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EIn Mythos wird begründet: Das Denkmal für König Friedrich den Großen in Berlin
Ein Mythos wird begründet: Das Denkmal für König Friedrich den Großen in Berlin 
Ursula Kampmann

Als die Ritterschaft der Provinz Brandenburg anlässlich der Erbhuldigung von 1840 nach Berlin reiste, wurde ihr ganz besondere Unterhaltung geboten. In zwölf lebenden Bildern führte man ihnen die gesamte preußische Geschichte vor. Warum das an dieser Stelle Erwähnung findet: Drei der zwölf Bilder waren Friedrich II. gewidmet, während die anderen Ahnen mit lediglich einem Bild bedacht wurden. Die Hohenzollern knüpften so nach über fünfzig Jahren an eine Epoche der militärischen Stärke und kulturellen Ausstrahlung an. Friedrich II. wurde zum Vorbild der eigenen Politik.

Ein Denkmal für den „Alten Fritz“ 

In diesem Zusammenhang besaß das lange liegengebliebene Denkmalprojekt für Friedrich II. einen besonderen Stellenwert. Erst 1836 hatte Friedrich Wilhelm III. den endgültigen Auftrag für die Realisierung des Denkmals erteilt. Den Auftrag erhielt einer der wichtigsten Bildhauer seiner Zeit, Christian Daniel Rauch. Er lieferte einen Entwurf zu einem Reiterstandbild in realistischer Manier, das Friedrich in Uniform auf seinem Lieblingspferd Condé zeigte. Die Kosten in Höhe von 200.000 Taler übernahm die Staatskasse. Eine Spendenaktion wurde abgelehnt. Bei einem derart zentralen Symbol wollte das Königshaus die Kontrolle behalten.

Eduard Gaertner: Die Straße Unter den Linden, Gemälde 1852.

Die Grundsteinlegung

Am 31. Mai 1840 – anlässlich des 100. Jahrestags der Thronbesteigung Friedrichs II. am 31. Mai 1740 – legte Kronprinz Friedrich Wilhelm den Grundstein. Sein Vater, der König, konnte auf Grund einer hartnäckigen Influenza, die ihn bereits schwer gezeichnet hatte, nur vom Fenster seines Arbeitszimmers der Zeremonie beiwohnen. Bereits eine Woche darauf verstarb er. Eine offizielle Medaille zu diesem Anlass wurde nicht beauftragt. Die Medaillen, die zur Erinnerung an dieses Ereignis verkauft wurden, stammen aus der Berliner Medaillen-Münze des Unternehmers und Münzmeisters Gottfried Loos (Los 165). Die Rückseite zeigt ein dem späteren Denkmal sehr ähnliches Bild, weil das Modell, an dem Rauch arbeitete, allgemein bekannt war.

Guss im ehemaligen Münzgebäude

Der Guss der Statue erfolgte gegen Mitternacht des 11. Juli 1846 durch den Kunstgießer Friebel, der noch viele weitere Bronzestatuen schaffen und die „Berliner Kunstgießerei“ zu großer Bekanntheit führen sollte. Wegen der Größe des Standbilds errichtete man für den Guss eigens eine neue Halle. Sie stand auf dem Gelände der alten Münzstätte an der Münzstraße 10. Das ehemalige Münzgebäude wurde ebenfalls genutzt. Da für den Sockel noch viele weitere Figuren erforderlich waren, stellte Fries das komplexe Kunstwerk erst Ende des Jahres 1849 fertig.

Die Enthüllung der Statue zum großen Friedrichsfest am 31. Mai 1851

Die Nachwehen der Revolution von 1848 verzögerten die Enthüllung und Fertigstellung der Statue. Schließlich war es so weit: Mit einer bis ins kleinste Detail geplanten Inszenierung, dem sogenannten „Friedrichsfest“, wurde das Denkmal am 31. Mai 1851 eingeweiht.

Das Militär war die zentrale Zielgruppe, während sich die Medien darüber beschwerten, dass der Berliner Bevölkerung der Zugang zur Veranstaltung verwehrt blieb. Um eine Kontinuität zu den Feldzügen Friedrichs II. herzustellen, hatte man 80 noch lebende Veteranen seines Heeres ausfindig gemacht und als Ehrengäste geladen.

Um 11.00 Uhr – wie eine Festchronik erzählt – „(...) sprengt des Prinzen von Preußen König. Hoheit, hoch und stattlich wie der Kriegsgott selbst“ heran. Gemeint ist Wilhelm, der im Kreis des Heeres auf den königlichen Bruder wartet. Der betrat unter den Klängen des Marschs Friedrichs des Großen als letzter die Szenerie, hinter ihm eine Schar von illustren Gästen aus den mit Preußen verbündeten Fürstenhäusern. Auch wenn keine regierenden Häupter kamen, schickten viele ihre Kronprinzen. Unter den Salutschüssen der 30.000 anwesenden Soldaten ließ Friedrich Wilhelm IV. die Statue enthüllen. Mit dem Choral „Nun danket Alle Gott!“ endete der Festakt.“

Die Medaille

Diesmal hatte Friedrich Wilhelm IV. eine Medaille auf den Anlass anfertigen lassen. Der erste, der sie erhielt, war der Bildhauer selbst, wie eine Festchronik berichtet: „Die Medaille, von der Se. Majestät der König dem Meister Rauch am Denkmal selbst Exemplare in Gold, Silber und Bronce reichten, ist von Kullrich geschnitten und zeigt auf dem Avers das Brustbild Friedrichs des Großen, auf dem Revers die ganze Reiterstatue.“

Hinsichtlich der Beschreibung der Stücke unterlag der Autor einem Irrtum, wahrscheinlich weil er die im königlichen Auftrag gefertigten Medaillen nicht zu sehen bekam. Er mag an die von der privaten Berliner Medaillen-Münze Loos hergestellten Stücke gedacht haben, die allerdings auch nicht den König Friedrich zu Pferde, sondern die Porträts von Friedrich Wilhelm III. und Friedrich Wilhelm IV. zeigten (Los 165). Diese privat angefertigten Medaillen kosteten – so jedenfalls der Autor – in Gold die wirklich beachtliche Summe von 50 Talern; in Silber bekam sie ein Sammler für 2 ½ Taler, in Bronze bereits für einen Taler. Er mag auch hier nicht korrekt informiert gewesen sein, denn ein zugehöriger Einlagetext in einem Originaletui nennt als Verkaufspreis in Gold 40 Friedrichsd‘or, in Silber 12 Taler und in Bronze zwei Taler.

Adolph von Menzel: Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sancssouci. Gemälde 1852.

Inspiration der Friedrich-Verehrung

Natürlich war die Erinnerung an Friedrich II. in Preußen nie ganz verschwunden, aber die Errichtung des monumentalen Standbilds löste in der Bevölkerung einen wahren Boom aus. Autoren, Künstler, Buchhandlungen und Theater befriedigten die Nachfrage: In den Zeitungen erschienen lange Oden auf den König. Nie wurden mehr Theaterstücke aufgeführt, die Friedrich II. gewidmet waren (freilich unter den strengen Augen der Zensoren). Noten zu den Militärmärschen, die man damals für Kompositionen des Königs hielt, verkauften sich blendend. Und das obwohl sie 1/3 bis 2/3 Taler pro Stück kosteten. Adolf von Menzel malte ein schmeichelhaftes Bild des „volkstümlichen“ Königs nach dem anderen.

Die Gesamtausgabe der Werke des literarisch dilettierenden Monarchen, wurde in 18 Bänden neu aufgelegt. Die Kosten waren enorm und betrugen 20 Taler für alle 18 Bände. 

Wenn die beliebtesten Filme der Ufa noch in den 1920er Jahren Friedrich den Großen zum Thema hatten, wenn der Alte Fritz heute noch weltweit eine Marke ist, dann lässt sich dieser neuentfachte, bisher nicht enden wollende Mythos mit einiger Sicherheit auf das Jahr 1851 zurückführen, als das Reiterstandbild des preußischsten aller Preußenkönige errichtet wurde.

Unbekannter Künstler: Illustration mit dem Denkmal für Friedrich II. aus dem Bericht von Kume Kunitakes über die Iwakura-Mission, Holzschnitt um 1873.

Das Friedrich-Denkmal als touristische Attraktion

Das Reiterstandbild befand sich an einer so zentralen Stelle Berlins, dass Besucher der Stadt es nicht übersehen konnten. Tatsächlich lassen sich immer wieder Hinweise in zeitgenössischer Briefliteratur finden. So schrieb der amerikanische Philosoph William James im Oktober 1867 an seine Schwester Alice: „Nach dem Abendessen unternahm ich einen längeren Spaziergang Unter den Linden und am Schloss und Museum vorbei. Es gibt hier unzählige Statuen (viele davon Reiterstatuen), und man kann sich gar nicht vorstellen, wie sie den Ort erhellen.“

George Bancroft, ein amerikanischer Historiker, ehemaliger Marineminister und von 1867 bis 1874 Gesandter der Vereinigten Staaten in Berlin, macht sich über die vielen Statuen lustig. Er habe „die imposante Reiterfigur des ehrenwerten Geo. Bancroft“ gesucht. Anscheinend konnte er sich bei den vielen Reiterstandbildern nicht vorstellen, dass irgendeine Persönlichkeit ohne diese Ehrung geblieben sein soll.

Das größte Kompliment machte die japanische Iwakura-Mission der Statue Friedrichs des Großen. Kume Kunitake bildete sie in seinem offiziellen Bericht über die Ergebnisse der Iwakura-Mission ab.

Was haben preußische Goldmedaillen mit der Modernisierung Japans zu tun? Mehr als man zunächst vermuten würde. 

In den 1860er und 1870er Jahren reisten gleich zwei japanische Diplomatenmissionen nach Europa, um die großen Mächte des Westens zu studieren. Beim ersten Besuch 1862 hinterließ Preußen kaum einen Eindruck – so sehr, dass der Autor Fukuzawa Yukichi in seinem späteren Reisebericht das Kapitel über Preußen schlicht wegließ, aus Zeitmangel, wie er schrieb. 

Nur zehn Jahre später war alles anders. Als die Iwakura-Mission 1872 nach Berlin kam, fand sie eine vollständig verwandelte Nation vor: ein geeintes Deutsches Reich, das die europäische Großmacht Frankreich besiegt und sich in einem Jahrzehnt zur führenden Kraft des Kontinents aufgeschwungen hatte. Diesmal widmete der Chronist Kume Kunitake dem Land zehn ausführliche Kapitel – mehr als dem doppelt so lang bereisten Frankreich. 

Was die japanischen Diplomaten sahen, prägte ihr Land nachhaltig: Die deutsche Verfassung floss in die japanische Verfassungsdiskussion ein, die Hochschulen galten als vorbildlich, und statt der französischen Armee orientierte sich das japanische Militär fortan am deutschen Heer. Bismarck persönlich gab der Delegation auf einem Festbankett mit auf den Weg, dass nur Stärke einem Land in der Weltpolitik Gehör verschaffe. 

Diese faszinierende Geschichte lässt sich heute auch in Medaillen ablesen – Prägungen, die einst Kaiser Wilhelm I. selbst in seiner Sammlung hielt und die nun als „The Imperial Collection" bei Künker versteigert werden.

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