlichen Grabrituals enthüllte. Damit wird der für 55.000 Euro versteigerte Doppeldukat von 1513 zu einem seltenen und äußerst bedeutsamen Zeugnis der Selbstdarstellung Maximilians I.

Der eindrucksvolle 10-fache Dukat von Erzherzog Maximilian aus dem Jahr 1603, geprägt aus den Stempeln des Talers, wurde bei einer Schätzung von 15.000 Euro mit 44.000 Euro zugeschlagen. Die Darstellung erinnert daran, dass Maximilian nicht nur Gubernator von Tirol und den Vorlanden - Vorderösterreich und Vorarlberg - war, sondern auch das Amt eines Hochmeisters des Deutschen Ordens und Administrator von Polen bekleidete. Wer Maximilians Kopfbedeckung genau betrachtet, mag daran denken, dass der Erzherzogshut, der heute in Klosterneuburg aufbewahrt wird, in seinem Auftrag geschaffen wurde.

Der dreifache Dukat von Ferdinand Karl aus dem Jahr 1642 wechselte mit 42.000 Euro den Besitzer und war damit fast genauso teuer wie das vorhergehende Stück. Es handelt sich wohl um das einzige Exemplar dieses Typs im Gewicht zu 3 Dukaten und zeigt den wegen seines verschwenderischen Lebensstils bekannten Erzherzog hoch zu Pferde. Ganz klein im Hintergrund sehen wir die Stadtansicht von Innsbruck. Auf der Rückseite erscheint der hl. Leopold., noch heute Schutzpatron von Österreich.

Preislich reichte selbst die seltenste und in Auktion 423 teuerste Schaumünze nicht an die Goldmünzen heran. 36.000 Euro lautete das letzte Gebot für den Schaupfennig Ferdinands I. aus dem Jahr 1528, ehe der Hammer fiel. Dabei ist diese Münze, die anlässlich der Erbhuldigung des Tiroler Landtags entstand, von höchstem kulturhistorischem Interesse. Sie zeigt nämlich ausnahmsweise nicht den Herrscher in einsamer Glorie bzw. im Kreis der Familie. Stattdessen umgeben die Untertanen den reitenden Herrscher. Unter ihnen befinden sich Vertreter des dritten Standes beim Treueeid. Damit zeigt diese Schauprägung eine Szene, wie sie kaum auf Münzen vorkommt: Das Volk wird noch viele Jahrhunderte lang keine Rolle auf Münzen spielen. Eine außergewöhnliche Prägung also, die einen außergewöhnlichen Preis rechtfertigt.

2.
Die Sammlung eines deutschen Fabrikanten und Geschichtsfreundes

Am gleichen Tag wurde in unserer Auktion 424 der dritte Teil der Sammlung eines deutschen Fabrikanten und Geschichtsfreundes angeboten. Die Auktion beinhaltete mehrere unterschiedliche Sammlungsteile, zu denen vor allem die beeindruckende Sammlung Münster und Passau zählte, ergänzt durch einige Stücke der Fugger und der Landgrafschaft Leuchtenberg.

Überraschenderweise wurde keines der zahlreichen Goldmultiplen zum teuersten Stück der Partie Münster bzw. der ganzen Auktion, sondern ein dreifacher Taler. Er stammt von Friedrich Christian von Plettenberg und wurde im Jahr 1694 geprägt. Unter diesem Bischof war das Bistum Münster auf dem Höhepunkt seiner Macht. Friedrich Christian unterhielt ein eindrucksvolles Heer, das ihm genug Spielraum für seine eigenständige Politik verschaffte. Er konsolidierte die Macht des Bistums Münster nach innen und nach außen. Auf Friedrich Christian von Plettenberg gehen nicht nur eine Reihe von Schlossbauten zurück, sondern auch die regelmäßige Straßenreinigung. Sein dreifacher Taler ist von größter Seltenheit und erzielte beeindruckende 60.000 Euro.

Mit 46.000 Euro Zuschlag endete das Bietergefecht um einen 5-fachen Dukaten, den der Wittelsbacher Ferdinand von Bayern im Jahr 1538 als Bischof von Münster prägen ließ. Er zeigt auf der Rückseite eine Ansicht der Stadt Münster und darüber den schützenden St. Paulus, Patron des Münsteraner Doms. Ferdinand von Bayern war ein Vertreter des Bischofstyps, den die Reformer der katholischen Kirche eigentlich abschaffen wollte. Er agierte wie ein weltlicher Herrscher und vereinte das Reichsamt eines Kurfürsten und Erzbischofs von Köln mit den Bischofsstühlen von Hildesheim, Lüttich, Münster und Paderborn. So konnte er seinem älteren Bruder Maximilian I. von Bayern im Kampf gegen die Reformation beistehen. Dies war natürlich nicht nur eine religiöse, sondern auch eine Machtfrage: Mit dem 30-jährigen Krieg sicherten sich die Wittelsbacher nicht nur den Rang von Kurfürsten. Sie zementierten auch den Anspruch ihrer nachgeborenen Söhne auf die höchsten kirchlichen Ämter im Reich.

Auktion 424 enthielt zwei weitere Prägungen Ferdinands im Gewicht von 5 Dukaten. Ein Stück, dessen Rückseite aus demselben Stempel geprägt wurde wie das vorhergehende, auf der Vorderseite aber die Geburt Christi zeigt, wurde ebenfalls für 46.000 Euro zugeschlagen. Zu welchem Zweck diese Münzen geprägt wurden, darauf gibt uns ein weiteres 5 Dukaten-Stück einen Hinweis, das auf der Vorderseite dieselbe Darstellung der Geburt Christi zeigt, auf der Rückseite aber eine detailreiche Beschneidung Christi. Dieses Fest wurde in der katholischen Kirche traditionell am 1. Januar begangen, also genau an dem Tag, an dem der jährliche Gabentausch stattfand. Weihnachtsgeschenke kannte man damals noch nicht. Stattdessen schickten alle Personen an diejenigen, denen sie sich offiziell verbunden fühlten, Gaben von unterschiedlichem Wert, der sich nach dem jeweiligen Status bemaß. Bischof Ferdinand von Bayern könnte die kostbaren 5 Dukaten-Stücke regelmäßig jedes Jahr als Geschenke für seine Räte, wichtigsten Unterstützer und Verbündeten herstellen haben lassen. Das 5 Dukaten-Stück mit Christi Beschneidung realisierte einen Zuschlag von 44.000 Euro.

In der gleichen Auktion wurde eine Ikone der deutschen Renaissancekunst angeboten: die zeitgenössische Medaille von Jakob Fugger II., deren Stempel der bedeutende Renaissance-Künstler Hans Schwarz schuf. Sie wurde mit 26.000 Euro verkauft, für eine Bronzemedaille ein beeindruckender Preis. Doch dies verwundert nicht. Schließlich geht es kaum historisch bedeutender: Jakob Fugger war zu seiner Zeit der mächtigste Unternehmer Europas, dessen Handelsinteressen den Kontinent umspannten und bis in die neue Welt hinüberreichten. Historiker unterstellten ihm, seine finanziellen Möglichkeiten seien so groß gewesen, dass er Kaiser machen konnte. In Zeiten von "Too big to fail" sieht die historische Forschung die Kaiserwahl von Karl V. etwas anders. Sie behauptet, dass die unglaublichen 545.585 Gulden, mit denen Jakob Fugger Karls Wahlspenden finanzierte, notwendig gewesen seien, um die notorisch verschuldeten Habsburger nicht in den Bankrott zu treiben und so alles geliehene Kapital zu verlieren.

Fast das Doppelte dieses Ergebnisses, nämlich 48.000 Euro, brachte ein ungewöhnliches Objekt, ein kunstvolles Kästchen aus Lapislazuli und Gold, das wohl im späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert entstand und mit einem äußerst seltenen 10-fachen Dukaten des Maximilian II., Graf von Fugger-Babenhausen-Wellenburg geschmückt wurde. Ein echtes Kabinettstückchen also, wie man es in einem Museum vermutet.

Werfen wir noch einen letzten Blick auf eine Münze aus der Sammlung Passau. Hier brachte ein doppelter Dukat des Urban von Trennbach, geprägt 1563, beeindruckende 26.000 Euro.

3.
Einige bemerkenswerte Ergebnisse aus der Auktion 425
Schließen wir mit einigen wenigen weiteren, ebenfalls sehr bemerkenswerten Ergebnissen aus der Auktion 425.
ITALIEN KIRCHENSTAAT/VATIKAN Clemens IX., 1667-1669. Quadrupla o. J., Rom.
RÖMISCH-DEUTSCHES REICH Ferdinand III., 1625-1637-1657. 10 Dukaten 1641, Wien.
RÖMISCH-DEUTSCHES REICH Ferdinand III., 1625-1637-1657. 10 Dukaten 1644, Graz.
BAYERN HERZOGTUM Maximilian I., 1598-1651. 5 Dukaten 1640, München,
PREUSSEN Wilhelm I., 1861-1888. Goldmedaille zu 120 Dukaten 1871,
CHINA Republik. 1 Dollar Jahr 18 (1929).
RÖMISCH-DEUTSCHES REICH Matthias, 1608-1612-1619. Dicker doppelter Reichstaler o. J. (1612-1619), Prag.
REICHSGOLDMÜNZEN DEUTSCH-NEU-GUINEA 20 Neu-Guinea Mark 1895 A.
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