„1845 und 1847 erschienen die beiden ersten Bände des „Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung“ des preußischen Weltreisenden und Gelehrten Alexander von Humboldt (1769-1859). Anlässlich dieses Ereignisses wurde er mit dieser Medaille geehrt, für die Peter Cornelius (1783-1867) den Entwurf fertigte und die von Karl Fischer (1802-1862) ausgeführt wurde.
Die Medaille wurde auf Befehl des preußischen Königs und im Auftrag des Generaldirektors der Königlichen Museen, Ignaz von Olfers (1793-1872), in der Berliner Münze geprägt. Der erste Prägeauftrag lautete über die Ausprägung einer Goldmedaille, zehn Exemplaren in Silber und 50 Exemplaren in Kupfer.“ 1
Wir wissen allerdings, dass Alexander von Humboldt selbst ein goldenes Exemplar der Medaille besaß, das nicht mit dem Exemplar des Berliner Münzkabinetts identisch ist. Wir wissen außerdem, dass Humboldts Exemplar – ein „Geschenk S. M. des Königs Friedrich Wilhelm IV.“, wie im Katalog zu lesen – in einer vom königlichen Auktionator Theodor Müller am 17. September 1860 in Humboldts Wohnräumen abgehaltenen Auktion unter Nr. 356 verkauft wurde. 2
In der Imperial Collection befindet sich ein Exemplar dieser seltenen Medaille in Gold (Los 154). Sie gehörte zur Medaillensammlung Kaiser Wilhelms I. und gelangte aus dessen Nachlass in das Hohenzollernmuseum. Auch Friedrich Wilhelm IV. hat ein Exemplar besessen. Die Kosmos-Medaillen in Gold sind jedoch von größter Seltenheit. Es existieren weniger als eine Handvoll dieser Stücke, von denen unseres Wissens seit 1860 keines mehr auf den Markt gekommen ist.
Alexander von Humboldt am Berliner Hof
Alexander von Humboldt muss man wohl niemandem vorstellen. Der deutsche Forschungsreisende gehört zu den bekanntesten Naturwissenschaftlern des 19. Jahrhunderts. Bemerkenswert ist sein ganzheitlicher Ansatz. Wenn wir heute von Ökosystemen sprechen, hat Humboldt dies mit seinen umfassenden Beschreibungen der von ihm erforschten Länder vorgedacht.
Alexander von Humboldt hatte als Sohn des Kammerherrn einer Prinzessin von Preußen sozusagen schon von Geburt an ein enges Verhältnis zum preußischen Königshof. Friedrich Wilhelm II. war sein Taufpate. Nachdem Humboldt als junger Mann durch eine große Erbschaft finanziell unabhängig geworden war, zog es ihn in die weite Welt, wo er die Forschungsreisen absolvierte, die ihn berühmt machen sollten.
Sie ruinierten ihn gleichzeitig finanziell, so dass er sich 1805 bereit erklärte, nach Berlin zurückzukehren. Dafür bewilligte ihm Friedrich Wilhelm III. eine jährliche Pension von 2.500 Talern und ernannte ihn zum königlichen Kammerherrn. Damit waren keine konkreten Verpflichtungen verbunden, aber es wurde erwartet, dass der berühmte Gast bei königlichen Einladungen glänzte, der höfischen Gesellschaft aus seinen neuesten Werken vorlas, gelegentlich eine diplomatische Mission übernahm und bei passender Gelegenheit dem König als Reiseführer diente, so zum Beispiel als Friedrich Wilhelm III. 1822 anlässlich eines Kongresses in Verona auch Venedig und Rom besichtigte.
Humboldt zog die anregenden Großstädte Paris und London dem noch etwas provinziellen Berlin vor, doch als er 1827 endgültig zurückkehrte, tat er das auch, um mit dem „Kosmos“ eine Gesamtschau seiner wissenschaftlichen Forschungen zu schreiben.
Welches Werk Humboldts verbirgt sich hinter dem Titel „Kosmos“?
Der Begriff Kosmos ist dem Griechischen entlehnt, wo er die Weltordnung beschreibt. Humboldt griff ihn als Titel für Vorträge auf, die er vom Herbst 1827 bis zum Frühjahr 1828 in Berlin hielt. Dabei sprach er frei und ohne Manuskript, ermöglichte seinen Zuhörern so einen von Details unbeschwerten Zugang zum Verständnis der Natur. Um die unautorisierte Veröffentlichung von Mitschriften der in Berlin begeistert aufgenommenen Vorlesung zu verhüten, entschied sich Humboldt, selbst ein Werk unter diesem Titel zu verfassen. Geplant waren zwei Bände, die im Dezember 1829 erscheinen sollten.
Humboldt war nicht in der Lage, den ambitionierten Zeitplan einzuhalten. Der erste Band, der selbstverständlich König Friedrich Wilhelm IV. gewidmet war, erschien 1845. Zwei Jahre später wurde der zweite Band publiziert. Dessen Erscheinen ist der konkrete Anlass für die Kosmos-Medaille.
Humboldt war sich zu diesem Zeitpunkt im Klaren, dass sein Werk damit nicht abgeschlossen war. Weitere Bände folgten. Ihre Vollendung wurde zu einem Wettlauf des greisen Wissenschaftlers gegen die Zeit und seinem nahen Ende. Selten ging er vor drei Uhr morgens ins Bett. Der Tod nahm ihm 1859 die Feder aus der Hand. Der fünfte Band des Kosmos blieb Fragment.
Die Kosmos-Medaille
Die Rückseite der Kosmos-Medaille ist schon deshalb bemerkenswert, da sie sowohl antike Vorbilder aufgreift, wie auch das neue Naturverständnis des Alexander von Humboldt künstlerisch zusammenfasst. Auf der Rückseite sitzt ein geflügelter Genius inmitten einer gebirgigen Landschaft. Er hält in seiner linken Hand ein großes Teleskop, um in den Himmel zu schauen. Daran ist ein Senkblei gebunden, mit dem die Tiefen gemessen werden können.
Mit der rechten Hand zieht er den Schleier von einer Kultstatue der Artemis Ephesia, die mit ihren vielen Brüsten und den deutlich zu erkennenden Reliefblechen mit Tierköpfen auf dem Unterleib leicht zu erkennen ist. Artemis Ephesia entwickelte sich im 19. Jahrhundert zur Personifikation der Natur.
Zwischen Genius und Artemis ist die Sphinx abgebildet. Ihr Rätsel löste der junge Ödipus mit der Antwort „Der Mensch“. Im Abschnitt des Kreises ist durch ein antikisierendes Motiv das Meer angedeutet, in dem Delphine schwimmen, deren Darstellung ebenfalls an antike Vorbilder erinnert. Darum herum windet sich ein üppiger Kranz von mehr oder weniger exotischen Pflanzen, der in den Tierkreis und Sternbilder eingebettet ist. Peter Cornelius fasste mit seiner Darstellung die wesentlichen Gebiete der Forschung Humboldts zusammen: Erde, Meere, Mensch, Pflanzen und Tiere, die sich mit dem sie umgebenden Weltall vereinen zu dem, was der Forscher als Kosmos verstand.
Humboldt schätzte die Darstellung sehr. Eine gerahmte Entwurfszeichnung hing in seiner Wohnung. Sie stammte, wie uns eine im Versteigerungskatalog des Nachlasses von Humboldt zitierte Aufschrift mitteilt, 3 nicht nur von Peter Cornelius, der als alleiniger Schöpfer auf der Medaille genannt ist, sondern auch von dem wesentlich weniger bekannten Heinrich Asmus. Das in einem prachtvollen Holzrahmen gefasste Bild war ein persönliches Geschenk von König Friedrich Wilhelm IV. an Humboldt.
Es dürfte wohl keine Medaille geben, die für die Forschungsgeschichte des 19. Jahrhunderts von größerer Bedeutung ist. Sie würdigt die herausragenden Leistungen des bekanntesten Naturwissenschaftlers des 19. Jahrhunderts, der mit seinen Publikationen unser Denken heute noch prägt.
Fußnoten
1 Siehe https://ikmk.smb.museum/object?id=18205202, abgerufen am 30. März 2026
2 Katharina Lepekhina und Christian Stoess, Alexander von Humboldt und seine Münzen und Medaillen. In: Geldgeschichtliche Nachrichten
3 07 (Januar 2020), S. 400 mit Anm. 49 3 a.a.O. S. 396 mit Anm. 14