PREUSSEN, KÖNIGREICH Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig, 1713-1740. Längsovale, silberne Steckmedaille o. J. (um 1732),
PREUSSEN, KÖNIGREICH Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig, 1713-1740. Längsovale, silberne Steckmedaille o. J. (um 1732),
Schätzpreis : 5.000 €
Zuschlag
Meine Notizen
Beschreibung
Die Innenfläche der Vorderseite der Medaille trägt eine papierene, mit farbigem Grenzkolorit versehene Kartenminiatur des Erzstifts Salzburg, die Innenfläche der Rückseite in ähnlicher Manier eine Karte von "Brandenburg-Preußen" mit Hervorhebung der Städte Königsberg, Krautkrug, Guttstadt und "S. Johannisburg oder Neu Saltzburg" sowie der umliegenden westpreußischen und memelländischen Gebiete mit besonderer Kennzeichnung der Städte Pillau, Danzig, Elbing, Marienburg, Marienwerder, Cubin und Thorn sowie Midnick. Das Innere der Medaille birgt als Einlage den originalen Bilderzyklus aus bedrucktem und kolorierten Papier, welcher 18 querovale, durch schmale Stege miteinander verbundene szenische Darstellungen zeigt. Von diesen Bildern nehmen neun auf ein biblisches Thema und neun auf die Emigrantengeschichte Bezug. 53,5 x 45,4 mm. Clauss in Mitteilungen der Bayerischen Numismatischen Gesellschaft Jg. 1913, 56 d (lediglich das Exemplar im Münzkabinett Wien zitierend); Förschner -; Marienb. -; Marsch S. 97 (lediglich das Exemplar im Münzkabinett Wien zitierend: "Die ... Schraubmedaille ist heute nur noch in einem Exemplar bekannt") Z 5 und Abb. 105-109; Menadier -; Pressler lediglich das Exemplar im Münzkabinett Wien zitierend: S. 266 ff., XXVIII/XXXIX (Medaille), S. 272 ff., Serie VI (Bilderzyklus); Roll XXVII/XXXIX-VI (lediglich das Exemplar im Münzkabinett Wien zitierend); Slg. Henckel -; Simmerm. -. Äusserst selten, neben dem von Angelika Marsch katalogisierten, ebenfalls vollständigen Exemplar im Kunsthistorischen Museum Wien und einem weiteren, doch mit fragmentarischen Einlagen ausgestatteten Beleg das einzige in Privatbesitz bekannte vollständige Exemplar. Der Bilderzyklus ist komplett und unzerschnitten, entgegen der sonst üblicherweise auf dem Markt vorkommenden zerteilten.
Äußerst selten. Vorzügliches Prachtexemplar Die im 17. und 18. Jahrhundert sehr beliebte Gattung der zweiteiligen runden Schraubmedaille wurde gegen 1730 um den Typus der ovalen Steckmedaille erweitert, deren beiden Hälften aufgrund ihrer Form nicht mit einem Gewinde bzw. Gegengewinde ausgestattet werden konnten, wie an runden Schraubmedaillen üblich, sondern jeweils mit glatten Seiten versehen waren, welche sich gegenseitig ineinander verschachteln ("stecken") ließen. Die hier vorliegende Steckmedaille stellt ihrerseits eine Neuerung in der Gruppe solcher ovalen Schaustücke dar, da beide Hälften am Ende des Fertigungsprozesses mit einem feinen Scharnier ausgestattet und so zu einer döschenartigen Medaille miteinander verbunden wurden. Wir verdanken diese Erfindung dem Augsburger Silberdrechsler Johann Gottlieb Deinhard (1709-1795), einem Konkurrenten des auf dem Sektor der Schraubmedaillenproduktion offenbar weitaus schaffensreicheren Abraham Remshard (siehe hierzu Marsch S. 97). Lediglich der vorliegende Medaillentyp war von Deinhard seriell mit einem Klappscharnier versehen worden, wie sämtliche der drei bekannten Exemplare des vorliegenden Typs uns lehren. Wie selten dieser Typ der mit einem Scharnier versehenen ovalen Steckmedaille ist, zeigt uns die Tatsache, daß Pressler in seinem umfangreichen Katalogwerk überhaupt nicht auf jene technische Neuerung auf dem Medaillensektor des 18. Jahrhunderts eingeht.
Die Reformation hatte schon früh in der Bevölkerung des Erzstifts Salzburg zahlreiche Anhänger gefunden. Erst noch geduldet, wurden schon bald darauf die Anhänger des evangelischen Glaubens Repressalien und der Verfolgung ausgesetzt. Unter Erzbischof Leopold Anton von Firmian wurden alle nicht konvertierwilligen prostestantischen Untertanen gezwungen, Wohnsitz, Hab und Gut aufzugeben und das Erzstift zu verlassen. Nachdem eine Abordnung der Salzburger in Berlin vor König Friedrich Wilhelm I. ihre Not geschildert hatte, bot der preußische Monarch allen Salzburger Prostestanten an, in sein Königreich zu ziehen, um hier als neue Untertanen zu siedeln. Rund 20.000 Salzburger folgten diesem Ruf und fanden vor allem in Ostpreußen und Litauen ihre neue Heimat. Allein vom 30. April 1732 bis zum 15. April 1733 gingen 14.728 Exilanten über den Sammelpunkt Berlin als Neusiedler in den preußischen Osten, zum Teil in Gebiete, deren Bevölkerung infolge einer zuvor wütenden Pest nahezu gänzlich ausgedünnt war.
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Informationen zu Los 2099 aus Auktion 115
| Nominal/Jahr | Längsovale, silberne Steckmedaille o. J. (um 1732), |
|---|---|
| Seltenheit | Äußerst selten. |