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Die Krönung Georgs IV. zum König von Großbritannien und Irland

Die Krönung Georgs IV. zum König von Großbritannien und Irland

Martin Ziegert

Erst im vergleichsweise hohen Alter von 58 Jahren wurde Georg IV. 1820 zum britischen König gekrönt. Bereits seit 1811 war er Prinzregent für seinen kranken, an Porphyrie leidenden Vater König Georg III. 

Politisch gelang ihm die Durchsetzung einer Emanzipation der Katholiken, also einer gesetzlichen Gleichstellung mit den Anglikanern. Während der ersten fünf Jahre seiner Regentschaft musste er sich mit dem Kampf gegen Kaiser Napoleon und der französischen Kontinentalsperre befassen. Im privaten Umfeld versuchte Georg seine ungeliebte Frau Caroline von Braunschweig zu isolieren und sich von ihr offiziell scheiden zu lassen.

Bildunterschrift: Unbekannter Künstler: Ankunft Prinzessin Carolines von Braunschweig-Wolfenbüttel, die künftige Prinzessin von Wales, wird von ihrem zukünftigen Ehemann Georg Prinz von Wales in Carlon House begrüßt, London 1795.

Hochzeit und Ehekrise 

Georg hatte durch eine ausschweifende Lebensweise enorme Spielschulden angehäuft, die das Parlament aber nur unter der Zustimmung des Prinzen von Wales, seine braunschweigischen Cousine Caroline zu heiraten, zu begleichen gedachte. Bereits seit der ersten Begegnung herrschte zwischen dem Paar eine Antipathie. Neun Monate nach der Hochzeitsnacht, die der Thronfolger nur schwer alkoholisiert überstand, kam das einzige legitime Kind des Paares, Prinzessin Charlotte Augusta auf die Welt. Nach der Geburt stellte Georg Überlegungen an, sich von seiner Frau zu trennen. Das schlechte Verhältnis zwischen den Eheleuten wurde auch im Volk wahrgenommen: Während die Parteigänger des Prinzen seine Ehefrau mieden, stellten sich weite Teile der britischen Presse auf die Seite der Prinzessin. Seit 1797 wohnten sie getrennt, die Tochter allerdings bei ihrem Vater, der ihr nur selten Zugang zur Mutter gewährte. Georg nahm für sich sexuelle Freiheiten in Anspruch, billigte diese bei seiner von ihm getrenntlebenden Frau jedoch nicht. Auf sein Drängen wurde 1806 eine hochrangige Untersuchungskommission eingesetzt, um die Lebensführung Carolines von Braunschweig zu überprüfen (Delicate Investigation). 

Öffentliche Schlammschlacht 

Im Januar 1813 setzte Carolines Rechtsberater Henry Brougham einen Brief an den Prinzregenten auf, um Carolines Rechte als Mutter einzufordern. Als der Prinzregent den Brief unbeantwortet ließ, spielte Brougham ihn der Presse zu. Fast alle Zeitungen druckten ihn vollständig ab. Der Prinz konterte, indem er die Anklagepunkte für die Delicate Investigation an die Zeitungen durchstach, Brougham antwortete mit dem Untersuchungsergebnis, das Caroline freigesprochen hatte. Die öffentlich ausgetragene Schlammschlacht untergrub mehr und mehr das Ansehen Georgs in der Öffentlichkeit. Viele Zeitungen stellten sich erneut auf die Seite der Prinzessin. Mit der Zusicherung einer jährlichen Apanage von 35.000 Pfund verließ Caroline von Braunschweig Großbritannien, bereiste Europa und Nordafrika, um schließlich in Italien zu leben.

Versuch der Scheidung 

Nachdem Georg am 29. Januar 1820 offiziell König wurde, weigerte er sich, seine Frau als Königin anzuerkennen. Er ließ eine Gesetzesvorlage ausarbeiten, die das Parlament ermächtigen sollte, mit einfacher Mehrheit die Ehe zu annullieren, wenn die Königin nicht ihres Amtes für würdig befunden worden wäre (Pains and Penalties Bill). Um dieses Ziel zu erreichen, hatte der König Zeugen in Mailand bestechen lassen, die Caroline kompromittieren sollten. Die Zeitung „The Times“ kritisierte den Gesetzesentwurf scharf, weil darin nur ein Ehepartner überprüft werden sollte. Am 5. Juni 1820 kehrte Caroline von Braunschweig nach England zurück und wurde von Menschenmengen frenetisch begrüßt.

Die Anhörung des Gesetzesentwurfs im Oberhaus fand am 17. August 1820 statt. Henry Brougham konnte im Kreuzverhör die Glaubwürdigkeit der gekauften Zeugen demontieren. Durch den Prozess erlangte das Ansehen des Königs einen Tiefpunkt und seine Krönung fand daher erst ein Jahr später, am 19. Juli 1821 statt. Der extravagante Geschmack des Königs trieb die Gesamtkosten der Feierlichkeiten auf das 24fache der Kosten der Krönung seines Vaters Georg III., 58 Jahre zuvor. Der fettleibige Georg IV. hatte unter dem schweren neuen Ornat und der neuen Krone an diesem heißen Julitag so zu leiden, dass er später sagte, dass er für kein weiteres Königreich solche Strapazen noch einmal erdulden wolle. Die Medaille zeigt dagegen das Idealbild des Königs, im Stile eines römischen Imperators.

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