- Was antike griechische Münzen so besonders macht.
- Wie sich Motive und Werte griechischer Münzen entwickelt haben.
- Wovon der Wert griechischer Münzen heute abhängt.
Das altgriechische Münzwesen reicht an die Anfänge der Münzprägung zurück und auch die Münze als Zahlungsmittel hat ihren Ursprung im antiken Griechenland. Somit nimmt die griechische Münze nicht nur eine bedeutende Rolle in der Numismatik ein, sie begründet die Münzkunde in gewisser Weise sogar. Die antike griechische Münzprägung dehnte sich über neun Jahrhunderte aus, deren Generationen einen beachtenswerten Einfluss auf die Entwicklung und Vielfalt der griechischen Münze hatten.
Obwohl das erste Metallgeld im Mittelmeerraum etwa 2000 v .Chr. in Form von bronzenen Haustier-Miniaturen zum Einsatz kam, brauchte es noch bis ins 7. Jahrhundert v. Chr. bis zum Auftakt der Münzprägung in der griechischen Welt. Die Einführung der Münze als handliches Zahlungsmittel soll – dem griechischen Geschichtsschreiber Herodot zufolge – um 650 v. Chr. in Kleinasien erfolgt sein. Unter dem lydischen König Alyattes II. wurden die ersten Münzen mit einem staatlich garantierten Edelmetallgehalt geschlagen und im Westen der heutigen Türkei herausgegeben.
Die zunächst einfachen Münzbilder mit knollenartigem Gepräge bestanden aus Elektron – einer natürlichen Legierung aus Gold und Silber. Alyattes Sohn, der der Legende nach unermesslich reiche Lyder-König Krösus, ließ die ersten Münzen in Gold prägen. Dem Unternehmergeist der griechischen Händler ist es zu verdanken, dass die griechische Münze begann, sich gegenüber dem Tauschhandel durchzusetzen. Sie verbreiteten die Münzprägung im Laufe des 6. Jahrhunderts im gesamten Mittelmeerraum.
Die ersten griechischen Silbermünzen wurden auf der Insel Aigina geprägt und zeigten das Abbild einer Meeresschildkröte, dem Symbol des Meeresgottes Poseidon. Es folgten Athen und Korinth, aber auch in vielen griechischen Kolonien war die Münzprägung verbreitet, beispielswiese auf Sizilien. Generell dominierten Tiermotive die ersten Münzbilder der antiken Geldstücke, gefolgt von Symbolen der Gottheit des jeweiligen Stadtstaates und mythologisch bedeutenden Motiven: Das Abbild der Eule stand für Athen, das Fohlen (der Pegasos) für Korinth, das Labyrinth für Kreta, die Biene symbolisierte Ephesos. Regional dominierten unterschiedliche Münzfamilien, Währungen, Gewichte und Metalle.
Unter Alexander dem Großen (336-323 v. Chr.) wurde das griechische Münzwesen systematisiert und vereinheitlicht, um den Anforderungen eines Großreiches gerecht zu werden. Makedonische Münzen aus der Zeit des Hellenismus (336-30 v. Chr.) zeigten den Kopf des jugendlichen Herakles mit dem Löwenfell. Alexander der Große war zudem der erste Herrscher, der sein Porträt auf Münzen prägen ließ. Die Nachfolger Alexanders (sog. „Diadochenstaaten“) führten die Prägungen zunächst unverändert fort, bevor sie zu eigenen Bildgestaltungen und den ersten Herrscherköpfen auf griechischen Münzen fanden.
Die Ausbreitung des römischen Reiches bereitete auch der eigenständigen griechischen Münzprägung ein Ende. 146 v. Chr. wurde Griechenland eine römische Provinz (Macedonia). An die Stelle der lokalen griechischen Götter- und Herrscherbilder trat allmählich das Kaiserporträt und aus den griechischen Münzen wurden römische Provinzialprägungen.
Die antike Drachme bestand in der Regel aus Silber. Die griechischen Nominalbezeichnungen der Münzen waren sowohl Gewichts- als auch Rechnungs- und Münzeinheiten. Wegen der Vielzahl der griechischen Stadtstaaten hatte die Drachme kein Einheitsgewicht. Das Gewicht war abhängig vom jeweiligen Münzfuß. Am verbreitetsten war im alten Griechenland der attische Münzfuß, eine Drachme mit rund 4 Gramm.
Aus dem Jahre 593 v. Chr. ist eine Münzreform aus Athen überliefert, bei der durch den Staatsmann Solon die Tetradrachme (= 4 Drachmen) eingeführt wurde. Eine der wichtigsten antiken Münzen war der Stater – eine Unterteilung des Tetradrachmen. Genau wie der heute noch bekannte Obolus, welcher den Wert einer sechstel Drachme hatte. Mehrfachstücke (Multipla) der Drachme dagegen bezeichnet man dementsprechend als Didrachme (= 2 Drachmen), Pentadrachme (= 5 Drachmen) oder Oktodrachme (= 8 Drachmen).
Die antike Drachme wurde schließlich nicht nur Vorbild für mittelalterliche Münzen, auch im neuzeitlichen Griechenland war die Drachme ab 1831 Währungseinheit, bis sie 2001 durch den Euro abgelöst wurde.
Mit einer antiken griechischen Münze erwerben Münzsammler ein Stück Geschichte der ältesten Währungseinheit der Welt, welches bis zu 2.500 Jahre alt ist. Die Originalexemplare aus den Anfängen der Münzprägung sind heute besonders wertvoll, denn nur wenige haben es bis in die heutige Zeit überstanden. Viele der altgriechischen Münzen gingen bei den Eroberungen der Königreiche verloren oder wurden eingeschmolzen. Wertvolle Raritäten findet man heutzutage in Museen oder besonders anspruchsvollen privaten Sammlungen.
Der Wert einer antiken griechischen Münze hängt von vielen Faktoren ab: Am stärksten gewichtet werden Münzen mit großer Seltenheit gepaart mit dem Detailreichtum der Prägung. Hinzu kommen der Erhaltungszustand und das Material, aus dem das Stück geprägt wurde. Münzbilder bekannter Stempelschneider wie Kimon, Eukleidas oder Eueinetos aus Syrakus sind von teils beeindruckender Qualität und bestechendem Naturalismus.
Die „Meisterwerke“ der griechischen Münzprägung wechseln nicht selten für fünfstellige Beträge ihre Besitzer. Die teuerste griechische Münze auf dem Markt soll derzeit über drei Millionen Dollar Wert sein. Andererseits werden genauso über 2000 Jahre alte Originale gehandelt, die für Sammler erschwinglich sind und es Münzliebhabern erlaubt, ein bedeutendes Stück Weltgeschichte zu erwerben.