Porzellanmedaillen.
Porzellanmedaillen.
Schätzpreis : 5.000 €
Zuschlag
Meine Notizen
Beschreibung
Die 360 Stücke umfassende Sammlung enthält in der überwiegenden Mehrzahl Meißener Fabrikate, die wiederum verschiedene größere Sammlungskomplexe bilden: Länder- (49), Städte- (75) und Firmenmünzen (4); Spendemünzen (28) und Spendenmedaillen (30); Medaillen (82). Dazu kommen noch Münzen (23), Spendenmedaillen (8) und Medaillen (20) anderer deutscher keramischer Fabriken sowie eine kleine Sammlung Majolika-Münzen (41).
Es kommen verschiedene Vergoldungen und farbige Dekore vor. Zudem enthält die Sammlung zahlreiche Stücke aus der Gipsform, sowie einige Varianten und Proben.
360 Stück. Zum Teil in Orginalschatullen. Der Gesamteindruck ist sehr schön-vorzüglich Wegen "Goldmacherei" mußte der Alchimist Johann Friedrich Böttger 1704 aus Preußen fliehen. Er ging nach Sachsen, wo er am Hofe August des Starken dem Physiker E.W. von Tschirnhaus unterstellt wurde. Nach zahlreichen Experimenten gelang ihm um 1707 zunächst die Herstellung des roten, fälschlich Böttgerporzellan genannten, Böttgersteinzeugs; und dann schließlich um 1708/09 die Herstellung von weißem Hartporzellan. 1710 wurde dann in Meißen eine Porzellanmanufaktur gegründet (bis 1863 mit Sitz in der Albrechtsburg zu Meißen), deren Leitung Böttger bis zu seinem Tod (1719) innehatte. Beginnend ab 1722 wurde auf den Meißener Fabrikaten die Schwertermarke verwendet.
Die ersten Medaillen aus Porzellan wurden bereits kurz nach der Entdeckung des Porzellans zu Anfang des 18. Jahrhunderts angefertigt. Daß solche Porzellanmedaillen schon damals gesammelt wurden, geht aus dem Inventarium des Grafen Bühl vom 1. Oktober 1753 hervor, in dem unter anderem Medaillen aus Porzellan aufgeführt sind.
Um 1820 wurden bei der Manufaktur Meißen, wohl auf Anregung des damaligen Kurprinzen von Sachsen, von einigen Silbermedaillen Abgüsse erstellt und hiervon Stücke in Porzellan ausgeformt und gebrannt. Dieser Reihe gehört auch das früheste Belegstück dieser Sammlung an, eine Medaille auf die Einweihung des Lutherdenkmals in Wittenberg.
Die Produktion von Porzellanmedaillen hat also eine lange Tradition, die sich bis in die Gegenwart erhalten hat. Die Meißener Münzproduktion gehört dagegen in die End- und Folgezeit des Ersten Weltkrieges. Denn Porzellanmünzen gehören zu der Kategorie der Notmünzen.
Von inneren Zerreißproben geschüttelt, war man 1919 erst noch auf dem Weg zur Ausgestaltung der Weimarer Republik. Die bei anhaltender Seeblockade hungernde Nation sah sich zudem mit enormen Reparationsansprüchen, über deren Höhe sich die Siegermächte aber mit Ausnahme eines Vorschusses vorerst nicht einigen konnten, konfrontiert. Es herrschte Geldknappheit, zumal die Kupfer- und Nickelmünzen für den Bedarf der Rüstungsindustrie zu großen Teilen eingeschmolzen worden waren. Die Wirtschaft drohte, völlig zum Erliegen zu kommen.
Aus dieser Notlage heraus entstand 1920 in der Staatlichen Porzellanmanufktur in Meißen neben dem umfangreichen und vielseitigen Porzellanbetrieb eine Abteilung für die Münzfabrikation. Die dort hergestellten Münzen waren aus weißem Biskuitporzellan und aus braunem Böttgersteinzeug mit goldenem und farbigem Dekor. Die 5-, 10- und 20 Mark-Stücke wurden mit einem vergoldeten Rand versehen, der daran erinnern sollte, daß diese Stücke einst Goldnominale waren. Für die Prägung der Münzen wurde hauptsächlich das braune Steinzeug verwendet, denn es besaß eine größere Festigkeit und bot eine größere Sicherheit vor Fälschungen.
Die Produktion war jedoch nicht von langer Dauer, denn bereits 1922 erfolgte ein staatliches Verbot der Notgeldausgabe - von diesem Zeitpunkt an gab es keine Porzellanmünzen mehr, die als Währungsersatz dienten.
Die Faszination, die von den Porzellanmünzen und -medaillen ausgeht, liegt nicht nur in ihrer interessanten Geschichte begründet, vielmehr ist es der ästhetische Reiz der Münzen selbst, die Feinheit ihrer Prägung, und die Art und Weise, wie durch die verschiedenen Gold- und Farbdekore die Hauptmotive bewußt betont und dem Betrachter näher gebracht werden. Karl Scheuch spricht in diesem Zusammenhang ganz zu Recht von keramischen Kleinkunstwerken.
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Informationen zu Los 2982 aus Auktion 77
| Stückzahl | 360 Stück. |
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