In Deutschland beginnt das numismatische Jahr mit der World Money Fair, und diese wird traditionell von unserer Auktion eingeleitet. Was dort geschieht, ist ein wichtiges Signal. Die Preise zeigen: Der Markt honoriert Seltenheiten mit hohen Ergebnissen. 694 Lose mit einer Gesamtschätzung von 6 Millionen Euro wurden angeboten. Der Gesamtzuschlag der Auktion lag bei 9,5 Mio. Millionen Euro (ohne Aufgeld!), also ca. 60% über der Gesamtschätzung.
Wie beliebt schwere Goldmünzen heute vor allem bei numismatischen Anlegern sind, müssen wir nicht mehr betonen. Das beweist ein weiteres Mal ein 10-facher Dukat aus Nürnberg, der sich durch seine scharfe Prägung und seine perfekte Erhaltung auszeichnet. Er stammt aus dem Jahr 1630 und ist extrem selten. Auf der einen Seite zeigt er einen frontal stehenden, geflügelten Putto, der das kleine und das große Stadtwappen von Nürnberg in seinen Händen hält. Die andere Seite ist Ferdinand II. gewidmet. Er ist im vollen Ornat mit Krone, Szepter und Reichsmantel auf einem sich aufbäumenden Pferd abgebildet. Das Jahr 1630 war der Kulminationspunkt seiner Macht. Gerade noch hatte ihm Wallenstein einen glänzenden Sieg im 30-jährigen Krieg verschafft, so dass der Kaiser glaubte, mit dem Restitutionsedikt alle Besitzungen der katholischen Kirche zurückholen zu können. Doch damit überspannte er den Bogen. Als Gustav Adolf am 6. Juli in Peenemünde auf Usedom landete, empfingen ihn die Protestanten als Befreier und der Krieg nahm eine neue Wendung. Mit 50.000 Euro hatten die Spezialisten von Künker das Stück aus der Sammlung Erlanger geschätzt. Dort konnte man in den Anmerkungen lesen, dass diese Prägung mit dem umgeschnittenen Stempel für den Doppeltaler von 1628 angefertigt wurde. Die Jahreszahlt wurde auf 1630, die Metallangabe aus ARGENT in AVREA* abgeändert. Der Zuschlag für die Rarität betrug 140.000 Euro zuzüglich Aufgeld und Steuern.
So kletterte ein dicker doppelter Reichstaler des Jahres 1610 aus Prag(!) von seiner Schätzung mit 7.500 Euro auf 95.000 Euro. Sie haben richtig gelesen. Er brachte mehr als das Zwölffache seiner Schätzung, und das trotz einer kleinen Prägeschwäche auf der Porträtseite und der Erhaltung sehr schön. Dass es sich nicht um einen Ausreißer handelte, zeigen die anderen Ergebnisse für Münzen aus der Münzstätte Prag. Da kletterte ein Dukat des Jahres 1615, allerdings in vorzüglich, von 10.000 Euro auf 44.000 Euro und ein Reichstaler aus dem Jahr 1630 von geschätzten 7.500 auf 60.000 Euro Zuschlag.
Exakt das, was bereits im Vorfeld geschätzt worden war, brachte ein 20-facher Dukat Leopolds I. in fast vorzüglicher Erhaltung, nämlich 200.000 Euro. Dieses Stück wurde zu einem uns unbekannten Zeitpunkt unter Kaiser Leopold I. aus den Stempeln geprägt, die der Stempelschneider Maximilian König für einen Lohn in Höhe von 200 Gulden im Jahr 1666 geliefert hatte. Aus diesen Stempeln wurden Münzen im Gewicht von 50, 30, 25, 20, 18, 15 und 12 Dukaten hergestellt, die nicht nur der Kaiser selbst, sondern auch Privatleute in Auftrag gaben, sofern sie die kaiserliche Erlaubnis besaßen, das notwenige Gold an die Münzstätte lieferten und die Prägekosten trugen. Nicht nur der Kaiser vergab also diese Münzen als Donativ bzw. diplomatisches Geschenk. So wissen wir, dass die Gemahlin des Kaisers 1699 zwei Abschläge im Gewicht von 20 Dukaten für ihre eigenen Zwecke anfertigen ließ und dass der Hofkriegsrat Johann Franz Freiherr von Kaiserstein im Jahr 1670 die Erlaubnis erhielt, auf eigene Kosten 15- und 20-fache Dukaten auszuprägen. Übrigens, man hatte auch versucht, 10-fache Dukaten mit diesem Stempel herzustellen. Das ging schief: Die Ronden waren derart dünn, dass sich das Relief der Prägung nicht mehr ordentlich abzeichnete.
Russland ist immer noch für Höchstpreise gut, das bewies einmal mehr das teuerste Stück der Auktion. Es handelt sich um einen äußerst seltenen Dukaten Peters I. aus dem Roten Münzhof in Moskau, das von NGC mit der Bewertung MS61 als bestes der ganzen Serie bewertet wurde. Die Darstellung ist klassisch: Auf der Vorderseite das Porträt des Zaren mit Lorbeerkranz, Panzer und Feldherrnmantel, auf der Rückseite der russische Doppeladler mit der Zarenkrone, auf der Brust das alte Moskauer Wappen mit dem hl. Georg, der den Drachen tötet. 50.000 Euro hatte die Schätzung betragen. Das Endergebnis betrug fast das Viereinhalbfache: 220.000 Euro.
Es gäbe noch viele bemerkenswerte Zuschläge zu berichten. Sehen Sie selbst, was Ihr Sammelgebiet, Ihre Lieblingsmünzen gebracht haben. Und für alle, die jetzt ein wenig von den hohen Preisen irritiert sind, unser Ceterum Censeo: Historische Münzen können, müssen aber nicht teuer sein. Münzen sammeln ist mit jedem Budget möglich!