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Das Europäische Trauma: Kaiser Napoleon I. Bonaparte

Das Europäische Trauma: Kaiser Napoleon I. Bonaparte

Ursula Kampmann

Am 14. Oktober 1806 erlitten die preußischen Truppen in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt eine vernichtende Niederlage gegen das französische Bürgerheer Napoleons. Rund 33.000 preußische Soldaten bezahlten die königliche Selbstüberschätzung mit ihrem Leben oder ihrer Gesundheit. Friedrich Wilhelm III. hatte Frankreich im Vertrauen auf die preußische Armee ein Ultimatum gestellt. Nun bewies die Niederlage, dass das Preußen Friedrichs des Großen endgültig der Vergangenheit angehörte. Aber wie sollte es weitergehen?

Charles Meynier: Einzug Kaiser Napoleons I. in Berlin, am 28. Oktober 1806, Gemälde 1810.

Der Blick nach Frankreich 

Das junge französische Kaiserreich stellte für radikale Demokraten auch im Deutschen Reich ein mögliches Vorbild dar. Es bewies, dass eine Staatsform existierte, in der nicht die Herkunft oder der Reichtum, sondern allein die persönliche Tüchtigkeit zählte. Andere blickten angstvoll auf das Geschehen jenseits der Grenze. Sie fürchteten ein Schreckensregime mit Tausenden von Toten wie unter Robespierre und das Ende alles Bekannten, Vertrauten. Für die Mitglieder des Hauses Hohenzollern stellte die Französische Revolution eine persönliche Bedrohung dar. Sie lehrte, dass selbst Könige hingerichtet werden konnten. Dass Napoleon keine Rücksicht auf bestehende Rechtsnormen nahm, hatte die nur zwei Jahre zurückliegende Entführung und Hinrichtung des Herzogs von Enghien, einem Mitglied des Hauses Orleans, gezeigt. Wie also würde der Sieger mit der preußischen Königsfamilie umgehen, sollte er ihrer habhaft werden?

Ernst Keil: Weihnachten im deutschen Lazarett, in Versailles. Im Hintergrund zu sehen Meyniers Monumentalbild des Einzugs in der preußischen Hauptstadt Berlin. Holzschnitt/Druck aus: Die Gartenlaube von 1871.

Auf der Flucht 

Der Hof entzog sich Napoleon durch die Flucht. Der zehnjährige Kronprinz Friedrich Wilhelm und der neunjährige Prinz Wilhelm waren alt genug, um die Schrecken des Geschehens zu begreifen. Sie flüchteten mit ihrer an Typhus erkrankten Mutter durch eine winterliche Landschaft. Erst nach langen und anstrengenden Tagen fand sich die Familie in Ostpreußen wieder zusammen. Napoleon residierte indessen zuerst im Charlottenburger, dann im Berliner Schloss. Die Berliner Bürger mussten rund 150.000 bis 200.000 Soldaten unterbringen und für ihren Unterhalt bezahlen. Weitere Demütigungen förderten den Hass auf alles Französische. So wurde die ikonische Quadriga auf dem Brandenburger Tor als Kriegsbeute nach Paris verbracht. Und nicht nur sie. Die Oberhofmeisterin Gräfin Voß, welche die Königin auf ihrer Flucht begleitete, schrieb am 11. November 1807 Folgendes: „Ich erhielt das Verzeichnis von allem, was die Franzosen teils offiziell aus Berlin nach Paris fortgeschafft, teils einfach geraubt haben, ebenso aus den königlichen Schlössern, wie aus Potsdam, meistens Statuen, Bilder, Porzellan, Vasen, Kostbarkeiten und Kunstwerke aller Art; es ist eine unglaubliche Liste.“

Der Diktatfrieden von Tilsit 

Friedrich Wilhelm III. blieb nach der schweren Niederlage nichts anderes übrig, als Frieden zu schließen. Eine Medaille (Los 286) erinnert an diese tiefste aller Demütigungen Preußens. Sie zeigt auf der Rückseite den Fluss Memel, also neutralen „Boden“. Die Monarchen trafen sich für die Verhandlungen auf einem Floß. Die Vorderseite porträtiert die Herrscher, die den Frieden von Tilsit unterzeichneten: Napoleon und Kaiser Alexander I. von Russland sowie den erst nachträglich hinzugezogenen Friedrich Wilhelm III. Dessen Rolle war kläglich: Ihm blieb nur, den von Napoleon diktierten Frieden zu unterzeichnen – mit schwerwiegenden Folgen. Preußen verlor fast die Hälfte(!) seines Staatsgebiets und seiner Untertanen; das preußische Militär musste auf 42.000 Mann reduziert, Kontributionen in Höhe von 120 Millionen Francs geleistet werden. Damit schienen alle Ambitionen Preußens auf den Rang einer europäischen Großmacht eliminiert. Doch gerade das harte Vorgehen Napoleons vereinte die Preußen im Kampf gegen die französische Vorherrschaft.

PREUSSEN Friedrich Wilhelm III., 1797-1840. Silbermedaille 1809,
PREUSSEN Friedrich Wilhelm III., 1797-1840. Silbermedaille 1809,
RUSSLAND KAISERREICH Alexander I., 1801-1825. Silbermedaille 1807,
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