HESSEN (-DARMSTADT) UND BEI RHEIN, LANDGRAFSCHAFT (BIS 1806) UND GROSSHERZOGTUM (1806-1918)
HESSEN (-DARMSTADT) UND BEI RHEIN, LANDGRAFSCHAFT (BIS 1806) UND GROSSHERZOGTUM (1806-1918)
Schätzpreis : 75 €
Zuschlag
Meine Notizen
Beschreibung
II Exemplar aus dem Besitz des späteren russischen Generaladjutanten Emil Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Seine Orden, aufgeteilt in zwanzig einzelnen Auktionspositionen, wurden am 4. Juni 2011 in Frankfurt am Main zu insgesamt 249.000,- plus Aufgeld an verschiedene Interessenten zugeschlagen.
Emil Karl Adolf, Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, Durchlaucht, wurde am 21. April 1824 als erster Sohn des großherzoglich hessischen Obersten August Ludwig Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1788-1874), und dessen Gemahlin Franziska (1802-1878) in Darmstadt geboren. 1840, im Alter von 16 Jahren, trat er als Leutnant in das großherzoglich hessische Garde-Chevauleger-Regiment ein. 1842 wurde er zum Oberleutnant, 1844 zum Rittmeister und zum Flügeladjutanten des Großherzogs und 1845 zum Major befördert. Im gleichen Jahr nahm er als Begleiter von Alexander Prinz von Hessen (1823-1888) am Kaukasus-Feldzug unter dem russischen Vizekönig Fürst Michail Semjonowitsch Woronzow (1782-1856) teil, und focht in der Schlacht von Dargo gegen Imam Schamyl (1797-1871). 1848 nahm er unter dem Kommando des preußischen Generals Friedrich Freiherrn von Wrangel („Papa“ Wrangel, 1784-1877) am Schleswig-Holsteinischen Krieg teil.
Aufgrund seiner deutlich konservativen Gesinnung 1848 aus dem hessischen Heer entlassen, trat er im Januar 1849, als Hauptmann in russische Dienste ein. Im Dezember des gleichen Jahres wurde er wieder zum Major und zum Adjutanten des russischen Vizekönigs im Kaukasus, Fürst Woronzow, ernannt. Er nahm in der Folgezeit unter General Fürst Alexander Baryatinski (1814-1879) an mehreren Feldzügen im Kaukasus teil und wurde 1852 zum Oberst 2. Ranges (Oberstleutnant) befördert. Noch im gleichen Jahr berief ihn Zar Nikolaus I. Pawlowitsch (1796-1855) zum Flügeladjutanten. Während des Krimkrieges (1853-1856) diente er zunächst als Inspektor der Feldlazarette, wurde aber bald wieder in den Kaukasus unter das Oberkommando von General Mourawieff entsandt, wo er im Dezember 1854 zum Truppenkommandeur eines Kosaken-Regiments ernannt wurde. Nach dem Tod Zar Nikolaus I. am 18. Februar 1855 wurde er zusammen als Adjutant des Zaren mit Ukas von dessen Nachfolger Alexander II. (1818-1881) bestätigt. Im März 1856 erfolgte die Beförderung zum Obersten 1. Klasse. Als Teilnehmer bei den Friedensverhandlungen in Paris im März 1856, die zum Dritten Pariser Frieden von 1856 führten, lernte er die aus dem rumänisch-moldawischen Hochadel stammende Prinzessin Pulcheria Cantacuzino Pascanu (1840-1865), die er schon am 15. Juni 1856 in Wiesbaden heiratete.
Zwischen 1859 und 1862 nahm er an mehreren Feldzügen im Kaukasus teil und von 1862 bis 1865 diente er unter dem Oberkommando von Vizekönig Großfürst Konstantin Nikolajewitsch von Rußland (1827-1892) in Warschau, wo er, im März 1863 zum Generalmajor befördert, an der Niederschlagung des polnischen Aufstands von 1863/1864 und an der Durchführung der Agrarreform in Polen beteiligt war.
Nach dem Tod seiner Gemahlin ging er 1866 in den Ruhestand. 1868 heiratete er morganatisch die von Großherzog Ludwig III. von Hessen und bei Rhein (1806-1877) zur Freifrau von Kleydorff erhobene polnische Ballettänzerin Camilla Stefánska (1840-1902). Im Gefolge von Zar Alexander II. (1818-1881) nahm er noch am Russisch-Osmanischen Krieg von 1877/1878 im Donau-Raum teil, der für Rumänien zur völligen, für Bulgarien zur teilweisen Unabhängigkeit führte. Krankheitsbedingt noch vor Kriegsende nach Deutschland zurückgekehrt, starb er am 16. September 1878 in Egern am Tegernsee.
Im Laufe seiner langen Karriere hat er zahlreiche hohe Orden und Ehrenzeichen aus Beiden Sizilien, Hessen, Frankreich, Griechenland, Nassau, dem Osmanischen Reich, Persien, Preußen, dem Russischen Reich und Sachsen Weimar verliehen bekommen. Vgl. hierzu: Autengruber, Michael: Wie ein „Haufen“ Orden seine Identität zurück erhielt . . . . In: Militaria. 34. Jahrgang (2011), Heft 6, S. 229-235. Und in: Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Ordenskunde. Nr. 85 (2012), S. 1-16.
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