Am 31. März 1814 zog König Friedrich Wilhelm III. von Preußen gemeinsam mit Kaiser Alexander I. von Russland und dem Oberbefehlshaber der österreichischen Truppen Feldmarschall Karl Philipp Fürst von Schwarzenberg an der Spitze der verbündeten Truppen in Paris ein. Hinter ihm ritt der 17-jährige Prinz Wilhelm, der als zweitgeborener Sohn des Königs für eine militärische Karriere vorgesehen war. Es war ein stolzer Moment für die Sieger, an den zahlreiche Medaillen erinnern. In Preußen wurde das Geschehen als gemeinsamer Sieg interpretiert. Alle hatten sich dafür eingesetzt, die Herausforderungen zu meistern.
Reformen
Diesem Sieg waren einschneidende Reformen vorausgegangen. Um sie durchzuführen, sah sich Friedrich Wilhelm III. gezwungen, mit neuen Politikern zusammenzuarbeiten. Sie wollten Preußen modernisieren. Zu ihrem Programm gehörte die Befreiung der Bauern, die Selbstverwaltung der Städte, die Gleichstellung der Bürger, Gewerbefreiheit und eine Reform des Bildungssystems. Was wir heute für selbstverständlich halten, war damals durchaus umstritten. Das wussten die Reformer. Deshalb verteidigten sie ihr Vorgehen in der Rigaer Denkschrift von 1807:
Der „Wahn, dass man der Revolution am sichersten durch Festhalten am Alten und durch strenge Verfolgung der durch solche geltend gemachten Grundsätze entgegenstreben könne, hat besonders dazu beigetragen, die Revolution zu befördern und derselben eine stets wachsende Ausdehnung zu geben. Die Gewalt dieser Grundsätze ist so groß, sie sind so allgemein anerkannt und verbreitet, dass der Staat, der sie nicht annimmt, entweder seinem Untergange, oder der erzwungenen Annahme derselben, entgegensehen muss...“
Die Politiker planten also, eine Revolution zu verhindern, indem sie ihr mit eigenen Reformen zuvorkamen. Sie suchten nach einem Kompromiss, der die gesamte preußische Gesellschaft zu gewinnen trachtete.
Im Kampf gegen Frankreich vereint
Vor allem der gemeinsame Feind Frankreich vereinte das Land. So wurde Preußens Befreiungskrieg der erste Volkskrieg des Landes. Ihn bestritten nicht nur Berufssoldaten, sondern auch viele Freiwillige, die aus allen Bevölkerungsschichten kamen. 41% der neuen Rekruten stellten die städtischen Handwerker, je 15% kamen aus der besitzlosen Unterschicht und der ländlichen Bevölkerung. Besonders bekannt ist der Einsatz der Intellektuellen: 20% aller Studierenden meldeten sich freiwillig und dokumentierten ihr Engagement in Liedern, Bildern und Gedichten.
Erstmals wurde auch Juden erlaubt, im deutschen preußischen Heer zu dienen. Sie machten begeistert von dieser Möglichkeit Gebrauch, und ihre Rabbiner spendeten zur Kriegsfinanzierung Ritualobjekte aus Gold und Silber. Sie blieben nicht die einzigen. Die Aktion „Gold gab ich für Eisen“ brachte rund 6,5 Millionen Taler. Hier leisteten die preußischen Frauen ihren Beitrag. Auf Anregung der königlichen Schwägerin, Prinzessin Marianne von Preußen, gaben sie ihren Goldschmuck ab, um stattdessen eiserne Armbänder und Ringe zu tragen.
Der Wiener Kongress
Die Freiheitskriege vereinten nicht nur die preußische Gesellschaft, sie ließen sich dank russischer Unterstützung beim Wiener Kongress in umfangreiche Gebietserweiterungen ummünzen. Auch davon zeugt eine Medaille, die sich auf die Erwerbung von Saarlouis bezieht.
Die wichtigste Provinz, die so zu Preußen kam, waren die wirtschaftlich überaus potenten Rheinlande. Mit ihnen übernahm Preußen gleichzeitig die Aufgabe, die Grenze gegen Frankreich militärisch zu sichern.