BADEN, MARKGRAFSCHAFT (BIS 1803), KURFÜRSTENTUM (1803-1806) UND GROSSHERZOGTUM (1806-1918)
BADEN, MARKGRAFSCHAFT (BIS 1803), KURFÜRSTENTUM (1803-1806) UND GROSSHERZOGTUM (1806-1918)
Schätzpreis : 10.000 €
Zuschlag
Meine Notizen
Beschreibung
RRRR II Sehr feine und seltene Anfertigung des wohl bedeutendsten Hofjuweliers Kaiser Napoléons I. aus dem Zeitraum zwischen 1805 und 1814, in einer für ihr Alter hervorragenden Erhaltung. Unseres Wissens handelt es sich hierbei, zusammen mit einem weiteren, nahezu identischen Exemplar (s. u.) um die älteste bekannte Metallausführung eines Bruststerns des badischen Hausordens der Treue.
Statutengemäß kamen zu jener Zeit ausschließlich gestickte Bruststerne (zum Annähen) zusammen mit dem Kleinod am Schulterband zur Verleihung. Diese erwiesen sich jedoch besonders für Diplomaten und hohe Staatsbeamte als unpraktisch, da es aus protokollarischen Gründen notwendig war, die Ordenssterne anlaßgemäß zu wechseln. Deshalb haben einige von ihnen bei Juwelieren Ausführungen in Metall mit rückseitig angebrachten Broschierungssystemen anfertigen lassen, die bedeutend leichter zu wechseln waren. Napoléon I. selbst mochte gestickte Stern überhaupt nicht und ließ sich für alle ihm verliehenen Orden von seinem Hofjuwelier Martin-Guillaumme Biennais (1764-1843) Ausführungen in Metall anfertigen. Seinem Beispiel folgten viele Würdenträger, wie aus deren Ordensnachlässen deutlich zu ersehen ist.
Ein weiteres, nahezu identisches Exemplar dieses hier angebotenen Bruststerns aus dem Besitz Kaiser Napoléons I. (ebenfalls mit gesicherter Provenienz) befindet sich derzeit in der Sonderausstellung „La Berline de Napoléon – Le mystère du butin de Waterloo“ im Museum der Ehrenlegion und der Ritterorden in Paris, und ist im gleichnamigen und 2012 erschienen Ausstellungskatalog (Hg. Jean Tullard) auf Seite 200 abgebildet.
Provenienz: Emmerich Joseph Duc de Dalberg (1773-1833); dessen einzige Tochter Marie Louise Pelline, verh. Lady Acton (1813-1860); deren Sohn John Emerich Edward Dalberg-Acton, 1st Baron Acton (1834-1902); dessen Sohn Richard Maximilian Lyon-Dalberg-Acton, 2nd Baron Acton (1870–1924); dessen Erben und Nacherben; Auktion „Orders, Decorations, Medals and Militaria“ bei Dix Noonan Webb in London am 5. Juli 2011 (Kat. Nr. 422), zusammen mit weiteren Ordensinsignien aus dem Besitz der Familie Acton. Siehe auch Katalog Nr. 9046, 9050, 9188, 9229, 9513.
Der Hausorden der Treue wurde am 23. November 1806 von Großherzog Carl Friedrich (1728-1811) an Emmerich Joseph Freiherrn von Dalberg für seine großen Verdienste um das Großherzogtum Baden als dessen Geheimer Rat, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister bei der Republik Frankreich und dem Französischen Kaiserreich verliehen.
Emmerich Joseph Freiherr v. Dalberg (30.05.1773 Mainz - 27.04.1833 Herrnsheim) war der Sohn von Wolfgang Heribert Freiherrn v. Dalberg (1750 – 1806) und dessen Ehefrau Maria Elisabeth Freiin v. Ullner von Diepurg, und Neffe des älteren Bruders seines Vaters, Karl Theodor Freiherrn v. Dalberg (1744-1817), Kurfürst-Erzbischof von Mainz und Regensburg, Reichserzkanzler, Fürstbischof von Konstanz und Worms, Fürst-Primas des Rheinbundes und Großherzog von Frankfurt. 1800 wurde er Wirklicher Rat bei der Finanzabteilung des General-Landkommissariats im Großherzogtum Baden, 1803 badischer Geheimer Rat, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister bei der Republik Frankreich, 1806 Wirklicher Geheimer Rat mit Sitz und Stimme im badischen Ratskollegium, 1809 Leiter der auswärtigen Angelegenheiten im Großherzogtum Baden. 1809 berief ihn Kaiser Napoléon I. in französische Dienste (Annahme der französischen Staatsbürgerschaft). 1810 wurde er zum Duc [Herzog] de Dalberg erhoben und zum kaiserlich Staatsrat ernannt. 1814 wurde er Mitglied der provisorischen französischen Regierung Talleyrand, 1814/15 bevollmächtigter Minister Frankreichs am Wiener Kongreß, 1815 Premierminister und Pair von Frankreich und 1816 (bis 1830) Gesandter im Königreich Piemont-Sardinien. Er war verheiratet mit Marie Pellegrine Brignole Sale (1787-1825), einer Palastdame der französischen Kaiserin Marie-Louise; sie hatten eine Tochter, Marie Louise Pelline (s.o.).
Dalberg wurde außerdem 1814 bzw. 1816 von König Ludwig XVIII. das Großkordon bzw. Großkreuz des Königlichen Ordens der Ehrenlegion verliehen, nachdem er schon 1811 Mitglied der Ehrenlegion geworden war. 1820 hat ihm Ludwig XVIII. den Orden vom Hl. Geist verliehen. Des Weiteren hat er 1817 von das Großkreuz des Ordens des hl. Ferdinand und für Verdienst des Königreichs Beider Sizilien erhalten.
Der einklassige Hausorden wurde am 17. Juni 1715 durch Markgraf Karl III. Wilhelm von Baden-Durlach gestiftet. 1716 wurde der Ordensstern eingeführt. 1803 wurde der Orden vom Kurfürstentum übernommen, zunächst zweiklassig (Großkreuz und Kommandeur), 1806 vom Großherzogtum übernommen, ab 1808 formal dreiklassig (Ritterkreuz, das nie ausgegeben wurde), ab 1809 wieder einklassig. 1902 wurde das Prinzessinenkreuz gestiftet. Seit dem Ende des Großherzogtums existiert er als Hausorden weiter.
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Informationen zu Los 9001 aus Auktion 215
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