KÖNIGREICH Christian V., 1670-1699. Silbermedaillon 1677,
KÖNIGREICH Christian V., 1670-1699. Silbermedaillon 1677,
Schätzpreis : 25.000 €
Zuschlag
Meine Notizen
Beschreibung
Von allergrößter Seltenheit. Vermutlich das dritte Exemplar in Privatbesitz. Von großer historischer und numismatischer Bedeutung. Vorzügliches Prachtexemplar der größten Barockprägung der Welt. Nachdem sich die schwedische Flotte von der verheerenden Niederlage an der Südspitze von Öland am 1. Juni 1676 einigermaßen erholt hatte, segelte der schwedische Admiral Freiherr Erik Sjöblad am 20. Mai 1677 von Göteborg durch das Kattegat in Richtung Süden ab, um sich mit dem Hauptteil der schwedischen Flotte in der Ostsee zu vereinigen. Um nicht auf die überlegenere dänische Flotte zu treffen, wählte Sjöblad die weitere Strecke durch den Großen Belt und nicht die nähere durch den Öresund. Südlich der Insel Møn kam es am 1. Juni 1677 dennoch zum Gefecht, in dem Sjöblads Schiffe sich ergeben mußten bzw. flohen.
Die schwedische Hauptflotte segelte am 11. Juni 1677 unter Befehl des Feldmarschalls Henrik Horn vom Stockholmer Schärengarten in Richtung Süden, um eine erneute Vereinigung der dänischen und niederländischen Flotte zu verhindern und um die Stadt Malmö zurückzuerobern. Am 24. Juni ankerte die schwedische Flotte bei der Insel Møn, kurz darauf erschien am Horizont in der Køgebucht die dänische Flotte unter Admiral Niels Juel. Weil Horn wußte, daß die niederländische Flotte mit Admiral Cornelius Tromp bereits unterwegs war, beschloß er den Angriff auf die Dänen, die deutlich weniger Schiffe und Kanonen als die Schweden hatten. Es entbrannte eine heftige Seeschlacht. Obwohl der dänische Admiral Niels Juel sowohl sein ursprüngliches Admiralsschiff "Christianus V" als auch das Ersatzschiff "Fredericus III" wegen schwerer Schäden verlassen mußte und den Befehl schließlich von der "Charlotte Amalia" führte, entschieden die Dänen den Kampf für sich und fügten den Schweden eine katastrophale Niederlage zu. Während auf dänischer Seite ca. 300 Mann getötet oder verletzt wurden, mußten die Schweden mehr als 4.000 Tote, Verletzte und Gefangene beklagen. Die schwedische Flotte war praktisch komplett untergegangen.
König Christian V., der die Schlacht vom Land aus beobachtet hatte, beauftragte den Hofmedailleur Christopher Schneider mit der Prägung einer enormen Medaille in bisher nicht gekannter Größe, die an das Ereignis erinnern und den Status Dänemarks als bedeutende Seemacht manifestieren sollte. Schneider benötigte für diese Arbeit mehr als zehn Jahre! Die Stempel, die in der Kgl. Mønt- og Medaillesamling in Kopenhagen aufbewahrt werden, wurden auch im 18. Jahrhundert benutzt, weil der dänische König die größte Barockmedaille der Welt als Geschenk verwendete. Nach 1750 sprang jedoch der Vorderseitenstempel, weshalb ein Drittel der heute bekannten Exemplare einen Stempelriß aufweist (siehe Bernhard F. Brekke, "Køge Bugt" Medaljen 1677, in: Nordisk Numismatisk Unions Medlemsblad 1992, S. 134-142).
Auf der Vorderseite wird gezeigt, daß Dänemark die "corona navalis" (die römische Belohnung für den ersten, der ein feindliches Schiff bestieg) dreimal hintereinander gewonnen hatte: 1) an der Südspitze von Öland, 2) bei Møn (auf der Medaille wird irrtümlich Langeland genannt) und 3) in der Køgebucht. Die Rückseite zeigt die Eroberung des schwedischen Schiffes "Mars" (mit der Bezeichnung am Achter: MARS SVECIÆ) durch das dänische Admiralsschiff "Christianus V". In Wirklichkeit hatte das dänische Schiff "Tre Løver" diese Leistung erbracht, Christopher Schneider wollte hier wohl seinem Monarchen schmeicheln.
Es handelt sich um die größte historische Prägung, die in technischer Hinsicht gelungen ist. Das nur wenige Millimeter größere Medaillon, das Peter Paul Werner 1733 im Auftrag des preußischen "Soldatenkönigs" Friedrich Wilhelm I. anläßlich seiner Truppenschau in einem Durchmesser von 132 mm anfertigte, weist immer einen Stempelriß auf, da der Vorderseitenstempel schon beim Härten sprang. Das ebenfalls nur etwas (ca. 1 cm) größere "Waterloo-Medaillon" des italienischen Medailleurs Benedetto Pistrucci (siehe unsere Auktion 120, Nr. 2317) existiert lediglich in galvanoplastischen Abdrücken der Modelle, da die Herstellung von Stempeln zu teuer war.
Wir freuen uns, Ihnen das Meisterstück des künstlerisch und technisch hochbegabten Medailleurs Christopher Schneider und eine der größten Prägungen der Welt anbieten zu können, von der Bernhard F. Brekke (NNUM 1992, S. 143-142) nur 12 Exemplare (darunter das vorliegende) kannte. Unser Exemplar, das keinen Stempelriß aufweist und deshalb zu den ersten um 1690 geprägten Exemplaren zählen dürfte, wurde höchstwahrscheinlich im Jahr 1800 in Kopenhagen von David Gotthard Hildebrand in der Auktion der Münzsammlung von Graf Holstein-Ledreborg erworben (freundlicher Hinweis von Jørgen Steen Jensen). Das Stück gehört zu den großen numismatischen Seltenheiten des Nordens, in den letzten 50 Jahren erschien am Markt einzig das Exemplar der Sammlung Holger Hede, das in der von Bruun Rasmussen und Bjarne Ahlström 1988 in Kopenhagen durchgeführten Auktion 235.000,-- dänische Kronen erzielte und dort ebenfalls Titelstück war.
Informationen zu Los 7265 aus Auktion 145
| Nominal/Jahr | Silbermedaillon 1677, |
|---|---|
| Seltenheit | Von allergrößter Seltenheit. Vermutlich das dritte Exemplar in Privatbesitz. Von |
| Zitate | Galster 124; Ossbahr 67 |