Offizielle Medaillen spielen häufig eine Rolle im Zeremoniell der Ereignisse. Nur selten können wir diese Rolle so gut fassen wie bei der Medaille, welche die Stadt Berlin anlässlich der 300-Jahrfeier der Reformation prägen ließ. Dies lag im Trend: In vielen Staaten ging im 19. Jahrhundert die Organisation des Reformationsjubiläums von staatlicher in bürgerliche Hand über. Unter großer Beteiligung der Bevölkerung wurde das Fest vom 1. bis zum 3. November 1839 als Akt des Glaubens inszeniert.
Das Datum verwundert zunächst: Doch feierten die Berliner nicht wie andere protestantische Gemeinden den Thesenanschlag Luthers von 1517, sondern die Bekehrung des Landes zur protestantischen Konfession. Hierfür gab es zwei zentrale Ereignisse. Am 1. November 1539 nahm Joachim II. in der Spandauer Nikolaikirche erstmals das Abendmahl in beiderlei Gestalt und am 2. November 1539 fand ein zweiter protestantischer Gottesdienst in Berlin statt.
Durch den zeitgenössischen Bericht des evangelischen Pfarrers und Historikers Ludwig Frege haben wir genaue Kenntnis darüber, welche Umzüge, Festakte, Gottesdienste und Ansprachen gehalten wurden.
Zum bleibenden Andenken
Darin geht er detailliert auf die Medaille (Los 131) ein: „Zum bleibenden Andenken an die Jubelfeier hatte die Stadt, deren Behörden bei dieser Gelegenheit weder Kosten noch Mühe gespart hatten, eine Denkmünze prägen lassen. Die künstlerische Ausführung derselben war dem rühmlichst bekannten Medailleur L. Pfeuffer [tatsächlich hieß Pfeuffer mit Vornamen Christoph Carl] übertragen worden, welcher durch die Gelungenheit seines eben so schön gedachten als reich ausgestatteten Kunstwerkes seinem Talente und seiner Geschicklichkeit ein bleibendes Denkmal gestiftet hat. Noch in den fernsten Zeiten wird diese Denkmünze als ein würdiges Zeichen der Erinnerung an den hochwichtigen Festtag des 2. November betrachtet werden."
Ein Geschenk an die königliche Familie
Frege hielt in seinem Bericht fest, welchen Personen die Vertreter der Stadt Berlin diese Medaille zukommen ließen: „Von dieser Denkmünze wurden am Tage vor dem Feste Sr. Majestät dem Könige und Sr. königl. Hoheit dem Kronprinzen Exemplare in Gold und Bronze überreicht, desgleichen Exemplare in Silber und Bronze sämtlichen übrigen Mitgliedern der Königlichen hohen Familie. Nicht minder wurden an diesem Tage etwa 2500 Stück dieser Denkmünze an die höchsten und hohen Behörden, an die Geistlichkeit, die Universität, die Direktoren, Vorsteher und Lehrer sämtlicher evangelischen Schulen Berlins, sowie an andere angesehene Personen und an alle in der hiesigen Communal-Verwaltung mitwirkende Mitglieder der Bürgerschaft verteilt. Außerdem wurden an alle evangelischen Kirchen Berlins so wie an die Magistrats-Collegien der Nachbarstädte Potsdam, Brandenburg, Spandow Denkmünzen zu Verteilung und Aufbewahrung übersendet.“
Eine detaillierte Deutung des Münzbilds
Am meisten Platz nimmt die Beschreibung der Medaille ein, die Frege besonders am Herzen lag: „Ihre Vorderseite enthält die Brustbilder des Kurfürsten Joachim II. und Sr. Majestät des Königs, der beiden Fürsten, in deren Tage die wichtigen Tatsachen der Gründung der evangelischen Kirche in der Mark und die dritte Jubelfeier derselben fallen. Im Kurfürsten-Ornate ist Joachim dargestellt, im Königsmantel erscheint des Königs Majestät. Die einfache aber Alles sagende Umschrift gibt die Namen beider Fürsten und die beiden betreffenden Jahreszahlen 1539 und 1839 an.
Auf der Kehrseite ist die Feier des Gedächtnis-Tages dargestellt. Am Hochaltare des alten auf dem Schloßplatze befindlich gewesenen Domes steht unter dem Bilde des gekreuzigten Heilands der Bischof von Brandenburg, Mathias von Jagow, in der rechten Hand den Kelch haltend, welchen er den auf den Stufen des Altar knienden Personen, dem Bürgermeister und einem Ratsherrn darreicht, während die linke Hand zum Segnen erhoben ist. Hinter den Knienden steht mit einer Gebärde, welche Andacht und Erbauung ausspricht, eine Gruppe von Bürgern die Sehnsucht der gesamten Bürgerschaft nach dem heiligen Male andeutend. Als Zeuge dieser heiligen Handlung tritt auf der anderen Seite des Altars der Kurfürst hervor. Er erscheint mit entblößtem Haupte, den Kurhut vor sich haltend, Ritter des Hofes umgeben ihn. Im Abschnitt stehen die Worte: DIE STADT BERLIN ZUM 2. NOV. 1839. Die Umschrift gibt in derselben Schriftart die beiden recht passend gewählten Bibelstellen Matth. 26 V27 und Ev. Joh. 5 V. 39: „Trinket Alle daraus“ und „Suchet in der Schrift, sie ist‘s, die von mir zeuget.“