Pilgrims Rest und die ersten südafrikanischen Goldfunde
Um 1870 stand die ZAR - gerne auch als Transvaal bezeichnet - kurz vor dem Staatsbankrott. Ihre Banknoten wurden im Ausland nicht akzeptiert. Selbst innerhalb des Landes kursierten sie zu höchstens einem Viertel ihres Nominalwerts. Thomas François Burgers, seit 1872 Präsident der ZAR, sah darin eines der zentralen Probleme des Landes.
Das goldreiche Südafrika kurz vor dem Staatsbankrott? Aber bei Burgers Amtsantritt waren die Goldfelder am Witwatersrand noch nicht entdeckt. Am 15. August 1873 erschien in der regierungsnahen Zeitung „Volkstem“ folgender Bericht: „Eine Gruppe von drei Männern holte [in Pilgrims Rest] 28 Unzen Gold heraus (die ich gesehen habe), das Ergebnis von sechswöchigem Waschen. Ungefähr ein Drittel davon bestand aus wunderschönen Goldnuggets, die Stücke wogen zwischen einem halben und zweieinhalb Pennyweights [1 Pennyweight = 24 grains = ca. 1,55 g, Anm. d. Verf.], während der Rest größtenteils aus Feingold bestand.“ Inwieweit dieser Bericht mit Burgers Reise nach Pilgrims Rest im gleichen Monat zusammenhängt, lässt sich nicht rekonstruieren. Was wir jedoch wissen, ist, dass daraufhin die Zahl der Goldsucher rasant zunahm.
Burgers hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einen Teil des Goldes gekauft und mit seinem Generalkonsul in London Kontakt aufgenommen. Er teilte ihm am 9. Februar 1874 schriftlich mit, dass er plane, Münzen mit seinem Porträt prägen zu lassen. Das möge der Herr Generalkonsul doch bitte in die Wege leiten. Sein Porträt und 300 Unzen Gold legte er der Sendung bei.
Bildunterschrift: Unbekannter Fotograf: Goldbergbau in Pilgrims Rest.
Feiner und rauer Bart
So fertigte Wyon von der British Royal Mint den Stempel an, mit dem Ralph Heaton & Sons in Birmingham die Prägung durchführten. Im August 1874 erreichten die ersten 695 Stücke das Staatsoberhaupt Transvaals. Burgers stellte seine stabile Goldwährung im Volksraad vor. Zu seiner Überraschung teilten die 28 tiefgläubigen Abgeordneten seine Begeisterung nicht. Im Gegenteil. Sie regten sich über seine Anmaßung auf, das eigene Porträt auf die Münze setzen zu lassen. Erst nach zwei Tagen hitziger Debatten erklärte sich der Volksraad bereit, die Münzen unter dem Namen „Staatspond“ als Zahlungsmittel anzuerkennen.
Allerdings spielte das Burgers Pond keine Rolle im Geldumlauf. Es gab einfach nicht genug davon, obwohl im September noch einmal 142 Stück geliefert wurden. Erst die Numismatiker des 20. Jahrhunderts erkannten, dass es sich bei den Nachlieferungen um eine Variante handelte. Der originale Stempel war nämlich zerbrochen, ein neuer gefertigt worden. Man spricht deshalb von der Variante mit dem „fine beard“ und der selteneren Variante mit dem „course beard“.
Bildunterschrift: Unbekannter Künstler: Mphome Mission der Berliner Missionsgesellschaft, Druck (Postkarte) 1886.
Wie kam eine seltene südafrikanische Münze in den Besitz des deutschen Kaiserhauses?
Wir haben keine schriftliche Quelle, wie das „Burgers Pond“ in die Sammlung des Hohenzollernmuseums kam. Es kann sich natürlich um ein diplomatisches Geschenk gehandelt haben, aber diplomatische Kontakte mit dem Kaiserreich gab es erst zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt. Paul Kruger reiste erstmals vom 7. bis zum 10. Juni 1884 an der Spitze einer Delegation nach Berlin, um sich dort mit Wilhelm I. und Bismarck zu treffen. Private Kontakte bestanden zwischen Berlin und Transvaal allerdings schon lange vorher, denn die Berliner Missionsgesellschaft war dort sehr aktiv. Preußische Geistliche betreuten südafrikanische Missionsstationen, um - wie viele andere europäische Missionsgesellschaften auch - den Ureinwohnern ihre Religion und das zu bringen, was damals als Bildung galt.
Wir stehen dem heute skeptisch gegenüber. Im 19. Jahrhundert dagegen stieß die Mission auf breite Zustimmung und eine hohe Spendenbereitschaft. Um Spenden einzusammeln, reisten Missionare immer wieder in die Heimat, erzählten von ihrem Einsatzgebiet und brachten exotische Objekte mit, die sie oft großzügigen Spendern schenkten.