JOHANNITERORDEN
JOHANNITERORDEN
Schätzpreis : 4.000 €
Zuschlag
Meine Notizen
Beschreibung
50 Stück. In Schatulle. Vorzüglich erhalten Zur kunsthistorischen Beurteilung schreibt uns Bernhard Overbeck, leitender Direktor der Staatlichen Münzsammlung München:
Die vorliegende Serie ist ein einmaliges Beispiel für die romantisch-historisierende Auffassung, die man um die Mitte des 19. Jahrhunderts von den Kreuzzügen und vom Rittertum hegte. Frühe Abbilder der Johanniter-Großmeister sind uns nicht erhalten. Die auf uns gekommenen Gigliati ab dem 14. Jahrhundert der Johanniter auf Rhodos (vgl. Auktion Künker 77, 30.09. - 01.10.2002, Nrn. 673 - 684) geben uns zwar authentische, jedoch schematische Darstellungen der Großmeister in Ganzfigur. Der unbekannte Künstler dieser Serie von Gemmen hat seine Phantasie bemüht, um dem abzuhelfen. Freilich sind die Züge der einzelnen Großmeister so idealisiert, dass sie sich teilweise zum Verwechseln ähnlich sind. Variation herrscht in der Wahl der Richtung der Büste, bartlosen, leicht- und vollbärtigen Darstellungen, der Wahl der Haartracht - von der Glatze des Philosophen und Denkers bis zum romantisch wallenden Haar und zum modern anmutenden Kurzhaarschnitt. Nur sechs Steine zeigen im Aufbau einander sehr ähnliche Porträts en face oder im Dreiviertelprofil. Die Tracht der Großmeister - deutlich erkennbar durch die Wahl der Büstenform mit fast dem gesamten Oberkörper - zeigt alle Merkmale der Vorstellungen des 19. Jahrhunderts vom Mittelalter und der frühen Neuzeit. Sie erinnert in Faltenwurf und Rüstung an romantische Grafik, etwa eines Ludwig Richter. Die Details sind historisierend - nicht historisch. Die meisten Büsten zeigen das Malteserkreuz. Eisenkürass und Lamellen der Schulterrüstung kommen schon ab dem 12. Jahrhundert vor! Das Porträt des Jean Ferdinand d'Hérédia (1376/1396) erinnert mit seinem kecken Schnauzbart eher an Dumas' Drei Musketiere als an das Mittelalter. Der Epoche von Dumas sind diese Intaglios schließlich auch recht nahe. Die Kopfbedeckungen - nur selten vorhanden - sind meist phantastisch im Sinne einer Theaterinszenierung. Da gibt es antikisierende korinthische Helme (Nrn. 18, 32), eine Art spanischen Hut (Nr. 21), eine merkwürdig gefaltete Kappe (Nr. 25), eine eng anliegende, kalottenförmige Mütze (Nrn. 27, 38) und schließlich einen recht modern wirkenden Kardinalshut (Nr. 42). Diese "Porträts" sind sehr glatt, präzise und kleinmeisterhaft ausgeführt. Sie wirken alterslos und wenig individuell. Ohne die alten Beschriftungen auf der Gemmenrückseite, die zweifellos aus der Entstehungszeit stammen, gäbe es keinen Anhaltspunkt zur Benennung.
Wenn schon der Gemmenschneider der Serie nicht bekannt ist, muß man doch nach dem Anlaß der Entstehung und der Datierung fragen. Mit der Eroberung des letzten Ordensbesitzes der Johanniter, der Insel Malta durch die Engländer im Jahr 1800, hatte der Orden endgültig zu existieren aufgehört. Auf dem Wiener Kongress scheiterten die Bemühungen Russlands, den Orden neu als Adelsbund wiederzubeleben. Erst König Friedrich Wilhelm IV. von Preussen gründete dann in der alten Ballei Brandenburg im Jahre 1852 den protestantischen Zweig, den "Preussischen Johanniterorden". Eine katholische Neugründung als Genossenschaft rheinisch-westfälischer Devotionsritter erfolgte dann 1859. Sie ging von Westfalen aus, wo eine Adelsgruppe um August von Haxthausen sich zu diesem Vorhaben zusammengefunden hatte. 1867 gründete man in Schlesien einen ähnlichen Malteserorden. Allen diesen Gruppen war dabei die caritative Ausrichtung, hauptsächlich in der Krankenpflege, gemeinsam.
Aus einem dieser Gründungsanlässe in der Mitte des 19. Jahrhunderts dürfte diese Intaglioserie in Auftrag gegeben worden sein. Ehestens käme dafür jene westfälische Gründung in Frage, denn sie stand ganz in der kontinuierlichen katholischen Tradition des alten Ordens, "vovens personam suam in obsequio pauperum et in tuitione fidei", wie die Gründungsbulle von 1859 verkündet. Demgemäß dürfte die Serie, die sehr homogen wirkt, auch in Deutschland um diese Zeit entstanden sein.Literatur mit ausführlicher Bibliographie: A. Waas, Lexikon für Theologie und Kirche, Vol. 5, Freiburg 1960, hrsg. von J. Jöfer u. K. Rahner, s. v. "Johanniter-Orden".
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Informationen zu Los 5809 aus Auktion 82
| Stückzahl | 50 Stück. |
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