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Von Friedrich Wilhelm III. zu Friedrich Wilhelm IV.
Von Friedrich Wilhelm III. zu Friedrich Wilhelm IV.
Ursula Kampmann

Am 7. Juni 1840 starb Friedrich Wilhelm III. im Alter von 69 Jahren nach 43 Jahren Herrschaft in Berlin. Mit seinem Tod sollte eine Ära zu Ende gehen. Nur die Regentschaften Friedrichs II. sowie des Großen Kurfürsten waren noch länger.

Friedrich August Stüler: Die Huldigung von König Friedrich Wilhelm IV. in Königsberg am 10. September 1840, Aquarell 1840.

Vorsorge zu Lebzeiten

Eine schmucklose Goldmedaille erinnert an seinen Tod (Los 136). Sie zeigt auf der Vorderseite das Porträt des Verstorbenen. Die Rückseite nennt Geburts- und Sterbedatum. Ähnliche Medaillen waren bereits 1825 anlässlich des Todes von Kaiser Alexander I. an die „Alexandriner“ verteilt worden. So nannte man die Angehörigen des Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiments Nr. 1, deren Regimentschef Alexander I. war.

Anlässlich seiner eigenen Beisetzung, so Friedrich Wilhelm III. in seiner „letztwilligen Verordnung“ vom 1. Dezember 1827, sollten „sämtliche Truppen des Garde-Corps, die am Beisetzungstage in der Parade gewesen oder zum effectiven Stand gerechnet werden ... eine Gedächtnismünze [erhalten] ...Vom Regiments-Commandeur incl. aufwärts ist sie von Gold, desgleichen für meine Adjutanten und für die beiden Commandeure der Leibcompagnien zu geben...“. Die niederen Ränge erhielten zum Andenken Medaillen in Silber und Bronze. Insgesamt wurden 58 Stücke in Gold, 3.790 in Silber und 16.959 in Bronze hergestellt.

Was ist eine Huldigung?

Rein rechtlich gesehen wurde Friedrich Wilhelm IV. mit dem Tod seines Vaters sofort preußischer König. Einer Krönung bedurfte es daher eigentlich nicht. Jedoch war es für einen legitimistischen Herrscher von besonderer Bedeutung im Rahmen einer Zeremonie, den Übergang der Königswürde auf den Nachfolger zu manifestieren. Um jedoch die enormen Kosten einer Krönung zu reduzieren, gab es seit dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms I. keine Zeremonie dieser Art mehr, sondern lediglich eine Erbhuldigung der Stände des Königsreichs. Dieses aus dem Mittelalter stammende Zeremoniell der Huldigung, einer Art kollektiver Unterwerfung, hatte zudem im Heiligen Römischen Reich auch eine lange Tradition.

Ursprünglich hatten sich Lehnsherr und Lehnsnehmer Schutz resp. Gehorsam und Erfüllung der Lehnspflichten versprochen, entwickelte sich die Huldigung in der frühen Neuzeit zu einer Machtprobe zwischen Fürst und Ständen: Je nach Ausgangssituation (zumeist ging es um die Schulden, die der Vorgänger angehäuft hatte und die die Stände nun tilgen sollten) musste der Fürst mehr oder weniger Privilegien zugestehen.

Das gehörte im Preußen des 19. Jahrhunderts der Vergangenheit an. Die Huldigung war eine Zeremonie, die Friedrich Wilhelm IV. mit seiner besonderen Vorliebe für das Mittelalter sehr wichtig war. Er bot in seinem Convocations-Patent vom 10. August 1840 die Stände aller Provinzen auf. Dabei versammelten sich die Vertreter der Provinzen außerhalb des Deutschen Bundes (Königreich Preußen mit Ost- und Westpreußen sowie das Großherzogtum Posen) am 10. September 1840 in Königsberg und die Vertreter der Provinzen innerhalb des Deutschen Bundes (Brandenburg, Pommern, Sachsen, Schlesien, die Rheinprovinzen und Westfalen) am 15. Oktober 1840 in Berlin.

Franz Krüger: Die Huldigung der preußischen Stände vor Friedrich Wilhelm IV. in Berlin am 15. Oktober 1840, Gemälde 1840-43. bpk / Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg / Roland Handrick.

Die Huldigung in Königsberg

Nachdem die Stände dem Herrscher eine Gedenkschrift mit ihren Bitten überreicht hatten, folgte am Nachmittag der eigentliche Eid. Darin gelobten alle Anwesenden dem gesamten königlichen Hause der Hohenzollern Treue und Gehorsam. Der Herrscher versprach seinerseits, dass er „ein gerechter Richter, ein treuer, sorgfältiger, barmherziger Fürst, ein christlicher König sein“ wolle. In einer mitreißenden Rede, die Einblattdrucke im ganzen Land verbreiteten, bat er die Gesandten um ihre Unterstützung: „Wollen Sie mir helfen und beistehen, die Eigenschaften immer herrlicher zu entfalten, durch welche Preußen mit seinen nur vierzehn Millionen den Großmächten der Erde [gleich] gestellt ist? - nämlich: Ehre, Treue, Streben nach Licht, Recht und Wahrheit, Vorwärtsschreiten in Alters Weisheit zugleich und heldenmüthiger Jugend-Kraft? Wollen Sie in diesem Streben Mich nicht lassen noch versäumen, sondern treu mit Mir ausharren, durch gute wie durch böse Tage - O! dann antworten Sie mir mit dem klaren, schönsten Laute der Muttersprache, antworten Sie mir ein ehrenfestes Ja! - (Dieses Ja ertönte mächtig von allen Seiten des Kopf an Kopf gefüllten Platzes, und man konnte in dem Ausdruck der vieltausendstimmigen Antwort deutlich die Entschiedenheit und Wärme wieder vernehmen, mit welcher die Frage an das Volk gerichtet war.)“

Zur Erinnerung an diese Feier der Eintracht gab Friedrich Wilhelm IV. Medaillen in Auftrag, von denen sich zwei Exemplare in der Imperial Collection befinden (Los 141 und 142). Sie zeigen auf der Vorderseite sein Porträt mit dem Titel „König von Preußen“, unter dem Datum und Anlass zu lesen sind. Die Rückseite präsentiert die Wappen aller preußischen Provinzen, die zusammengehalten werden durch die Kette des Schwarzen Adlerordens. Ihn hatte Kurfürst Friedrich III. in Königsberg am Vorabend seiner Krönung zum König in Preußen gestiftet. Das Motto des Ordens „Suum Cuique“ (= Jedem das Seine) findet sich am unteren Rand eines erhöhten Rings um die zentrale Darstellung. Sie zeigt das gekrönte Wappen auf dem Eisernen Kreuz, im Vordergrund die königlichen Insignien: Szepter, Schwert und Reichsapfel. Diese Medaille wurde nicht nur an die bei der Huldigung Anwesenden verteilt. Friedrich Wilhelm IV. nutzte sie später auch als diplomatisches und persönliches Geschenk.

Die Huldigung in Berlin

Die Feierlichkeiten in Berlin fielen wesentlich umfangreicher aus. Sie dauerten vom 15. bis zum 20. Oktober 1840 und begannen mit einem eindrucksvollen Festzug aller Teilnehmenden, der vom Stadtschloss zum Dom führte. Dort fand ein Festgottesdienst statt, ehe die eigentliche Huldigung mit der Eidesleistung vorgenommen wurde, die ähnlich wie die in Königsberg ablief.

Anschließend folgte ein Festschmaus. Es wurden unter anderem programmatisch Rheinlachs und sächsische Mehlspeisen gereicht, während Rinderfilets, Fasane, Rebhühner, Wild und Kalbsbraten (aus Brandenburg, Pommern und Schlesien) den Hauptgang bildeten. Wir sind deshalb über die Feierlichkeiten so detailliert informiert, weil das Geschehen in zahlreichen zeitgenössischen Programmen, Gemälden und grafischen Darstellungen festgehalten ist. Sie sollten das Geschehen all denjenigen mitteilen, die nicht daran teilnehmen konnten.

Die Huldigungsmedaillen anlässlich der Berliner Feier

Parallel zu den Huldigungsmedaillen für Königsberg wurden auch für Berlin Huldigungsmedaillen produziert, von denen in der Imperial Collection zwei Exemplare in Gold vorliegen (Los 143 und 144). 

Neben den zur Erinnerung an die Teilnehmer verteilten Medaillen, die im Auftrag des Königs entstanden, gestaltete der junge Stempelschneider Carl Heinrich Lorenz Medaillen, die ebenfalls an die Huldigung erinnern (Los 140). Ob es sich dabei um eine staatliche Auftragsarbeit handelt oder ob ein privater Medaillen-Unternehmer sie zu kommerziellen Zwecken schuf, muss dahingestellt bleiben. Vieles spricht für letzteres, so zum Beispiel das Fehlen von Goldabschlägen, die vielen verschiedenen Größen und die prominente Verwendung von Bronze. Ferner greift die Inschrift der Rückseite „Ich will ein gerechter Richter, ein treuer sorgfältiger barmherziger Fürst, ein christlicher König sein“, die Rede Friedrich Wilhelms in Königsberg auf. Damit dürften die Medaillen erst nach dem 10. September 1848 entstanden sein. Dass auf ihnen gleichzeitig an beide Veranstaltungen erinnert wird, könnte ebenfalls auf eine Vergrößerung des potenziellen Kundenkreises zielen.

Eine späte Huldigung auf der Burg Hohenzollern

Aus dem Jahr 1851 stammt eine weitere Huldigungsmedaille der Imperial Collection (Los 171). Sie ist wesentlich seltener als die Medaillen des Jahres 1840 und hat nichts mit den Huldigungen zum Regierungsantritt von Friedrich Wilhelm IV. zu tun. Stattdessen erinnert sie daran, dass die Fürsten Karl Anton zu Hohenzollern-Sigmaringen und sein Vetter Friedrich Wilhelm Konstantin zu Hohenzollern-Hechingen in der Folge der revolutionären Ereignisse des Jahres 1848 auf ihre Souveränität in den beiden hohenzollernschen Fürstentümern verzichtet und am 7. Dezember 1849 vertraglich an Preußen abgetreten hatten.

Am 23. August 1851 reiste Friedrich Wilhelm IV. persönlich nach Hechingen, um dort die Huldigung seiner neuen Untertanen entgegenzunehmen: 300 Deputierte leisteten unter der sogenannten „Königslinde“ im Hof der Burg Hohenzollern, der Stammburg des Geschlechts den Erbhuldigungseid. Am gleichen Tag stiftete der König den Königlichen Hausorden von Hohenzollern, mit der Devise: „Vom Fels zum Meer“. 

Das sollte die letzte Huldigung sein, die ein preußischer Herrscher entgegennahm. Freiwillige, auf Gegenseitigkeit beruhende Eide und Unterwerfungen vor einem Herrscher, passten nicht mehr zum Konzept des neuen Nationalstaates.

PREUSSEN Friedrich Wilhelm IV., 1840-1861. Goldmedaille zu 12 Dukaten 1840,
PREUSSEN Friedrich Wilhelm IV., 1840-1861. Goldmedaille zu 6 Dukaten 1851,
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