Vor- und Nachberichte
Frühjahrs-Auktionen 438-441
Spezialsammlungen und Nachlässe in unseren Frühjahrs-Auktionen

Antike Münzen mit großen Partien Kelten und Byzanz, frühneuzeitliche Münzen aus Dänemark, Habsburg, Malta, Norwegen, Polen, Württemberg, Sachsen, Sachsen-Coburg-Gotha und dem Habsburger Reich, und last but not least Orden aus dem Nachlass von Wilhelm Herzog in Bayern - das ist unsere Frühjahrs-Auktion.

Wenn es um die Auflösung großer und bedeutender Sammlungen geht, dann sind unsere Auktionen die beste Lösung. So sehen es heute viele Sammler, was die Auktionen im Frühjahr beweisen. Sie finden vom 16. bis zum 20. März 2026 in Osnabrück statt und enthalten etliche bedeutende und umfangreiche Sammlungen.

1.
Münzen der antiken Welt

Drei große Sammlungen beherrschen unsere Auktion 438 mit Münzen der antiken Welt. Angeboten werden die Sammlung Topp / Dormagen, die Sammlung Jürgen und Erika Schmidt / Bovenden und die Everglades Collection. Das heißt für jeden, der antike Münzen liebt, dass er aus allen Bereichen sorgfältig ausgewählte Münzen findet, die das Sammlerherz höherschlagen lassen.

2.
Keltische Münzen

Das gilt vor allem für die keltischen Münzen, die zum größten Teil aus der Sammlung Topp stammen. Abgedeckt wird mit mehr als 100 zum Teil hochkarätigen Losen das volle Spektrum von England bis zum Balkan. Vor allem Gallien ist hervorragend vertreten durch etliche frühe Nachahmungen der Goldmünzen Philipps II., wie sie von den Münzen inspiriert wurden, die keltische Söldner während der makedonischen Feldzüge verdient hatten.

Höhepunkt ist ein äußerst seltener Goldstater des Vercingetorix, der es bis in die moderne Populärkultur geschafft hat. Einst gelang es dem Fürsten der Averner, die keltischen Stämme gegen die Römer zu vereinen und so fast Caesars Eroberung Galliens zu verhindern. Im 19. Jahrhundert wurde Vercingetorix zu einem Symbol französischer Identität und als solches sieht man ihn noch heute in Asterix-Comics und Filmen, wenn er Caesar bei seiner Kapitulation die Waffen nicht vor, sondern auf die Füße wirft. Münzen, auf denen sein Name zu lesen ist, gehören zu den großen und begehrten Raritäten der keltischen Numismatik.

GALLIA ANONYM. AV-Stater (Philippeier), Typ "Pons Sainte-Eanne", frühes 2. Jahrhundert v. Chr.;
GALLIA ARVERNI. Vercingetorix, 52 v. Chr. AV-Stater;
GERMANIA VINDELIKER. AV-Stater (Regenbogenschüsselchen), 75/50 v. Chr.;
3.
Griechische Münzen

Auch im Bereich der griechischen Münzen finden Sie viele sorgfältig ausgewählte Stücke von großer Schönheit und in ausgezeichneter Qualität. Für Freunde des amerikanischen Gradings sei angemerkt, dass alle Münzen der Everglades Collection bewertet sind. 

Interessant ist eine Partie von 20 Kyzikenern, jenen Elektronstateren, die auf der Vorderseite immer den Thunfisch zeigen.

Das Ehepaar Schmidt interessierte sich vor allem für die Feinde der Römer, für jene Völker, die im Osten an der Grenze des römischen Reichs lebten. Sie werden eine reiche Auswahl an parthischen und sasanidischen Prägungen finden, darunter auch selten zu sehende Herrscher und Herrscherinnen wie eine Tetradrachme von Phraatakes und Musa sowie eine Drachme der Königin Buran und der gesamten königlichen Familie Vahrans II. Natürlich gibt es auch ein umfassendes Angebot baktrischer Prägungen aus der Sammlung Schmidt. Wenn Sie also die antiken Kulturen des Ostens reizen, nehmen Sie sich die Zeit, den Katalog in Ruhe zu studieren.

SICILIA SYRAKUS. Agathokles, 317-289 v. Chr. AV-100 Litren, 295/289 v. Chr.;
CARIA RHODOS. AV-Stater, 125/88 v. Chr,
PARTHIA Phraatakes, 2 v. - 4 n. Chr. und Musa. AR-Tetradrachme, Daisios 312 seleukidischer Ära (= Mai 1 n. Chr.), Seleukeia am Tigris;
SASANIDEN Buran, 630-631. AR-Drachme, Jahr 2, SK (Sakastan);
ZEUGITANIA KARTHAGO. AV-Trihemistater, um 260 v. Chr.;
4.
Gold, Silber und Bronze aus Rom

Natürlich gibt es auch im Bereich der römischen Münzen eine Fülle von spannenden Stücken zu entdecken. Ganz gleich, ob Sie Münzen der Republik, der Bürgerkriegszeit, der Kaiserzeit oder Spätroms sammeln, ganz gleich wie hoch Ihr Budget ist. Sie finden in dieser Auktion das Stück Ihrer Träume.

IMPERATORISCHE PRÄGUNGEN M. Iunius Brutus. AR-Denar, 42 v. Chr., Lagermünzstätte in Kleinasien oder Nordgriechenland,
MÜNZEN DER RÖMISCHEN KAISERZEIT Tiberius, 14-37. Æ-Spintria, 22/37, Rom;
MÜNZEN DER RÖMISCHEN KAISERZEIT Pertinax, 193. AV-Aureus, Rom;
5.
Eine umfangreiche Sammlung byzantinischer Münzen

Zum größten Teil aus der Sammlung Topp stammen die byzantinischen Raritäten, die in Auktion 438 angeboten sind. Freuen Sie sich auf seltene Solidi in Erhaltungen, wie man sie nur selten sieht. Höhepunkt ist ein wohl unpublizierter Solidus, der während der Revolte der Heraclii entstanden ist. Damals rebellierte der Exarch von Karthago, Herakleios und sein gleichnamiger Sohn gegen den unbeliebten Phokas. Bemerkenswert sind Titel und Tracht der beiden: Sie bezeichnen sich nämlich auf dieser Münze als Konsuln, ein Titel, den ihnen der Senat von Karthago verliehen hatte. Das ist nicht die einzige Seltenheit. Die Sammlung Topp versammelt viele Münzen historisch interessanter Persönlichkeiten, so auch einen Solidus der Kaiserin Irene und einen des Michael III. mit seiner Mutter Theodora und seiner Schwester Thekla.

BYZANZ Die Revolte der Heraclii, 608-610. AV-Solidus, unbestimmte Münzstätte;
BYZANZ Irene, 797-802. AV-Solidus, 802, Constantinopolis;
BYZANZ Michael III., 842-867 mit Theodora und Thecla. AV-Solidus, 842/843, Constantinopolis;
6.
Raritäten der Gupta

Freunde der indischen Kultur werden in dieser Auktion zwei überaus seltene Goldmünzen der Gupta finden. Sie wurden von Kumaragupta I. zwischen 415 und 455 geprägt. Seine Regierungszeit gilt heute als späte Blüte des Guptareiches, in der Wirtschaft und Kunst sich noch einmal entfalten konnten, ehe regionale Interessen das Guptareich nachhaltig schwächten und den langsamen Machtverlust einleiteten.

GUPTA IN INDIEN Kumaragupta, 414-455. AV-Stater, Rhinoceros-Slayer-Typ;
GUPTA IN INDIEN Kumaragupta, 414-455. AV-Stater, Elephant Rider-Typ;
7.
Altdeutschland

Auf drei Kataloge verteilt finden Sie die Münzen aus Altdeutschland: 

• Goldmünzen und -medaillen in Auktion 439, 

• Silbermünzen und -medaillen mit der Sammlung Dr. Wolfgang Kümpfel Sachsen, Coburg und Gotha in Auktion 441,

• sowie Württembergischen Raritäten aus der Sammlung Gaiser in der Auktion 440. 

Und das sind nur einige Stichpunkte zum Thema Altdeutschland.

Wir präsentieren Ihnen in diesem Vorbericht nur einige von vielen Highlights. Aus Preußen stammt zum Beispiel eine Prämienmedaille der Leopoldinisch-Carolinischen Akademie, die 1893 an Professor Adolf Fick verliehen wurde (Los 2380). Adolph Fick war der wohl bedeutendste Physiologe des 19. Jahrhunderts. Er arbeitete sowohl mathematisch als auch experimentell und ging so einen völlig neuen Weg in der medizinischen Forschung. Noch heute sprechen Kardiologen von einem Fickschen Prinzip und Physiker von den Fickschen Gesetzen. Wie wichtig dieser Forscher für die Entwicklung der modernen Medizin war, sei daran gezeigt, dass sein Wikipedia-Artikel in 33 Sprachen übersetzt ist.

Eine Nürnberger Goldmedaille (Los 2458) erinnert an ein zentrales Ereignis der Geldgeschichte im 30-jährigen Krieg. Am 15. Mai 1624 beschlossen auf einem Probationstag in Regensburg die drei südwestdeutschen Reichskreise Schwaben, Franken und Bayern, ein neues, stabiles Kursverhältnis zwischen Kleinmünzen und wertbeständigen Münzen wie Taler und Dukat. Damit endete im Süden des Reiches die verheerende Kipper- und Wipperzeit, die den Handel durch die unberechenbare Geldverschlechterung nachhaltig geschädigt hatte. Dass sich hier die drei großen Reichsstädte Augsburg, Regensburg und Nürnberg die Einhaltung der Konvention - zumindest auf ihrem Gebiet - garantierten, darf als großer diplomatischer Erfolg gewertet werden. Man schreibt die unsignierte Medaille, die daran erinnert, heute Christian Maler zu, der 1603 die Werkstatt seines Vaters in Nürnberg übernahm und dort bis nachweislich 1625/27 arbeitete. Er erhielt übrigens im Jahr 1613 ein kaiserliches Privileg, dass all seine Medaillenentwürfe vor Nachahmungen schützen sollte.

Wer sich für Brakteaten interessiert, entdeckt - verteilt über den gesamten Bereich Altdeutschland - eine reiche Auswahl in Auktion 441. Sie stammen aus der Sammlung Jürgen und Erika Schmidt. Sie zeichnen sich durch Qualität und künstlerischen Anspruch aus. Man sieht, wie sorgfältig das Sammlerehepaar die Stücke selektierte. Es gelang, etliche Raritäten zu erwerben. Zu ihnen gehört ein Brakteat der Abtei Quedlinburg von Äbtissin Beatrix II. von Winzenburg (Los 4350), einer der mächtigsten Frauen der hochmittelalterlichen Kirchenhierarchie Deutschlands. Auf sie gehen gleich mehrere Klostergründungen zurück. Machtbewusst lässt sie sich im vollen Ornat darstellen: Sie thront auf einem Faltstuhl, wie er für offizielle Anlässe genutzt wurde, und hält als Insignien ihres Amtes ein offenes Buch und den Kreuzstab. Dieser Brakteat gehört darüber hinaus zu den seltenen Beispielen, auf denen eine deutlich lesbare Legende zu sehen ist.

Erwähnen wir zuletzt den prachtvollen Reichstaler Augusts des Starken mit der Darstellung des polnischen Ordens des Weißen Adlers (Los 4464). Er wurde 1705 von gestiftet, um Augusts Anhänger zu belohnen, die ihm wieder auf den Thron verholfen hatten. Die ungewöhnliche Münzinschrift "Restaurator Ordinis Aquilae Polonicae" (= Wiederhersteller des Ordens des polnischen Adlers) geht darauf zurück, dass August sich auf einen - in Wirklichkeit - inexistenten Orden König Władysławs I.berief, den er vorgab, neu belebt zu haben. So umging er den Widerstand des polnischen Adels gegen die neue Auszeichnung.

PREUSSEN Friedrich Wilhelm II., 1786-1797. Goldmedaille o. J. (1789, graviert 1893),
NÜRNBERG STADT Goldmedaille 1624,
SACHSEN Anton, 1827-1836. Goldmedaille 1831,
HAMELN STADT Reichstaler (24 Groschen) 1639,
MÜHLHAUSEN IN THÜRINGEN STADT Reichstaler 1619,
QUEDLINBURG ABTEI Beatrix II. von Winzenburg, 1138-1160. Brakteat.
SACHSEN Friedrich August I., 1694-1733 (August der Starke). Reichstaler o. J. (1705), Dresden,
8.
Große Serie Löser

Erneut können wir eine große Partie von Braunschweiger Lösern anbieten. Darunter befindet sich ein äußerst seltenes Exemplar zu 10 Reichstalern von 1614, das Friedrich Ulrich in Goslar oder Zellerfeld prägen ließ. Ebenfalls angeboten wird ein Löser zu zwei Reichstalern auf den Tod Augusts des Jüngeren sowie ein Löser Friedrichs zu 4 Reichstalern von 1639 aus Clausthal.

BRAUNSCHWEIG UND LÜNEBURG BRAUNSCHWEIG-WOLFENBÜTTEL Friedrich Ulrich, 1613-1634. Löser zu 10 Reichstalern 1614, Goslar oder Zellerfeld.
BRAUNSCHWEIG UND LÜNEBURG BRAUNSCHWEIG-WOLFENBÜTTEL August der Jüngere, 1635-1666. Löser zu 2 Reichstalern 1666, Zellerfeld,
BRAUNSCHWEIG UND LÜNEBURG BRAUNSCHWEIG-LÜNEBURG-CELLE Friedrich, 1636-1648. Löser zu 4 Reichstalern 1639, Clausthal.
9.
Sammlung Dr. Wolfgang Kümpfel: Sachsen-Coburg-Gotha

60 Lose der Ernestischen Linien in Coburg und Gotha kommen am Nachmittag des 19. März 2026 zur Versteigerung. Sie stammen aus der Sammlung des Chemikers Dr. Wolfgang Kümpfel, der sich mit Begeisterung für seine Geburtsstadt Gotha einsetzt. Ihn faszinierte ihre Geschichte, inspiriert von der ehemaligen Residenz, in der sich so viele Zeugnisse einstiger Größe bewahrt haben. Deshalb legte der Sammler bei der Auswahl seiner Stücke auf ihre historische Bedeutung und auf attraktive Darstellungen Wert. Ein gutes Beispiel dafür ist der Taler von 1680 auf den Bau von Schloss Friedrichswerth - nicht zu verwechseln mit Schloss Friedenstein in Gotha - oder der Dukat von 1692, der im Auftrag Friedrichs II. von Sachsen-Gotha-Altenburg auf seine Huldigung in Gotha geprägt wurde. Wir wissen, dass der Fürst damals 45 Stücke dieser mit insgesamt 115 Stücken winzigen Emission erhielt, um sie als Geschenke an fürstliche Besucher der Huldigungszeremonie zu verteilen.

SACHSEN-GOTHA Friedrich I. allein, 1675-1680-1691. Taler nach zinnaischem Fuß 1680, Gotha,
SACHSEN-GOTHA Friedrich II., 1691-1732. Dukat 1692, Gotha,
10.
Sammlung Heinz-Falk Gaiser: Württemberg, Teil 3

Mittlerweile sind wir bei der dritten und letzten Auktion mit württembergischen Münzen der Sammlung Heinz-Falk Gaiser angelangt. Sie umfasst 153 Lose aus der Periode von 1797 bis 1918. Wieder sind zahlreiche Raritäten in außergewöhnlicher Erhaltung zu entdecken, die nicht nur Sammler württembergischer Münzen entzücken werden. Dazu gehören der äußerst seltene Friedrichs d'or von 1810 mit dem Königstitel, der so genannte Königstaler von 1806 und der sehr seltene, außergewöhnlich gut erhaltene Konventionstaler von 1809. Für all diejenigen, die sich für Münzen des Kaiserreichs interessieren: Vergessen Sie nicht, sich auch die Sammlung Gaiser anzusehen. 13 außergewöhnlich gut erhaltene Stücke stammen aus dieser Periode.

WÜRTTEMBERG Friedrich II. (I.), 1797-1806-1816. Friedrichs d'or 1810.
WÜRTTEMBERG Friedrich II. (I.), 1797-1806-1816. Konv.-Taler 1806.
WÜRTTEMBERG Friedrich II. (I.), 1797-1806-1816. Konv.-Taler 1809.
REICHSSILBERMÜNZEN WÜRTTEMBERG Wilhelm II., 1891-1918. 3 Mark 1916.
11.
Deutsche Münzen nach 1871

Und damit sind wir beim Thema Kaiserreich: Natürlich haben wir auch diesmal ein umfassendes Angebot an Münzen nach 1871 im Angebot. Viele Stücke stammen aus der Sammlung Jürgen und Erika Schmidt, darunter eine interessante Partie von Kleinmünzen in Stempelglanz sowie etliche Münzen der Weimarer Republik in Polierter Platte. 

Außergewöhnlich ist außerdem eine kleine, aber sehr feine Partie von Proben von Reichssilbermünzen.

REICHSKLEINMÜNZEN 5 Pfennig 1874 F.
REICHSSILBERMÜNZEN OLDENBURG Friedrich August, 1900-1918. 5 Mark 1900.
REICHSGOLDMÜNZEN SACHSEN-MEININGEN Georg II., 1866-1914. 20 Mark 1882.
REICHSGOLDMÜNZEN DEUTSCH-NEU-GUINEA 10 Neu-Guinea Mark 1895 A.
WEIMARER REPUBLIK 5 Reichsmark 1927 A.
PROBEN VON REICHSSILBERMÜNZEN SACHSEN Georg, 1902-1904. 5 Mark 1902 E,
12.
Münzen des Habsburgerreichs aus der Sammlung Dr. Herbert Wenzel u. a.

Auch in dieser Auktion wird ein umfangreicher Teil der spektakulären Sammlung Kommerzialrat Dr. Herbert Wenzel, Wien, angeboten. Es handelt sich um Münzen des Habsburgerreiches, die sich durch ihre Seltenheit und ihre außergewöhnliche Qualität auszeichnen. Wir nennen an dieser Stelle ein im Gewicht von 8 Dukaten bisher unbekanntes Multiplum von Matthias, geprägt 1609 in Wien (Los 2264) sowie eine tragbare Goldmedaille zu 40 Dukaten von 1711 auf die Ankunft Kaiser Karls VI. anlässlich seiner Krönung in Frankfurt (Los 2287). Bei diesem Stück dürfte es sich um ein Unikum handeln.

Bemerkenswert ist auch der vierfache Schautaler von 1629, den Ferdinand III. in Prag prägen ließ (Los 4757). Die Numismatik des 19. Jahrhunderts wollte die Prunkausgabe mit der kaiserlichen Genesung von den Pocken erklären, was ziemlich unwahrscheinlich ist. Viel realistischer ist eine Verwendung als diplomatisches Geschenk im Rahmen des Regensburger Kurfürstentag. Ferdinand II. versuchte damals, die Wahl seines Sohnes zum König durchzusetzen. Dies scheiterte, weil die spanischen Habsburger in den Niederlanden militärische Hilfe benötigten. So musste der Kaiser bei diesem Treffen im Tausch gegen die Unterstützung der Reichsfürsten nicht nur auf das Versprechen verzichten, seinen Sohn zum König zu wählen, sondern auch den bei den Kurfürsten sehr unbeliebten Wallenstein opfern.

Beenden wir unsere kleine Exkursion ins Habsburgerreich mit einem Konventionstaler aus dem Jahr 1790, der in Wien für Ungarn geprägt wurde (Los 4896). Außergewöhnlich ist an dem interessanten Stück vor allem seine Erhaltung. Es handelt sich um einen perfekt erhaltenen Erstabschlag aus besonders frischen Stempeln, der jedes Detail der Darstellung zeigt.

RÖMISCH-DEUTSCHES REICH Matthias, 1608-1612-1619. 8 Dukaten 1609, Wien.
RÖMISCH-DEUTSCHES REICH Karl VI., 1711-1740. Tragbare Goldmedaille zu 40 Dukaten 1711,
RÖMISCH-DEUTSCHES REICH Ferdinand III., 1625-1637-1657. Vierfacher Schautaler 1629, Prag,
RÖMISCH-DEUTSCHES REICH Leopold II., 1790-1792. Konv.-Taler 1790 A, Wien,
13.
Polnische Raritäten

Interessieren Sie sich für polnische Münzen? Dann werden Sie begeistert sein von dem, was wir in unserer Auktion 439 zu bieten haben. Mehrere Großgoldmünzen von Sigismund III. sowie das, was man unter polnischen Sammlern einen weißen Raben nennt, den Dukat von 1630 aus Bromberg. 

Die Münzprägung Sigismunds III. genießt bei polnischen Sammlern geradezu ikonischen Status, weil unter ihm das Münzwesen in beispiellosem Maße ausgebaut wurde. Eine Fülle von neuen Münzstätten entstanden. Man spricht von neun königlichen und sechs städtischen Münzstätten. Kenner der polnischen Münzprägung begeistern sich für den fabelhaften Stempelschnitt, der vor allem bei der Goldprägung Anwendung fand.

Highlight der angebotenen Partie ist ein äußerst seltener Portugalöser zu 10 Dukaten von Sigismund III. (Los 2173), vermutlich aus Krakau. Aber auch die anderen Stücke haben es in sich. Zwei weitere äußerst seltene 10-fache Dukaten werden angeboten, einer mit dem Prägeort Olkusz, ein weiterer aus Vilnius. Dazu kommen zwei Dukaten, einer von Sigismund I. geprägt 1532 in Krakau, und dann der berühmte "weiße Rabe", der Dukat Sigismunds III. des Jahres 1630 aus Bromberg. Er gilt als äußerst selten. Tatsächlich scheinen lediglich zwei Exemplare auf dem freien Sammlermarkt zu kursieren. Scheint deshalb, weil wir Probleme haben, die Abbildungen aus alten Auktionskatalogen eindeutig mit modernen Münzen zu identifizieren. Wahrscheinlich stammt das bei Künker 2021 und jetzt erneut versteigerte Stück aus den Sammlungen Chelminski - Otto Helbing (25. April 1904) - und Frankiewicz - Felix Schlessinger (15. September 1930). Allerdings wurden für die Lichtdrucktafeln der alten Auktionskataloge von den Münzen Gipse angefertigt, auf eine Tafel geklebt und so das gesamte Foto der Tafel gemacht. Deshalb lässt sich die Form des Schrötlings in alten Auktionskatalogen nicht bestimmen, was die eindeutige Identifizierung einer Münze, die sich heute auf dem Markt befindet, mit einem Foto in einem alten Auktionskatalog erschwert.

Übrigens, auch beeindruckende Prägungen aus den Städten Danzig und Thorn gibt es in Auktion 439 zu entdecken.

POLEN KÖNIGREICH Sigismund III., 1587-1632. Portugalöser zu 10 Dukaten o. J., vermutlich Krakau.
POLEN KÖNIGREICH Sigismund III., 1587-1632. Dukat 1630, Bromberg.
POLEN DANZIG Stadt. 3 1/2 Dukaten 1650,
14.
Spezialserie: Johanniter auf Rhodos und Malta

Der Johanniterorden und seine Münzprägung ist ebenfalls ein sehr beliebtes Sammelgebiet. 27 Lose können Sie in unserer Auktion 439 entdecken, darunter zahlreiche große Seltenheiten wie eine Zecchine, die sozusagen am Übergang zwischen Rhodos und Malta steht (Los 2131). Sie stammt von Philippe Villiers de l'Isle-Adam, der 1521 Großmeister wurde. Er erwartete die Invasion des osmanischen Heeres, die tatsächlich im Juni des Jahres 1522 begann. Trotzdem monatelangem Kampf konnten sich die Johanniter nicht halten. Sie kapitulierten gegen freien Abzug mit Waffen und persönlichem Besitz am 22. Dezember 1522. Damit verlor der Orden nach 213 Jahren sein Hauptquartier auf Rhodos. Kaiser Karl V. begann sofort, nach einer sinnvollen Alternative zu suchen. Diese fand sich allerdings erst im Jahr 1530, als Malta den Johannitern als erbliches Lehen übergeben wurde. Als Tribut war nur ein einzelner Falke pro Jahr vereinbart. Es handelt sich um jenen in der Populärkultur nur allzu bekannten Malteserfalken, den Dashiell Hammett unsterblich machte. Wo genau die Zecchine geprägt wurde, die wir mit einer Schätzung von 7.500 Euro anbieten, ist nicht gesichert. Sie könnte durchaus noch 1522 während der Belagerung auf Rhodos entstanden sein.

MALTA JOHANNITERORDEN Philippe Villiers de L'Isle Adam, 1530-1534. Zecchino o. J., vermutlich Rhodos.
15.
Ausland

Natürlich finden Sie noch viele andere Seltenheiten aus dem Ausland in den Auktionen 439 und 441. So zum Beispiel eine Partie von je 26 dänischen Gold- und Silbermünzen, zum größten Teil aus einer Sammlung aus adligem Privatbesitz. 

Hier sehen Sie einige besonders bemerkenswerte Stücke des Auslands:

DÄNEMARK KÖNIGREICH Christian V., 1670-1699. Dukat 1692, Kopenhagen.
FRANKREICH KÖNIGREICH Philippe IV, le Bel, 1285-1314. Masse d'or o. J. (1296), 1. Emission.
GROSSBRITANNIEN / IRLAND ENGLAND James I, 1603-1625. Rose Ryal o. J. (1605-1606), London.
ITALIEN SARDINIEN Karl Emanuel III., 1730-1773. 5 Doppie 1755, Turin.
NIEDERLANDE HAARLEM Goldmedaille 1778,
PORTUGAL KÖNIGREICH Sancho I., 1185-1211. Morabitino (180 Dinheiros), Coimbra.
RUSSLAND KAISERREICH Nikolaus I., 1825-1855. 3 Rubel Platin 1828, St. Petersburg.
PERU Philipp V., 1700-1727, 1. Regierungsperiode. 8 Escudos 1712 L-M, Lima.
16.
Orden und Ehrenzeichen aus dem Nachlass von Wilhelm Herzog in Bayern (1752-1837)

Last but not bieten wir eine Partie von Orden und Ehrenzeichen aus altem deutschen Adelsbesitz an. Der phaleristische und numismatische Nachlass von Wilhelm, Herzog in Bayern wird versteigert.

Wilhelm wurde 1752 in Gelnhausen als Sohn von Johann von Pfalz-Birkenfeld-Gelnhausen geboren. Damit gehörte er zwar dem Hause Wittelsbach an, aber nur einer Nebenlinie. Diese hatte 1704 die verpfändete Reichsstadt Gelnhausen sowie eine Leibrente erhalten. Da Gelnhausen aber 1746 an Hessen-Kassel verkauft wurde, besaß Wilhelms Vater nur den Titel, aber weder Territorium, noch Armee. Es war also ein echter Glücksfall, dass Wilhelm durch seine Heirat mit Maria Anna von Pfalz-Birkenfeld-Bischweiler-Rappoltstein zum Schwager des zukünftigen bayerischen Königs Maximilian I. Joseph wurde. Mit ihm schloss er 1797 den Ansbacher Hausvertrag, der die Einheit und Unteilbarkeit aller wittelsbachischen Länder fixierte. Zum Ausgleich erhielt Wilhelm beim Amtsantritt seines Schwagers den Titel eines Herzogs in Bayern - nicht zu verwechseln mit der Titulatur des regierenden Hauses Herzog von Bayern.

Angeboten wird u. a. aus dem persönlichen Besitz von Wilhelm in Bayern das Kleinod des Kurfürstlich Pfälzische Hausritterorden vom hl. Hubertus, die Ordensdevise besetzt mit ca. 56 runden und länglichen Diamanten in Altschliff, Diamantrosen und -splittern. 

Wilhelm wurde bereits am 2. Februar 1768 von Kurfürst Carl Theodor in den Orden aufgenommen. Dieser Orden wurde von König Max I. Joseph zum höchsten Orden des Königreichs Bayern erhoben. Da es sich aber de jure immer um einen Hausorden handelte und handelt, kann er bis in die Gegenwart durch den jeweiligen Chef des Hauses Wittelsbach in seiner Funktion als Großmeister des Ordens verliehen werden.

KURFÜRSTENTUM PFALZ (BIS 1777)
17.
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