Sammlerportraits
Lodewijk S. Beuth
Während des Jahres 1950 hatte Lodewijk Beuth zum ersten Mal unser Büro in der Keizersgracht 448 aufgesucht. Er war auf der Suche nach “Fluchtgold”. Der Zweite Weltkrieg war noch allgegenwärtig und die Tatsache, dass er flüchten und untertauchen musste, hatte ihn auf diesen Gedanken gebracht. Mein Vater sagte ihm, dass er die notwendigen goldenen Zehnerstücke zwar vorrätig hat, fragte ihn jedoch sofort, weshalb Beuth keine selteneren Stücke kauft. Diese bildeten ein Gegengewicht zur Inflation, und das Sammeln könne viel Freude bereiten. Lodewijk schien dafür sensibel zu sein. Er selbst sammelte Briefmarken, kleine Zuckertüten und Zigarrenbanderolen für Bekannte – und somit hatte ihn die Sammelleidenschaft bereits gepackt. 
Dies war der Beginn von dem, was zu einer festen Verbindung zwischen Lodewijk Beuth und der Familie Schulman heranwachsen sollte. So manche Stunde haben wir gemeinsam in der „Keizersgracht 448” verbracht und Gespräche zu Raritäten und zur Qualität geführt. So wuchs das Bewusstsein Lodewijks, jedoch auch dessen Wunsch, selbst die größte und schönste Münzsammlung der Niederlande zu schaffen. Ob ihm dies gelungen ist, sollte aus diesem Katalog hervorgehen. 
Doch es blieb nicht nur beim Sammeln. Lodewijk Beuth vertiefte sich in die Numismatik und begann damit, seine Erkenntnisse zu veröffentlichen. Zunächst tat er dies im Jaarboek voor Munt- en Penningkunde“. Später erfolgte dies auch in Zeitschriften aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften, wie beispielsweise den Statistischen Wirtschaftsberichten (Economisch Statistische Berichten / ESB) und in Zeitungen.

Sein numismatisches Wissen und das Interesse an der Wirtschaft unseres Landes brachten ihn auf den Gedanken der Reformierung des niederländischen Münzsystems – gerade zu dem Zeitpunkt, zu dem sich der steigende Silberpreis dem Silberwert des damaligen Guldens und Reichtalers näherte. Denn aus dem Greshhamschen Gesetz geht hervor: „Schlechtes Geld verdrängt gutes Geld”. Somit bestand die Chance, dass die Silbermünzen aus dem Umlauf verschwinden, um umgeschmolzen zu werden. Um dem vorzubeugen, unterbreitete Beuth den Vorschlag, Silbermünzen rechtzeitig durch Exemplare aus Nickel zu ersetzen. Im Jahr 1967 war es dann soweit. Zudem hatte Beuth für die Einführung von Gedenkmünzen plädiert und die erste wurde geprägt, um dem Zweiten Weltkrieg zu gedenken. Es war damals eine Münze zu einem Wert von 10 Gulden. Danach wurden auch Stücke zu 50 Gulden herausgegeben und die Tradition entsprechend erhalten.

Lodewijk S. Beuth hat bis ins hohe Lebensalter gesammelt und auch aufgrund der späteren Ergänzungen seines Sohnes Hein kann seine Sammlung zu den größten und schönsten unseres Landes gezählt werden – sowohl in Bezug auf Münzen des Königreichs und aus den Überseegebieten, als auch auf die von Provinzen und Städten herausgegebenen Münzen, Notmünzen aus der Zeit des Achtzigjährigen Krieges und niederländisches Papiergeld. Nach dem überragenden Erfolg der Auktion des ersten Teils der Sammlung (Batavische Republik und Königreich) im Herbst 2023, freuen wir uns, mit dem zweiten Teil nun die niederländischen Münzen von den Anfängen unter den Merowingern bis zur Gründung der Batavischen Republik 1795 anbieten zu können. 
Laurens Schulman
Harderwijk, im Juli 2024


Ausgewählte Artikel von Lodewijk S. Beuth: 
  • Jahrbuch Nr. 42, 1955: Die Geschichte des Seeländischen Silberdukatens von 1659–1798 und dessen geheime Aufschriften
  • Jahrbuch Nr. 43, 1956: Ein merkwürdiger Münzfund: Eine unbekannte Probeprägung des Reichstalers aus dem Jahr 1898. 
  • Jahrbuch Nr. 44, 1957: Goldene Reiter aus dem 18. Jahrhundert • Jahrbuch Nr. 45, 1958: Der halbe, viertel und achtel Seeländische Silberdukaten
Lodewijk S. Beuth’s memories at the birth of his passion for numismatics in 1950.
Lodewijk S. Beuth’s memories at the birth of his passion for numismatics in 1950.

Abschrift der Erinnerungen von Lodewijk S. Beuth an den Beginn seiner numismatischen Leidenschaft.

Wie ich zum Sammeln von Münzen kam

Zu Beginn des Jahres 1950 erhielt ich aus Den Haag einen Anruf von einem Schwager, der in einem Ministerium tätig war. Er teilte mir mit, dass der Hausbote drei goldene Zehner zum Verkauf anbot: einen von Willem I, einen mit „hängendem Haar“ und einen von Willem III. Er hatte im Krieg 400,- Gulden pro Stück dafür bekommen können, und er hatte eingesehen, dass sie nun weniger wert waren: „Was ich dafür ausgab“ 

Ich hatte niemals über Münzen nachgedacht, sondern lediglich eine Geschichte dazu gehört. Ein Bekannter, Herr Teszler – ein gebürtiger Ungar – hatte mir Folgendes erzählt: Er war als Jude im Krieg von den Deutschen an Ungarn ausgeliefert worden und hatte im Futter seiner Jacke goldene Münzen mitgeschmuggelt, von denen sie ein paar Jahre leben konnten.

1950 war die Zeit, zu der die Russen damit drohten, Westeuropa zu überspülen. Ich hatte also durchaus etwas für goldene Münzen übrig und informierte mich telefonisch bei dem mir damals noch unbekannten Herrn J. Schulman zu den Preisen. Es erwies sich, dass ihm zuerst die Jahreszahlen der Münzen bekannt sein müssen, dann benannte er mir damals von jeder Münze den Einkaufs- und den Verkaufspreis. Mein Angebot lag dazwischen, doch auf dieses Angebot ging der Bote nicht ein. Nun hatte mich Schulman dazu eingeladen, bei ihm vorbeizukommen, und so beschloss ich, goldene Münzen im Wert von 1.000,- Gulden zu kaufen (’kurrent’). Ich erhielt eine ’durchschnittliche Qualität‘, doch wenn ich sie zu sammeln beginnen würde, sollte ich sie kostenlos in die beste Qualität umtauschen können.

Ich zögerte: Mir war bewusst – und dies äußerte ich auch gegenüber Schulman – dass ich mich intensiv damit befassen musste, während ich auch noch damit beschäftigt war, meine Versicherungsagentur aufzubauen, und dass mich mein Interesse zu einer Veröffentlichung führt und dies einen weiteren Einfluss auf die Münzen und all jenes ausübt, was damit im Zusammenhang steht! Dies war der Beginn. Dann muss noch bedacht werden, dass ein FDC-Exemplar des 3-Gulden Brüssel von Willem I, das ich um das Jahr 1951 mit der Sammlung Huizinga übernommen hatte (das damals durch Schulman mit 100,- Gulden taxiert worden war), bei der Auktion von Schulman im November 1971 … 20.000,- Gulden +15% einbrachte!

Auktion 393

Die Sammlung Lodewijk S. Beuth, Teil 1

Münzen der Niederlande und der niederländischen Überseegebiete seit 1795




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Auktion 414

Die Sammlung Lodewijk S. Beuth, Teil 2

Münzen der Niederlande von den Anfängen unter den Merowingern bis 1795




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Auktion 420

Die Sammlung Lodewijk S. Beuth, Teil 3

Münzen der südlichen Niederlande - Das heutige Belgien und die niederländischen Provinzen Limburg und Nord-Brabant | Niederländische Notmünzen | Münzen der niederländischen Überseegebiete (1601-1795)

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Auction 430

The Lodewijk S. Beuth Collection, Part 4

Papiergeld der Niederlande

Papiergeld van Nederland

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