Es gibt wenige Sammelgebiete, bei denen sich Lokalpatriotismus so eng mit Geldgeschichte kreuzt wie im Fall der Tiroler Numismatik. Denn die Tiroler Münzen prägten im wahrsten Sinne des Wortes die Geldgeschichte Europas. Der Tiroler Guldiner war die erste große Silbermünze der Welt, deren Wert einem Goldgulden entsprach. Die zweite numismatische Innovation Tirols war das wassergetriebene Walzprägewerk. Das stellte praktisch den ersten serienreifen Prägeautomaten der Geldgeschichte dar.
Es gibt zwei gute Gründe, warum Tirol so wichtig für die Numismatik wurde. Zum einen besaß das Land Silber im Überfluss, so dass sehr viele Münzen in Tirol geprägt werden konnten. Zum anderen wurde es von den Habsburgern beherrscht. Und die hatten damals Verbindungen bis nach Spanien, Italien, Böhmen und in die neue Welt.
Die meisten Tiroler Münzen entstanden in der Münzstätte Hall. Sie wurde zu einer der wichtigsten Münzstätten im ganzen Habsburger Reich. Sie gehört zu den wenigen mittelalterlichen Münzstätten, die selbst in der jüngsten Gegenwart noch prägten: in Hall entstanden die österreichischen Gedenkmünzen anlässlich der Olympischen Winterspiele von 1976.
Übrigens: In jede gute Sammlung Tirol gehört auch die erste Niobmünze aus Österreich aus dem Jahr 2003. Sie entstand anlässlich des Stadtjubiläums 700 Jahre Hall und zeigt den ersten Guldiner.
Welche Vorkenntnisse brauche ich bei Tiroler Münzen?
Eigentlich brauchen Sie überhaupt keine Vorkenntnisse, um Tiroler Münzen und Medaillen zu sammeln. Es genügt, wenn Sie sich für Geschichte interessieren. Dann werden Sie sich schnell in die spannende Vergangenheit dieses Landes und seiner Herrscher einlesen und die Münzen als passende Illustration entdecken.
Nach welchen Kriterien kann ich Tiroler Münzen sammeln?
Es gibt mehrere verschiedene Ansätze, welche Kriterien man wählen kann, um Tiroler Münzen zu sammeln. Die einfachste Variante ist die, alles zu sammeln, was zum eigenen Budget passt und im weitesten Sinne mit Tirol zu tun hat. Das Erfreuliche daran: man wird so viel Material finden, dass man nie an ein Ende kommt mit seiner Sammlung. Die zweite Variante wäre, sich auf ein ganz bestimmtes Nominal zu beschränken und es durch die Geldgeschichte zu verfolgen, den Kreuzer oder den Taler zum Beispiel. Dann gibt es natürlich die Sammler, die sich auf einen Herrscher oder eine Epoche konzentrieren. Maximilian I. zum Beispiel ist nicht nur eine faszinierende Persönlichkeit, sondern hat auch viele spannende Münzen in Auftrag gegeben. Last but not least gibt es natürlich die Sammler, die von jedem Tiroler Herrscher ein bestimmtes Nominal oder alle Nominale haben wollen. Ganz gleich, nach welchen Kriterien Sie sammeln: wichtig ist, dass Sie Spaß am Thema haben!
Noch ein paar Worte zum Schluss
Tirol ist für viele eine heiß geliebte Heimat und für noch mehr Menschen ein anregendes Urlaubsziel. Tiroler Münzen und Medaillen geben Ihnen die Möglichkeit, dieses Land in einer weiteren Dimension zu entdecken. Aber eines sollten Sie beim Sammeln immer im Auge haben: Überlegen Sie sich vorher, ob es Ihnen um den Spaß an der Freude geht oder auch um eine Wertanlage. Wenn letzteres der Fall ist, kaufen Sie bitte keine beschädigten Münzen. Um Fälschungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, nur beim Fachhändler zu kaufen, der die Echtheit der Stücke garantiert. Wenn Sie diese beiden Punkte beachten, werden Sie eine lange und nachhaltige Freude am neuen Sammelgebiet haben.
Wer sich für die Tiroler Numismatik interessiert, hat viele Möglichkeiten bei der Auswahl seines Sammelgebietes. Dazu unten mehr. Aber eine Regel gilt immer: Sie sollten Ihr Sammelgebiet passend zu Ihrem Budget wählen.
Sollten Sie über ein kleines Budget verfügen, empfehlen wir Ihnen die vielen unterschiedlichen Typen von Tiroler Kleinmünzen. Sie erhalten viele interessante Stücke bereits für einen zweistelligen Betrag. Für seltenere Typen und Varianten müssen sie mit 200 Euro und nur ganz, ganz selten mit mehr rechnen.
Für diesen Betrag bekommen Sie aber auch schon einen der häufigen Tiroler Taler in attraktiver Qualität. Denn viele Tiroler Taler wurden in großen Mengen geprägt, so dass ihr Preis nur bei den extrem seltenen und gut erhaltenen Stücken über die 1000 Euro Grenze steigt.
Die großen Seltenheiten der Tiroler Numismatik sind natürlich wesentlich teurer. Gerade bei den perfekt erhaltenen Schauguldinern der Renaissance kommt es immer wieder zu fünfstelligen Ergebnissen.
Vielleicht träumen Sie wie die meisten Sammler von der Ikone der Tiroler Numismatik, vom ersten Guldiner aus dem Jahr 1486, den Sigismund der Münzreiche prägen ließ. Hübsche Stücke können Sie, natürlich nur wenn Sie Glück haben, bereits zwischen 7.000 und 10.000 Euro erwerben. Perfekten Guldiner bringen ab 20.000 Euro.
Auktion 423
Die Geschichte Tirols im Bild der Münzen
Sie finden den Artikel in unserer Online-Ausgabe der Künker Exklusiv 33 von 2025 ab Seite 19.
Künker @ YouTube
Kurz und knackig präsentieren wir Ihnen mit unseren 1-Minuten-Vorschauen einen Überblick unseres Auktionsangebotes.
Maximilian:
Letzter Ritter und / oder Bankrotteur
Am 3. Juli 2025 versteigert Künker die Sammlung Hermann Wohnlich von Münzen und Medaillen aus Tirol. Darunter befindet sich ein eindrucksvolles Ensemble von Schaumünzen Maximilians I. Diese Münzen sind ein hervorragendes Zeugnis dafür, wie gut der Kaiser sich darauf verstand, sein Image zu pflegen. Die Nachwirkungen spüren wir noch heute.
Ein Zeugnis für den Machtanspruch der Habsburger: Die Dreikaiserprägung
Die Dreikaiserprägung.
Herr und Knecht: Der Huldigungstaler von 1528
Am 9. Januar des Jahres 1520 erließ der böhmische Landtag ein Edikt, in dem die technischen Daten einer Münze festgelegt wurden, deren Name Geschichte schreiben sollte. Der Joachimstaler Guldiner entstand. Sein Name lebt weiter in unserem Taler.
Wir feierten im Jahr 2020 also den 500. Geburtstag des Talers. Welch besseren Anlass gäbe es, seine Geschichte zu erzählen? Hier können Sie erfahren, welche Rolle der in Hall erfundene Guldiner dabei spielte.
Weiterführende Literatur
Immer noch grundlegend und äußerst inspirierend sind die Bände, die aus der Zusammenarbeit von Archivar Heinz Moser und Numismatiker Heinz Tursky entstanden sind.
- Die Münzstätte Hall in Tirol 1477-1665. Innsbruck 1977
- Die Münzstätte Hall in Tirol 1665-1809. Innsbruck 1981
- Mittelalterliches Geld- und Bankwesen zwischen Alpen und Adria. Bozen 2021
Tiroler Numismatischen Gesellschaft
Wir empfehlen außerdem eine Mitgliedschaft in der äußerst aktiven Tiroler Numismatischen Gesellschaft, die sich vor allem der Tiroler Numismatik widmet.Tiroler Numismatischen Gesellschaft
Lohnende Ausflüge
Absolut empfehlenswert ist es, die Burg Hasegg zu besuchen, wo man ein Walzprägewerk in Aktion beobachten kann.
Ebenfalls lohnen ist das Merkantilmuseum in Bozen. Dort sieht man nicht nur Münzen, sondern lernt viel über die Bedeutung Tirols als Knotenpunkt des Handels zwischen Italien und Nordeuropa.
https://www.handelskammer.bz.it/de/dienstleistungen/merkantilmuseum