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Eine Alternative zum Pour le mérite für Wissenschaften und Künste
Eine Alternative zum Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste
Ursula Kampmann
Johann Heinrich Hintze: Das königliche Museum in Berlin, von der Schlossfreiheit aus gesehen. Gemälde 1832.

Am 31. Mai 1842 gründete Friedrich Wilhelm IV. auf Anregung Alexanders von Humboldt die Friedensklasse des Ordens Pour le mérite unter der Bezeichnung Pour le mérite für Wissenschaften und Künste. Ausgezeichnet werden sollten herausragende Vertreter der Geistes- und Naturwissenschaften sowie der Medizin. Dem Orden durften ausschließlich Männer angehören. Ihre Ernennung erfolgte auf königlichen Vorschlag, aber mit Zustimmung der Mitglieder des Ordens.

Carl Emanuel Conrad: Rotunde des Alten Museums in Berlin, Aquarell um 1830.

Große Preismedaille für Wissenschaft

Man darf sich fragen, warum Friedrich Wilhelm IV. ausgerechnet im Jahr 1842 darüber hinaus neue Stempel für die Große Preismedaille für Wissenschaft anforderte, die Medailleur Johann Ludwig Jachtmann kurz vor seinem Tod am 26. Juli 1842 ablieferte. Einen kleinen Hinweis darauf könnte die Darstellung der Vorderseite geben. Sie ist absolut parallel zur Großen Preismedaille der Akademie für Kunst aufgebaut und zeigt neben dem Porträt des Herrschers in vier Feldern vier Personifikationen: Oben mit dem Kreuz die Theologie mit ihrem Nimbus; links von ihr die Jurisprudenz, das Schwert in der einen, die Waage in der anderen Hand; unten die Medizin im Stil der antiken Göttin Hygieia, die eine Schlange aus einer Schale füttert; und rechts, ja, was soll das sein? Gemeinhin wird diese Gestalt wegen der antikisierenden Figuren als Archäologie gedeutet.

Damit stellt sich die Frage, wieso ausgerechnet die Archäologie gleichberechtigt neben den drei klassischen Fakultäten der Universität erscheint. Zu erwarten wäre eher die vierte, die Philosophische Fakultät, zu der im Jahr 1840 nicht nur die Archäologie mit allen Geisteswissenschaften zählte, sondern auch die Naturwissenschaften. Als vierte Allegorie erscheint allerdings die philosophische Fakultät. Sie erscheint auf einem Thron sitzend, der von zwei Statuen der Artemis Ephesia flankiert wird. Diese Göttin wurde im 19. Jahrhundert häufig als Symbol des Kosmos mit all seinen Erscheinungen gewählt. Wir kennen sie von der Kosmos-Medaille (Los 154).

Damit umfasst die Große Preismedaille alle klassischen Disziplinen der akademischen Wissenschaft. Das könnte darauf hindeuten, dass Friedrich Wilhelm IV. sich die Vergabe eines Wissenschaftspreises neben dem Pour le mérite selbst vorbehalten wollte. Schließlich hatte er die Theologen ausdrücklich von der Verleihung dieses Ordens ausgeschlossen – auf der großen Preismedaille dagegen erscheint die Theologie als Teil der akademischen Welt. Mit dieser Medaille behielt sich der König also vielleicht die Möglichkeit vor, Wissenschaftler, die er selbst für herausragend hielt, zu ehren, ohne das Urteil der Fachkommission berücksichtigen zu müssen.

Ernst Henseler: Der Ostsaal des Südflügels der Gemäldegalerie im Königlichen Museum mit Werken der holländischen und flämischen Schule des 17. Jahrhunderts, Holzschnitt 1884.

Große Preismedaille der Akademie für Kunst

Die Vorderseite der Großen Preismedaille der Akademie für Kunst ist absolut identisch gestaltet und könnte ursprünglich für einen ähnlichen Zweck vorgesehen gewesen sein, nämlich Personen auszuzeichnen, die sich nach königlichem Empfinden in einem Bereich der Künste hervorgetan hatten. Denn sie zeigt in den vier Feldern nicht nur die bildenden Künste – Malerei (oben), Bildhauerei (rechts) und Architektur (links) –, sondern auch die darstellenden Künste, die ein geflügelter Genius mit Leier und Buch im untersten Feld vertritt. 
• Franz Krüger, Hofmaler Friedrich Wilhelms IV.
• Karl Schorn, Historienmaler
• Ludwig Wichmann, Bildhauer – Mitwirkender am Berliner Kreuzberg-Monument
• Eduard Magnus, Porträtist

Wir wissen, dass die Große Medaille für Kunst und Wissenschaften vor 1842 auch an Schauspielerinnen wie Sophie Friederike Krickeberg (1837) und Johanna Franul von Weißenthurn (1839) verliehen wurde. Die darstellenden Künste wurden aber nach 1842 nicht mehr bei der Vergabe berücksichtigt. Die berühmte Sängerin Jenny Lind, die Friedrich Wilhelm IV. im Jahr 1844 begeistert haben soll, erhielt diese Auszeichnung nicht.

Die große und kleine Preismedaille entwickelte sich nämlich zu einer Ehrung, die von der Preußischen Akademie der Künste ab 1846 an bildende Künstler verliehen wurde, die während der Akademieausstellungen besonders beeindruckende Werke ausgestellt hatten. Erstmals erfolgte die Verleihung im Jahr 1846. Mit der großen Preismedaille geehrt wurden:

• Karl Begas, Bildhauer – später an der Berliner Siegesallee beteiligt

Die Medaille illustriert meisterhaft die unterschiedliche Wertschätzung, die der bildenden und der darstellenden Kunst unter Friedrich Wilhelm IV. entgegengebracht wurde. Davon spricht auch die Rückseite der Medaille: Sie zeigt das Alte Museum im Lustgarten, wo Besucher das sehen konnten, was im 19. Jahrhundert als die hohe Kunst galt: Werke der Malerei und der Bildhauerei.


PREUSSEN Friedrich Wilhelm IV., 1840-1861. Goldmedaille zu 20 Dukaten o. J. (1841),
PREUSSEN Friedrich Wilhelm IV., 1840-1861. Goldmedaille zu 20 Dukaten o. J. (1850),
PREUSSEN Friedrich Wilhelm IV., 1840-1861. Goldmedaille zu 10 Dukaten o. J. (ab 1841),
PREUSSEN Friedrich Wilhelm IV., 1840-1861. Goldmedaille zu 10 Dukaten o. J. (1850),
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