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Königin Luise: Mutter und Mythos
Königin Luise von Preußen: Mutter und Mythos
Ursula Kampmann

„Wenn die Königin Luise zu Beginn der Verhandlungen nach Tilsit gekommen wäre, würde sie größeren Einfluss auf das Ereignis gehabt haben.“ Dieses Kompliment stammt von Napoleon. Luise sollte sich nach ihrem frühen Tod zur Ikone des preußischen Widerstandswillens entwickeln. Für Friedrich Wilhelm IV. und Wilhelm I. war sie die geliebte Mutter, für deren frühen Tod sie Napoleon verantwortlich machten.

Eine bezaubernde Prinzessin

Luise war bereits vor ihrer Heirat eine gefeierte Schönheit. Als sie und ihre Schwester im März 1793 Friedrich Wilhelm II. vorgestellt wurden, schrieb der über diese Begegnung: „Wie ich die Engel zum ersten Mal sah, ... war ich so frappiert von ihrer Schönheit, dass ich ganz außer mir war. ... Ich wünschte sehr, dass meine Söhne sie sehen möchten und sich in sie verlieben.“ Wenige Tage später machte der Kronprinz Luise den Heiratsantrag. Noch im gleichen Jahr wurde die 17-jährige Prinzessin mit Friedrich Wilhelm getraut. Ihre frische, volksnahe Art eroberte die Herzen der Untertanen im Sturm.

Johann Gottfried Schadow: Die Prinzessinnengruppe, mit Kronprinzessin Luise und Prinzessin Friederike von Preußen, Marmor 1797. Quelle: bpk / Nationalgalerie, SMB / Andres Kilger

Landesherrin in schlimmen Zeiten

Am 16. November 1797 starb Friedrich Wilhelm II. Sein ältester Sohn, Friedrich Wilhelm III., trat die Nachfolge an. Damit wurde Luise mit 21 Jahren preußische Königin. Sie entwickelte sich zum Mittelpunkt der preußischen Kriegspartei, die Friedrich Wilhelm überzeugte, am 9. Oktober 1806 Frankreich den Krieg zu erklären. Dies führte, wie bereits geschildert, zur Niederlage der preußischen Armee und zur Flucht der Königsfamilie.

Der Bittgang

Die Friedensverhandlungen in Tilsit gestalteten sich schwierig. Preußische Diplomaten erhofften sich günstigere Konditionen, wenn die charmante Herrscherin persönlich Napoleon darum bitten würde. So kam es zu dem berühmten Bittgang Luises am 6. Juli 1807 in Tilsit. Auch wenn ihr Napoleon Komplimente wegen ihres Kleides machte, blieb er in der Sache hart. Er schrieb darüber an Josephine: „Die Königin von Preußen ist wirklich bezaubernd, sie ist voller Koketterie zu mir. Aber sei ja nicht eifersüchtig, ich bin eine Wachsleinwand, an der alles nur abgleiten kann. Es käme mich teuer zu stehen, den Galanten zu spielen.“

Im Königsberger Exil

Tief deprimiert blieb das Königspaar mit seinen Kindern in Memel und Königsberg. Ins besetzte Berlin zurückzukehren, kam nicht in Frage. Luise litt schwer unter dem Klima, dem Sparzwang und ihren endlosen Krankheiten. Erst am 23. Dezember 1809 erfolgte die Rückkehr in die Hauptstadt, ein Ereignis, auf das Medaillen geprägt wurden (Los 91-93).
Zu diesem Zeitpunkt war die Gesundheit Luises bereits schwer angegriffen. Sie erkrankte während eines Aufenthalts in der väterlichen Sommerresidenz Hohenzieritz an einer Lungenentzündung, die sich schnell verschlimmerte. Ihr Ehemann und die beiden ältesten Söhne kamen gerade noch rechtzeitig, um am 19. Juli 1810 an ihrem Totenbett zu stehen.


König Wilhelm I. besucht am 19. Juli 1870 den Sarkophag seiner Mutter Luise. Ölgemälde von Anton von Werner aus dem Jahr 1881.

Der Mythos Luise von Preußen

Die tote Königin wurde zur Ikone. Ihr unprätentiöses, an bürgerlichen Idealen orientiertes Verhalten bot eine Identifikationsmöglichkeit für preußische Bürger, die mit der Radikalität der französischen Revolution nichts anfangen konnten.

Nicht nur die Medaillen, die anlässlich ihres Todes geprägt wurden (Los 94 und 95), verbreiteten ihr Bild. Das Prinzessinnen-Denkmal von Schadow zum Beispiel wurde in den verschiedensten Materialien zum Kauf angeboten.

Das Mausoleum im Schlosspark von Charlottenburg mit Luises Grab entwickelte sich zu einem nationalen Wallfahrtsort, den Wilhelm I. demonstrativ nach Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs besuchte, bevor er in den Kampf gegen Napoleon III. zog.

PREUSSEN Friedrich Wilhelm III., 1797-1840. Silbermedaille 1810,
PREUSSEN Friedrich Wilhelm III., 1797-1840. Silbermedaille 1810,
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