25 Exemplare der „Generalitätsmedaille“ zu 120 Dukaten gab Wilhelm I. in Auftrag, um damit diejenigen zu beschenken, die in seinen Augen den Sieg über Frankreich und damit die Einigung Deutschlands möglich gemacht hatten. Die „Generalitätsmedaille“ ist damit ein zentrales Zeugnis deutscher Geschichte. Und doch ist diese Medaille nur ein winziger Bestandteil, ein kleiner Zeitzeuge eines aufwändig inszenierten Spektakels.
Die Berliner Siegesparade am 16. Juni 1871
Im Mittelpunkt stand das siegreiche Heer, dem die deutsche Zivilbevölkerung ihren Dank für den Sieg abstattete. In vielen Städten und Dörfern wurde an jenem 16. Juni 1871 gefeiert. Auch wenn die zentrale Siegesparade natürlich der neuen Hauptstadt Berlin vorbehalten blieb. Das Datum war sorgfältig gewählt: Exakt fünf Jahre zuvor war das preußische Heer in Sachsen, Hannover und Hessen einmarschiert. Damit eskalierte der Konflikt zwischen Preußen und Österreich um die Vorherrschaft im Deutschen Bund. In nur fünf Jahren war es dem politischen Duo Bismarck und Wilhelm I. gelungen, aus vielen Kleinstaaten ein mächtiges Reich zu schmieden. Das vereinte Deutschland zwang das übermächtige Frankreich militärisch in die Knie. Dieser Sieg bedeutete für viele das Ende eines Traumas, das mit der Besetzung Deutschlands durch Napoleon begonnen hatte. Dieser Aspekt wurde in vielen Details des Festzuges betont. So zogen also 40.000 Soldaten stellvertretend für das gesamte Heer im Triumphzug durch Berlin – vom Halleschen Tor durch das Brandenburger Tor vorbei am königlichen Schloss zum Lustgarten. Die zentrale Zeremonie fand auf dem Pariser Platz statt. Der trug seinen Namen im Angedenken an die Eroberung von Paris während der Befreiungskriege von 1814. Jeder einzelne Soldat, der an der Siegesparade teilnahm, wurde beschenkt. Die Gemeinen erhielten einen, die Unteroffiziere zwei Taler, und die Berliner Bevölkerung sorgte gemeinsam für eine reichliche Verköstigung.
Bildunterschrift: Unbekannter Fotograf: Das Brandenburger Tor mit Festschmuck, bereit zum Triumphzug der einziehenden Truppen nach dem Deutsch-Französischen Krieg, Fotografie 1871.
Die Generäle an der Spitze der Truppen
An ihrer Spitze ritt „Papa Wrangel“, preußischer Generalfeldmarschall und Veteran der Befreiungskriege. Der würdige Herr zählte zum Zeitpunkt des Triumphzugs bereits 87 Jahre und war nicht mehr Teil der aktiven Generalität, weshalb er keine Medaille erhielt. Ihm folgten die Offiziere des Kriegsministeriums und des Generalstabs, die Mitarbeiter des Sanitätswesens und die Adjutanten sowie die General-Gouverneure. Erst jetzt kamen, hoch zu Ross und bejubelt von der gesamten Bevölkerung, die kommandierenden Generäle, die auf der Generalitätsmedaille gelistet sind. Sie ritten in einer exakt festgelegten Reihenfolge, die sich in der Nennung ihrer Namen und Ämter auf der Generalitätsmedaille spiegelt. Vereinfacht gesagt: Je höher der Rang, umso weiter oben ist die Person auf der Medaille genannt. In der Prozession war die Zusammensetzung umgekehrt, weil sie dem militärischen Zeremoniell entsprach: Die hochrangigsten Militärs ritten im Zug an letzter Stelle.
Voraus ritt die Gruppe der kommandierenden Generäle in dieser Reihenfolge:
- General der Infanterie Prinz Georg von Sachsen
- General der Infanterie von Alvensleben
- General der Infanterie von Voigts-Rhetz
- General der Kavallerie von Tümpling
- General der Infanterie von Zastrow
- General der Infanterie von Manstein
- General der Infanterie von Hartmann
- General der Infanterie Freiherr von der Tann
- General der Infanterie von Fransecky
- General der Infanterie von Kirchbach • General der Infanterie von Werder
- General Lieutenant von Bose
- General Lieutenant von Alversleben
Von ihnen abgesetzt, in einer eigenen Gruppe ritten hinter ihnen die vier Oberbefehlshaber:
- Friedrich Franz, Großherzog von Mecklenburg-Schwerin
- Albert, Kronprinz von Sachsen
- Feldmarschall von Steinmetz
- General der Kavallerie Freiherr von Manteuffel
Eine Ehrung in Form einer Medaille
Das neue Deutschland: Bürgerlich und militärisch stark
Das Motiv der Rückseite entwarf der Dresdner Bildhauer und Historienmaler Franz Theodor Grosse. Es lohnt sich, seine Germania genauer zu betrachten. Sie trägt, wie viele andere allegorischen Darstellungen dieser Zeit, Waffen, darunter ein Schwert und einen Schild, der geschickt so gedreht ist, dass der Betrachter selbst entscheiden kann, ob er darauf den Hohenzollernadler oder den doppelköpfigen Reichsadler erkennen will. Außergewöhnlich ist das Kettenhemd unter dem kaiserlichen Purpurmantel, mit dem der Künstler die Personifikation Deutschlands bekleidet. Auch die friedlich thronende Germania bleibt wachsam und verteidigungsbereit.
Bekränzt ist Germania nicht etwa mit dem Lorbeer des Siegers, sondern mit Eichenblättern, die mehrfach in der Rückseitendarstellung erscheinen. So bringt die geflügelte Victoria Germania Kränze aus Eichenblättern, nicht, wie zu erwarten, aus Lorbeer; und Fortuna reicht Germania einen Eichenzweig, nicht wie sonst üblich, einen Ölzweig.
Nun könnte man natürlich auf die Eiche als den deutschen Baum schlechthin verweisen, doch das wäre zu kurz gegriffen. Die damals in klassischer Literatur und römischer Geschichte bestens bewanderten Betrachter fühlten sich sofort an Kaiser Augustus erinnert. Ihm hatte der Senat die goldene Bürgerkrone zugesprochen, um ihm für das Ende der Bürgerkriege zu danken. Mit dieser Darstellung assoziierte der Betrachter automatisch, dass auch Germania alle Bürgerkriege zwischen den deutschen Staaten beenden werde.
Das Eiserne Kreuz, das mit den beiden Daten auf den Deutsch-Französischen Krieg verweist, tritt optisch völlig in den Hintergrund.
Zeitgenössische Deutung und historische Wirklichkeit
Wir wissen heute, welche Folgen der Deutsch-Französische Krieg hatte. Seine Zeitgenossen wussten das freilich nicht. Die damaligen Zeiten ließen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Und so beschrieb einer von ihnen die 6 Meter hohe Germania, die direkt vor dem Berliner Schloss aufgestellt war: „Das geeinigte, das in seinen alten Grenzen hergestellte, das sich seiner Stärke in der Einigkeit bewusst gewordene Deutschland ist der Kampfpreis, mit dem die Vorsehung Anstrengung und Opferwilligkeit von Fürsten und Völkern im Dienste des gemeinsamen geliebten Vaterlandes begnadet hat.“