Manchmal ist das Fehlen einer Information auf einer Medaille aussagekräftiger als die Darstellung selbst. Wüssten wir es nicht, wir kämen nie auf den Gedanken, dass – während die Verantwortlichen sie schufen – eine Revolution die Hohenzollernmonarchie erschütterte. Die Silberne Hochzeit des Herrscherpaares wurde zum Anlass für das königstreue Preußen, seine Loyalität zum Ausdruck zu bringen.
Liebe überwindet die Zeit
Die Lose 156 und 157 zeigen auf der Vorderseite das Doppelporträt König Friedrich Wilhelms IV. und seiner Frau Elisabeth von Bayern, die – wie im Abschnitt auf der Rückseite zu lesen – am 29. November 1848 ihre Silberne Hochzeit feierten. Die meisterhafte Darstellung der Rückseite zeigt einen mit Rosen bekränzten Amor, der deutlich am Bogen in seiner linken Hand zu erkennen ist. Über ihm strahlt seine mythische Mutter Venus als Stern der Liebe. Amor hält den gefesselten Chronos nieder und bringt so zum Ausdruck, dass die wahre Liebe die Folgen des Alterns nicht fürchten muss. Welch passende Darstellung für eine Silberne Hochzeit! Den Entwurf lieferte der damals sehr bekannte Maler Peter von Cornelius.
Am Rande des Abgrunds
Sie lässt nicht ahnen, dass das Jahr 1848 einige Herrscher in Europa den Thron kostete. Die Pariser Revolution im Februar des Jahres 1848 hatte eine Welle von Aufständen ausgelöst. Auch Berlin war betroffen. Friedrich Wilhelm IV. versuchte durch Zugeständnisse zu deeskalieren. Doch während einer Massenkundgebung auf dem Schlossplatz lösten sich – wohl unbeabsichtigt – zwei Schüsse. Daraufhin begannen die Radikalen, Barrikaden zu bauen.
Friedrich Wilhelm IV. entschied sich, gegen den ausdrücklichen Rat des Militärs, für eine friedliche Lösung. Mit großem persönlichen Mut trat er den Aufständischen entgegen, um seine Kompromissbereitschaft zu signalisieren. Das anschließende Geschehen, bei dem ihn die Revolutionäre zwangen, ihren Gefallenen die Reverenz zu erweisen und sein Haupt zu entblößen, kostete den König öffentliches Ansehen, bei einem Teil der Gesellschaft, vor allem aber den Rückhalt der eigenen Armee. Aber auch die radikalen Kräfte verloren. Sie lösten durch ihr Verhalten bei vielen Berlinern die Furcht vor Zuständen aus, wie sie während der Französischen Revolution geherrscht hatten.
Zum Glück siegte in Preußen die Vernunft. Die gemäßigten Kräfte arbeiteten zusammen, um eine neue Grundlage für ein Miteinander von Herrscher und Volk zu schaffen.
Silberne Hochzeit in Potsdam
So konnte das Königspaar ein gutes halbes Jahr später in Potsdam Geschenke und Glückwünsche von Volksvertretern entgegennehmen. Ein Neuruppiner Bilderbogen beschreibt das Geschehen folgendermaßen: „Während fast in ganz Europa Unruhen und Revolutionen, Krieg, Cholera und schwere Zeiten die Völker bedrückten, von denen auch wir Preußen nicht frei blieben, haben wir doch auch einen Tag der reinsten Freude erlebt, einen Tag, der es in so bewegter Zeit bewiesen hat, wie tief die Liebe zu unserm erlauchten Königshause in den Herzen des Volkes wurzelt, den Tag, zu welchem unser geliebtes Königspaar seine silberne Hochzeit feierte. Im ganzen Lande erregte er die frohesten Gefühle und von fern und nahe kamen Deputationen, um dem erhabenen Ehepaar die herzlichsten Glückwünsche zu überbringen.“
Tatsächlich erhielten Friedrich Wilhelm und Elisabeth derart viele Glückwunschadressen und Gedichte, dass die Idee entstand, sie als Beweis der Liebe des eigenen Volkes zum Herrscherpaar in einem Buch veröffentlichen zu lassen. 444 Seiten umfasst der Prunkband. Der Erlös aus seinem Verkauf wurde das Gründungskapital der Königin-Elisabeth-Vereins-Stiftung. Ihr Stiftungszweck war es, verdiente Ehepaare aller Religionen, die im Gebiet der preußischen Monarchie lebten, anlässlich von deren runden Ehejubiläen zu beschenken.