Vom 29. September bis zum 21. November 1818 fand in Aachen eine Versammlung hochkarätiger Politiker statt, welche den Rückzug der Alliierten Besatzungen in Frankreich verhandelten, das gerade dabei war, die letzte Rate der im Wiener Kongress verhandelten Reparationszahlungen zu begleichen. Zu den Anwesenden zählten unter anderen Alexander I., Franz I. mit seinem Kanzler Fürst Metternich, Friedrich Wilhelm III. und Staatskanzler Fürst Hardenberg, der Herzog von Wellington sowie der neue Außenminister Frankreichs, der Herzog von Richelieu. Der geniale französische Diplomat Talleyrand war nicht mehr dabei. Er hatte an Macht verloren, weil er dem neuen Regime zu liberal war.
Überhaupt stand der Aachener Kongress im Zeichen der Reaktion. Alexander I. legte die Denkschrift „Über den gegenwärtigen Zustand Deutschlands“ vor, in der er strenge Maßnahmen zur Überwachung der Intellektuellen forderte. Dies sollte langfristige Folgen haben.
Bildunterschrift: William Heath: Zeitgenössische Karikatur mit dem Titel “Ein Kuss während des Kongresses, eine legitime Umarmung in Aachen zwischen Alexander dem Großen und Ludwig dem Umfangreichen sowie andere Figuren des Geschehens.” Kolorierter Kupferstich 1818. Dargestellt sind von rechts nach links: Friedrich Wilhelm III., der Herzog von Richelieu, Ludwig XVIII., Alexander I., der Herzog von Wellington?, Fürst Metternich und eine unbekannte Person.
Idee und Auftrag
Die Idee, den Kongress auf einer Medaille zu verewigen, entstand erst ein Jahr später. Am 14. Oktober 1819 richtete der Aachener Altertumsforscher Carl Franz Meyer, von Friedrich Wilhelm III. während des Aachener Kongresses zum preußischen Hofrat ernannt, ein Denkschreiben an den König, in dem er anregte, auch auf den Aachener Kongress eine Medaille prägen zu lassen. Schließlich seien anlässlich früherer Kongresse in Aachen ebenfalls Medaillen entstanden. Dem König gefiel die Idee. Er beauftragte Staatskanzler Hardenberg am 6. November passende Entwürfe zu liefern. Dafür wendete er sich an die Akademie der Wissenschaften, die ihre historischphilosophische Klasse damit betraute. Am 12. Dezember war der Bericht samt Zeichnungen fertig. Auf der Vorderseite der Medaille sollten die drei Fürsten, Alexander I., Franz I. und Friedrich Wilhelm III. dargestellt sein mit der Umschrift „Consensus Principum“ (= Einvernehmen der Fürsten). Für die Rückseite wurde eine Personifikation der Stadt Aachen „mit der Mauerkrone auf dem Kopfe, den ehemaligen Kaiserstab in der Linken haltend und auf der Rechten die noch vorhandene Palastkapelle Karl des Großen, über deren Runddachung das Bild der Maria, welches der Kapelle geweiht war, sitzend erscheint.“ Als Umschrift schlug die Kommission „Concordiae pactis inter christianos Europae principes“ (= wegen der Eintracht durch Verträge zwischen den Fürsten des christlichen Europas) vor. Sie wurde gewählt, begründete die Kommission, weil alle großen christlichen Fürsten Europas teilgenommen hätten. Der König fand die Entwürfe unbefriedigend. In seinen Augen waren sie weder zeitgemäß noch ästhetisch ansprechend. Der Inschrift fehle es außerdem an Präzision. Er beauftragte am 6. Januar 1820 Karl Friedrich Schinkel mit dem Entwurf der Medaille. Warum dieser vom Vorschlag der Akademie abwich, begründete der Künstler ausführlich: „Die Gedanken, welche die Akademie aufgestellt hat, sind zum Teil dabei zu Grunde gelegt, in der Komposition und Charakteristik aber ist manches motiviert worden. Auf der Hauptseite habe ich das personifizierte Aachen beibehalten, die Prachtkapelle Karls des Großen aber genau nach ihrer ursprünglichen Form gezeichnet, auch um den Ort in Beziehung auf die Veränderung des Namens, die hier nicht übel steht, näher zu bezeichnen, habe ich an dem Thron eine Hygieia, an einem Quell stehend, angebracht. Auf der Kehrseite möchten die, von der Akademie vorgeschlagenen Köpfe der drei Monarchen die beiden anderen Hauptmächte Europas, welche bei dem Kongress mitgewirkt, zu sehr ausschließen, ich habe deshalb geglaubt, durch einen nach antiker Art stark gewundenen Lorbeerkranz, in welchem die Wappen Preußens, Russlands, Österreichs, Englands und Frankreichs verflochten sind, – durch einen Fascis in der Mitte und durch die Umschrift Concordia Pactis inter christianos Europae Principes (= Eintracht durch Verträge zwischen den christlichen Herrschern Europas) dem Gegenstande allgemeiner entsprechen zu können.“
Die Ausführung
Der König genehmigte den Entwurf und Henri François Brandt, damals gerade zum Ersten Medailleur der Königlich Preußischen Münzstätte ernannt, fertigte die Stempel. Am 26. Dezember 1821 legte Hardenberg dem König die ersten Abschläge vor und zwar in Silber und Gold. Brandt hatte schriftlich erklärt, dass er die Garantie übernehmen würde, dass man bis zu 1.000 Medaillen aus dem Stempelpaar prägen könne. Falls man mehr bräuchte, müsse er einen zweiten Stempel schneiden. Jeden Stempel müsse er mit 100 Friedrich‘s d’or berechnen. Falls der König ein anderes Zahlungsmodell bevorzuge, sei er auch bereit, sich anteilig auszahlen zu lassen, und zwar mit 4 Groschen pro Medaille.
Ein Geschenk für die Teilnehmer...
Der König war mit Brandts Arbeit mehr als zufrieden. Er ließ 12 goldene, 52 silberne und 6 bronzene Medaillen herstellen, die er den Kongressteilnehmern als persönliches Geschenk zusandte.
...und ein gutes Geschäft für die Münzstätte
Danach durfte die Münzstätte auf Bestellung prägen. Sie verkaufte seit September 1822 die Medaille auf den Kongress von 1818 in Gold für 81 Taler, 15 Silbergroschen, 9 Pfennige, in Silber für 4 Taler, 20 Silbergroschen, in Bronze für 10 Silbergroschen, 7 1/2 Pfennige. Die detaillierten Informationen zur Entstehung der Medaille auf den Aachener Kongress sind erhalten geblieben, weil Hildegard Lehnert, Enkelin von Henri François Brandt, im Jahr 1897 ein Buch über Leben und Werk ihres Großvaters veröffentlichte. Darin wertete sie im Nachlass erhaltenes Archivmaterial aus.