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Deutsche Münzen ab 1871 – Von der Reichsmünze bis zum Euro


Mit der Verfassung des Deutschen Reiches vom 16. April 1871 ging auch die Zuständigkeit für die Reichswährung von den einzelnen Bundesstaaten auf die Reichsregierung über. Damit konnten endlich die bereits seit langer Zeit notwendigen Reformen zur Schaffung eines einheitlichen Maß-, Münz- und Gewichtssystems in Form der Reichsmünze durchgeführt werden.

Friedrich August III., 1904-1918. 3 Mark 1917 E.
Friedrich August III., 1904-1918. 3 Mark 1917 E. Zuschlag: 70.000 Euro.

Als gemeinsame Nominaleinheit wurde die Mark (in Norddeutschland 1/3 Taler und in Süddeutschland 35 Kreuzer) in dezimaler Teilung gewählt. 100 Pfennige sollten eine Mark ergeben und es sollten Silber- und Goldnominale im Umlauf sein. Es erwies sich ebenfalls als praktisch, dass 10 Pfennige etwa dem Wert eines Groschens entsprachen, woher sich auch die Bezeichnung des Nominals im Volksmund erklärt.

Als Symbol der im deutsch-französischen Krieg (1870/1871) gewonnen Einheit erhielten auch die Reichsmünzen ein einheitliches Bild: Die Nominalwerte von 2 bis 20 Mark zeigten auf der Vorderseite den Reichsadler, die Jahreszahl und den Nennwert mit der Umschrift DEUTSCHES REICH. Die Rückseiten der Reichsmünzen blieben der Gestaltung des jeweiligen Landesherren (bspw. Bayern, Preußen, Sachsen oder die Freie Stadt Lübeck) vorbehalten, wobei der Umfang der Prägeemissionen im Verhältnis zur Größe des jeweiligen Münzherren steht. In Preußen wurden vielmehr Münzen ausgegeben als beispielsweise in Oldenburg oder Sachsen-Coburg-Gotha. Bei den kleineren Münzwerten wurden einheitlich Wert, Jahreszahl und Reichsadler aufgeprägt. Die Bezeichnung der Prägeanstalten auf den Reichsmünzen erfolgte mit Buchstaben in der dynastischen Reihenfolge ihrer Träger: *A = Berlin (Kaiser des Deutschen Reiches, König von Preußen), B = Hannover, C = Frankfurt a. M., D* = München, E = Dresden, F* = Stuttgart, G* = Karlsruhe, H = Darmstadt, J* = Hamburg (die mit einem * gekennzeichneten existieren heute noch).

Wilhelm II., 1888-1918. 20 Mark 1889 A.
Wilhelm II., 1888-1918. 20 Mark 1889 A. Zuschlag: 400 Euro.

Mit dem Untergang des Kaiserreiches im Ersten Weltkrieg und dem Ausruf der Weimarer Republik endete auch die Zeit der adligen Territorialstaaten und die Reichswährung wurde nochmals vereinheitlicht. Die katastrophale Inflation der Jahre 1920/1923 wurde durch die Einführung der Rentenmark am 15. Oktober 1923 stabilisiert (1 Rentenmark = 1 Billion Papiermark). Ein Jahr später am 30. August 1924 folgte die (Wieder)Einführung der Reichsmark (RM), die bis 1948 offiziell parallel zur Rentenmark zirkulierte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Währungsreform in den drei westdeutschen Besatzungszonen am 20. Juni 1948. Die „Bank deutscher Länder“ tauschte 100 Reichsmark gegen 6,50 Deutsche Mark (DM). Auch die Währung in der sowjetisch besetzten Zone hieß zunächst Deutsche Mark, 1964 dann Mark der Deutschen Notenbank (MDN) und seit 1968 schlicht Mark (M). Nach einer ereignisreichen Zeit für die Reichsmünzen, wurde am 1.Januar 1999 mit der Einführung des Euro (EUR) zunächst als Buchgeld ein neues Kapitel der Geldgeschichte aufgeschlagen. Zum 1. Januar 2002 folgte die Einführung des Euro-Bargeldes.

Deutsch Ostafrika. 15 Rupien 1916, Tabora.
Deutsch Ostafrika. 15 Rupien 1916, Tabora. Zuschlag: 7.500 Euro.

Die wechselvolle Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert hat eine Vielzahl von Münztypen, sowie Not-, Gedenk- und Ersatzgeldprägungen hervorgebracht und stellt insoweit ein abwechslungsreiches und aufgrund der breiten Literaturbasis auch leicht zugängliches Sammelgebiet für Münzen dar. Aufgrund der maschinellen Prägetechnik seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert und der zum Teil recht großen Ausgabemengen einzelner Typen spielen bei Reichsmünzen bereits kleine Erhaltungsnuancen eine große Rolle bei der Preisfindung. Ein beliebtes Sammelgebiet deutschen Münzen sind auch die Probemünzen – also nicht verausgabte Musterprägungen mit interessanten Münzbildern bekannter Künstler. Wer möchte, kann natürlich auch das Papiergeld der einzelnen deutschen Staaten und die Anlagegoldprägungen der Bundesrepublik in seine Sammlung miteinbeziehen.

Einführungsliteratur

  • Jaeger, K.: Die deutschen Münzen seit 1871, 22. Auflage, Regenstauf 2011 (jährlich aktualisierte Auflage).
  • Arnold, P. / Küthmann, H. / Steinhilber, D.: Großer deutscher Münzkatalog von 1800 bis heute, 28. Auflage, Regenstauf 2013 (jährlich aktualisierte Auflage).

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