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Die Frau an seiner Seite: Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach
Die Frau an seiner Seite: Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach
Ursula Kampmann

Dass eine Ehe „keine bloße Familien Angelegenheit, sondern eine Staatsangelegenheit ist, sollte Dir, denke ich, einleuchten,“ schrieb Friedrich Wilhelm III. im Jahr 1822 an seine Tochter Charlotte. Damit rief er ihr in Erinnerung, dass ein Mitglied des preußischen Königshauses sich verpflichtet fühlen müsse, bei der Eheschließung die Belange des Königreichs im Auge zu behalten. Das private Glück in einer Ehe zu finden, war in Kreisen des Hochadels keine Option. Auch wenn das Familienleben der Herrschenden gerade nach der 1848er Revolution im bürgerlichen Stil inszeniert wurde, blieb die Ehe eine Zweckgemeinschaft zum Wohl der Dynastie und des Staates.

Franz Xaver Winterhalter: Porträt von Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach. Gemälde von 1853.

Eine Schwiegermutter mit Ambitionen

So war es sicher nicht Liebe, die Prinz Wilhelm (I.) zur Heirat mit Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach veranlasste. Sein jüngerer Bruder Carl hatte sich in ihre ältere Schwester verliebt. Doch die Schwiegermutter in spe – eine Schwester von Kaiser Alexanders I. und dessen jüngeren Bruder Großfürst Nikolaus (I.) – hatte andere Ambitionen: Sie stimmte der Ehe nur unter der Bedingung zu, dass Wilhelm ihre jüngere Tochter heiraten würde. Schließlich begann es sich zu diesem Zeitpunkt bereits abzuzeichnen, dass die Ehe des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelms (IV.) kinderlos bleiben und Wilhelm so eines Tages zum Thronfolger avancieren würde. Dieser durchschaute die Intrige. Er schrieb, dass einige Mitglieder des Berliner Hofs entschlossen seien, „mir A[ugusta] coute qui coute [=koste es, was es wolle] anzuschnallen.“

Letztendlich tat Wilhelm aber dann genau das, was man von ihm erwartete: Im Oktober 1828 hielt er um die Hand Augustas an. Es war eine Verbindung, die – wie er selbst schreibt – „mehr durch die Vernunft als das Herz dictiert“ wurde.

Eine intelligente, liberale Frau

Dass die Ehe trotzdem ein dynastischer und politischer Erfolg wurde, zeugt von der hohen sozialen Intelligenz des Paares. Wilhelm akzeptierte Augusta als Partnerin, deren Rat er stets akzeptierte. 

Doch nur selten tat er, was sie empfahl, denn die politische Grundeinstellung des Paares war zu verschieden. Während Wilhelm extrem konservative Ansichten vertrat, war Augusta zutiefst liberal.

Es dürfte für Augusta auch keine leichte Aufgabe gewesen sein, sich mit den stadtbekannten Affären ihres Mannes abzufinden. Man arrangierte sich und ging größtenteils getrennte Wege. Ihre Silberhochzeit fällt in die so genannten Koblenzer Jahre, als Wilhelm zwischen 1850 und 1858 das Amt eines Generalgouverneurs der Rheinprovinz und Westfalen bekleidete. Die gemeinsame Residenz war in Koblenz, wo der Ehemann seine Gattin monatelang allein ließ, um selbst in Berlin zu residieren.

Nichtsdestotrotz nahm Augusta immer wieder Einfluss auf die Tagespolitik. Sie verfasste durchdachte Memoranden, in denen sie wiedergab, was sie erfahren hatte. Wilhelm ermutigte sie dazu. Sehr zum Ärger von Bismarck, der immer wieder versuchte, ihren Einfluss zu beschneiden. Wilhelm schrieb: „...höre so viele Urteile wie Du willst, teile sie mir nach wie vor mit, denn das ist Deine Pflicht, aber glaube nur nicht, dass jene Urteile immer die allein richtigen sind, weil sie nicht die meinigen und nicht die der Regierung sind.“

Augusta tat, wie ihr geheißen. Sie schrieb. Insgesamt 5.800 Briefe der Korrespondenz des Herrscherpaares sind erhalten.

Die kaiserliche Familie: Im Zentrum übergroß Wilhelm I., darüber Kaiserin Augusta. Links ihr Sohn Friedrich III. und seine Gemahlin Victoria; darunter der Enkel, Wilhelm II. und seine Gemahlin Auguste Viktoria, ganz unten der Urenkel Friedrich Wilhelm. Auf die weiblichen und jüngeren Kinder verzichtet diese Graphik vollständig.

Silberhochzeit

Als Wilhelm und Augusta am 11. Juni 1854 ihre Silberhochzeit begingen, war dies also ein öffentliches, kein privates Fest. Es bot den Untertanen die Möglichkeit, ihre Loyalität zum künftigen Herrscherpaar zu bekunden. Mit Konzerten, Gottesdiensten, Volksfesten und Bällen wurde der Tag im ganzen preußischen Königreich feierlich begangen. Als Zeichen der Loyalität ist auch die Medaille zu verstehen. Wer seine Anhänglichkeit zum Königshaus in seiner Münzsammlung beweisen wollte, kaufte sie. Damit jeder sich eine Medaille leisten konnte, wurden sie nicht nur in Gold, sondern auch in Silber, Bronze und Zinn angeboten.

PREUSSEN Friedrich Wilhelm IV., 1840-1861. Goldmedaille zu 25 Dukaten 1854,
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