Vor- und Nachberichte
Berlin Auktion 437: Nachbericht
Unsere Berlin-Auktion 437: Ein starker Auftakt zum numismatischen Jahr

Am 28. Januar 2026 haben wir unsere Berlin-Auktion mit großem Erfolg durchgeführt. Die 694 Lose kletterten von ihrer Gesamtschätzung mit 6 Mio. Euro auf 9,5 Mio. Euro (ohne Aufgeld). Wir stellen Ihnen die teuersten Lose der Auktion vor.

In Deutschland beginnt das numismatische Jahr mit der World Money Fair, und diese wird traditionell von unserer Auktion eingeleitet. Was dort geschieht, ist ein wichtiges Signal. Die Preise zeigen: Der Markt honoriert Seltenheiten mit hohen Ergebnissen. 694 Lose mit einer Gesamtschätzung von 6 Millionen Euro wurden angeboten. Der Gesamtzuschlag der Auktion lag bei 9,5 Mio. Millionen Euro (ohne Aufgeld!), also ca. 60% über der Gesamtschätzung.

1.
Platz 3: Gleich zwei Münzen werden mit 140.000 Euro zugeschlagen

Wie beliebt schwere Goldmünzen heute vor allem bei numismatischen Anlegern sind, müssen wir nicht mehr betonen. Das beweist ein weiteres Mal ein 10-facher Dukat aus Nürnberg, der sich durch seine scharfe Prägung und seine perfekte Erhaltung auszeichnet. Er stammt aus dem Jahr 1630 und ist extrem selten. Auf der einen Seite zeigt er einen frontal stehenden, geflügelten Putto, der das kleine und das große Stadtwappen von Nürnberg in seinen Händen hält. Die andere Seite ist Ferdinand II. gewidmet. Er ist im vollen Ornat mit Krone, Szepter und Reichsmantel auf einem sich aufbäumenden Pferd abgebildet. Das Jahr 1630 war der Kulminationspunkt seiner Macht. Gerade noch hatte ihm Wallenstein einen glänzenden Sieg im 30-jährigen Krieg verschafft, so dass der Kaiser glaubte, mit dem Restitutionsedikt alle Besitzungen der katholischen Kirche zurückholen zu können. Doch damit überspannte er den Bogen. Als Gustav Adolf am 6. Juli in Peenemünde auf Usedom landete, empfingen ihn die Protestanten als Befreier und der Krieg nahm eine neue Wendung. Mit 50.000 Euro hatten die Spezialisten von Künker das Stück aus der Sammlung Erlanger geschätzt. Dort konnte man in den Anmerkungen lesen, dass diese Prägung mit dem umgeschnittenen Stempel für den Doppeltaler von 1628 angefertigt wurde. Die Jahreszahlt wurde auf 1630, die Metallangabe aus ARGENT in AVREA* abgeändert. Der Zuschlag für die Rarität betrug 140.000 Euro zuzüglich Aufgeld und Steuern.

Eine im Verhältnis noch größere Steigerung erlebte ein fünffacher Reichstaler mit dem Porträt Ferdinands III. aus dem Jahr 1651, geprägt in Kremnitz. Er kletterte von seiner Schätzung mit 30.000 Euro auf fast das Fünffache mit 140.000 Euro, und das obwohl er nicht dem entspricht, was Anleger heute goutieren. Seine Erhaltung ist nämlich "nur" sehr schön. Dafür handelt es sich um eine großartige Münze von größter Seltenheit. Werkner kennt nur zwei weitere Exemplare, eines im Münzkabinett Budapest und eines in der Sammlung Montenuovo. Das Ergebnis beweist, dass gerade in den benachbarten Ländern, Tschechien und der Slowakei, Sammler Seltenheiten zu schätzen wissen, selbst wenn sie nicht perfekt erhalten sind. Das zeigte nicht nur dieses Ergebnis, sondern alle Lose bei denen eine Münzstätte im Spiel war, die sich heute auf tschechischem Boden befindet.

So kletterte ein dicker doppelter Reichstaler des Jahres 1610 aus Prag(!) von seiner Schätzung mit 7.500 Euro auf 95.000 Euro. Sie haben richtig gelesen. Er brachte mehr als das Zwölffache seiner Schätzung, und das trotz einer kleinen Prägeschwäche auf der Porträtseite und der Erhaltung sehr schön. Dass es sich nicht um einen Ausreißer handelte, zeigen die anderen Ergebnisse für Münzen aus der Münzstätte Prag. Da kletterte ein Dukat des Jahres 1615, allerdings in vorzüglich, von 10.000 Euro auf 44.000 Euro und ein Reichstaler aus dem Jahr 1630 von geschätzten 7.500 auf 60.000 Euro Zuschlag.

Nennen wir noch ein letztes Beispiel dafür, wie stark der tschechische Markt und wie kenntnisreich die tschechischen Sammler sind: ein dicker doppelter Reichstaler aus Kuttenberg brachte statt der geschätzten 5.000 Euro das Zwölffache der Schätzung, nämlich 60.000 Euro. Kuttenberg, „Kutná Hora“, gehörte übrigens zu den wichtigsten tschechischen Silberstädten und lieferte das Silber für die berühmten Prager Groschen. Es stand um 1600 in Böhmen nur Prag an Bedeutung und Einwohnerzahl nach und besaß seine eigene Münzstätte.
2.
Platz 2: 200.000 Euro für einen 20-fachen Dukaten Leopolds I.

Exakt das, was bereits im Vorfeld geschätzt worden war, brachte ein 20-facher Dukat Leopolds I. in fast vorzüglicher Erhaltung, nämlich 200.000 Euro. Dieses Stück wurde zu einem uns unbekannten Zeitpunkt unter Kaiser Leopold I. aus den Stempeln geprägt, die der Stempelschneider Maximilian König für einen Lohn in Höhe von 200 Gulden im Jahr 1666 geliefert hatte. Aus diesen Stempeln wurden Münzen im Gewicht von 50, 30, 25, 20, 18, 15 und 12 Dukaten hergestellt, die nicht nur der Kaiser selbst, sondern auch Privatleute in Auftrag gaben, sofern sie die kaiserliche Erlaubnis besaßen, das notwenige Gold an die Münzstätte lieferten und die Prägekosten trugen. Nicht nur der Kaiser vergab also diese Münzen als Donativ bzw. diplomatisches Geschenk. So wissen wir, dass die Gemahlin des Kaisers 1699 zwei Abschläge im Gewicht von 20 Dukaten für ihre eigenen Zwecke anfertigen ließ und dass der Hofkriegsrat Johann Franz Freiherr von Kaiserstein im Jahr 1670 die Erlaubnis erhielt, auf eigene Kosten 15- und 20-fache Dukaten auszuprägen. Übrigens, man hatte auch versucht, 10-fache Dukaten mit diesem Stempel herzustellen. Das ging schief: Die Ronden waren derart dünn, dass sich das Relief der Prägung nicht mehr ordentlich abzeichnete.

3.
Platz 1: 220.000 Euro für einen Dukat Peters I. 1712 in MS61 (Top Pop)

Russland ist immer noch für Höchstpreise gut, das bewies einmal mehr das teuerste Stück der Auktion. Es handelt sich um einen äußerst seltenen Dukaten Peters I. aus dem Roten Münzhof in Moskau, das von NGC mit der Bewertung MS61 als bestes der ganzen Serie bewertet wurde. Die Darstellung ist klassisch: Auf der Vorderseite das Porträt des Zaren mit Lorbeerkranz, Panzer und Feldherrnmantel, auf der Rückseite der russische Doppeladler mit der Zarenkrone, auf der Brust das alte Moskauer Wappen mit dem hl. Georg, der den Drachen tötet. 50.000 Euro hatte die Schätzung betragen. Das Endergebnis betrug fast das Viereinhalbfache: 220.000 Euro.

Es gäbe noch viele bemerkenswerte Zuschläge zu berichten. Sehen Sie selbst, was Ihr Sammelgebiet, Ihre Lieblingsmünzen gebracht haben. Und für alle, die jetzt ein wenig von den hohen Preisen irritiert sind, unser Ceterum Censeo: Historische Münzen können, müssen aber nicht teuer sein. Münzen sammeln ist mit jedem Budget möglich!

Kontakt
Persönlicher Kontakt ist die Basis unseres Geschäfts.

Können wir Ihnen helfen? Am schnellsten geht es mit einem persönlichen Gespräch. Wir freuen uns auf Ihren Anruf

Tel. +49 541 96202 0

Bitte beachten Sie, dass aufgrund einer europaweiten gesetzlichen Änderung der umsatzsteuerlichen Behandlung von Objekten aus Drittländern einige Stücke regelbesteuert verkauft werden müssen. Für Kunden aus Deutschland bedeutet das: das Aufgeld beträgt 20% zzgl. (in der Regel) 7% ermäßigte Mehrwertsteuer. Für Kunden aus den übrigen EU-Mitgliedsstaaten wird bei Versand durch uns die im jeweiligen Staat gültige Mehrwertsteuer berechnet.

Bei Fragen: Sprechen Sie bitte mit unserer Kundenbetreuung.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wichtiger Hinweis

Sie haben aktuell noch offene Gebote in ihrem Auktionsauftrag. Damit Ihre Gebote verbindlich an uns gesendet werden, müssen Sie Ihren Auktionsauftrag bestätigen. Vielen Dank.