Sammlerportraits
Die Sammlung eines deutschen Fabrikanten und Geschichtsfreundes

Geprägte Geschichte des 30jährigen Krieges und des westfälischen Friedens

Die vorliegende, in ihrer Bedeutung wohl kaum zu übertreffende Sammlung von Prägungen aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) wurde im letzten Vierteljahrhundert von einem Unternehmer zusammengetragen, der neben seiner beruflichen Tätigkeit Zeit für ein großes Spektrum unterschiedlichster Interessen fand. Mit einem enormen Wissensdrang ausgestattet, sog unser Sammler wie ein Schwamm die komplexesten Informationen und Sachverhalte aus allen denkbaren Wissenschaftsbereichen und auch aus der Tagespolitik auf. Ganz besonders leidenschaftlich beschäftigte er sich mit Geschichte und bedeutenden historischen Persönlichkeiten. Neben der Lektüre von Fachliteratur genoss er es, sich beim Betrachten von historischen Verfilmungen und auch Dokumentarfilmen in die jeweiligen Epochen versetzen zu lassen. Einer der absoluten Lieblingsfilme war der vierteilige, 320 Minuten dauernde, auf der Biografie von Golo Mann beruhende Historienfilm “Wallenstein“ von 1978.

Als er im Jahr 2002 in der Zeitschrift “Weltkunst“ eine Anzeige der Firma Künker mit der Ankündigung der Versteigerung eines Wallenstein-Talers entdeckte, war sofort sein numismatisches Interesse geweckt. Er ersteigerte das Stück (Los 428 in diesem Katalog) sowie einen weiteren Taler von Wallenstein, und Fritz Rudolf Künker ließ es sich nicht nehmen, die beiden Taler persönlich auszuliefern. Bei dem zu diesem Zweck verabredeten Mittagessen erwähnte Künker, dass in der nächsten Künker-Auktion im Herbst 2002 ein Zehndukatenstück von Wallenstein angeboten werde. Unser frischgebackener Sammler war so perplex und aufgeregt angesichts der Chance auf ein großformatiges Goldstück des Generalissimus, dass er die Bedienung sofort nach der Rechnung fragte, obwohl das Mittagessen noch gar nicht serviert worden war.

Die drei Wallenstein-Münzen waren der Grundstein für die exzellente Sammlung, die Sie im vorliegenden Katalog sowie in weiteren, im kommenden Jahr zur Versteigerung gelangenden Teilen studieren können. Der Fokus wurde auf eine der bewegtesten Epochen der deutschen und europäischen Geschichte gelegt: die Zeit des Dreißigjährigen Krieges und des Westfälischen Friedens von Münster und Osnabrück (1618-1648). Die Verwerfungen des grausamen Krieges und die Friedensordnung von 1648 prägten auch die zweite Hälfte des 17. und das gesamte 18. Jahrhundert. Die staats- und völkerrechtlichen Vereinbarungen des Westfälischen Friedens behielten bis zum Wiener Kongress von 1815 weitgehend ihre Gültigkeit. Auch für diese entscheidende Epoche sind Münzen und Medaillen historische Quellen ersten Ranges, quasi geprägte Geschichte.

Den Sammlern von Prägungen dieses Zeitraumes kommt es entgegen, dass es sich um eine sehr münzreiche Zeit handelt – insbesondere, weil für die enormen Söldnerheere sehr viel Geld benötigt wurde. Der bedeutende kaiserliche Feldmarschall und Militärschriftsteller Raimondo von Montecuccoli (1609-1680), der auch im Dreißigjährigen Krieg gekämpft hatte, bemerkte einmal, dass es für die Kriegsführung drei notwendige Dinge benötige: Geld, Geld und nochmals Geld!

Beim Aufbau seiner Sammlung ließ sich unser Kunde gerne von Fritz Rudolf Künker und dem Unterzeichner beraten, und daraus erwuchs eine – über das in unserem Geschäft übliche Vertrauensverhältnis hinausgehende – Freundschaft mit vielen geselligen Treffen und gemeinsamen Reisen.

Es ist dem Sammler in einem Zeitraum von ca. 25 Jahren gelungen, die wohl bedeutendste Sammlung zum Thema 30jähriger Krieg zu bilden. Wir verneigen uns vor dieser Leistung und bedanken uns bei unserem Freund und seiner Familie für das große Vertrauen und für die Aufgabe, die gesammelten Stücke wieder in andere Sammlungen, die zum Teil wieder andere Zielsetzungen haben, zu vermitteln. Möge dieser Katalog ein Andenken an den viel zu früh verstorbenen Fabrikanten und Geschichtsfreund bewahren. 

Osnabrück, im Juli 2024
Dr. Andreas Kaiser

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