- Informationen zu Katalog 383 und seinen Münzen mit umfangreicher Provenienz.
- Warum die Provenienz von alten Münzen an Bedeutung gewinnt.
- Auktionsvorschau der Frühjahrs-Auktion.
Wer sich den Katalog 383 mit den Münzen der Sammlung Roger Wolf ansieht, dem wird auffallen, dass er anders gestaltet ist, als unsere Kataloge sonst gestaltet sind. Bei vielen antiken Münzen ist nicht nur das Stück selbst abgebildet, sondern auch ein Zeugnis seines ersten Vorkommens auf dem Markt. Wir wollten, dass auch diejenigen, die keine umfangreiche Bibliothek von Auktionskatalogen besitzen, nachvollziehen können, wo eine Münze herkommt.
Das hat einen guten Grund. Gerade im Bereich der antiken Münzen hat die Provenienz, also der Herkunftsnachweis, an Bedeutung gewonnen. Viele Ursprungsländer antiker Münzen haben für die Ausfuhr von Kulturgütern, also auch Münzen, ein Genehmigungsverfahren ab bestimmten Stichtagen eingeführt. Das deutsche Kulturgutschutzgesetz fordert zum Nachweis der legalen Ausfuhr einer Münze entweder die in den seltensten Fällen vorliegenden Ausfuhrgenehmigungen oder einen Nachweis, dass sich die besagte Münze bereits vor dem Stichtag außerhalb des Ursprungslandes befand. Am einfachsten ist dieser Nachweis durch eine Auktionsprovenienz zu führen, weil hier Münze, Zeitpunkt und Ort der Versteigerung gut dokumentiert und auch publiziert sind.
Selbstverständlich heißt dies nicht, dass alle Münzen, bei denen im Katalog keine Provenienz angegeben ist, nicht gehandelt werden dürfen. Wir überprüfen immer sorgfältig, dass der Handel mit den Stücken, die bei uns gekauft werden, in Übereinstimmung mit allen deutschen Gesetzen geschieht. Hin und wieder kommt es dazu, dass wir in einer Sammlung eine Münze oder Medaille bemerken, die – oft schon während des Zweiten Weltkriegs – aus einer öffentlichen Sammlung geraubt wurde. In solchen Fällen setzen wir uns dafür ein, eine einvernehmliche Lösung zwischen der Institution und dem aktuellen Besitzer der Münze zu finden: So konnten wir zum Beispiel 2019 einen Goldabschlag des Alchemistentalers, der für Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg gefertigt wurde, der Klassik Stiftung Weimar zurückgeben. Ein Unbekannter hatte ihn während des 2. Weltkriegs zusammen mit insgesamt 200 numismatischen Objekten aus Weimar geraubt. Erstmals wurde das Stück bereits 1950 in New York versteigert. Seitdem lag es in einer Privatsammlung, die uns im Jahr 2017 zur Versteigerung übergeben wurde. Auch wenn juristisch gesehen der aktuelle Eigentümer das Stück „ersessen“ hatte, wie es im juristischen Sprachgebrauch heißt, beschlossen wir wegen der großen historischen Bedeutung der Münzen, selbst die Kosten für eine Restitution zu tragen.
Münzen, die eine weit zurückreichende Provenienz besitzen, sind in den vergangenen Jahren immer teurer geworden. Der in London lebende Sammler Roger Wolf erkannte diese Entwicklung frühzeitig und machte es sich ab einem bestimmten Punkt in seinem Sammlerleben zur Regel, keine Münze ohne weitreichende Provenienz zu erwerben.
Auch wenn es nicht nötig ist, diese Vorgehensweise in allen Konsequenzen nachzuahmen, empfehlen wir Ihnen trotzdem, sorgfältig darüber Buch zu führen, wo und wann Sie eine Münze gekauft haben. Das ist aufgrund des Werterhalts wichtig und bedient gleichzeitig juristische Aspekte. Wenn Sie eines Tages Ihre Sammlung versteigern lassen möchten, wird Ihre Dokumentation für Sie bares Geld wert sein.
Wir freuen uns, dass wir Ihnen in beiden Frühjahrs-Auktionen ein besonders großes Angebot an Münzen mit weit zurückreichender Provenienz machen können. Und wir möchten Sie noch auf einen anderen schönen Nebeneffekt aufmerksam machen: Ist es nicht ein großartiges Gefühl, sich bei einer Münze vorzustellen, wer sie alles in den Händen hatte? Wie sehr steigert sich dieses Vergnügen, wenn man von einigen Eigentümern sogar ihre Namen kennt - und ihre Biographie. Wir möchten Ihnen in diesem Beitrag einige der bekanntesten Sammler vorstellen, von denen wir in unseren Auktionen 382 und 383 Münzen anbieten.
Wir wünschen Ihnen mit dieser Auktionsvorschau im ganz anderen Stil Ihren Spaß!
Man muss genau aufpassen, welcher der beiden Evans es ist, wenn bei einer Münze diese Provenienz angegeben wird, denn man kann die Evans geradezu als eine Dynastie von Archäologen und Numismatikern bezeichnen.
Beginnen wir mit Sir John Evans. Er heiratete reich, und zwar seine Cousine, die eine Papiermühle erbte. Damit verfügte er über Einnahmen, die es ihm ermöglichten, seine Leidenschaften zu leben: die Archäologie und die Numismatik. Er sammelte vor allem römische Münzen, amtierte zwischen 1874 und 1908 als Präsident der Royal Numismatic Society und betätigte sich bei der Ausgrabung paläolithischer Besiedelungsspuren in der Kents Cavern. Sein ältester Sohn Arthur erbte nicht nur das väterliche Vermögen, sondern auch beide Leidenschaften. Berühmt wurde er für seine Ausgrabungen in Knossos, die er nicht nur leitete, sondern auch finanzierte. Gleichzeitig legte er eine umfassende Sammlung von Münzen aus Magna Graecia an, die er unter einem Pseudonym im Jahre 1898 bei Sotheby’s versteigern ließ. Den größten Teil der väterlichen Sammlung hatte er bereits kurz nach dessen Tod versteigern lassen. Das bedeutete übrigens nicht das Ende der Sammeltätigkeit von Sir Arthur Evans. Bei seinem Tod besaß er um die 10.000 Münzen, die er dem Ashmoleon Museum vermachte.
Wir können Ihnen zwei Münzen aus der Sammlung des Sohnes anbieten: Nr. 33 und Nr. 2011.
Unter Ärzten ist und bleibt das Münzsammeln ein weit verbreitetes Hobby. Einer von ihnen war Sir Hermann David Weber. Er kam als Sohn eines Gutsverwalters im bayerischen Holzkirchen zu Welt. Nach seinem Medizinstudium ging er 1851 nach England. Dort arbeitete er zunächst am German Hospital in London. Dort wurden die rund 30.000 deutschen Flüchtlinge versorgt, die nach der Revolution von 1848 im Londoner East End untergekommen waren. Sie lebten zumeist unter erbärmlichen Bedingungen und waren auf kostenlose medizinische Versorgung angewiesen. Das German Hospital galt als Musterbetrieb. Das wissen wir unter anderem, weil Florence Nightingale sich nach ihrem dortigen Besuch entschloss, ihre Ausbildung als Krankenschwester im deutschen Kaiserswerth zu absolvieren.
Hermann Weber muss ein bemerkenswerter junger Arzt mit neuen Ideen gewesen sein. Angesichts der zahllosen Tuberkulosekranken entwickelte er eine Kur, die auf die heilende Wirkung klarer Bergluft setzte. Weber wurde damit zum Pionier der Luftkur-Behandlung. Dafür schlug ihn Queen Victoria zum Ritter.
In seiner Freizeit beschäftigte sich der älter gewordene Weber mit der Numismatik. Er legte eine umfangreiche Sammlung von griechischen und römischen Münzen an, von denen wir Ihnen zwei griechische Münzen in unserer Auktion 382 anbieten, nämlich die Nr. 88 und 138.
Das väterliche Erbe ermöglichte es Clarence S. Bement, eine umfangreiche Sammlung von amerikanischen, römischen und byzantinischen Münzen anzulegen. Der Industrielle aus Philadelphia leitete unter Tags eine Werkzeugfabrik und entspannte sich danach mit dem Sammeln. Zunächst trug er eine umfassende Mineraliensammlung zusammen, deren 12.500 Objekte nach ihrem Verkauf in zwei Güterwagen nach New York transportiert werden mussten. Dort fanden sie im Museum of Natural History eine ständige Bleibe.
Antike Münzen sammelte Bement im Endeffekt nur 15 Jahre lang. Nichtsdestotrotz gelang es ihm in dieser relativ kurzen Frist, eine außergewöhnliche Sammlung zusammenzubringen. Sie wurde bei ihrem Verkauf durch Naville auf 132 Lichtdrucktafeln dokumentiert. Das ist bemerkenswert, weil in den 1920er Jahren normalerweise nur eine Hand voll herausragender Stücke einer Auktion mit Abbildungen gewürdigt wurden.
Wir können Ihnen eine besonders seltene spätrömische Münze aus der Sammlung Bement anbieten.
Seine Münzsammlung war noch der am wenigsten glamouröse Aspekt dieses bedeutenden französischen Gynäkologen, Chirurgen und Politikers, dessen medizinischen Leistungen Zehntausende von Frauen und Soldaten das Leben verdankten. Das trug ihm bereits 1886 die Aufnahme in die französische Ehrenlegion und 1914 die Erhebung zu einem Grand Officier der französischen Ehrenlegion ein. Pozzi war ein typisches Kind der Pariser Belle Epoque. Seine Gattin stammte aus reichem Hause. Sie versorgte ihn mit den notwendigen Mitteln, um in den Salons der Stadt zu glänzen und sich eine Reihe von teuren Mätressen zu halten, darunter – vielleicht - die große Schauspielerin Sarah Bernhardt. 1909 verließen Ehefrau und jüngster Sohn den gemeinsamen Haushalt. Pozzi dürfte das nicht gestört haben. Familie war ihm nicht wichtig. Er verkehrte mit den bekanntesten Künstlern seiner Zeit, darunter Alexandre Dumas der Jüngere, Marcel Proust und Guy den Maupassant.
Von 1898 bis 1903 vertrat Pozzi die Dordogne im französischen Senat und setzte sich dort besonders für Bildungsreformen ein. Wir wissen außerdem, dass er sich in der Dreyfus-Affäre auf Seiten Zolas gegen den im Heer grassierenden Antisemitismus wendete.
Neben Münzen trug Pozzi eine Reihe von Gemälden, Skulpturen und Tapisserien zusammen. Dazu sammelte er Glasobjekte von Lalique, Tanagra-Figürchen und vieles mehr. Sie bildeten den mondänen Hintergrund, wenn er in seiner Pariser Wohnung Gäste aus der ganzen Welt empfing.
So außergewöhnlich wie sein Leben war auch Pozzis Tod. Er wurde am 13. Juni 1918 von einem ehemaligen Patienten angeschossen, der einen Behandlungsfehler Pozzis für seine Impotenz verantwortlich machte. Pozzi war nicht sofort tot. Unter Teilnarkose gab er selbst noch Anweisungen für die Operation, in deren Verlauf er starb.
Sammler, die eine Münze aus der Sammlung Pozzi besitzen, stehen damit direkt mit dem Leben der Jeunesse dorée der Pariser Belle Epoque in Verbindung.
Der Maler Friedrich von Schennis stammte aus einer Schweizer Kaufmannsfamilie, die sich im „deutschen Manchester“ Elberfeld niedergelassen hatte. Er zeigte bereits als Kind Anlagen zum Künstler und wenig Interesse, das väterliche Geschäft zu übernehmen. Die Familie ermöglichte ihm das Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie, um die sich unter Leitung von Wilhelm von Schadow und Peter Cornelius die "Düsseldorfer Schule" entwickelte. Zu ihr wird auch Friedrich von Schennis gerechnet, und zwar neben so gegensätzlichen Künstlern wie Arnold Böcklin, Wilhelm Busch und August Macke.
Friedrich von Schennis zählt nicht zu den bekanntesten Künstlern der "Düsseldorfer Schule". Das väterliche Vermögen erlaubte es ihm, nur zum Vergnügen zu malen. Für seine Zeitgenossen galt er eher als Bohémien, Gentleman und Dandy. Gerne besuchten sie seinen gastfreundlichen Haushalt im Berliner Stadtteil Charlottenburg und besichtigten seine umfangreiche Sammlung, die neben Bildern, Büchern und Gobelins auch Münzen enthielt. Wir können Ihnen ein beeindruckendes Beispiel in unserer Auktion 383 anbieten.
Fünf Münzen aus der Sammlung Jameson werden Sie in unserer Auktion finden. Die Lose 88, 138, 2011, 2095 und 2111. Sie alle sind publiziert, da Jameson selbst dafür sorgte, seine 2.620 griechischen und 538 römischen Münzen vorbildlich zu veröffentlichen.
Robert Jameson war derart akribisches Vorgehen gewohnt. Seiner Familie mütterlicherseits gehörte eine Bank, die ihren Hauptsitz aus der Schweiz nach Paris verlegt hatte. Auch Robert Jameson wurde Bankier und pflegte nebenbei sein Interesse an der Numismatik. Viele Münzen kaufte er persönlich auf den Pariser Auktionen; im Ausland boten die Münzhandlungen Rollin & Feuardent und Naville für ihn. Jameson war bereits zu seinen Lebzeiten für seine hohen Qualitätsansprüche bekannt. So ist die Angabe „Aus Sammlung Jameson“ eine besondere Auszeichnung für eine Münze.
Arbeiten musste Archer M. Huntington nie. Er war der (adoptierte) Stiefsohn des Eisenbahnmagnaten Collis P. Huntington und erbte bei dessen Tod im Jahr 1900 ein Viertel der Southern Pacific Company, eine der beiden bedeutenden Eisenbahnlinien der Vereinigten Staaten.
Huntington war besessen von der spanischen Kultur und sammelte alles, was eine Verbindung zu Spanien hatte. 1904 gründete er die Hispanic Society of America und erbaute für sie ein Museum in New York, in das später auch die American Numismatic Society einziehen sollte. Huntington war ein Philanthrop, der seine Sammlungen der Öffentlichkeit vermachte und einen großen Teil seines Geldes für gemeinnützige Zwecke ausgab, da ihm selbst Kinder verwehrt blieben.
Seine Münzsammlung, die Jahrzehnte lang von der ANS mitbetreut wurde, wurde 2011 versteigert, um der Hispanic Society of America aus finanziellen Schwierigkeiten zu helfen. Wir freuen uns, zwei Lose aus der Sammlung Huntington anbieten zu können: 2087 und 2089.
Wer Münzen aus der Sammlung Niggeler kauft, weiß, wofür sein Name steht: Niggeler sammelte, anderes als seine Zeitgenossen, mit einem hohen Qualitätsempfinden, so dass die Provenienz Niggeler bereits aussagt, dass es sich um hervorragend erhaltene Münzen handelt. Leisten konnte es sich der Mann. Er stammte aus reicher Familie. Den väterlichen Textilbetrieb übernahm er nicht, sondern leitete bei Brown, Boveri & Co. die Abteilung für Energieumformung und -verteilung. Alle Einnahmen steckte er in seine Sammlungen und seine völlig mit Kunstschätzen und Münzkästen überfüllte Wohnung war legendär.
Wir freuen uns, gleich mehrere Münzen aus der Sammlung Niggeler anbieten zu können: 138, 364, 530 und 2142.
Giuseppe Mazzini gehörte zu den norditalienischen Großindustriellen. Er war Direktor der Turiner Sparkasse und des Kreditinstituts Istituto Mobiliare Italiano. Dazu leitete er als Vorstandsvorsitzender die Zeitung „La Stampa“ und beriet den Autohersteller FIAT. Als leidenschaftlicher Fechter präsidierte er erst den italienischen, ab 1953 den internationalen Fechtverband. Daneben betätigte sich Mazzini politisch. Erst gehörte er den Liberaldemokraten an, dann den Faschisten, was nach dem Krieg allerdings nur seiner politischen Karriere ein Ende setzte.
Numismatiker kennen Mazzini wegen der von Mario Ratto veröffentlichten fünf Bände, in denen seine Sammlung publiziert ist. Mario Ratto war es dann auch, der einen Großteil dieser Sammlung erwarb und an seine Kunden weiterverkaufte. Wir können Ihnen aus der Sammlung Mazzini in Auktion 382 einen äußerst seltenen Tremissis des Eugenius anbieten.
Wer Münzen der kleinasiatischen Städte sammelt, kennt den Namen von Aulock, und zwar weil seine Sammlung viele Jahre lang die beste (und häufig einzige) Referenz war, nach der diese Münzen bestimmt werden konnten.
Hans von Aulock stammte aus altem schlesischem Adel. Als Außenhandelskaufmann und Bankier ging er bereits im Alter von 24 Jahren nach Südafrika. 1941 übernahm er in Istanbul die Leitung der dortigen Zweigstelle der Deutschen Orientbank.
Von Aulock stand dem Nationalsozialismus kritisch gegenüber. Deswegen beantragte er in der Türkei Asyl, als Deutschland und die Türkei ihre diplomatischen Beziehungen abbrachen. 1952 ernannte ihn die Dresdner Bank zum Leiter ihrer Zweigstelle in Istanbul. Das bot ihm die Möglichkeit, nicht nur in Auktionen zu kaufen, sondern auch im Istanbuler Basar regelmäßig nach antiken Münzen zu fahnden, die bei den Goldschmieden darauf warteten, eingeschmolzen zu werden. Viele numismatisch wertvollen Münzen blieben der Forschung erhalten, weil Hans von Aulock sie buchstäblich aus dem Schmelztiegel rettete.
1980 kamen er und seine Ehefrau bei einem Autounfall ums Leben. Weil Hans von Aulock einer der ersten war, die sich mit den Münzen Kleinasiens zur römischen Kaiserzeit beschäftigten, hat seine Sammlung Generationen von Forschern inspiriert.
Wir können Ihnen eine Münze aus der Sammlung von Aulock in Auktion 383 anbieten.
Die ursprünglich aus der Schweiz stammende Familie von Leo Biaggi de Blasys machte ihr Vermögen mit der Herstellung von Zucker. Nach dem Ersten Weltkrieg ging ihre Fabrik auf im italienischen Zuckersyndikat. Das eröffnete Biaggi die Freiräume, sich seinen eigenen Interessen zu widmen. Er lebte seit den 1930er Jahren zumeist in Genua, später in Spanien. 1943 bis 1976 amtierte er als Delegierter des Internationalen Roten Kreuzes in Italien. Gemeinsam mit seinem Vater Giovanni, damals Schweizer Konsul in Genua, ermöglichte er vielen Menschen die Flucht. Mit Hilfe der Biaggis gelang zahlreichen Juden die Flucht. Aber auch einige Nazis entzogen sich mit Hilfe von Papieren, die Biaggi unterzeichnet hatte, ihrer Verantwortung.
Biaggi trug eine umfangreiche Sammlung qualitativ hochwertigster Goldmünzen zusammen, von denen wir Ihnen folgende Lose in den Auktionen 382 und 383 anbieten können: 465, 549, 561, 2062, 2077, 2085, 2130 und 2156.
Frauen sind eine Seltenheit unter den Münzsammlern, umso mehr freuen wir uns, dass wir Ihnen Münzen aus der Sammlung von Elvira Clain-Stefanelli anbieten können. Auch ihr Leben war abenteuerlich.
Als Tochter eines Bukarester Gymnasiallehrers erhielt sie noch vor dem Zweiten Weltkrieg die für eine Frau damals ungewöhnliche Chance zu studieren. An der Universität traf sie ihren zukünftigen Mann Vladimir Clain, damals schon ein aufstrebender Numismatiker. Gegen den Willen der Eltern verlobten sie sich und heirateten, als Vladimir eine Stelle am Rumänischen Archäologischen Institut in Rom erhielt. Als ihm dort eines Tages der Pass gestohlen wurde, kam es zur Katastrophe: Der Pass ermöglichte einem Verfolgten die Flucht aus Nazideutschland; an seiner Stelle wurde Vladimir im KZ Buchenwald inhaftiert. Elvira folgte ihm mit ihrem neu geborenen Sohn Alexander freiwillig dorthin.
Wie die Familie aus Buchenwald entkam, wissen wir nicht, aber dass sie sich bereits vor Ende des Krieges wieder in Italien befand, erzählte Elvira Clain-Stefanelli einmal selbst in einem Interview. Den Lebensunterhalt verdiente sich das Ehepaar durch Arbeit bei der Münzhandlung Santamaria in Rom. Doch wegen Vladimirs Geburtsort, der nun auf dem Gebiet der UdSSR lag, drohte den Clains die Abschiebung nach Russland. Ein freundlicher Beamter ermöglichte eine Auswanderung in die Vereinigten Staaten. Dort arbeitete das Ehepaar erst für Stack’s, dann für das Smithonian Institute, dessen Münzsammlung sich unter ihrer gemeinsamen Leitung gewaltig vergrößerte. Sie wuchs in den Jahren zwischen 1956 und 1982 von 60.000 auf 960.000 Stücke.
Wir freuen uns ein Los aus der privaten Sammlung von Elvira Clain-Stefanelli anbieten zu können.
Nicht nur berühmt, sondern geradezu berüchtigt ist Nelson Bunker Hunt, eines der sieben Kinder des Öl-Milliardärs H. L. Hunt, dessen Familienleben zum Vorbild für die Soap-Opera Dallas wurde. Nelson war ein gewiefter Geschäftsmann, Gründer und Eigentümer der auf Ölgewinnung spezialisierten Titan Resources Corporation. Sie war entscheidend an der Ausbeutung der libyschen Ölfelder beteiligt.
Man darf sich durchaus fragen, ob ihre Nationalisierung durch Gaddafi im Jahr 1973 irgendeine Verbindung hatte zum Entschluss von Nelson Bunker Hunt, den Silberpreis zu seinem Vorteil zu manipulieren. Gemeinsam mit seinen Brüdern William und Lamar kaufte er Unmengen Silber auf und trieb so den Preis in die Höhe. Das Vorgehen der Hunts wird heute noch in jedem ökonomischen Lehrbuch als abschreckendes Beispiel zitiert. Denn am "Silver Thursday" - dem 27. März 1980 - brach der Silberpreis zusammen. Danach hatten die Hunt-Brüder 1,7 Milliarden Dollar Schulden, die sie nicht begleichen konnten. Um das Bankensystem nicht zu gefährden, unterstützten die Gläubiger die Brüder und ermöglichten ihnen so einen langsamen und geordneten Bankrott, in dessen Verlauf auch die große Münzsammlung von Nelson Hunt verkauft wurde, die er über Bruce McNall erworben hatte. 1989 endete die Hunt-Affäre mit einem finanziellen Kompromiss, der Nelson Hunt immer noch genügend Mittel ließ, um im Alter – nur so zum Spaß – eine Pferdezucht zu betreiben.